13 Hours – The Secret Soldiers of Benghazi

31. Januar 2017 at 12:12

 

 

  © Paramount Pictures

 

 

 

„Payback’s a bitch and her stripper name is Karma.“

 

 

 

Der Ex-Elitesoldat Jack Silva reist nach Bengasi, um dort seinem alten Freund und Kameraden Tyrone „Rone“ Woods bei einem Job zu helfen. Die Geschäfte zu Hause laufen schlecht, man hat eh nichts anderes gelernt und in Lybien, diesem Pulverfass, lässt sich als private contractor für das US-Militär wenigstens noch gutes Geld verdienen, eine Familie daheim will schließlich ernährt werden. Als der US-Botschafter Chris Stevens einen außerplanmäßigen Besuch in Bengasi einlegt, weisen Woods und seine Männer zwar auf die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen und die mangelnde Bewaffnung hin, werden aber nicht sonderlich ernst genommen. Es kommt, wie es kommen muss, und die Botschaft wird von aufständischen Einheimischen angegriffen und belagert. Allein die sechs private contractors rund um Woods und Silva stehen noch zwischen dem tobenden Mob und der schutzlosen US-Botschaft. Eine sehr lange Nacht steht den Männern bevor, denn Hilfe von außerhalb ist nicht zu erwarten.

 

When everything went wrong six men had the courage to do what was right verkündet das Plakat zu 13 Hours – The Secret Soldiers of Benghazi, dem neuesten Film von Michael Bay. Einem historisch realen Vorfall nimmt sich Hollywoods Mann fürs Grobe nun an, wenn er die Ereignisse rund um den Angriff einheimischer Milizen auf einen diplomatischen US-Außenposten im von Unruhen aufgewühlten Bengasi aufzuarbeiten versucht. Bay würde offenkundig nur zu gern seinen Sandkasten voller Plastik-Actionfiguren verlassen, kommt allerdings nicht sonderlich weit und verfällt nach einem noch Hoffnung machenden Beginn viel zu schnell doch nur wieder in seine altbekannten Mechanismen. Scheinbar kann der Mann einfach nicht anders. Zumindest in seiner Ästhetik löst er sich inzwischen vom idyllischen Postkarten-Look eines Pearl Harbor und zeichnet Bengasi als schwer umkämpften und entsprechend naturalistisch aussehenden, infernalischen Moloch voller Bedrohungen an jeder Ecke. Und auch die ersten 30-40 Minuten des Filmes vermitteln noch einen bedrohlichen Unterton und das vage Gefühl von Gefahr durch eine bisher unbekannte Bedrohung. Es brodelt in der Stadt und die Sicherheitslage ist mehr als unzulänglich. Weder der diplomatische Außenposten noch der in unmittelbarer Nähe gelegene CIA-Komplex sind ausreichend bewacht und gesichert. Doch dann legt Michael Bay sehr schnell ganz offen und unverhohlen seine Karten auf den Tisch und 13 Hours offenbart sein eigentliches Gesicht: die hasserfüllte Fratze einer absolut widerwärtigen Ideologie voller reaktionärem wie faschistoidem Gedankengut, gepaart mit einem ausgeprägten Waffenfetisch. Ein Lobgesang auf den heroischen Patriotismus der tapferen Amerikaner in Krisengebieten, erfüllt von Stolz darüber, ihre Nation verteidigen zu dürfen. Im Vorfeld des Kinostarts war der Verleih stets darum bemüht, geradezu gebetsmühlenartig immer wieder zu betonen, der Film sei doch gar nicht politisch motiviert. Dass das Quatsch ist, ist nur allzu offensichtlich. Nicht ohne Grund feierte 13 Hours seine Premiere bei einer Open Air-Vorführung in einem texanischen Footballstadion und die Einnahmen dieser Veranstaltung kamen dem sogenannten Shadow Warriors Project zu Gute, welches sich Privatpersonen im Dienste der US-Armee widmet. Von solch zweifelhaften Fußnoten mal abgesehen, sind die Umstände der damaligen Ereignisse bis heute ein nicht unbedeutendes Politikum in den USA, mit dem sich nach wie vor diverse Untersuchungsausschüsse befassen und das ein gefundenes Fressen für Trump im Wahlkampf gegen Clinton war.

