Assassin´s Creed

20. Oktober 2017 at 19:43

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

Der zum Tode verurteilte Callum Lynch soll durch die Giftspritze hingerichtet werden, erwacht jedoch kurz darauf in einer merkwürdigen Forschungseinrichtung. Diese ist Teil der ominösen Abstergo Foundation und befindet sich mittels einer futuristischen Apparatur namens Animus auf der Suche dem letzten Nachkommen einer uralten Blutlinie, die bis auf den Assassinen Aguilar de Nerha im Spanien des 15. Jahrhunderts zurückgeht, und scheint diesen in Lynch gefunden zu haben. Denn allein de Nerha weiß, wo ein mysteriöses Artefakt namens Apfel von Eden von ihm selbst während der Spanischen Inquisition versteckt wurde. Die Macht des Apfels von Eden soll den Schlüssel zum freien Willen der Menschheit enthalten und die Abstergo Foundation will ihn um jeden Preis.

 

Die Spiele aus der Assassin´s Creed-Reihe und deren Welten kenne ich allenfalls bruchstückhaft, ich bin da also alles andere als ein Experte und will vielmehr den Film an sich bewerten und so wenig Bezug zu den Spielen wie möglich miteinbeziehen. Nach seiner Verfilmung von Macbeth arbeitet Justin Kurzel nun für Assassin´s Creed erneut sowohl mit Michael Fassbender als auch mit Marion Cotillard zusammen, und beschreitet dennoch ganz andere Wege als noch mit seiner visuell eindrucksvoll wie gleichermaßen karg geratenen Shakespeare-Verfilmung. Von Shakespeare zu einer Videospiel-Reihe von Ubisoft, das muss man erstmal machen. Fassbender – nach eigener Aussage selbst großer Fan der Spiele – spielt als Callum Lynch/Aguilar de Nerha nicht nur die Hauptrolle, er hat auch kräftig mit produziert und den Film in seiner Entwicklungsphase immer wieder angeschoben. Ubisoft zu Folge wollte man mit Assassin´s Creed einen Film in die Kinos bringen, welcher sich eben gerade nicht ausschließlich an die Fans richtet, sondern auch ein Publikum zu erreichen vermag, das dieser Welt fremd ist. Allerdings funktioniert das für mich nicht und ich fühlte mich so gar nicht abgeholt, eher im Gegenteil, hatte ich doch immer mal wieder das Gefühl, dass der Film mich aus seiner Welt geradezu ausschließt anstatt mich als Nicht-Fan willkommen zu heißen. Auf der erzählerischen Ebene hastet Assassin´s Creed in großem Tempo manchmal bis an die Grenze der Orientierungslosigkeit durch ein konfuses Wirrwarr aus oft nur angerissenen Subplots und rätselhaften Figuren. Eine stellenweise geradezu kryptisch erzählte Story verhindert das Eintauchen in diese auf dem Papier ja durchaus interessante Welt. Mir stellten sich da echt Fragen, obwohl der Film oberflächlich betrachtet nicht sonderlich komplex strukturiert ist.

 

