The Purge: Anarchy

25. Mai 2015 at 16:16

 

 

 

The Purge: Anarchy (2014)
The Purge: Anarchy poster Rating: 6.5/10 (63283 votes)
Director: James DeMonaco
Writer: James DeMonaco, James DeMonaco (characters)
Stars: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez
Runtime: 103 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 18 Jul 2014
Plot: Three groups of people are trying to survive Purge Night, when their stories intertwine and are left stranded in The Purge trying to survive the chaos and violence that occurs.

 

 

 

„We can’t have heroes… oh no sir… no heroes. I hope you feel cleansed. Blessed be America, a nation reborn.“

 

 

 

Dank des Vorgängers The Purge ist die Story zwar mehr oder weniger bekannt, ich gehe aber trotzdem nochmal kurz darauf ein. Amerika im Jahr 2023. Die neue Regierung, auch bekannt als Die Neuen Gründungsväter, hat aufgrund von hohen Kriminalitätsraten, überfüllten Gefängnissen und wachsender Armut die sogenannte Purge-Night eingeführt. Einmal im Jahr ist für zwölf Stunden alles erlaubt, kein Verbrechen wird bestraft werden und sämtliche Polizeikräfte sind ebenso wenig im Dienst wie die Feuerwehr und auch die Krankenhäuser sind geschlossen. Mord, Raub, Vergewaltigung, völlig egal, der Täter bleibt straffrei und das System scheint zu funktionieren, denn außerhalb der Purge-Night ist jegliches Verbrechen nahezu gänzlich verschwunden und kaum jemand lebt noch unter der Armutsgrenze. In einer dieser Purge-Nights kreuzen sich die Wege einer Kellnerin und deren Tochter mit einem jungen Paar mit Autopanne und der geheimnisvolle Sergeant ist auch auf den Straßen unterwegs….

 

Wie schon bei dem ein Jahr zuvor erschienenen The Purge ist die Ausgangssituation bei The Purge: Anarchy genau die gleiche. Die Grundidee beider Filme hat durchaus Potential und ist reizvoll, sofern man nicht allzu genau hinsieht und anfängt, die Dinge auf Logik hin abzuklopfen, denn dann stürzt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus auf wackeligem Boden. The Purge hatte das grundlegende Problem, dass ein gutes und vielversprechendes Konzept zu schwach und zahm umgesetzt wurde, statt die provokante Prämisse konsequent auszuleuchten, präsentierte Autor und Regisseur James DeMonaco nach einem durchaus brauchbarem Auftakt dann doch nur einen allenfalls mäßigen und nach den üblichen Mustern des Genres gestrickten Home-Invasion-Thriller, der zudem mit nicht unerheblichen handwerklichen Mängeln zu kämpfen hatte.

 

The Purge: Anarchy geht nun einen Schritt weiter und projiziert seine gesellschaftskritische Botschaft in einem deutlich größeren Radius, weg von einer einzigen Familie, die in der Purge-Night in ihrem Haus von einer marodierenden Bande terrorisiert wird hin zu den Straßen von L.A. ein Jahr später in eben dieser Nacht mit zahlreichen umherstreifenden Gruppierungen jeglicher Art, die nur eines im Sinn haben, nämlich all das hemmungslos auszuleben, was die moderne Gesellschaft mit ihrem Rechtssystem sonst nicht zulässt: Anarchie auf ganzer Linie. The Purge: Anarchy lehnt sich also stilistisch deutlich weniger bis gar nicht mehr am klassischen Home-Invasion-Thriller a la Panic Room, The Last House on the Left oder Straw Dogs an, sondern zitiert vielmehr Filme wie Die Klapperschlange oder Assault-Anschlag bei Nacht von John Carpenter sowie The Wanderers von Philip Kaufman, Filme also, die den Terror auf offene und verlassene Straßen ausdehnen, auf unbekanntes Terrain, der Heimvorteil für die Opfer ist dahin.