 

Wo Pain & Gain noch als Satire auf ein übertriebenes Männlichkeitsbild durchging, meint es Michael Bay nun in 13 Hours vollkommen ernst mit eben jenem Bild und zelebriert es mit geschwellter Brust. Seine sechs private contractors in Bengazi befeuern ein faschistoides Muskelkino voller Testosteron, Machotum, vorgetäuschter Brüderlichkeit und Ego-Shootern auf Flatscreens in der Kommandozentrale. Bier, Vollbärte und Hantelbänke inklusive. Zwischendurch wird dann auch mal brav mit der Familie daheim geskyped und sich ständig zärtlich-mannhaft „Bro“ gerufen. Emotionale Tiefe soll das suggerieren, sind ja doch eigentlich alles ganz nette Kerle. Dazu gesellt sich immer wenn es irgend geht eine gehörige Portion von klebrig-künstlichem Pathos in genau den richtigen Momenten, unfassbar manipulativ wie einfältig zu gleich. Und zu den gewohnten, in 13 Hours besonders gefährlich einseitig bedienten Feindbildern (Islam und Terrorismus sind hier nicht nur eng miteinander verknüpft, nein, sie sind gleich und vollkommen identisch), fest zementiert in den Köpfen der Zielgruppe, gesellt sich dank Bay nun noch ein weiteres, nämlich das des Bürokraten. Sein Film ist voller Intellektuellenfeindlichkeit. Jeder, der keine Waffe in der Hand hat, disqualifiziert sich zugleich selbst, ist ein Waschlappen und hat eh keine Ahnung. Da ensteht ein schwelender Konflikt zwischen den Strategen und Spezialisten der CIA und ihren Bewachern, den ehemaligen Elitesoldaten. Die Bürokratie ist der neue Feind, wegen ihr und ihrer Zögerlichkeit sterben tapfere Amerikaner. Das alles hat man in den letzten Wochen und Monaten vielerorts doch viel zu oft gehört. Irgendwann im Film gibt es eine Szene, da werden in einer nächtlichen Scharfschützen-Sequenz in aller bester Call of Duty-Manier reihenweise Gegner per Kopfschuss ausgeschaltet wie in einem Egoshooter und noch Witze darüber gerissen. In genau solchen Momenten stellt sich 13 Hours breitbeinig auf und sagt: Na komm, leg doch deinen Playstation-Controller zur Seite und schreib dich ein. Join the Team! Ist in echt doch eh alles viel cooler hier und es sterben doch sowieso nur ein paar Araber, die es ohnehin nicht anders verdient haben. Das reinste Werbevideo für den Nachwuchs des US-Militärs und dazu noch eine Masturbationvorlage für Waffenfetischisten, denn aus Ermangelung an Frauenbildern – welche ja auch immer ausgesprochen heikel sind in Filmen von Michael Bay – muss dann halt das Gewehr als love interest herhalten.

 

Ich bin wirklich wütend. Wütend darüber, dass ein solch reaktionärer wie propagandistischer Müll wie 13 Hours milde lächelnd unter dem Deckmantel eines typischen Hollywood-Blockbusters einfach durchgewunken wird. Ist doch nur ein Film. Sicher, aber einer, der bei einer unreflektierten Betrachtungsweise nicht gerade ungefährlich ist. Letztlich lässt 13 Hours nur zwei Lesarten zu: entweder ist sich Michael Bay sehr bewusst, was für ein widerlich manipulatives Machwerk er da geschaffen hat, oder aber er ist zu dumm, um das zu erkennen. Und ganz ehrlich: ich weiß nicht, was von beidem ich nun schlimmer finden soll. Donald Trump würde den Film vermutlich gefallen. Ich für meinen Teil bin jetzt erst einmal durch mit dem faschistoiden Kino des Michael Bay.

 

Eine Bewertung entfällt an dieser Stelle, da hier die Ideologie ohnehin alles übertönt. Da fallen diverse positive Punkte in der Inszenierung nicht mehr ins Gewicht und sind eigentlich auch egal.

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles

5. Juli 2015 at 15:13

 

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)
Teenage Mutant Ninja Turtles poster Rating: 5.9/10 (132387 votes)
Director: Jonathan Liebesman
Writer: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daugherty, Peter Laird (Teenage Mutant Ninja Turtles characters), Kevin Eastman (Teenage Mutant Ninja Turtles characters)
Stars: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner, Alan Ritchson
Runtime: 101 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 8 Aug 2014
Plot: When a kingpin threatens New York City, a group of mutated turtle warriors must emerge from the shadows to protect their home.

 

 

 

„You are extraordinary, my sons. Unlike anything the world has ever seen. Bowed in greatness, destined to protect the people of New York!”