Zudem beweist mir Assassin´s Creed erneut, dass es sehr schwer ist, die Ästhetik von Videospielen in das Medium Film zu übersetzen. Was in Spielen oft wirklich gut wirkt, das erscheint mir in Filmen dann meist zu artifiziell. Solche Szenen hatte ich in Kurzels Film nur all zu oft, wenn man gerade in Actionsequenzen beispielsweise Abläufe zu sehen bekommt, die geradezu 1:1 einem Videospiel entsprungen zu sein scheinen, innerhalb der Struktur des Filmes aber nicht so recht funktionieren wollen. Dazu hat Assassin´s Creed eine ganz eigenartige Ästhetik und wirkt wie mit einem merkwürdigen digitalen Weichzeichner nachbearbeitet, ein visueller Aspekt, welcher mir nicht wirklich zusagt. Der Cast liest sich fantastisch, wenn sich um Michael Fassbender Schauspieler wie Jeremy Irons, Marion Cotillard und (wenn auch nur sehr kurz) Brendan Gleeson dazu gesellen, doch leider wird hier selten mehr als darstellerisches Mittelmaß abgeliefert und vieles wirkt wie auf Autopilot dargeboten. Selbst Fassbender erscheint sowohl als Mörder Callum Lynch wie auch als Assassine Aguilar de Nerha mehr profillos anstatt mysteriös. Die überraschend wenigen, dafür recht langen Actionszenen sind zwar meist recht hübsch anzusehen, bleiben letztlich aber ohne die nötige Wirkung und arm an Druck und Wucht. Parkour spielt da oftmals eine nicht unbedeutende Rolle, doch auf Dauer sind die Actionsequenzen zu repetitiv, wirken ermüdend und nutzen sich dadurch recht schnell ab. Wie eingangs erwähnt: zum Bezug zu der Spielereihe kann ich kaum etwas bis gar nichts sagen, aber Assassin´s Creed als reiner Film konnte mich nicht nur nicht erreichen, ich hatte auch das Gefühl, ausgegrenzt zu sein und kaum mehr als oberflächlich in diese Welt eindringen zu können. Das ist eigentlich schade, denn das erzählerische Potential mit all seinen Möglichkeiten ist enorm. In dieser Form allerdings funktioniert das für mich nicht wirklich und lässt mich mit reichlich Fragen zurück, welche mehr Kontext in Form der Spielewelten eventuell beantwortet hätten. Und vielleicht ging es nur mir so, aber ich fand den Abspann mit beinahe 15 Minuten sehr lang und dachte nach dem eher plötzlichen Ende des Filmes, da müsse doch noch was kommen. Kam aber nicht. Merkwürdig.

 

5 von 10 Assassinen-Klingen, die Hälse durchbohren

 

 

 

 

High-Rise

15. Dezember 2016 at 16:27

 

 

© Studio Canal

 

 

 

„Things would be better if we could afford to move to a higher floor“

 

 

 

London, 1975. Dr. Robert Laing bezieht sein neues Appartement in einem hochmodernen, vollkommen autark konzipierten Hochhaus etwas außerhalb der Stadt. Eigentlich will er nur zurückgezogen und in Ruhe dort leben, aber schnell wird er von der alleinerziehenden Charlotte in seine neue Nachbarschaft eingeführt. Die Gesellschaftsstruktur dort ist streng unterteilt in Ober- Mittel- und Unterschicht, doch während die dekadente Oberschicht ausschweifende Partys feiert, erprobt die Unterschicht mehr und mehr den Aufstand, und als die Lage letztlich vollkommen eskaliert, befindet sich Laing mittendrin.

 

Vielmehr kann über den neuen Film von Ben Wheatley auch kaum verraten werden, denn die Eigendynamik der Ereignisse und folglich auch die von High-Rise selbst sollte man idealerweise möglichst unvorbereitet erleben. So kann sie ihre sogartige Wirkung am besten entfalten. Wheatley fiel mir das erste Mal 2011 mit seinem Film Kill List auf, ein typischer Fall von: klang interessant genug, um ihn spontan in der Videothek auszuleihen ohne irgendetwas über ihn zu wissen. Was soll ich sagen? Kill List war ein sehr eigenwilliger Genre-Bastard, der mich vollkommen unvorbereitet traf, mit sich riss und inzwischen zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Der Nachfolger Sightseers war weniger sperrig, dafür aber typisch britisch voller schwarzem Humor geknüpft an absurde Gewalt. Und auf seinen im Frühjahr erscheinenden Free Fire bin ich jetzt schon gespannt. Alles in allem zählt Wheatley für mich eindeutig zu den aktuell spannendsten und interessantesten „Jung“regisseuren. Und seine Adaption des Romanes High-Rise von J. G. Ballard macht da weiß Gott keine Ausnahme, eine erschreckende Dystopie, eine Meditation über die wahren Seiten der menschlichen Existenz, ein grausames, architektonisches Sozialexperiment im schnellen Vorlauf und gleichzeitig ein Film voller winziger wie brillanter Ideen in der Inszenierung, visuell berauschend umgesetzt und zum Teil mit wahnsinnig guten Bildern versehen. Der Firnis der Zivilisation ist ohnehin schon dünn genug und es braucht nicht viel, um ihn reißen zu lassen, denn hinter jeder Ecke lauern schon die Atavismen. Ähnlich wie der 2013 von Bong Joon-ho realisierte Film Snowpiercer erzählt High-Rise von einer absehbaren Revolution und unterteilt seine Gesellschaftsstruktur in verschiedene Abschnitte. Der Unterschied besteht lediglich in ihrer Ausrichtung: wo Snowpiercer mit einem riesigen Zug als Setting seine Schichten horizontal in eine Vielzahl von Waggons unterteilt, da geht High-Rise den Weg in die Vertikale, wenn Arm und Reich durch die Anzahl der Stockwerke zwischen ihnen separiert sind und Anthony Royal als Architekt, Schöpfer und geistiger Vater des High-Rise im Penthouse mit Garten und Pferd residiert, ganz analog zu dem großen Wilford an der Spitze seines Zuges.