 

Leider krankt The Purge: Anarchy an ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger, die Umsetzung und Inszenierung sind zwar etwas besser geraten, aber das Potential der Grundidee wird immer noch nicht annähernd ausgeschöpft. Die Charaktere sind extrem stereotyp aufgebaut und kommen direkt vom Reißbrett, sie sind flach, eindimensional und voller Klischees und ermöglichen wenig bis gar keine Identifikation, es wird dem Zuschauer kein Grund geboten an ihrem Schicksal zu antizipieren, sie bleiben einfach belanglos und egal. Schauspielerisch hat der Film auch nicht viel zu bieten, nur Frank Grillo als der mysteriöse Sergeant sticht ein wenig hervor, ist aber dennoch auch nur ein Klischee auf zwei Beinen. Würde aber Grillo nicht schon Brock Rumlow/Crossbones im Marvel-Universum spielen, er gäbe einen wunderbaren Punisher ab. The Purge: Anarchy ist immer noch zu zahm inszeniert, der Härtegrad hat zwar im Vergleich zum Vorgänger ein wenig angezogen, erreicht aber bei weitem noch nicht das Level, das die Story eigentlich verdient hätte. Auch ist der Film schmutziger und gemeiner, aber auch hier ist noch deutlich Luft nach oben. Als besonders unangenehm fällt der massive Gebrauch von CGI-Blut und Blutspritzern auf, das raubt viel an Atmosphäre, handgemachte Spezialeffekte hätten auch im Kontext des Films sehr viel mehr Sinn ergeben.

 

Letztlich sind sowohl die Ausarbeitung der Story, die Inszenierung und die Zeichnung der Charakter einfach viel zu schwach, um einen wirklich guten Film aus The Purge: Anarchy zu machen, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist und Potential hat. Außerdem will der Film Hypersatire und relevante Gesellschaftskritik sein, Amerika wohl möglich einen Spiegel vorhalten, doch dafür kommen seine Kernaussagen viel zu flach und stumpf und vor allem mit dem Holzhammer dosiert daher, über die Schlagwort-Problematiken Kriminalitätsrate, Arbeitslosigkeit, Armut und Waffenbesitz kommt das Drehbuch zu keiner Sekunde hinaus und sämtliche aufkeimenden kritischen Ansätze verpuffen in der plumpen und ungelenken Umsetzung. Dennoch ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorgänger erkennbar und vielleicht wird ein dritter Teil noch mehr in die richtige Richtung gehen können, aber es ist auch zu befürchten, dass man jetzt aufgrund der gegebenen Erfolgsformel niedrige Produktionskosten und starke Einspielergebnisse einfach nur ein weiteres billig produziertes und zahlreiche Ableger nach sich ziehendes The Purge-Franchise aufziehen wird.

 

5 von 10 Schüssen in einer gesetzlosen Nacht

 

 

 

 

Event Horizon

29. März 2015 at 23:38

 

 

Heute mal wieder ein neuer Beitrag in der Kategorie Lieblingsfilme von mir. Der heutige Vertreter macht es einem, hat man ihn einmal gesehen, wirklich sehr schwer, diese Bilder wieder zu vergessen. Er ist sicher kein herausragender Film oder großer Klassiker, eigentlich ist er nicht einmal besonders originell, aber er brennt sich tief ins Gedächtnis ein und hinterlässt zweifellos einen bleibenden Eindruck, ob er einem nun gefallen hat oder nicht.

 

Vorhang auf für…

 

 

 

 

Event Horizon (1997)
Event Horizon poster Rating: 6.7/10 (101,078 votes)
Director: Paul W.S. Anderson
Writer: Philip Eisner
Stars: Laurence Fishburne, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Joely Richardson
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Horror, Sci-Fi
Released: 1997-08-15
Plot: A rescue crew investigates a spaceship that disappeared into a black hole and has now returned...with someone or something new on-board.

 

 

 

„Liberate tutemet ex inferis.“

 

 

 

Sieben Jahre ist es her, seit das Raumschiff Event Horizon bei einem Testlauf für einen neuartigen Antrieb zur Überbrückung gigantischer Entfernungen einfach verschwand. Als sie plötzlich und unerwartet in der Nähe des Neptun wieder auftaucht und ein kryptischer Funkspruch aufgefangen wird, macht sich ein Rettungstrupp auf den Weg, um die Geschehnisse an Bord zu untersuchen. Niemand weiß, was passiert ist, als die Crew der Rettungsmission ihr Ziel erreicht und das scheinbar leere Schiff betritt, niemand weiß, wo die Event Horizon in den letzten sieben Jahren war und was der ursprünglichen Besatzung zugestoßen sein könnte…

 

Zugegeben, Paul W.S. Anderson ist nun wahrlich kein sonderlich begnadeter Regisseur. Seine Verfilmung des Videospielklassikers Mortal Kombat geht noch als trashige B-Movie Hommage durch und auch Soldier mit Kurt Russel in der Hauptrolle entwickelt unter trashigen Gesichtspunkten irgendwie sowas wie seinen ganz eigenen Charme, aber leider ist der Mann sonst eher für die Resident Evil – Filmreihe und Machwerke wie Alien Vs. Predator, Die drei Musketiere oder Pompeii bekannt sowie für seine Ehe mit Milla Jovovich. Event Horizon jedoch ragt aus seiner Filmografie heraus, ist es doch sein mit Abstand bester Film.

