Predestination

17. Februar 2015 at 12:31

 

 

 

Predestination (2014)
Predestination poster Rating: 7.5/10 (81,129 votes)
Director: Michael Spierig, Peter Spierig
Writer: Michael Spierig, Peter Spierig, Robert A. Heinlein (story)
Stars: Ethan Hawke, Sarah Snook, Christopher Kirby, Christopher Sommers
Runtime: 97 min
Rated: R
Genre: Action, Drama, Mystery
Released: 09 Jan 2015
Plot: The life of a time-traveling Temporal Agent. On his final assignment, he must pursue the one criminal that has eluded him throughout time.

 

 

 

„What if I could put him in front of you? The man that ruined your life? If I could guarantee that you’d get away with it, would you kill him?“

 

 

 

Ein Zeitagent reist zurück in die siebziger Jahre, um den größten Anschlag des sogenannten Fizzle-Bombers zu verhindern, der tausende von Menschen das Leben kosten soll und ein Mann erzählt einem Barkeeper die unglaubliche Geschichte seines Lebens. Mehr lässt sich dann tatsächlich auch nicht über die Handlung von Predestination verraten ohne davon zuviel preiszugeben.

 

Predestination von den Spierig-Brüdern ist eine lose Adaption der Kurzgeschichte All You Zombies! vom amerikanischen Science Fiction-Autor Robert A. Heinlein, die 1959 erstmalig veröffentlicht wurde. Das Grundgerüst der Kurzgeschichte bleibt im Film glücklicherweise erhalten, es wird lediglich durch die omnipräsente Bedrohung in Gestalt des mysteriösen Fizzle-Bomber ergänzt. Die Spierig-Brüder wussten schon 2009 mit dem meiner Meinung gnadenlos unterschätzten Daybreakers dem Genre der Vampirfilme frisches Blut zuzuführen, ist der Film zwar sicher keine Innovation, aber er macht doch genug anders und unterläuft gängige Konventionen, um sich wohltuend vom üblichen Einheitsbrei abzuheben. Jetzt also ein Film mit Zeitreisethematik.

 

Mir ist absolut schleierhaft, wie es dieser Film ebenso wie damals Daybreakers nicht ins deutsche Kino geschafft hat und direkt auf dem Heimkinomarkt veröffentlicht wurde. Predestination gehört auf die große Leinwand, scheuen muss er Konkurrenz nicht, ganz im Gegenteil, und die Spierig-Brüder empfehlen sich eindrucksvoll für größere Produktionen. Glaubt man anfangs noch, einer zwar sehr seltsamen, insgesamt aber doch recht einfach strukturierten Geschichte zu folgen, wird die Handlung von Minute zu Minute zusehends komplexer und verschachtelter, jede vermeintliche Handlungsauflösung erzeugt nur neue Ebenen und Fragezeichen. Ausgehend von dem Gespräch in der Kneipe als erzählerischem Rahmen entspinnt sich eine wendungsreiche Jagd durch die Jahrzehnte, die in einem faszinierenden Verwirrspiel mündet, so springt die Geschichte bald häufig zwischen den einzelnen Zeitebenen hin und her und führt tief in ein als Paradoxon angelegtes Netz aus Frustration, Wut und Rache. Trotz gerade in der ersten Hälfte langer Dialoge und nur zurückhaltender Action fesselt der Film von der ersten bis zur letzten Minute, will man doch endlich diesen seltsamen Reigen entschlüsseln. Zudem besticht Predestination durch eine tolle Inszenierung und einem recht eigenwilligen Look, irgendwo zwischen Film Noir und dem Flair der 70er Jahre, kombiniert mit zahlreichen geschickt platzierten, futuristisch anmutenden Elementen. Auch die beiden Hauptdarsteller, Ethan Hawke und Sarah Snook, machen ihre Sache gut bis sehr gut, nicht überragend, aber überzeugend genug, um den verschachtelten Plot glaubwürdig rüberzubringen. Vor allem die bis dato nahezu unbekannte Sarah Snook weiß zu überzeugen, ist ihre Figur doch besonders komplex angelegt.

 

 

 

„Time catches up with us all.”