 

Royals architektonischer, künstlich herbeigeführter Lebensraum ist in seiner Konstruktion an sich schon ein Pulverfass mit kurzer Lunte, aber als seine Bewohner beginnen, die Außenwelt und ihre täglichen Beschäftigungen zu ignorieren, greifen zunehmend Chaos, Verrohung und Barbarei um sich, bis die Menschen und auch der so distanziert vernünftige Laing sich in den sozialen Zusammenbrach regelrecht verlieben, ihn geradezu genießen und mehr und mehr zelebrieren als alleinigen Mittelpunkt ihrer Existenz. Verdrängte Wünsche und unterdrückte Verhaltensweisen brechen sich Bahn und werden entfesselt, die oberen Klassen beginnen eine Art Stammesherrschaft zu errichten, drehen sich in ihrer Dekadenz immer mehr im Kreis, während ihnen die Bedürfnisse der unteren Klassen immer egaler werden. Eine buchstäblich mörderische Kombination, wenn dann der vermeintliche Pöbel den Aufstand probt und die doch so viel besseren Eliten sich dagegen wehren, um den Status Quo um jeden Preis zu erhalten. Soziale Regeln und moderner Fortschritt können nicht verhindern, dass sich die Bewohner des High-Rise selbst zurück in die Steinzeit befördern. Beschäftigt man sich mit High-Rise ein wenig intensiver, dann kommt einem auch unweigerlich David Cronenberg in den Sinn. Zu einen natürlich, weil er als Regisseur mit seinem Film Crash bereits 1996 eine Vorlage von J.G. Ballard adaptierte, zum anderen und vor allem aber auch, weil er selbst 1975 – dem Erscheinungsjahr des Romanes High-Rise – mit Shivers einen thematisch ganz ähnlich gelagerten Film in nahezu identischem Setting inszenierte. Zwar handelt Shivers von durch einem Parasiten zu sexbesessenen, mordenden Bestien mutierten Menschen, der zugleich auch so übertragen wird, aber die dystopische Vision eines in Anarchie und Chaos zerbrechenden und versinkenden Hochhauses ist die gleiche. In der Prämisse unterscheiden sich beide Filme, im weiteren Verlauf jedoch zunehmend weniger. Und um den Bogen wieder zurück zu schlagen: wo Snowpiercer am Ende für sich eine verhältnismäßig simple Lösung für seinen Konflikt findet und den Zug als Symbol für den rücksichtslosen wie unterdrückenden Kapitalismus entgleisen lässt, damit etwas neues entstehen kann, da erliegt High-Rise nicht solch romantischen Illusionen und bietet schlicht keine Lösung, wenn sich die Bewohner des Hochhauses hinter dessen Wänden von sozialem Druck, Erwartungen und Anstand befreit einfach weiterhin hemmungslos in ihren Machtkämpfen austoben bis nichts mehr übrig ist.

 

High-Rise ist ein etwas eigenartiges Zwitterwesen, ist der neue Film von Ben Wheatley doch irgendwie weder Independent, noch Mainstream-Kino, platziert sich zielstrebig genau zwischen diesen beiden Polen und fühlt sich sichtlich wohl in diesem Spagat. Visuell weiß der Film auf allen Ebenen zu überzeugen, erfreut zugleich mit einem gelungenen und starken 70er Jahre Kolorit und einigen wirklich cleveren Einfällen in der Inszenierung. Mit einer sogartigen, dichten Atmosphäre zwischen Faszination und Abscheu und schauspielerisch durchgängig stark und ohne nennenswerte Ausfälle, gewährt High-Rise dem geneigten Zuschauer einen tiefen und zuweilen verstörenden Blick in menschliche Abgründe und offenbart eine Gesellschaft, deren Fassade nach und nach weg bricht. Mit Glanz, Gloria und Exzess fährt hier einfach alles vor die Wand und man wird mitgerissen, ob man nun will oder nicht.

