Universal Soldier: Day of Reckoning (2012)

9. April 2022 at 19:23

 

 

© Foresight Unlimited/Magnet Releasing

 

 

Daddy… there´s monsters in the house…

 

Allein der Einstieg… verstörender könnte man kaum starten. Noch schlaftrunken, geweckt vom Weinen der kleinen Tochter, stolpert der Zuschauer gezwungen durch die maximal subjektive Kamera von Yaron Levy (El Gringo, Falcon Rising) in kürzester Zeit vom Halbdunkel direkt in die ganz persönliche Hölle einer grell erleuchteten Küche. Day of Reckoning macht sofort vollkommen und unmissverständlich klar, dass hier absolut nichts heilig ist. Nicht einmal der innerste Kreis der eigenen Familie, denn dort, wo man sich am geborgensten fühlt, da ist man auch am verwundbarsten.

 

Wo Regisseur John Hyams noch mit dem schon starken Vorgänger Regeneration die Universal Soldier-Filme erfolgreich wiederbeleben konnte, da transzendiert er die Reihe nun mit Day of Reckoning in gänzlich andere Sphären und das moderne Actionkino gleich mit dazu. Hyams inszeniert diese albtraumhafte Reise auf der Suche nach Erkenntnis und Rache als psychedelisch surrealen Fiebertraum irgendwo zwischen Delirium und Blutrausch. Day of Reckoning und seine Bilder brennen sich auf die Netzhaut und ins Gehirn. Wer ihm mit offenem Geiste begegnet, der wird diesen hässlichen Bastard aus ultra brutaler Action, philosophischer Meditation und künstlerischem Anspruch nicht so schnell wieder aus seinem Kopf verbannen können.

 

Hyams hat hier bloß noch die Hälfte des Budgets von Regeneration zur Verfügung und dennoch sieht Day of Reckoning in jeglicher Hinsicht und zu jeder Sekunde deutlich besser aus. Die Actionsequenzen sind allesamt fantastisch inszeniert und gefilmt und der extrem hohe Grad der Gewalt sucht zumindest im westlichen Kino für einen Actionfilm auch heute noch seinesgleichen. Hyams spielt all seine bereits bewiesenen Stärken nur noch besser und effektiver aus. Höhepunkt ist zweifellos eine Kampfszene zwischen Hauptdarsteller Scott Adkins und dem schon aus Regeneration bekannten Andrei Arlovski in einem Sportgeschäft, während der auch zahlreiche Sportgeräte zum knochenbrechenden Einsatz kommen. Vom sich stetig steigernden letzten Akt ganz zu schweigen.

 

Im Grunde ist Day of Reckoning eine rund zweistündige Lektion in filmischer Gewalt, physisch wie psychisch nur schwer zu ertragen und gleichermaßen schmerzhaft. Ein Film, der nicht genossen werden will, sondern ausgehalten. Abstoßend und wunderschön zugleich, brachial und zärtlich. Eine Herausforderung. Eben jenes Monster in der Küche, von welchem man sich wünscht ihm niemals begegnen zu müssen. Ein mutiges Experiment, welches Genre-Konventionen gnadenlos pulverisiert und zugleich aufzeigt, dass die Grenzen des Nischenkinos noch lange nicht ausgelotet sind.

 

9/10

 

 

Universal Soldier: Regeneration (2009)

9. April 2022 at 19:13

 

 

© Sony Pictures Home Entertainment

 

 

Es kommt ausgesprochen selten vor, dass der eher lieblos veröffentlichte und zumindest rechnerisch fünfte Teil einer immer schon allenfalls mittelmäßigen Actionfilm-Reihe mehr zu beeindrucken vermag als ihr Erstling. Der Grund dafür ist in diesem Fall ganz allein Regisseur John Hyams, seines Zeichens Sohn des Regieroutiniers Peter Hyams (Outland, Narrow Margin, Sudden Death, The Relic), welcher mit Universal Soldier: Regeneration die bereits totgeglaubte Reihe schwungvoll wiederbeleben konnte. Zwar versucht man mit Regeneration, dem filmischen Konzept des künstlichen Menschen einige interessante Aspekte in Form einer Art Kommentar auf den Status quo des modernen Actionhelden abzuringen, allerdings vermag der Plot auf der inhaltlichen Ebene nicht sonderlich zu überzeugen und ist doch sehr generisch und dünn geraten.