 

Im Grunde ist Event Horizon ein Flickenteppich aus Anspielungen, Zitaten und Querverweisen, er bedient sich quer durch die Filmgeschichte, nimmt sich hier ein bisschen, dort ein bisschen, und vermischt das alles zu einem ganz eigenen Gesamtwerk. Als wesentliche Referenzpunkte sind hier Sciene Fiction – Klassiker wie Alien und Solaris zu nennen, aber auch Hellraiser spielt hier eine nicht zu vernachlässigende Rolle sowie klassische Haunted House – Streifen wie The Haunting oder Shining. Natürlich könnte man das dem Film jetzt vorwerfen, was zahlreiche Kritiker auch tun, aber am Ende ist er erstaunlich homogen geraten und kommt eigenständig genug daher, um müde Plagiatsvorwürfe nicht fürchten zu müssen, denn Regisseur Anderson gelingt es, diesem auf dem Papier recht wilden Genremix seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Die Story selbst ist eigentlich relativ dünn und simpel gehalten, handelt es sich doch im tiefsten Kern des Films um eine ganz klassische Spukgeschichte, ein Geisterhaus im Weltall, wenn man so will, Robert Wise´s The Haunting in den eisigen Weiten, in denen dich niemand schreien hört. Hauptsächlich besticht Event Horizon durch seine unfassbar dichte, oft sehr befremdliche und zuweilen furchterregende Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Sekunde und einen kontinuierlich ansteigenden Spannungsbogen, der gelegentlich auch mal an den Nerven zerren kann. Je mehr dieses furchteinflößende Schiff seine Geheimnisse Stück für Stück preisgibt, umso unruhiger wird der Zuschauer.

 

 

 

„I have such wonderful, wonderful things… to show you…”

 

 

 

Ein weiterer ungemein wichtiger und vor allem ausgesprochen stimmiger Aspekt bei Event Horizon ist das atemberaubend gute Setdesign. Die Kulissen sind einfach wahnsinnig detailliert und tragen viel zu Stimmung und Atmosphäre bei, alles ist voller Symbolik und religiöser Bezüge. Das ist vielleicht seine größte Stärke und hier hebt sich der Film deutlich von ähnlichen Vertretern des Genre ab, denn Vergleichbares findet sich schlicht und ergreifend nicht. Allein das Design der Event Horizon selbst ist einzigartig mit all seinen gotischen Einflüssen, düster und befremdlich, eigentlich viel zu groß für seinen Zweck, aber dadurch nur noch beeindruckender. Tatsächlich stand die Pariser Kathedrale Notre – Dame Pate für das architektonische Gerüst des Schiffs, es gibt zahlreiche Strukturen, die an Kirchen erinnern, verschiedene fensterartige Gebilde lehnen sich dort an und die Brücke der Event Horizon wirkt wie ein gigantisches Kirchenschiff. Auch das äußere Design weist deutliche Bezüge zur Gotik auf und ist inspiriert durch die eindrucksvolle Bauweise von Notre – Dame. Wie gesagt, diese Art des Setdesigns ist buchstäblich einzigartig.

 

