Die Schlange im Regenbogen

13. März 2015 at 18:52

 

 

Heute möchte ich eine neue Rubrik hier einführen und den Blog um eine zusätzliche Facette erweitern, die mir buchstäblich sehr am Herzen liegt. Meine Lieblingsfilme. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit möchte ich an dieser Stelle über Filme schreiben, die vielleicht nicht so wahnsinnig bekannt sind, obwohl sie es verdient hätten, und die für mich persönlich, aus welchen Gründen auch immer, einen ganz besonderen Stellenwert und Platz in meiner Sammlung haben. Vielleicht kann ich ja noch die eine oder andere Perle an die Oberfläche befördern und euch näher bringen, Genregrenzen gibt es selbstverständlich wie immer keine. Oder so gut wie keine.

 

Und den Auftakt macht….

 

 

 

 

TheSerpentandtheRainbow

 

 

 

 

„When you wake up scream, Doctor Alan. Scream all you want. There is no escape from the grave.”

 

 

 

Der Anthropologe Dr. Dennis Alan wird im Auftrag eines amerikanischen Pharmakonzerns nach Haiti geschickt, um dort einem Mythos auf den Grund zu gehen, einem obskuren Brauch oder vielleicht auch Zauber, der angeblich Tote wieder auferstehen lassen soll und von dem man sich verspricht, das Gebiet der Anästhesie regelrecht zu revolutionieren. Je länger er jedoch dort verweilt, desto tiefer dringt er in eine Welt vor, die er nicht versteht, die sich rational nicht erklären lässt, eine Welt voller uralter Riten und bizarrer Mythen, und ehe er sich versieht, findet er sich in seinem finstersten Albtraum wieder…

 

Haiti. Voodoo. Zombies. Schlangen. Große, haarige Spinnen. Lebendig Begrabene. Die Schlange im Regenbogen, Jahrgang 1988, fährt die ganze Palette an wundervollen Gruselszenarien auf und ist meines Erachtens nach eine der besten Regiearbeiten von Horrorspezialist Wes Craven. Der Film versprüht eine seltsam schwüle und drückende, aber zugleich auch eine sehr eigenwillig düstere und befremdliche, zuweilen morbide Atmosphäre und entführt uns in eine völlig andere Welt. Das Drehbuch basiert auf den zwei Jahre zuvor erschienenen Reiseerzählungen des Anthropologen und Ethnobotaniker Wade Davis, in denen dieser beschreibt, wie er auf Haiti einem scheinbar schwarzmagischen Voodoobrauch nachspürte. Wie weit man dem dort Beschriebenem jetzt glauben mag, das sein mal dahingestellt, aber eine unterschwellige Anziehungskraft und Faszination lässt sich kaum leugnen. Wes Craven formt daraus und aus dem Spiel mit unseren Urängsten eine finstere Geschichte, bei der man sich wider besseren Wissens doch leicht beunruhigt fragt, wie viel nun davon tatsächlich geschehen könnte.

 