 

 

 

Predestination  entpuppt sich als anspruchsvolles, aber nie zu verkopftes Gedankenspiel, das die inhärenten Probleme von Zeitreisen eigenwillig durchexerziert und mit jedem neuen Sprung eine weitere Wendung nimmt, der Handlung weitere Facetten hinzufügt, und dem Zuschauer immer mehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Natürlich ist hier von außen betrachtet nichts logisch. Wie könnte es? Das liegt zum einen an dem Genre und der Thematik Zeitreisen selbst, zum anderen aber auch daran, dass das Drehbuch auf äußerst erfrischende Art und Weise sämtliche gängigen Zeitparadoxon-Theorien der Filmwelt frech unterläuft und ihnen kaum bis gar keine Beachtung schenkt. Trotzdem gelingt es, innerhalb der vom Film postulierten Welt mit all ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten geradezu zwingend logisch und bis auf die Spitze getrieben konsequent zu sein. Die üblichen und nicht zu vermeidenden logischen Fallstricke darf man dem Film aber keineswegs vorwerfen, geht es den Spierig-Brüdern insgesamt weniger um das Erzählen einer absolut schlüssigen und wasserdichten Geschichte, sondern vielmehr um das Ausloten der Grenzen menschlicher Vorstellungskraft. Sie nehmen den Zuschauer mit auf eine fantastische und faszinierende Reise an deren Ende nur noch ungläubiges Staunen über soviel Mut und Frechheit wartet, den Plot so sehr zu zuspitzen. Abschließend kann ich nur anmerken, dass jeder, der geneigt ist, sich Predestination anzuschauen, sich so wenig wie möglich vorher mit dem Film beschäftigen sollte, damit das Drehbuch seine volle Wirkung entfalten kann.

 

8 von 10 ledigen Müttern

 

 

 

 

Enemy

21. November 2014 at 1:52
Enemy (2013)
Enemy poster Rating: 6.8/10 (43,384 votes)
Director: Denis Villeneuve
Writer: José Saramago (novel), Javier Gullón
Stars: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sarah Gadon, Isabella Rossellini
Runtime: 90 min
Rated: R
Genre: Mystery, Thriller
Released: 06 Feb 2014
Plot: A man seeks out his exact look-alike after spotting him in a movie.

 

 

„Control. It´s all about control.“

 

 

Stellt euch vor, ein Bekannter, ein Freund oder ein Arbeitskollege empfiehlt euch einen Film. Ihr leiht euch diesen Film aus und seht ihn euch an. Etwas kommt euch merkwürdig vor, aber ihr könnt nicht genau benennen, was es ist, also seht ihr euch den Film ein zweites Mal an. Und dann erkennt ihr es: einer der Schauspieler in diesem Film sieht haargenau so aus wie ihr selbst! Aus Verwirrung wird Neugierde, aus Neugierde wird Faszination, aus Faszination wird Obsession… und dann läuft einfach alles aus dem Ruder und steht Kopf. Willkommen in der Welt des Geschichtsprofessors Adam Bell…

 

Regisseur Denis Villeneuve erschafft hier noch vor seinem Durchbruch mit dem zwar grandiosen, aber im Vergleich zu Enemy doch eher konventionell strukturierten Thriller Prisoners einen Film, der ganz, ganz tief in die Abgründe des menschlichen Unterbewusstseins blickt und uns schonungslos daran teilhaben lässt, was er dort findet. Er thematisiert Kontrollverlust, Obsession, unterdrückte Sexualität und die niederen Regionen unbewusster Begierde, und das auf eine Art und Weise, so subtil und unterschwellig, dass einem zunächst gar nicht wirklich klar ist, was passiert. Die Geschichte ist so bedrückend, dass sie beinahe schon klaustrophobische Ängste auslöst. Die Atmosphäre ist sehr surreal, düster, irgendwie immer unheilvoll und stellenweise geradezu bedrohlich, obwohl kaum etwas passiert, das diese Empfindungen auslösen könnte. Sowohl die Art der Inszenierung, die Bilder und oft recht ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, die präzise ausgearbeitete Farbgebung, die dem Film einen sehr stilisierten Anstrich verleiht, als auch der hervorragende Soundtrack verstärken dieses Gefühl der Bedrohlichkeit nur noch immer weiter und ziehen die Spannungsschraube gnadenlos an. Ich fühlte mich oft an die Werke David Lynch, Alfred Hitchcock, Nicolas Winding Refn oder auch David Cronenberg erinnert. Sehr viel geschieht unterschwellig, kaum wahrnehmbar, nicht immer wird alles auch angesprochen, meist nur angedeutet, wie eine Art Subtext, der den Film permanent begleitet. Es ist nicht immer deutlich erkennbar, aber es ist die ganze Zeit über da, und die Zwischenräume, die leeren Stellen in den Szenen und Dialogen sind von großer Bedeutung, wollen sie doch gefüllt werden. Tatsächlich hält der Film sogar alle Hinweise und Fingerzeige für die Auflösung der Story parat, nur muss man diese auch finden und für sich interpretieren, denn eines ist klar: obwohl Villeneuve deutlich Stellung bezieht zur Interpretation, so ist es doch dem Zuschauer selbst überlassen, den Film zu deuten, und Enemy lässt viele dieser Deutungen zu.