 

 

 

Eine mysteriöse Organisation namens Foot-Clan ist unter der Führung ihres Meisters Shredder verantwortlich für eine Flut von Verbrechen in New York. Die junge Nachwuchsreporterin April O´Neil wittert die ganz große Story, welche ihre Karriere endlich voran bringen soll, und recherchiert privat und auf eigene Gefahr um die Hintergründe aufzudecken. Dabei stößt sie auf eine Gruppe von vier Vigilanten, die dem Foot-Clan immer wieder empfindlichen Schaden zufügen. Als diese sich ihr schließlich als die Teenage Mutant Ninja Turtles offenbaren, entbrennt der letzte große Kampf gegen Shredder und seine Schergen….

 

Was denkt sich Michael Bay wohl morgens nach dem Aufstehen? Wie man am besten die Kindheitsidole unzähliger kleiner Jungs ruiniert, die in den 80er Jahren groß geworden sind? Erst hat er die Transformers mit seinem Franchise vergewaltigt, jetzt knüpft er sich die Turtles vor… beides durchaus relevante Bestandteile der 80er Jahre Popkultur. Gott bewahre, der Mann möge Masters of the Universe für sich entdecken! Um es schon mal kurz vorweg zu nehmen: das wirklich einzig positive an TMNT ist seine für Michael Bay Verhältnisse erstaunlich kurze Laufzeit von 100 Minuten, das war es dann aber auch schon. Der Versuch einer zeitgemäßen Wiederbelebung der Turtles (und die Betonung liegt hier ganz klar auf dem Wort Versuch), angepasst an die Generation Smartphone und YouTube, geht gnadenlos in die Hose, weil man komplett an der eigentlichen Zielgruppe der nostalgischen Mitt30er vorbeiproduziert. Stattdessen versucht man, sich an 12jährige anzubiedern, welche sich gar nicht mehr für die Turtles interessieren, und wenn doch, dann kennen sie die Schildkröten nicht mehr, weswegen man auch ganz wunderbar die Herkunftsgeschichte der vier Panzerträger nahezu vollständig ignorieren und umschreiben kann. Die Macher haben schlicht und ergreifend zu keiner Sekunde den eigentlichen Geist der Turtles verstanden und es mangelt durchgängig an diesem Augenzwinkern, am juvenilen Charme und den leichten Trash-Anleihen, die zumindest die alten Produktionen bestimmten und ausmachten. Stattdessen kriegt man Fäkalhumor zu Hauf, dümmliche und unglaublich flache Witze und jede Menge Sexismus. Vermutlich auch so eine Frage, die sich Michael Bay gestellt haben mag: wieviel Sexismus kann ich in einen Film pressen, der sich an Jugendliche richtet? Wofür seine Filme ja mal mehr und mal weniger latent bekannt sind, das nimmt hier unbeschreiblich Überhand in Bild und Ton, so stumpf, so dumm, so unerträglich, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Amoklaufende Adoleszenz inszeniert von alten Männern.

 

 

 

„ Four turtles… one’s fighting a robot samurai. Why not?”

 

 

 

Das Dilemma beginnt schon mit der geradezu frechen Charakterzeichnung der vier „Helden in Halbschalen“, die mit den Turtles aus den Comics und der alten Zeichentrickserie schon beinahe nichts mehr gemein hat. Donatello verkommt zum Technik-Nerd mit obligatorischer Geek-Brille und sieht eher aus wie ein missratener Steve Urkel, Michelangelo gibt als Möchtegern-Rapper (MC Mickey in the house!) reichlich Anlass zum Fremdschämen, Leonardo wird zu keiner Sekunde seiner Rolle als besonnener Anführer gerecht und Raphael wirkt wie ein ungestümes Kind randvoll mit Testosteron, hin und her gerissen zwischen Familiensinn und Eigensinn. Zudem interagieren die gepanzerten Brüder außerhalb der Actionszenen viel zu wenig miteinander, es fehlt der verspielte Witz im Umgang miteinander und der Film nimmt sich keine Zeit, um mit den unterschiedlichen Charakteren der Jungs ein bisschen zu spielen, hier mal ein billiger Furzwitz, dort gelegentlich der leicht anklingende, aber nie wirklich zum Ausdruck kommende Anführerkonflikt zwischen Leonardo und Raphael, aber viel mehr auch nicht. Auch der familiäre Zusammenhalt untereinander ist kaum zu spüren, hier zeigt der Film Teenage Mutant Ninja Turtles von 1990 deutlich besser die Bindung der Brüder untereinander als eingespieltes und gleichzeitig verspieltes Team, was auch ihre eigentliche Stärke ausmacht, die Kombination ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten. Wie bereits angedeutet wurde auch die Ursprungsgeschichte völlig umgeschrieben, auch Splinter wurde ein neuer Background verpasst, von der schon lange währenden Fehde zwischen Splinter und Shredder beispielsweise findet sich keine Spur. Plötzlich werden alle Schicksale irgendwie miteinander verknüpft und laufen auf April O´Neil als Schlüsselfigur hinaus, was nur bedingt sinnstiftend ist. Und so schlecht die Charaktere der Turtles gezeichnet sind, so mies sehen sie auch aus, sie sind viel zu groß und zu muskulös geraten, Schildkröten auf Anabolika, schlecht animiert und auch ihre Ninja-Fähigkeiten kommen nicht wirklich zum Tragen, wozu auch, wenn man kugelsicher ist, ihre individuellen Waffen werden ohnehin kaum genutzt. Zu allem Überfluss sind dann auch gar nicht die Turtles selbst die Hauptfiguren ihres Filmes, sondern es ist April O´Neil, der diese Ehre zuteil wird, alles ist auf sie ausgerichtet, und trotzdem verkommt sie zum bloßen Stichwortgeber für dümmliche Witze und jede Menge sexistische Anspielungen.

