Hellboy (2019)

5. November 2019 at 14:44

 

 

© Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

It’s not going to work, you know, cause I’m a Capricorn and you’re fucking nuts!“

 

 

 

Die einst von König Arthus persönlich getötete Hexe Nimue wartet seit Ewigkeiten auf ihre Chance zur Rückkehr. Doch zunächst müssen ihre sechs Körperteile in ganz England gesucht und wieder zusammen geführt werden. Einzig Hellboy und sein Team können den Untergang der Welt jetzt noch verhindern.

 

Eines vorab: ich bin großer Fan der beiden Filme von Guillermo del Toro, aber ein dritter Teil von ihm und mit Ron Perlman als Hellboy hat einfach nicht sein sollen. Nun also die Neuausrichtung des von mir ebenfalls geschätzten Neil Marshall (Dog Soldiers, The Descent, Doomsday, Centurion), welche sich näher an den Comics aus der Feder von Mike Mignola orientieren sollte. Dankenswerter Weise verzichtet Hellboy auf die bereits bekannte Origin-Story seines Titelhelden und reißt diese lediglich in kurzen Rückblenden erneut an. Marshall verfolgt inszenatorisch einen anderen Ansatz als seiner Zeit noch Del Toro, wenn aus fantasievoll märchenhaftem Flair grell-lautes Genrekino wird. So findet sich auch deutlich weniger von Charme und Eleganz vergangener Zeiten und Hellboy ist spürbar dreckiger, rauer, blutiger, weniger verspielt und ziemlich stumpf geraten.

 

Die episodenhafte Story rund um die Wiedererweckung der Hexe Nimue ist vollkommen nebensächlich, kaum der Rede wert und dient bloß als lose Verknüpfung der mal mehr, mal weniger isolierten Set-Pieces und Actionszenen. Hellboy eilt in halsbrecherischem Tempo sprunghaft von Setting zu Setting, wirkt oftmals hektisch und überfrachtet, manchmal geradezu lückenhaft, und bombardiert den Zuschauer im Minutentakt mit seinen kruden Kreaturen und überraschend derben Gewaltspitzen. Der Film will einfach zu viel und ist letztlich zu wenig. Durch diese permanente In die Fresse-Attitüde ist Hellboy ein prolliges Großmaul von Film ohne erkennbare Zwischentöne, vollgestopft mit Einfällen und Ideen, welche nie auch nur im Ansatz Zeit bekommen sich zu entfalten.

 

Hellboy dürfte schnell vergessen sein, doch in seinen rund zwei Stunden Laufzeit wurde ich trotz all der teils massiven Probleme (eine Story zum Vergessen, profillose Figurenzeichnung, mäßige bis schlechte Effekte, teils schwache Darsteller und eine wenig vorteilhafte Produktionsgeschichte) immerhin durchgängig unterhalten und Langeweile machte sich keine breit bei mir. Ich kann es selbst kaum glauben, aber Hellboy hat mir tatsächlich Spaß gemacht. Was ich von so manchen anderen Comicverfilmungen nicht unbedingt behaupten kann.

 

6 von 10 Anfällen von übersinnlicher Migräne

 

 

The House of Horrorctober #5: Dog Soldiers

12. Oktober 2017 at 23:04

 

 

© Pathé

 

 

„I am not breaking radio silence just cos‘ you lot got spooked by a dead flying fucking cow.“

 

 

