Spring (2014)

14. Oktober 2018 at 14:25

 

 

© Drafthouse Films/FilmBuff/Quelle: IMDb

 

 

 

Sunrises and sunsets. Some things are just beautiful no matter what. And a constant reminder that you only get so many, so you gotta fuckin‘ enjoy them.“

 

 

 

Der junge Evan hat in kürzester Zeit so ziemlich alles verloren, was von Bedeutung für ihn ist: erst seinen Vater bei einem Unfall, dann seine Mutter an den Krebs und letztlich auch noch seinen Job. Eher spontan beschließt er, einfach nach Italien zu reisen und sich treiben zu lassen. Nach einigen Umwegen landet er schließlich in einem kleinen, beschaulichen Fischerdorf und trifft dort auf die umwerfende Louise. Die beiden nähern sich an, doch sie legt immer wieder merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag und birgt ein schreckliches Geheimnis.

 

Moorhead & Benson zum Dritten… Film um Film kann ich zunehmend weniger fassen, was dass doch für zwei begnadete Zauberer des amerikanischen Independent-Kinos sind. Auch Spring – ihre zweite gemeinsame Regiearbeit nach Resolution – ist geradezu beseelt von dieser ganz besonderen Magie, welche scheinbar all ihren Werken inne wohnt. Ausnahmsweise lügt der Klappentext mal nicht: Spring bewegt sich tatsächlich im diffusen Spannungsfeld zwischen Lovecraft und Linklater, zwischen Body-Horror in bester Cronenberg-Manier und dem schwebendem Gefühl der Before-Trilogie. Dabei gilt für Spring ebenso wie für Resolution und The Endless, dass sie KEINE Horrorfilme sind und auch gar nicht sein wollen, wenn Moorhead & Benson vielmehr daran interessiert sind, eine ungewöhnliche wie tragisch-schöne, geradezu surreale Liebesgeschichte zu erzählen. Ein modernes Märchen, welches in seiner Schlichtheit zutiefst poetisch vom Leben, der Liebe, dem Tod, Verlust und Vergänglichkeit handelt und uns lehrt, die großen Momente zu schätzen, die kleinen jedoch zu lieben.

 

Spring ist ruhig und langsam gehalten in seiner Erzählstruktur und nicht viele Filmemacher dieser Tage nehmen sich so viel Zeit, ihre Geschichte derart auszubreiten und ihre Figuren zu etablieren. Erst lernen wir Evan kennen, der dann später in einem kleinen italienischen Fischerdorf Louise trifft. Spring nimmt seine Figuren und deren jeweiligen Konflikte angenehm ernst, ist stark Charakter getrieben, spürbar reifer als noch Resolution, verzichtet weitestgehend auf Effekthascherei und ist ausnehmend schön gefilmt und fantastisch bebildert. Man kann zwar die oben erwähnten Einflüsse erkennen, aber Moorhead & Benson gelingt es mühelos, ihre eigene Handschrift beizubehalten und ihre Eigenständigkeit zu bewahren. Selbst nach dem Evan das Geheimnis von Louise erfährt, da bleiben die beiden Regisseure selbstbewusst genug, jetzt eben gerade nicht in reißerisches Getöse zu verfallen, sondern bleiben ihrem eigenwilligen Stil treu und beschreiten stattdessen viel lieber Road Movie-artige Wege, wenn wir zwei Menschen dabei folgen einem ungewissen Schicksal entgegen zugehen. Evan und Louise sind von Lou Taylor Pucci und Nadia Hilker nicht nur wunderbar authentisch wie sympathisch gespielt, sie sind auch herrlich realitätsnah und glaubwürdig geschrieben, so dass man den beiden trotz des fantastischen Überbaus auf ihrem Weg liebend gern folgt, mitleidet und hofft, sie würden ihr Glück und die ewige Liebe finden.

 

Spring ist eine als Grusel-Mär getarnte, zutiefst empathische, ehrliche, einfühlsame und wunderschön erzählte Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die sich einander annähern in dem Wissen, dass ihnen eine gemeinsame Zukunft möglicherweise nicht bestimmt ist. Emotional hat mich das alles in jeglicher Hinsicht sehr abgeholt und aufrichtig berührt.