 

 

„Chaos is order yet undeciphered.”

 

 

Jake Gyllenhaal zeigt hier ohne Zweifel die beste Leistung seiner Karriere, übertrifft seine Rolle in Prisoners nochmal und lässt sehr hoffen auf seinen neuen Film Nightcrawler. Wie er beide Figuren verkörpert, das ist atemberaubend. Es gelingt ihm, beide gleich zu spielen, aber doch unterschiedlich, durch winzige, ganz feine Abweichungen in der Körpersprache, durch den Gang, durch Gesten oder durch seine Sprache. Die erste richtige Begegnung der beiden Figuren in einem Motelzimmer macht nur durch ihre Inszenierung und Gyllenhaals Schauspiel sprachlos, ist wahnsinnig spannend und packend, obwohl im Grunde überhaupt nichts passiert. Unterschwellig aber offenbaren sich in diesem einen Moment ganze Welten. Abgerundet wird der Cast durch Mélanie Laurent, Sarah Gadon und Isabella Rossellini, die alle drei auch hervorragende Leistungen zeigen und ihre Figuren trotz der teils beträchtlichen Unterschiede spürbar mit Leben füllen und auf ihre eigene Art sehr starke Frauentypen verkörpern.

 

Enemy ist ein ziemlicher Brocken von Film, der es einem nicht immer unbedingt leicht macht, kaum Antworten liefert und den Zuschauer lieber zum Interpretieren anregt, statt alles auf dem Silbertablett zu servieren, aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben, sich auf den Film einzulassen und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Wer weiß, was man am Ende noch findet, was man über sich selbst erfährt? Enemy ist sicher kein Mainstream, vielmehr sehr nischenhaft, aber auch nicht zwingend Arthouse, und vermutlich auch nicht für jeden unbedingt geeignet, man sollte schon denken wollen. Beim zweiten Anschauen fand ich den Film sogar noch besser, weil sich auf einmal Verbindungen und Verknüpfungen finden ließen und viele Kleinigkeiten plötzlich an die Oberfläche traten, Symbole und Metaphern, die vorher kaum ins Auge fielen, dann aber letztlich die Interpretation abrunden. Wer also Filme wie Der Maschinist von Brad Anderson oder Memento von Christopher Nolan mag, der könnte hier glücklich werden.

 

 

 

Meine zehn liebsten „Mindfuck“ – Filme

11. November 2014 at 1:53

So, liebe Leute. Anlässlich meines letzten Filmgenusses, der reichlich prägend war und an dieser Stelle auch noch entsprechend gewürdigt werden wird, hier mal eine kleine Liste meiner liebsten Vertreter des „Mindfuck“ – Genre. Filme also, die den Zuschauer bewusst und gekonnt durch verschiedenste Techniken in die Irre führen und, idealerweise erst am Schluss, etwas offenbaren, das nahezu vollkommen überrascht und nicht unbedingt vorhersehbar war. Oft zeichnen sich solche Filme dadurch aus, dass man sie auch dann noch öfter sehen kann, wenn die Auflösung bereits bekannt ist, sogar gerade dann, denn dadurch verlagert sich der Blickwinkel des Zuschauers und es werden Kleinigkeiten und Details entdeckt, die vorher nicht wahrgenommen wurden. Allerdings dient der Begriff „Mindfuck“ weniger als eigenes Genre, sondern eher als Effekt oder Stilmittel, und taucht auch in anderen Bereichen wie Literatur, Theater oder Bildende Kunst auf. Aus Ermangelung an Alternativen nutze ich aber diese Bezeichnung… außerdem mag ich das Wort irgendwie.

Diese Liste ist allerdings im Gegensatz zu meinen Lieblingsfilmen wertend, das heißt, ich beginne mit Platz 10 und arbeite mich dann zur Nummer 1 vor.

 

 

10.

Identity (2003)
Identity poster Rating: 7.3/10 (149,453 votes)
Director: James Mangold
Writer: Michael Cooney
Stars: John Cusack, Ray Liotta, Amanda Peet, John Hawkes
Runtime: 90 min
Rated: R
Genre: Mystery, Thriller
Released: 25 Apr 2003
Plot: Stranded at a desolate Nevada motel during a nasty rain-storm, ten strangers become acquainted with each other when they realize that they're being killed off one by one.