Gedreht wurde an Originalschauplätzen auf Haiti, zumindest zunächst, wegen der damaligen politischen Unruhen wich man später in die Dominikanische Republik aus, was der Atmosphäre spürbar zu Gute kommt. Die absolut stimmigen und ungekünstelten Kulissen lassen den Film erstaunlich authentisch wirken und machen einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Charmes aus, der Look ist dreckig und schäbig, wirkt aber eben nicht aufgesetzt, sondern eher ganz natürlich. Zudem spielt Die Schlange im Regenbogen vor einem realen politischen Hintergrund, ist die Handlung doch eingebunden in die letzten Tage des Militärregimes von Diktator Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier und gewährt einen erschreckenden Einblick in deren Wahnsinn inklusive Geheimpolizei und Folter. Aus diesem Blickwinkel betrachtet sind die Zombies als Allegorie auf die hiesigen Zustände zu verstehen, auch etwas, das den Film von den meisten Vertretern seines Genre abhebt, ist der Subtext hier doch ausgesprochen politisch. Zum einen wird man von dieser grausig faszinierenden Welt geradezu angezogen, gleichzeitig von ihren Greuel abgestoßen, es gelingt Wes Craven, sehr ambivalente Gefühle auszulösen. Viele Szenen brennen sich nachhaltig ins Gedächtnis und der Wiedererkennungswert ist sehr hoch, zudem wird der Zuschauer immer wieder auf die falsche Fährte  geschickt, Realität und Fiktion sind an manchen Stellen unberechenbar, trügerisch und nicht immer auseinander zuhalten. Die für die damalige Zeit sehr überzeugenden, handgemachten Effekte sind sparsam eingesetzt aber intensiv und intelligent verteilt, die Bildersprache überzeugt in fast jeder Minute Film und irgendwo zwischen Mystik, Religion und Horror wird Kontrollverlust erschreckend glaubhaft inszeniert. Das Gefühl, lebendig begraben zu werden, in einer Kiste zu liegen, unfähig sich zu befreien, umgeben von nichts als kalter Erde, wird stellenweise geradezu erdrückend intensiv rübergebracht.

 

 

 

„You’ll see it all! You’ll feel it! The cold… in the coffin. It is worse. Much, much worse!”

 

 

 

 

Zudem gelingt Der Schlange im Regenbogen etwas, das man bei derartigen Filmen eher selten findet. Der Film vermittelt Voodoo als ernsthafte Religion und als Lebensstil, aber zu keiner Sekunde als Hokuspokus. Selbst die bizarrsten Rituale werden so gekonnt vermittelt, das sie nie ins Lächerliche abdriften und trotz ihrer Absurdität glaubhaft wirken. Auch die schauspielerischen Leistungen sind, allen voran Bill Pullman und Zakes Mokae, deutlich über dem Durchschnitt, und gerade Pullman versteht es gekonnt, selbst die tiefgreifendsten Ängste absolut überzeugend spürbar zu machen. Weitere große Teile des Cast rekrutieren sich aus Einheimischen, was dem bizarren Geschehen nur noch einen Hauch mehr Authentizität verleiht als im ohnehin schon innewohnt. Das alles zusammen mit dem subtil in die Handlung und die Ereignisse eingewebten Soundtrack ergibt ein wirklich außergewöhnliches Filmerlebnis, das bis zur letzten Sekunde fesselt und erschreckend spannend bleibt. Der Gedanke, das auch nur ein Teil davon vielleicht Realität sein könnte, und sei er noch so klein, nagt dann zusätzlich am Nervenkostüm des Zuschauers und verleiht dem Film den letzten Schliff, der ihm noch fehlte, um ihn zu einem Klassiker zu veredeln. Leider zu einem recht unbekannten Klassiker.

 

 

9 von 10 leeren Gräbern

 

 

 

 

Übrigens, wer sich etwas über das ungewohnte Layout heute wundert…. das liegt einzig und allein in dem Umstand begründet, das IMDb aus unerfindlichen Gründen nicht so funktionieren wollte, wie es das eigentlich soll, und ich improvisieren musste, wollte ich doch unbedingt meine Gedanken zu diesem Film loswerden….

 

 

 

 

 

 

The Colony

18. Januar 2015 at 19:10

 

 

The Colony (2013)
The Colony poster Rating: 5.3/10 (28,541 votes)
Director: Jeff Renfroe
Writer: Jeff Renfroe (screenplay), Svet Rouskov (screenplay), Patrick Tarr (screenplay), Patrick Tarr (story), Pascal Trottier (screenplay), Pascal Trottier (story)
Stars: Kevin Zegers, Laurence Fishburne, Bill Paxton, Charlotte Sullivan
Runtime: 95 min
Rated: N/A
Genre: Action, Horror, Sci-Fi
Released: 20 Sep 2013
Plot: Forced underground by the next ice age, a struggling outpost of survivors must fight to preserve humanity against a threat even more savage than nature.