Nicht weniger beeindruckend ist Andersons Inszenierung. Im Verlaufe des Films werden die einzelnen Crewmitglieder teils auf sehr bizarre Art und Weise mit ihren ganz eigenen Urängsten konfrontiert, mit den dunklen und vielleicht auch bösen Teilen unseres Unterbewusstseins, die wir als vermeintlich zivilisierte Wesen mehr oder weniger erfolgreich verbannt haben aus unseren Köpfen. Die Idee ist, dass die Event Horizon an einem Ort war weit außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft, jenseits all unserer Erfahrungswerte und fernab aller kartographierten Zivilisation. Der Film bezeichnet diesen Ort als Hölle, wobei das nicht im religiösen Sinne wörtlich zu nehmen ist, vielmehr ist es dem Mangel an Beschreibungen zu schulden, dass dieses Konzept herhalten muss, es ist eher eine Art Sammelbecken für unsere schlimmsten und ureigensten Ängste in all ihren Ausprägungen. Diese Form der Bedrohung ist weit weniger spezifisch als eine schon dutzende Male wiederholte Geschichte über Aliens und das macht sie so viel befremdlicher, unheimlicher und beängstigender, der Terror ist nicht physischer Natur, er entspringt unseren Köpfen. Hier arbeitet Anderson ungemein effektiv mit winzigen, nur wenige Sekunden langen, fragmentarisch eingeworfenen Bildschnipseln, die zum Teil extrem verstörend wirken. Bilder von unvorstellbarer Gewalt und Grausamkeit, allesamt Ausprägungen eben dieser „Hölle“, ungemein einprägsame Szenen, die man so schnell nicht wieder los wird, fast schon malerisch umgesetzt wie bei Gemälden von Hieronysmus Bosch oder Pieter Breughel. Diese Szenen sind sehr detalliert ausgearbeitet, obwohl sie nur für Sekundenbruchteile aufflackern, und genau das macht sie so unfassbar einprägsam, sie brennen sich regelrecht in die Netzhaut. Sind sie einmal im Kopf des Zuschauers, dann wollen sie so schnell auch nicht wieder gehen.

 

Wie bereits erwähnt, Event Horizon ist bei weitem kein herausragender Film, den Anspruch hat er auch gar nicht, er ist aber vor allem eines, er ist ungemein effektiv. Drehbuch, Handlung und die Dialoge fallen eher schwach aus, aber die guten schauspielerischen Leistungen, allen voran die von Laurence Fishburne und Sam Neill, die ungemein dichte und hervorragend bebilderte Atmosphäre, so furchteinflößend wie befremdlich, und das atemberaubende Setdesign machen das mehr als wett. Da fällt selbst das zum Rest des Films vergleichsweise schwache Ende kaum noch ins Gewicht. Kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber definitiv ein Meilenstein seines Genre und einer, den ich immer wieder gerne sehe, der mich nach all den Jahren immer noch nicht langweilt und der mir immer wieder feuchte Hände beschert.

 

7 von 10 herausgerissenen Augäpfeln

 

 

 

 

 

Die Schlange im Regenbogen

13. März 2015 at 18:52

 

 

Heute möchte ich eine neue Rubrik hier einführen und den Blog um eine zusätzliche Facette erweitern, die mir buchstäblich sehr am Herzen liegt. Meine Lieblingsfilme. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit möchte ich an dieser Stelle über Filme schreiben, die vielleicht nicht so wahnsinnig bekannt sind, obwohl sie es verdient hätten, und die für mich persönlich, aus welchen Gründen auch immer, einen ganz besonderen Stellenwert und Platz in meiner Sammlung haben. Vielleicht kann ich ja noch die eine oder andere Perle an die Oberfläche befördern und euch näher bringen, Genregrenzen gibt es selbstverständlich wie immer keine. Oder so gut wie keine.

 

Und den Auftakt macht….

 

 

 

 

TheSerpentandtheRainbow

 

 

 

 

„When you wake up scream, Doctor Alan. Scream all you want. There is no escape from the grave.”

 

 

 

Der Anthropologe Dr. Dennis Alan wird im Auftrag eines amerikanischen Pharmakonzerns nach Haiti geschickt, um dort einem Mythos auf den Grund zu gehen, einem obskuren Brauch oder vielleicht auch Zauber, der angeblich Tote wieder auferstehen lassen soll und von dem man sich verspricht, das Gebiet der Anästhesie regelrecht zu revolutionieren. Je länger er jedoch dort verweilt, desto tiefer dringt er in eine Welt vor, die er nicht versteht, die sich rational nicht erklären lässt, eine Welt voller uralter Riten und bizarrer Mythen, und ehe er sich versieht, findet er sich in seinem finstersten Albtraum wieder…

 

Haiti. Voodoo. Zombies. Schlangen. Große, haarige Spinnen. Lebendig Begrabene. Die Schlange im Regenbogen, Jahrgang 1988, fährt die ganze Palette an wundervollen Gruselszenarien auf und ist meines Erachtens nach eine der besten Regiearbeiten von Horrorspezialist Wes Craven. Der Film versprüht eine seltsam schwüle und drückende, aber zugleich auch eine sehr eigenwillig düstere und befremdliche, zuweilen morbide Atmosphäre und entführt uns in eine völlig andere Welt. Das Drehbuch basiert auf den zwei Jahre zuvor erschienenen Reiseerzählungen des Anthropologen und Ethnobotaniker Wade Davis, in denen dieser beschreibt, wie er auf Haiti einem scheinbar schwarzmagischen Voodoobrauch nachspürte. Wie weit man dem dort Beschriebenem jetzt glauben mag, das sein mal dahingestellt, aber eine unterschwellige Anziehungskraft und Faszination lässt sich kaum leugnen. Wes Craven formt daraus und aus dem Spiel mit unseren Urängsten eine finstere Geschichte, bei der man sich wider besseren Wissens doch leicht beunruhigt fragt, wie viel nun davon tatsächlich geschehen könnte.