 

Dagegen kann die handwerkliche Ebene jedoch restlos und vollkommen überzeugen. John Hyams entpuppt sich als exzellenter Regisseur mit einem starken Auge und einem ausgeprägten Gespür für Tempo, Timing und Rhythmus, der sehr genau verstanden hat, worauf es ankommt und was genau seine Filme brauchen. Vater Peter Hyams ist hier als Kameramann verantwortlich und allein die ersten fünf Minuten wissen mächtig Druck zu generieren, wenn sich eine Entführung zu einem bleihaltigen Actiongewitter auftürmt und in einer wahnsinnig gut gefilmten Verfolgungsjagd aufgeht, welche den Zuschauer ebenso orientierungslos zurücklässt wie die beiden Opfer.

 

Und das zieht sich durch den gesamten Film. Jede Actionszene ist ungemein präzise umgesetzt, wuchtig und dynamisch inszeniert. John Hyams versteht es dazu hervorragend, sowohl die Stärken als auch Schwächen seiner Darsteller zu erkennen und gekonnt zu nutzen. Andrei Arlovski ist weiß Gott kein Schauspieler, aber das muss er auch gar nicht sein und kann so all sein Talent und seine Erfahrung als langjähriges MMA-Schwergewicht ausspielen. Eine beinahe zwei Meter große und knapp 120 Kilo schwere Kampfmaschine, die ihr Handwerk versteht und ganz genau weiß, wie sie ihren Körper einzusetzen hat und sich bewegen muss. Schnell, kurz, präzise und auf Zerstörung ausgerichtet.

 

Regeneration selbst wirkt düster, trostlos und ist zu jeder Sekunde vollkommen ernsthaft. Humorvolle Brüche gibt es nicht und das beinahe schon postapokalyptisch anmutende Setting ist in kalten, blau-grauen Bildern eingefangen und mit einem elektronisch flirrenden Score unterlegt, der in den richtigen Momenten sein Tempo anzuziehen weiß. Regeneration mag inhaltlich wahrlich kein Glanzstück und eher Ware von der B-Movie-Stange sein, in seiner Kernkompetenz überzeugt der Film jedoch vollkommen und bietet stärkere Action als viele Big Budget-Streifen der letzten Jahre. Und zu dem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, was John Hyams drei Jahre später abliefern sollte…

 

7/10

 

 

Kickboxer: Vengeance

1. Januar 2017 at 18:51

 

 

© RLJ Entertainment

 

 

 

Bei einem illegalen Muay Thai-Kampf in Thailand wird der amtierende Karate-Weltmeister Eric Sloane von seinem Gegner Tong Po im Ring getötet. Sein jüngerer Bruder Kurt sinnt auf Rache und fliegt nach Thailand, um sich Tong Po zu stellen. Doch bevor das soweit ist, muss er erst einmal durch das brutale Training des legendären Master Durand, der auch schon Kurts Bruder trainiert hat.

 