 

 

 

„We were created as weapons, and we knew the world would never accept us… but one day, it would need us.”

 

 

 

Die menschlichen Figuren taugen auch nicht mehr als die grünen Brüder, vor allem Megan Fox, die tatsächlich noch künstlicher aussieht als die computergenerierten Turtles und lebloser wirkt als jede animierte Figur des Films, beweist abermals ihre absolute Unfähigkeit vor der Kamera, ihre April ist eine einfältige Nervensäge mit enorm ausgeprägtem Geltungsbedürfnis, die zudem ständig auf ihr Geschlecht und Aussehen reduziert wird. Naja, wem der Schuh passt… Irgendwie wirkt es schon sehr befremdlich, wenn die Turtles plump um die Gunst der Reporterin wetteifern oder Will Arnett als Kameramann Vernon Fenwick in gefühlt jeder zweiten Szene Anzüglichkeiten vom Stapel lassen muss, dass man sich nur noch fremdschämen kann. Umso erstaunlicher also, dass gerade eine solche Figur, die sich lediglich durch Äußerlichkeiten zu profilieren weiß, auch noch zur emotionalen Leitfigur des Films auserkoren wird. Auf der Seite der Bösewichte sieht es auch nicht besser aus. William Fichtner, den ich eigentlich ganz gerne sehe, ist als Eric Sacks völlig vergeudet, nach nur fünf Minuten kann man meilenweit gegen den Wind riechen, welche Rolle er eigentlich im Geschehen spielt und er darf mit der vielleicht uninspiriertesten Plan-Enthüllungs-Szene der Filmgeschichte aufwarten. Und Shredder ist ein Witz, sein völlig überzogenes Design erinnert eher (welch Überraschung) an einen Transformer, ein überdimensionales Schweizer Taschenmesser voller nutzloser Gimmicks. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, was man in der Fortsetzung aus Krang, Bebop und Rocksteady für grauenhafte Dinge machen könnte.

 

Teenage Mutant Ninja Turtles schafft etwas, das ich in der Form selten erlebe: er hat nichts Gutes zu bieten, da ist nichts, das auch nur ansatzweise für den Film sprechen würde. Er ist voller dümmlicher Dialoge, platter und dummdreister sexueller Anspielungen auf Limbostangenniveau, er hat riesige Plotlöcher, ist voller Filmfehler und hat eine kaum nachvollziehbare Handlung. Das Drehbuch ist lieblos zusammengeschustert und zeugt von null Respekt gegenüber der Vorlage. Die Turtles sehen furchtbar aus und werden ihren eigentlichen Charakteren nicht einmal ansatzweise gerecht, um die menschlichen Darsteller ist sogar noch schlimmer bestellt. Die Actionszenen sind geprägt von einem extrem klinischen und sterilen technischen Perfektionismus, der ihnen jegliche Wirkung nimmt, alles wirkt viel zu sauber. Fans der vier Panzerträger sollten lieber weiterhin auf die Filme Teenage Mutant Ninja Turtles (1990) und Teenage Mutant Ninja Turtles – The Secret of Ooze (1991) und die alte Zeichentrickserie bauen, die waren auch nicht wirklich gelungen und sind eher mäßig gut gealtert, aber hier gibt es ihn noch, den liebevoll naiv-trashigen Charme, der einst den Reiz ausgemacht hat. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

 

1 von 10 Stücken der 99-Käsesorten-Pizza