 

8 von 10 Dosen Hundefutter

 

 

Batman v Superman: Dawn of Justice

28. März 2016 at 17:37

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„Black and blue. Fight night. The greatest gladiator match in the history of the world. God versus man. Day versus night! Son of Krypton versus Bat of Gotham!“

 

 

 

Achtzehn Monate sind vergangen seitdem Superman im Kampf gegen General Zod halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat und die Welt von seiner Existenz und seiner außerirdischen Herkunft erfuhr. Dieser Kampf forderte die Leben zahlloser Zivilisten und die Welt und ihre Regierungen sind sich schon lange nicht mehr darüber einig, ob Superman eher als gottgleicher Heilsbringer oder übermenschliche Bedrohung für den gesamten Planeten zu betrachten ist. Batman hingegen hat diese Frage schon längst für sich entschieden, war er doch bei der Zerstörung von Metropolis hautnah dabei. In die Jahre gekommen, frustriert und verbittert vom langjährigen Kampf gegen das Verbrechen in Gotham, ist der Dunkle Ritter zunehmend desillusioniert und glaubt nun, den einzigen Weg in der Vernichtung Supermans gefunden zu haben…

 

Da ist es also, das neue große Zugpferd von DC Comics, das so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen muss, dass einem nur schwindelig werden kann. Batman v Superman: Dawn of Justice ist der verlängerte Arm von Men of Steel und dessen Fortsetzung, Teaser für Batmans neues Soloabenteuer, Grundstein für die Justice League und noch mehr Soloabenteuer von Wonder Woman und diversen anderen Figuren, vor allem aber ist der Film der Versuch, es Marvel mit seinem MCU gleich zutun. DC möchte nun auch endlich seinen Teil vom Kuchen haben, jedoch verfallen sie fälschlicherweise der Idee, mit dem MCU plötzlich mithalten oder gar konkurrieren zu können, indem sie quasi aus dem Nichts ihren eigenen Comic-Kosmos aus dem Boden stampfen, wohin gegen Marvel Jahre mühevoller Kleinarbeit in Form ihrer Stand Alones zu diversen Charakteren (Hulk, Iron Man, Thor, Captain America) investiert hat um dorthin zu kommen, wo sie nun stehen. DC hinkt da etliche Jahre hinterher und versucht nun auf Biegen und Brechen diese Kluft mit einem Sprung zu überwinden, möchte sich aber gleichzeitig auch absetzen von der bunten und verhältnismäßig harmlosen Marvel-Welt, seine Szenarien erden und mit dem nötigen Ernst und Bedeutungsschwere ausstatten. Dass ihnen das mit Batman v Superman: Dawn of Justice nicht einmal im Ansatz gelingt, das kann ich an dieser Stelle bereits verraten, und der Umstand, dass der Film zu viel auf einmal will und auch leisten muss, bricht ihm letztlich das Genick.

 

Aber von Anfang an. Der grundlegende Ansatz von Batman v Superman: Dawn of Justice ist sogar ein durchaus interessanter und spannende narrative Ideen gibt es auch. Menschliches Misstrauen gegen messianische Verehrung, Selbstjustiz gegen übermenschliche Aufopferung, Vigilantentum gegen falsche Götter, Angst gegen Größenwahn. Kann und darf man einen Außerirdischen blind verehren, der ebenso leicht unsere Welt zerstören kann wie Menschenleben retten oder muss sein Handeln und Tun konsequent hinterfragt werden? Aus dieser Frage entsteht ein interessantes Spannungsfeld, welches Zack Snyder zusammen mit seinem Drehbuchautor David S. Goyer zunächst zu Beginn des Filmes tatsächlich relativ glaubhaft umzusetzen versteht. Die Zerstörung Metropolis als 9/11 des DC-Universums mit seinem ganz eigenen Ground Zero inklusive Mahnmal für die Toten. Ein einschneidendes Ereignis, welches die Welt zum umdenken anregt und grundlegend verändert. Umso ärgerlicher ist dann die Tatsache, dass das Drehbuch diese komplexen und erzählerisch relevanten Themen letztlich allesamt nur nebenbei abhandelt, höchstens an ihrer Oberfläche kratzt und sich nie ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen versucht. Bereits an dieser Stelle vergibt der Film unglaublich viel Potential zu Gunsten von hohlen Phrasen und leeren Worten voller vermeintlich bedeutunsschwerer Inhalte, die im Nichts verpuffen, weil sie kein nennenswertes Gewicht haben. Überhaupt ist einfach alles in Batman v Superman: Dawn of Justice wahnsinnig wichtig, bedeutsam und unglaublich ernst. Der zwang – und krampfhafte Verzicht auf Humor ist nicht zu verwechseln mit Ernsthaftigkeit und der Film will so unbedingt verzweifelt gegenwartsrelevant sein, will erzählen von falschen Göttern und gefallenen Propheten, will demaskieren und aufzeigen, ist so sehr voller Zerrissenheit, voller quälender Dämonen und messianischen Erlöserkomplexen, das man als Zuschauer all das bald schon nicht mehr ernst nehmen kann.