 

8 von 10 Ampullen mit aufgemalten traurigen Smileys

 

 

Miracle Mile – Nacht der Entscheidung (1988)

28. April 2018 at 13:25

 

 

© Colombia Pictures/Hemdale Film Corporation

 

 

 

„I told you what would happen if it ever came down. Well, it is! We don’t know why! Why would we, huh? It’s for real! It’s no drill! We shoot our wad in fifty minutes. They’re ging to pick us up in five or ten. And you could get it back in an hour and ten. Maybe seventy-five minutes!“

 

 

 

Was für ein wundervoller lauwarmer Sommertag für Harry Washello, hat er doch so eben mit Julie Peters seine Traumfrau kennengelernt. Dumm nur, dass er wenig später das für 12 Uhr nachts geplante Date durch einen dummen Zufall verschläft. Dennoch macht er sich um 4 Uhr morgens auf den Weg zum Diner, wo die beiden sich treffen wollten, in der leisen Hoffnung, Julie könnte vielleicht noch dort sein. Als er zufällig einen gar nicht für ihn bestimmten Anruf in einer Telefonzelle annimmt, traut er seinen Ohren kaum, verkündet die Stimme im Hörer doch vom nahenden Atomkrieg. Nur: ist das alles wahr, oder vielleicht doch nur ein schlechter Scherz? Harry jedenfalls macht sich auf die Suche nach Julie um gemeinsam mit ihr aus der Stadt zu fliehen.

 

WAS würdest du tun? Was würdest DU tun? Was würdest du TUN… wenn du wüsstest, dass in etwa 70 Minuten die Welt untergehen wird? Vollkommen ausgelöscht werden wird? In einem Feuersturm unvergleichlichen Ausmaßes zu Asche verbrennen wird? 70 Minuten, mitten in der Nacht! Das ist so schon nicht gerade viel Zeit, aber mit dem Wissen um das Ende aller Dinge? Nicht mal ein Wimpernschlag!

 

Miracle Mile ist wahrlich eine kleine Perle des Kinos der später 80er Jahre und leider ziemlich in Vergessenheit geraten, vermag er doch aufrichtig zu berühren statt dem Zuschauer vorzuschreiben, was er empfinden soll und Gefühle bloß einfach nur zu simulieren. Regisseur Steve De Jarnatt meistert mit dem zweiten und letzten Film seiner Kino-Karriere einen ausgesprochen schwierigen Spagat, wenn er mit Miracle Mile gleich mehrere verschiedene Genres elegant unter einen Hut bringt. Leichte romantische 80er Komödie, Science Fiction, Drama, Katastrophenfilm und Liebesgeschichte: all diese verschiedenen Stile und Elemente vermischt er zu einem kleinen funkelnden Kunstwerk, welches mit wundervollem Detailreichtum aufwarten kann und trotz seiner tief ernsten Thematik auch immer mal wieder geradezu leicht tänzelnd und charmant daherkommt. Trotzdem: Miracle Mile hat zwar immer wieder seine humorvollen Momente, bleibt letztlich aber deutlich eher Drama und kann irgendwie auch als Sozialstudie über Extremsituationen betrachtet werden, wenn mit erbarmungslos voran schreitender Uhr auch die Schraube der Eskalation immer weiter anzieht. Weiß anfangs nur eine handvoll zufällig morgens um vier in einem Diner sitzender Menschen vom bevorstehenden Grauen, verbreitet sich die Hiobsbotschaft doch recht schnell einem Flächenbrand gleich, will doch jeder seine Liebsten beschützen und retten, wenigstens aber nochmal mit ihnen sprechen oder bei ihnen sein.