In seinem Langfilmdebüt lässt der Brite Neil Marshall in den schottischen Highlands eine kleine Gruppe von Soldaten im Manöver auf Werwölfe treffen. Zwar gestaltet sich der Einstieg in den Film als noch etwas schleppend, das Tempo steigert sich aber in seinem Verlauf immer weiter und erreicht spätestens mit seinem Belagerungsszenario einen Höhepunkt, der sich durchaus sehen lassen kann. Marshall beweist hier sein Talent, aus relativ wenig einen erstaunlich effektiven, fiesen, kleinen Schocker zu erschaffen, und versteht es hervorragend sein limitiertes Budget derart einzusetzen, dass es nicht allzu sehr ins Gewicht fällt und Dog Soldiers wohl möglich allzu billig wirken könnte. Man sieht dem Film seine Low Budget-Herkunft zwar durchaus an, Marshall inszeniert jedoch mit ausreichend Esprit und Einfallsreichtum, um das schnell vergessen zu machen. Sind die verbliebenen Soldaten erst einmal in dem Haus im Wald und unter Belagerung durch die Werwölfe, dann hält auch ausreichend Spannung Einzug in das Szenario und die Atmosphäre aus Terror und Angst wird dichter. Die filmischen Vorbilder von Marshall sind recht offensichtlich zu identifizieren und reichen von John Carpenters Assault on Precinct 13 bis zu Filmen wie Southern Comfort von Walter Hill. Sicher hat Dog Soldiers seine Schwächen und sieht manchmal mehr nach einer TV-Produktion aus, aber Neil Marshall zeigt mit seinem Debüt bereits, was in ihm schlummert, und was er hier 2002 bereits verspricht, das sollte er später mit tollen Genrefilmen wie The Descent, Doomsday und Centurion einlösen. So wie es aussieht, wird er die Regie beim Hellboy-Reboot führen und das ist definitiv mal eine reizvolle Kombination.

 

6,5 von 10 Darmschlingen auf dem Fußboden

 

 

Doomsday

24. August 2015 at 14:39

 

 

 

Doomsday (2008)
Doomsday poster Rating: 6.0/10 (59965 votes)
Director: Neil Marshall
Writer: Neil Marshall
Stars: Caryn Peterson, Adeola Ariyo, Emma Cleasby, Christine Tomlinson
Runtime: 105 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 14 Mar 2008
Plot: A futuristic action thriller where a team of people work to prevent a disaster threatening the future of the human race.

 

 

 

„You’re going there? If there is such a thing as hell on earth, that’s it.”

 

 

 

2008 bricht in Glasgow das hochgradig ansteckende und tödliche Reaper-Virus aus und wütet schon bald in ganz Schottland. Der Name ist hier Programm, wie der Sensenmann persönlich dezimiert das Virus unaufhaltsam die Bevölkerung. Die britische Regierung ist absolut machtlos, es gibt weder eine Heilung noch eine Impfung, und die Infektion muss um jeden Preis eingedämmt werden. Buchstäblich. Also wird ganz Schottland unter Quarantäne gestellt und vom Rest des Landes isoliert, indem eine gigantische Stahlmauer entlang des Hadrianswall errichtet wird und schwer bewaffnete Truppen fortan die Grenzen bewachen. Schottland und seine Einwohner werden einfach sich selbst überlassen und im Laufe der Jahre gerät alles in Vergessenheit. Bis 30 Jahre später ein erneuter Ausbruch des Reaper-Virus mitten in London den britischen Premierminister zum Handeln zwingt. Schon länger ist der Regierung bekannt, dass es wieder menschliches Leben in Schottland zu geben scheint, also wird eine Gruppe von Wissenschaftlern und Elitesoldaten entsandt, um auf der anderen Seite der Mauer nach einem Heilmittel zu suchen….

 