 

 

 

„If God is all-powerful He can not be good, if God is good He can not be all-powerful!“

 

 

 

Batman gegen Superman. Mensch gegen Gott. Clash of the Titans. Der ultimative Gladiatorenkampf, wie es Lex Luthor nennt. Das große Aushängeschild nicht nur dieses Filmes, sondern auch für DC. Leider kann der Film nicht einmal die Erwartungen daran vollends erfüllen, sind doch weder Batmans noch Supermans Motive für den Hass und die Wut auf den jeweils anderen einwandfrei nachvollziehbar und werden auch nie ernsthaft ausformuliert, sondern höchstens angedeutet. Auch ist die Auflösung dieses Konfliktes in keinster Weise besonders gelungen, mehr noch, sie gehört zweifellos zu den größeren Witzen der jüngeren Filmgeschichte. Einen so groß und episch aufgebauten Zweikampf, der zudem noch den Großteil seines Filmes dominiert, derart billig und geradezu lächerlich aufzulösen, ist einfach viel zu wenig und kann nur noch Kopfschütteln auslösen. Der verschwörerische Überbau dahinter ist dann auch über alle Maßen konstruiert und sehr unglaubwürdig. Ähnlich erschreckend einfach, in wenigen Sekunden abgehandelt und in ihrem Aufbau unsagbar lieblos, schlampig und faul ist die Platzierung der zukünftigen Wettstreiter um das Gute und Mitglieder der Justice League, so dass Batman v Superman: Dawn of Justice auch in seiner Funktion als Teaser und Grundgerüst für zukünftige Abenteuer im DC-Universum versagt. Ein weiteres erzählerisches Problem des Filmes ist, dass er sehr viel comicbezogenes Insider-Wissen voraussetzt und etliche zum Teil wichtige Szenen einfach nicht erklärt werden, wo aber Bedarf dafür besteht. Dem DC-Fan mag es vorkommen wie ein feuchter Traum, beim durchschnittlichen Kinogänger hingegen dürften zahlreiche Fragezeichen zurückbleiben.

 