 

Gedreht wurde an Originalschauplätzen auf Haiti, zumindest zunächst, wegen der damaligen politischen Unruhen wich man später in die Dominikanische Republik aus, was der Atmosphäre spürbar zu Gute kommt. Die absolut stimmigen und ungekünstelten Kulissen lassen den Film erstaunlich authentisch wirken und machen einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Charmes aus, der Look ist dreckig und schäbig, wirkt aber eben nicht aufgesetzt, sondern eher ganz natürlich. Zudem spielt Die Schlange im Regenbogen vor einem realen politischen Hintergrund, ist die Handlung doch eingebunden in die letzten Tage des Militärregimes von Diktator Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier und gewährt einen erschreckenden Einblick in deren Wahnsinn inklusive Geheimpolizei und Folter. Aus diesem Blickwinkel betrachtet sind die Zombies als Allegorie auf die hiesigen Zustände zu verstehen, auch etwas, das den Film von den meisten Vertretern seines Genre abhebt, ist der Subtext hier doch ausgesprochen politisch. Zum einen wird man von dieser grausig faszinierenden Welt geradezu angezogen, gleichzeitig von ihren Greuel abgestoßen, es gelingt Wes Craven, sehr ambivalente Gefühle auszulösen. Viele Szenen brennen sich nachhaltig ins Gedächtnis und der Wiedererkennungswert ist sehr hoch, zudem wird der Zuschauer immer wieder auf die falsche Fährte  geschickt, Realität und Fiktion sind an manchen Stellen unberechenbar, trügerisch und nicht immer auseinander zuhalten. Die für die damalige Zeit sehr überzeugenden, handgemachten Effekte sind sparsam eingesetzt aber intensiv und intelligent verteilt, die Bildersprache überzeugt in fast jeder Minute Film und irgendwo zwischen Mystik, Religion und Horror wird Kontrollverlust erschreckend glaubhaft inszeniert. Das Gefühl, lebendig begraben zu werden, in einer Kiste zu liegen, unfähig sich zu befreien, umgeben von nichts als kalter Erde, wird stellenweise geradezu erdrückend intensiv rübergebracht.

 

 

 

„You’ll see it all! You’ll feel it! The cold… in the coffin. It is worse. Much, much worse!”

 

 

 

 

Zudem gelingt Der Schlange im Regenbogen etwas, das man bei derartigen Filmen eher selten findet. Der Film vermittelt Voodoo als ernsthafte Religion und als Lebensstil, aber zu keiner Sekunde als Hokuspokus. Selbst die bizarrsten Rituale werden so gekonnt vermittelt, das sie nie ins Lächerliche abdriften und trotz ihrer Absurdität glaubhaft wirken. Auch die schauspielerischen Leistungen sind, allen voran Bill Pullman und Zakes Mokae, deutlich über dem Durchschnitt, und gerade Pullman versteht es gekonnt, selbst die tiefgreifendsten Ängste absolut überzeugend spürbar zu machen. Weitere große Teile des Cast rekrutieren sich aus Einheimischen, was dem bizarren Geschehen nur noch einen Hauch mehr Authentizität verleiht als im ohnehin schon innewohnt. Das alles zusammen mit dem subtil in die Handlung und die Ereignisse eingewebten Soundtrack ergibt ein wirklich außergewöhnliches Filmerlebnis, das bis zur letzten Sekunde fesselt und erschreckend spannend bleibt. Der Gedanke, das auch nur ein Teil davon vielleicht Realität sein könnte, und sei er noch so klein, nagt dann zusätzlich am Nervenkostüm des Zuschauers und verleiht dem Film den letzten Schliff, der ihm noch fehlte, um ihn zu einem Klassiker zu veredeln. Leider zu einem recht unbekannten Klassiker.