 

 

9.

Moon (2009)
Moon poster Rating: 8.0/10 (204,640 votes)
Director: Duncan Jones
Writer: Duncan Jones (story), Nathan Parker
Stars: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Rosie Shaw
Runtime: 97 min
Rated: R
Genre: Drama, Sci-Fi
Released: 17 Jul 2009
Plot: Astronaut Sam Bell has a quintessentially personal encounter toward the end of his three-year stint on the Moon, where he, working alongside his computer, GERTY, sends back to Earth parcels of a resource that has helped diminish our planet's power problems.

 

 

8.

The Machinist (2004)
The Machinist poster Rating: 7.8/10 (231,864 votes)
Director: Brad Anderson
Writer: Scott Kosar
Stars: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh, Aitana Sánchez-Gijón, John Sharian
Runtime: 101 min
Rated: R
Genre: Drama, Thriller
Released: 17 Dec 2004
Plot: An industrial worker who hasn't slept in a year begins to doubt his own sanity.

 

 

7.

Trance (2013)
Trance poster Rating: 7.0/10 (75,254 votes)
Director: Danny Boyle
Writer: Joe Ahearne (screenplay), John Hodge (screenplay), Joe Ahearne (story)
Stars: James McAvoy, Vincent Cassel, Rosario Dawson, Danny Sapani
Runtime: 101 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 27 Mar 2013
Plot: An art auctioneer who has become mixed up with a group of criminals partners with a hypnotherapist in order to recover a lost painting.

 

 

6.

Shutter Island (2010)
Shutter Island poster Rating: 8.1/10 (556,285 votes)
Director: Martin Scorsese
Writer: Laeta Kalogridis (screenplay), Dennis Lehane (novel)
Stars: Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow
Runtime: 138 min
Rated: R
Genre: Mystery, Thriller
Released: 19 Feb 2010
Plot: In 1954, U.S. Marshal Teddy Daniels is investigating the disappearance of a murderess who escaped from a hospital for the criminally insane and is presumed to be hiding near-by.

 

 

5.

Enemy (2013)
Enemy poster Rating: 6.8/10 (43,384 votes)
Director: Denis Villeneuve
Writer: José Saramago (novel), Javier Gullón
Stars: Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sarah Gadon, Isabella Rossellini
Runtime: 90 min
Rated: R
Genre: Mystery, Thriller
Released: 06 Feb 2014
Plot: A man seeks out his exact look-alike after spotting him in a movie.

 

 

4.

Memento (2000)
Memento poster Rating: 8.5/10 (653,884 votes)
Director: Christopher Nolan
Writer: Christopher Nolan (screenplay), Jonathan Nolan (short story "Memento Mori")
Stars: Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano, Mark Boone Junior
Runtime: 113 min
Rated: R
Genre: Mystery, Thriller
Released: 25 May 2001
Plot: A man, suffering from short-term memory loss, uses notes and tattoos to hunt for the man he thinks killed his wife.

 

 

3.

Se7en (1995)
Se7en poster Rating: 8.7/10 (768,133 votes)
Director: David Fincher
Writer: Andrew Kevin Walker
Stars: Morgan Freeman, Andrew Kevin Walker, Daniel Zacapa, Brad Pitt
Runtime: 127 min
Rated: R
Genre: Drama, Mystery, Thriller
Released: 22 Sep 1995
Plot: Two detectives, a rookie and a veteran, hunt a serial killer who uses the seven deadly sins as his modus operandi.

 

 

2.

Inception (2010)
Inception poster Rating: 8.8/10 (1,040,704 votes)
Director: Christopher Nolan
Writer: Christopher Nolan
Stars: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy
Runtime: 148 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Mystery, Sci-Fi
Released: 16 Jul 2010
Plot: A thief who steals corporate secrets through use of dream-sharing technology is given the inverse task of planting an idea into the mind of a CEO.

 

 

1.

Fight Club (1999)
Fight Club poster Rating: 8.9/10 (1,000,044 votes)
Director: David Fincher
Writer: Chuck Palahniuk (novel), Jim Uhls (screenplay)
Stars: Edward Norton, Brad Pitt, Helena Bonham Carter, Meat Loaf
Runtime: 139 min
Rated: R
Genre: Drama
Released: 15 Oct 1999
Plot: An insomniac office worker looking for a way to change his life crosses paths with a devil-may-care soap maker and they form an underground fight club that evolves into something much, much more...

 

 

Und wie immer sind eure Kommentare, Anregungen und vielleicht sogar eigene Listen willkommen und erwünscht!