 

 

 

„You know you’re screwed when even the rabbits won’t fuck.”

 

 

 

Heute mal wieder ein kleiner Endzeitthriller/actioner, in dem durchaus weitverzweigtem Genre gucke ich ja verhältnismäßig schmerzfrei alles weg, was mir unterkommt. Nun also The Colony mit Laurence Fishburne und Bill Paxton.

Passend zur Klimahysterie zeigt uns The Colony eine weitere Variante des bekannten Eiszeitszenarios, diesmal von Menschenhand verschuldet. 2045 haben sich die wenigen Überlebenden in unterirdische Kolonien zurückgezogen, denn die Erde ist unbewohnbar geworden, die Oberfläche eine einzige eisige Einöde. Kolonie 7 hat ständigen Funkkontakt zu Kolonie 5, von allen anderen Kolonien hat man schon lange nichts mehr gehört. Als letztlich auch der Kontakt zu Kolonie 5 abbricht, stellt Captain Briggs einen kleinen Aufklärungstrupp zusammen, um herauszufinden, was passiert ist.

Die Story ist nun wirklich nichts besonderes und schon in vielen ähnlichen Variationen erzählt worden, was aber nicht allzu dramatisch ist, wirkt der Film doch atmosphärisch genug, um den Zuschauer trotz der altbekannten Geschichte bei Laune zu halten und hat zahlreiche gute Ansätze und Ideen zu bieten, die aber leider nicht immer konsequent umgesetzt und weiterverfolgt werden. Auch das man sich mit Versatzstücken aus Genreklassikern wie The Thing und 30 Days of Night seinen Plot zurecht zimmert, stört ebenso nur bedingt wie die zum Teil kaum zu übersehenden Logiklöcher. The Colony baut sich langsam auf, ist geradlinig und schnörkellos erzählt und ebenso routiniert in Szene gesetzt. Gerade die ersten zwei Drittel sind spannend und unterschwellig durchaus bedrohlich, erst im letzten Drittel verpufft die Spannung leider im luftleeren Raum, wird doch das Tempo zugunsten der Action deutlich angezogen, was für die Atmosphäre überhaupt nicht förderlich ist.

Die CGI-Effekte, die hauptsächlich bei den Außenaufnahmen zum Einsatz kommen, sind nun wirklich nicht überragend, aber doch überzeugend genug, um die bedrohliche Atmosphäre dieser lebensfeindlichen Umwelt zu vermitteln, und bei weitem nicht so schlecht, wie man das von so mancher Asylum-Produktion oder von den ScyFy-Jungs vielleicht gewohnt ist. Die Innenaufnahmen hingegen wurden in einer alten Militärbasis gedreht, was Look und Atmosphäre sehr zu Gute kommt, das verleiht dem Ganzen zumindest einen Hauch von Glaubwürdigkeit.

Unterm Strich ist The Colony ein grundsolider, wenn auch überraschungsarmer Horrorthriller mit Actionelementen, der sich langsam aufbaut und zunächst spannend bleibt, weil er nicht sofort sein ganzes Pulver verschießt, den Zuschauer zumindest eine Zeit lang im Unklaren lässt und mit einer routiniert agierenden Besetzung aufwarten kann. Wer dem Genre nicht abgeneigt ist und keine großartigen Innovationen erwartet, der kann hier durchaus mal einen Blick riskieren.

 

6 von 10  frostigen Expeditionen

 

 

The House of the Devil

18. Dezember 2014 at 21:32

 

 

 

The House of the Devil (2009)
The House of the Devil poster Rating: 6.5/10 (23,564 votes)
Director: Ti West
Writer: Ti West
Stars: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig
Runtime: 95 min
Rated: R
Genre: Horror, Mystery
Released: 04 May 2012
Plot: In the 1980s, college student Samantha Hughes takes a strange babysitting job that coincides with a full lunar eclipse. She slowly realizes her clients harbor a terrifying secret; they plan to use her in a satanic ritual.