Kickboxer: Vengeance von Regisseur John Stockwell ist im Grunde ein 1:1 Remake von Kickboxer (Karate Tiger 3, 1989), damals noch entstanden unter der Regie von Mark Disalle und David Worth und mit Jean Claude Van Damme als Protagonist. Sogar die Namen der Figuren wurden weitestgehend einfach übernommen, nur der damals noch lediglich querschnittsgelähmte Eric wird im Remake für immer auf die Matte geschickt. Der Film kann nicht ganz billig gewesen sein, denn die exotischen Settings in Thailand können sich durchaus sehen lassen, ganz abseits des sonst eher vorherrschenden Osteuropa- und Lagerhausflairs so vieler Direct-to-Video-Produktionen heutiger Tage. Ich muss allerdings zugeben, dass mir der anfängliche Zugang zum Film eher schwer fiel, denn gerade der Einstieg wirkt irgendwie etwas lieblos und unspektakulär. Gepaart mit der nüchternen Schlichtheit eines modernen DTV-Actioners wirkte das doch etwas irritierend auf mich, aber das ändert sich spätestens mit dem Auftauchen von Jean Claude Van Damme als Master Durand, der mit seinem Sonnenbrillen/Hut/offenes Hemd-Look den nicht gerade dezenten Charme eines abgehalfterten Jazz- oder Bluesmusikers verströmt und überraschender Weise nicht nur körperlich sehr gut aufgelegt ist, sondern auch schauspielerisch. Voller Enthusiasmus wirft sich JCVD so sehr in die platten Klischees seiner Figur, dass es eine wahre Freude ist, ihn so aufspielen zu sehen. Wunderbar! Schön auch, dass die Macher von Kickboxer: Vengeance gar nicht erst versuchen, mehr aus der simplen Kampf-Orgie zu machen als das Original hergeben könnte. Nein, man besinnt sich lieber auf das, was der Film zu bieten hatte, nämlich ein schmales und wackeliges Story-Gerüst und knochentrockene Kampfszenen. Und das fast ausschließlich erfahrene Kampfsport-Profis an dem Film beteiligt waren, die ihr Handwerk verstehen, sieht man an den zum Teil spektakulär in Szene gesetzten Fights. Besonders der Hauptdarsteller Alain Moussi, seines Zeichens langjähriger Kampfsportler und Stuntman, zaubert da so manchen Kick aus der Hüfte, dass man an der Schwerkraft zweifeln möchte. Die Action ist vielleicht nicht so virtuos inszeniert wie in Filmen von Isaac Florentine, aber dennoch sehr dynamisch und vor allem immer übersichtlich. Dass Moussi leider abseits seiner Fighting-Skills eher mäßig talentiert ist und noch weniger Charisma an dem Tag legt als einst JCVD, ist bedauerlich, wird aber auch durch den einen oder anderen charmanten Witz und kleine Anspielungen auf das Original überspielt. Ansonsten bietet Kickboxer: Vengeance alles, was den klassischen Kampfsport-Film der 80er Jahre ausmachte: vor allem die obligatorische und auf keinen Fall fehlen dürfende Trainings-Montage-Sequenz inklusive motivierendem Soundtrack weiß hier zu unterhalten. Sogar die herrlich bekloppte Tanzszene darf hier nicht fehlen und wird schön mit dem Original parallel geschnitten. Auch der Ur-Tong Po in Gestalt von Michel Qissi darf kurz auftauchen und für eine kleine humorige Anspielung herhalten. Als Schwachpunkt jedoch empfand ich den finalen Kampf und die Konfrontation mit Tong Po, ist er doch zu langatmig geraten und eher schwach inszeniert. Trotz des Zitierens der berühmten Glasscherben-Szene ist der letzte Fight einfach nicht spektakulär genug, um als abschließender Höhepunkt glänzen zu können, aber das relativiert sich ein wenig, denn Kickboxer: Vengeance hat davor schon einige hervorragende Kampfszenen zu bieten.

 

Alles in allem ist Kickboxer: Vengeance ein zugegeben überraschend gelungener DTV-Streifen geworden, der zumindest Fans des Genre und vor allem des Originals zu unterhalten weiß. Der Film bewegt sich nicht in der Größenordnung eines Ninja: Shadow of a Tear von Isaac Florentine, kann aber trotzdem überwiegend überzeugen. Wenn ich so darüber nachdenke… Scott Adkins in der Hauptrolle hätte mir sehr gut gefallen können.

 

6,5 von 10 Kampfszenen auf den Rücken von Elefanten