Zack Snyders Kopf sprudelt förmlich über vor Ideen, die er allesamt unbedingt und mit der Brechstange in seinem Film unterbringen will und muss. Das wirft die Erzählstruktur gehörig durcheinander und lässt Batman v Superman: Dawn of Justice phasenweise sehr wirr und fragmentarisch erscheinen. Da hagelt es dystopische (Alb)Traumsequenzen, Besuche aus der Zukunft, rätselhafte Erscheinungen, Warnungen und Hinweise (Darkseid und die Parademons), wirr zusammengewürfelte Szenenmontagen und Versatzstücke, die nicht zueinander passen wollen und auch nicht immer wirklich Sinn ergeben. Der Directors Cut ist ja bereits für den Heimkinomarkt angekündigt und wird dann mit einer Laufzeit von 180 Minuten eine gute halbe Stunde länger sein als die Kinofassung. An der Action dürfte kaum gekürzt worden sein, obwohl der Directors Cut eine höhere Altersfreigabe haben wird, sondern eher an der Handlung, was auch erklären würde, warum der Film oft so zerfasert, gehetzt und fragmentarisch wirkt. Grundsätzlich ist Zack Snyder als Regisseur ja bekannt dafür, dass ihm das szenische Erzählen nicht allzu sehr liegt und das rein visuelle Erzählen eher seine Stärke ist. So ist Batman v Superman: Dawn of Justice letztlich auch stilistisch überwiegend genau das, nämlich extrem visuell erzählt, beinahe wie ein Comic, viele Bilder erinnern in ihrem Aufbau tatsächlich an Panels und schnelle Ereignisfolgen dominieren das Geschehen. Ein guter Geschichtenerzähler war Snyder noch nie, obwohl seine Adaptionen von Frank Millers 300 und Alan Moores Watchmen funktioniert haben. Aber 300 stellt mit seinem absoluten Minimum an Handlung keine besonders große Herausforderung an den Stil von Snyder und Watchmen ist hauptsächlich wegen der schon exzellenten und reichhaltigen Vorlage und dem hervorragend ausgefeilten  Drehbuch so gelungen und weniger wegen seines Regisseurs. An Batman v Superman: Dawn of Justice scheitert er dann auch, weil er den Film gnadenlos seinem erzählerischen Stil unterwirft, gleichzeitig aber das Drehbuch nicht mehr als nur angedeutete Ansätze statt Inhalte zu generieren vermag. Ein paar Worte zu den schauspielerischen Leistungen sind noch nötig. Henry Cavill spielt ähnlich glatt und ausdruckslos wie Superman als Figur ist und viel mehr als eine permanente Stirnfalte vom vielen grimmig Gucken und schwere Gedanken haben bringt der Mann nicht zustande. Ben Affleck (was war das für ein Shitstorm damals….) macht zumindest als in die Jahre gekommener, frustrierter und desillusionierter Bruce Wayne eine ganz gute Figur, als Batman jedoch funktioniert er weniger, scheint er doch durch keine Tür mehr zu passen, wirkt sehr unbeweglich, geradezu langsam und agiert nur noch durch reine Kraft ganz ohne Flexibilität oder gar Finesse. Dass die Maxime des Nicht-Tötens hier über Bord geworfen wird, ist zwar eigentlich recht interessant, spielt aber höchstens eine untergeordnete Rolle. So sehr ich Jesse Eisenberg eigentlich schätze, so schnell beginnt seine Interpretation von Lex Luthor zu nerven, legt er die Figur doch irgendwo zwischen Internet-Millionär, Hipster und dem Joker aus The Dark Knight an und vermag seinem Charakter nichts eigenständiges abzugewinnen. Die von Amy Adams nicht mehr als routiniert gespielte Lois Lane, im Grunde ein enorm bedeutsamer und wichtiger Bezugspunkt für Superman, verkommt dank des Drehbuches zu einer simplen, Stichwort gebenden Dame in Not und darf fortwährend Journalistin spielen und seichte Liebesbekundungen hauchen, wenn sie nicht gerade von Superman gerettet werden muss. Gal Gadot hat als Diana Prince kaum nennenswerte Screentime und als Wonder Woman eigentlich auch nicht viel mehr, darf sie doch im megalomanisch-ermüdenden Finale gegen Doomsday (der aussieht wie ein übergroßer Bergtroll aus dem Herrn der Ringe) Fledermaus und Kryptonier beistehen. Der Rest des Cast ist eigentlich trotz einiger bekannter Namen keine besondere Erwähnung wert.

 

Kommen wir zum Schluss. Die wohl größte und wichtigste Erkenntnis am Ende von Batman v Superman: Dawn of Justice ist die, dass Zack Snyder aus seinen Fehlern bei Man of Steel nichts, aber auch rein gar nichts gelernt hat. Sein Film will ganz großes Superheldenkino sein, wichtig und bedeutsam, episches Kino voller symbolträchtiger Bilder, und hat am Ende nichts bis erschreckend wenig zu bieten. Sämtliche brauchbaren Ansätze verpuffen im erzählerischen nichts und im geradezu widerwärtig bombastischen Finale werden sämtliche Ambitionen und jeglicher Hauch von Anspruch in einem regelrechten Zerstörungsporno erstickt und begraben. Letztlich versagt Batman v Superman: Dawn of Justice in jeder einzelnen all der Aufgaben, die auf seinen Schultern lasten und funktioniert ebenso wenig als eigenständiger Film, noch als Fortsetzung von Men of Steel, noch als Wegbereiter für die Justice League und noch folgende Stand Alones oder sonst irgendwie in befriedigender Art und Weise. Die große Hoffnung auf Konkurrenz zum MCU fährt DC kräftig vor die Wand. Man kann ja über Marvel/Disney denken wie man möchte, aber diese Sphären wird DC nie erreichen. Zumindest nicht so.

 

3 von 10 abnormen Mutationen aus dem Hause Krypton