 

Was also würdest du tun angesichts der bevorstehenden Extinktion? Nächstenliebe oder Selbstrettung? Vielleicht eine der schwersten Fragen. Vermutlich nicht wenige würden es den Gästen des Diners gleich machen und ihr eigenes Heil suchen. Immerhin ist der Informationsvorsprung in dieser Situation Gold wert. Doch nicht Harry (angenehm zurückhaltend gespielt von einem noch jungen Anthony Edwards, welchen manch einer vielleicht noch als Goose in Top Gun oder als Dr. Mark Greene in der Serie Emergency Room kennt), ist dessen erster Gedanke weniger Selbsterhaltung und mehr Ausdruck des Verlangens danach mit Julie zusammen zu sein. Und sei es nur, um gemeinsam zu Asche zu verglühen. Wenig aussichtsreich vielleicht, dafür aber umso anrührender und aufrichtiger. Und so beginnt eine chaotische Odyssee in Echtzeit durch ein nächtliches Los Angeles, dessen leere Straßen morgens um vier seltsam ruhig und friedlich wirken, aber irgendwie auch beinahe schon seltsam post-apokalyptisch anmuten, als würden sie bereits von großem Unheil verkünden. Aber das große Chaos, das nackte Entsetzen und die pure Verzweiflung werden nicht mehr lange auf sich warten lassen und die Straßen der Stadt nicht mehr lange so leer bleiben. Besonders schön ist auch in meinen Augen, dass Miracle Mile den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren darüber lässt, ob die erwartete Katastrophe denn nun auch wirklich eintrifft und alles mit einem großen Knall zu Ende geht, oder es vielleicht doch nur ein grausamer Scherz war. So oder so, am Ende herrscht Klarheit, doch Steve De Jarnatt hat es nie auch nur ansatzweise nötig, tonal in unangenehmen Zynismus zu verfallen, denn stattdessen bleibt sein Film zu jedem Moment ausgesprochen warmherzig trotz oder vielleicht gerade wegen des drohenden Untergangs.

 

Es ist schade, dass Miracle Mile seiner Zeit so unterging und nahezu in Vergessenheit geriet, gestaltet Steve De Jarnatt seine ganz eigene Vision vom Ende der Welt elegant wie eindringlich und detailverliebt wie erstaunlich kreativ. Gleiches gilt übrigens auch für den ein Jahr zuvor von ihm gedrehten Film Cherry 2000, der fälschlicherweise immer nur zu gern und vorschnell in die Trash-Ecke gestellt wird, dieses Schicksal aber absolut nicht verdient hat. Wie gern hätte ich mehr Filme von Steve De Jarnatt gesehen!

 

9 von 10 Funktelefonen, die in einen Aktenkoffer passen

 

 

Coen-Retrospektive #10: Intolerable Cruelty (2003)

18. März 2018 at 15:10

 

© Universal Studios

 

 

 

„I saw an ad in the paper. „No-fault divorce. Two week divorce without a lawyer“. Made me sick to my stomach. No-fault divorce.“

 

 

 

Miles Massey ist einer der besten Scheidungsanwälte weit und breit und sein legendärer Massey-Ehevertrag gilt als absolut unanfechtbar.  Als eines Tages der Immobilien-Mogul Rex Rexroth seine Dienste bei der Scheidung von Noch-Ehefrau Marylin in Anspruch nehmen möchte, wird sein Leben kompliziert, denn obwohl Marylin ganz offensichtlich eine professionelle Heiratsschwindlerin ist, beginnt Massey sich in sie zu verlieben.

 