Doomsday ist nach Dog Soldiers und The Descent die dritte Regiearbeit des Briten Neil Marshall. War Dog Soldiers zwar noch nicht der ganz große Wurf, aber doch ein ansehnliches Debüt voller schwarzem Humor, dass bereits viel von der späteren Handschrift Marshalls enthielt, so war das Nachfolgewerk The Descent ein wahres Monster von Horrorfilm, das bis heute zu meinen absoluten Lieblingen des Genres zählt. Für Doomsday hat man Marshall dann ein Budget von 30 Mio Dollar und absolut freie Hand gegeben. Das Ergebnis ist ein sehr eigenwilliger, räudiger, kleiner Bastard, der sich einen feuchten Dreck um Genrekonventionen schert. Marshall ignoriert und unterwandert breit grinsend die gängige Kino-Etikette und wechselt in einem herrlichen Tempo auf angenehm respektlose und ironische Art und Weise Schauplätze und Stimmungen. Doomsday entpuppt sich recht schnell als doch sehr kompromissloser Endzeit-Actioner mit Horrorelementen, der ganz bewusst am Geschmack der Massen vorbei produziert wurde und sich selbstbewusst als regelrechte Flut von Zitaten versteht, ganz im Geiste der 80er Jahre ohne Längen oder Füllmaterial, eine handfeste Hommage mit Augenzwinkern, ohne dabei plump oder billig zu wirken. Marshall spielt ungehemmt mit der ganzen Bandbreite der Klischees der Endzeit-Action, von degenerierten und entarteten Kannibalen über die mahnenden Stahlgerippe der einstigen Zivilisation und die zurückerobernde Natur bis hin zu ins Mittelalter  zurückentwickelte Gesellschaftsstrukturen findet sich hier beinahe alles. Störende Anflüge von Anspruch oder Subtext gibt es keine, nur knallharte Action, ein hohes Tempo und jede Menge entfesselten Wahnsinn gepaart mit verrückten Einfällen und Details. Es regiert einzig und allein der Spaß am Spektakel. Die Mischung aus Geschwindigkeit und Gewalt, die Marshall dem Zuschauer serviert, lässt zwar nicht alle, aber doch viele ähnlich gestrickte Genrevertreter deutlich hinter sich, und obwohl er sich sehr zitierfreudig durch die Geschichte der Endzeit-Actioner wühlt, kommt Doomsday nie als stumpfes Plagiat daher, sondern vielmehr als gelungene Hommage an seine offensichtlichen Vorbilder. So erinnern die Grundzüge der Story an John Carpenters Klassiker Die Klapperschlange, entwickelt sich zum kleinen Bruder von Flucht aus Absolom mit leichten Einschlägen von Mad Max III: Beyond Thunderdome, driftet dann irgendwie in mittelalterliche Gefilde ab und die finale Verfolgungsjagd bezieht sich ganz eindeutig auf Mad Max II: Road Warrior. Sogar das zwei Jahre später von Neil Marshall blutig inszenierte Schlachtgemälde Centurion mit Michael Fassbender in der Hauptrolle deutet sich in Doomsday schon überdeutlich an.

 

Wie gesagt, in Doomsday regieren eindeutig Action, Gewalt, Tempo und Spaß, Logik, inhaltliche Konsistenz und erwähnenswerte schauspielerische Leistungen hingegen sucht man hier vergeblich. Vielmehr inszeniert Marshall ein unterhaltsames Flickwerk aus Anspielungen und Zitaten, ein B-Movie mit zwar für seine Verhältnisse durchaus ansehnlichem Budget, aber eben doch in seinem tiefsten Herzen durch und durch ein B-Movie, das zwar manchmal etwas zuviel des Guten offeriert, zwischendurch auch mal ein wenig unübersichtlich wird und leider zu oft eine gewisse Homogenität vermissen lässt, aber niemals zur bloßen Parodie verkommt. Ernst gemeint ist hier nun wirklich nichts, das schwarzhumorige Augenzwinkern ist kaum zu übersehen, und so entsteht eine kurzweilige und unterhaltsame Hommage an ein Genre, dass man schon mögen sollte, um Doomsday etwas abgewinnen zu können. Ist dies jedoch der Fall und gelingt es einem, für rund 108 Minuten den Kopf auszuschalten, dann kann man durchaus Spass haben mit dem Film. Stumpf wie ein zur Axt umfunktioniertes Verkehrsschild, aber dafür auch ebenso unterhaltsam.

 

7 von 10 zelebrierten Enthauptungen