 

 

9 von 10 leeren Gräbern

 

 

 

 

Übrigens, wer sich etwas über das ungewohnte Layout heute wundert…. das liegt einzig und allein in dem Umstand begründet, das IMDb aus unerfindlichen Gründen nicht so funktionieren wollte, wie es das eigentlich soll, und ich improvisieren musste, wollte ich doch unbedingt meine Gedanken zu diesem Film loswerden….

 

 

 

 

 

 

The Colony

18. Januar 2015 at 19:10

 

 

The Colony (2013)
The Colony poster Rating: 5.3/10 (28,541 votes)
Director: Jeff Renfroe
Writer: Jeff Renfroe (screenplay), Svet Rouskov (screenplay), Patrick Tarr (screenplay), Patrick Tarr (story), Pascal Trottier (screenplay), Pascal Trottier (story)
Stars: Kevin Zegers, Laurence Fishburne, Bill Paxton, Charlotte Sullivan
Runtime: 95 min
Rated: N/A
Genre: Action, Horror, Sci-Fi
Released: 20 Sep 2013
Plot: Forced underground by the next ice age, a struggling outpost of survivors must fight to preserve humanity against a threat even more savage than nature.

 

 

 

„You know you’re screwed when even the rabbits won’t fuck.”

 

 

 

Heute mal wieder ein kleiner Endzeitthriller/actioner, in dem durchaus weitverzweigtem Genre gucke ich ja verhältnismäßig schmerzfrei alles weg, was mir unterkommt. Nun also The Colony mit Laurence Fishburne und Bill Paxton.

Passend zur Klimahysterie zeigt uns The Colony eine weitere Variante des bekannten Eiszeitszenarios, diesmal von Menschenhand verschuldet. 2045 haben sich die wenigen Überlebenden in unterirdische Kolonien zurückgezogen, denn die Erde ist unbewohnbar geworden, die Oberfläche eine einzige eisige Einöde. Kolonie 7 hat ständigen Funkkontakt zu Kolonie 5, von allen anderen Kolonien hat man schon lange nichts mehr gehört. Als letztlich auch der Kontakt zu Kolonie 5 abbricht, stellt Captain Briggs einen kleinen Aufklärungstrupp zusammen, um herauszufinden, was passiert ist.

Die Story ist nun wirklich nichts besonderes und schon in vielen ähnlichen Variationen erzählt worden, was aber nicht allzu dramatisch ist, wirkt der Film doch atmosphärisch genug, um den Zuschauer trotz der altbekannten Geschichte bei Laune zu halten und hat zahlreiche gute Ansätze und Ideen zu bieten, die aber leider nicht immer konsequent umgesetzt und weiterverfolgt werden. Auch das man sich mit Versatzstücken aus Genreklassikern wie The Thing und 30 Days of Night seinen Plot zurecht zimmert, stört ebenso nur bedingt wie die zum Teil kaum zu übersehenden Logiklöcher. The Colony baut sich langsam auf, ist geradlinig und schnörkellos erzählt und ebenso routiniert in Szene gesetzt. Gerade die ersten zwei Drittel sind spannend und unterschwellig durchaus bedrohlich, erst im letzten Drittel verpufft die Spannung leider im luftleeren Raum, wird doch das Tempo zugunsten der Action deutlich angezogen, was für die Atmosphäre überhaupt nicht förderlich ist.

Die CGI-Effekte, die hauptsächlich bei den Außenaufnahmen zum Einsatz kommen, sind nun wirklich nicht überragend, aber doch überzeugend genug, um die bedrohliche Atmosphäre dieser lebensfeindlichen Umwelt zu vermitteln, und bei weitem nicht so schlecht, wie man das von so mancher Asylum-Produktion oder von den ScyFy-Jungs vielleicht gewohnt ist. Die Innenaufnahmen hingegen wurden in einer alten Militärbasis gedreht, was Look und Atmosphäre sehr zu Gute kommt, das verleiht dem Ganzen zumindest einen Hauch von Glaubwürdigkeit.

Unterm Strich ist The Colony ein grundsolider, wenn auch überraschungsarmer Horrorthriller mit Actionelementen, der sich langsam aufbaut und zunächst spannend bleibt, weil er nicht sofort sein ganzes Pulver verschießt, den Zuschauer zumindest eine Zeit lang im Unklaren lässt und mit einer routiniert agierenden Besetzung aufwarten kann. Wer dem Genre nicht abgeneigt ist und keine großartigen Innovationen erwartet, der kann hier durchaus mal einen Blick riskieren.

 

6 von 10  frostigen Expeditionen