 

 

 

Heute möchte ich mal ein paar Worte über einen Film verlieren, den mir ein guter Freund empfohlen hat, der sich im Horrorgenre sehr viel besser auskennt als ich und mir schon so manche Perle empfohlen hat, die ich sonst vielleicht nie wahrgenommen hätte.

 

The House of the Devil versteht sich in erster Linie als Hommage, als Liebeserklärung und als Verbeugung vor den klassischen Horror B-Movies der späten 70er und 80er Jahre. Mit diesem Wissen im Hinterkopf funktioniert der Film dann auch wunderbar innerhalb seiner Nische. Die Atmosphäre ist dicht und spannend, auch wenn oder gerade weil  die Story nur sehr langsam in Schwung kommt. Der Film ist zwar durch und durch nostalgisch, aber keineswegs altbacken, er orientiert sich klar an seinen Vorbildern, die Story spielt auch in den 80ern und sogar die Bildqualität ist dem VHS-Niveau dieser Zeit nachempfunden, kopiert all das aber nicht einfach nur, sondern fügt eigene Elemente mit ein. So gibt es zum Beispiel einige sehr innovative Kameraeinstellungen und Bildkompositionen zu bewundern. Gerade in den ersten zwei Dritteln sind die Einflüsse ziemlich offensichtlich, bedient sich der Regisseur Ti West doch ganz eindeutig bei Größen des Genre wie Hitchcock, Polanski, Carpenter und Argento. Suspense bestimmt große Teile des Films, die Spannungsschraube wird immer weiter angezogen und entlädt sich schlussendlich in einem dann doch überraschend blutigen Finale.

 

Ti West hat hier wirklich einen guten, wenn auch etwas abseitigen Vertreter des Genre geschaffen. Der Regisseur ist Teil einer neuen, jungen Garde des Horrorfilms, so hat er zum Beispiel mit Cabin Fever 2 zwar nicht das Niveau des ersten Teils erreichen können, trotzdem aber einen witzigen, bösen und zynischen Nachfolger abgeliefert, und wusste mit seinen Beiträgen zu den Filmanthologien V/H/S und The ABCs of Death auch mehr als nur zu überzeugen. Vielleicht ein Name, den man sich in Zukunft merken sollte.

 

In The House of the Devil gibt es zum einen ein Wiedersehen mit Dee Wallace, die bekannt ist für ihre Rolle in Filmen wie The Howling, Cujo und Critters, allesamt Klassiker des 80er Jahre Horrorfilms, sowie mit Tom Noonan, bekannt durch Heat, Last Action Hero, dem von mir sehr verehrten Monster Busters vom Horrortrash-Papst Fred Dekker und hauptsächlich für seine verstörende und beängstigende Darbietung als Francis Dollarhyde, auch bekannt als Tooth Fairy, in Michael Manns grandiosem Manhunter ( auch bekannt als Blutmond, das Remake hieß dann Roter Drache). Es entpuppt sich als ziemlich guter Schachzug von Ti West, diese beiden Ikonen des Genre mit ins Boot zu holen, aber auch die junge Generation, allen voran Jocelin Donahue, leistet hier gute Arbeit.

 

Unterm Strich ist The House of the Devil eine rundum gelungene Hommage an ein beinahe ausgestorbenes Genre. Sicherlich ein Film, der sehr nischenhaft ist und mit dem das Mainstream-Publikum, auch Teile der Horrorfilmfans, nicht unbedingt was werden anfangen können, werden hier doch nicht im Minutentakt harte Splattereinlagen und rasant geschnittene Szenen aneinander gereiht. Wer sich aber auf einen langsam erzählten, spannenden Film mit gelungener und dichter Atmosphäre einlassen kann und will, der ist hier durchaus richtig.