Der Coens nun mehr zehnter Streich erweist sich als romantische Komödie mit deutlichen Screwball-Anleihen. Man kann durchaus die Handschrift der beiden Brüder erkennen und vor allem in den rasanten Dialogschlachten zwischen George Clooney und Catherine Zeta-Jones zeigen sich einige ihrer Trademarks, aber der Funke will bei mir nie so recht überspringen. Intolerable Cruelty sieht aus wie ein Coen-Film und klingt wie ein Coen-Film, fühlt sich aber nie als solcher an. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass sie das Drehbuch nur zu Ende brachten, es ursprünglich aber nicht ihren Köpfen entsprungen ist. Das würde auch erklären, warum gerade die letzten 15 Minuten des Filmes wieder sehr ihrem bisherigen Schaffen entsprechen, der Rest größtenteils jedoch meist eine Nummer flacher und platter ausfällt als man es bisher gewohnt ist. Dabei ist die Idee, einen zynischen wie selbstverliebten Scheidungsanwalt die große Liebe finden und eine notorische Heiratsschwindlerin ehelichen zu lassen, eigentlich ganz hübsch und bietet zumindest auf dem Papier reichlich Konfliktpotential, doch es gelingt irgendwie nicht so recht, die bissigen Impulse der Coens mit der romantischen Botschaft des Filmes zu vermählen. Und dann gibt es immer mal wieder schrecklich klischeebehaftete wie kitschige Szenen: etwa, wenn Miles Massey auf einem Kongress von Scheidungsanwälten ein flammendes Plädoyer auf die Kraft der Liebe hält und letztlich der ganze Saal in stehenden Ovationen ausbricht. In diesen Momenten kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass diese aus der Vorstellungskraft der Coen-Brüder stammen. Auch die Auftritte von Geoffrey Rush und Cedric The Entertainer wollen da nicht so recht passen, einige Szenen mit Edward Herrmann ebenso. Allerdings erweist sich George Clooney als die perfekte Wahl für den arroganten, eitlen und zynischen Scheidungsanwalt, Catherine Zeta-Jones als kalt berechnende und voraus planende Heiratsschwindlerin kann da nicht wirklich mithalten.

 

Machen wir es kurz: Intolerable Cruelty ist in meinen Augen zweifellos der bisher schwächste Film im Werk der Coen-Brüder und kann mit vielen ihrer vorherigen Streifen kaum mithalten. Zu gefällig und für ihre Verhältnisse zu harmlos erscheint mir die Inszenierung ihres wohl „mainstreamigsten“ Filmes. Dennoch muss man an der Stelle festhalten, dass selbst eine mäßige romantische Komödie von ihnen immer noch besser ist als 95% aller RomComs da draußen und allein die abermals fantastische Fotografie von Roger Deakins hebt den Film über den Durchschnitt, aber leider treten auch angesichts ihrer bisherigen Filmografie bei Intolerable Cruelty die Mängel ganz besonders hervor. Das ist ein wenig schade, denn da wäre sicher mehr drin gewesen und so bleibt der Film letztlich kaum mehr als eine mäßige Auftragsarbeit.

 

6 von 10 tödlichen Asthmasprays

 

 

The Shape of Water (2017)

17. März 2018 at 16:17

 

© Fox Searchlight Pictures

 

 

 

„If I spoke about it – if I did – what would I tell you? I wonder. Would I tell you about the time? It happened a long time ago, it seems. In the last days of a fair prince’s reign. Or would I tell you about the place? A small city near the coast, but far from everything else. Or, I don’t know… Would I tell you about her? The princess without voice. Or perhaps I would just warn you, about the truth of these facts. And the tale of love and loss. And the monster, who tried to destroy it all.“

 

 

 

Baltimore auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges: die stumme Elisa und ihre Freundin Zelda arbeiten als Putzkräfte in einer geheimen Forschungseinrichtung. Als dort eines Tages ein mysteriöses Amphibien-Wesen eingeliefert und schon bald zahlreichen qualvollen Prozeduren unterzogen wird, ist Elisa fasziniert von dieser fremdartigen Kreatur und sucht irgendwann heimlich deren Nähe. Als das Wesen jedoch getötet und seziert werden soll, da beschließt sie mit der Hilfe ihrer Freunde, es aus seiner Gefangenschaft zu befreien.

 

Ich habe mich im Vorfeld wirklich sehr auf diesen Film gefreut und ihm entgegen gefiebert. Nicht wegen seiner gewonnen Oscars und all der anderen Preise, welche mich nämlich nicht interessieren, sondern einfach weil ich sehr großer Fan von Guillermo del Toro und seinen Filmen bin. Und nun, nach The Shape of Water, da muss ich offen eingestehen, dass ich schon irgendwie unterwältigt bin. Zweifellos ist seine nun mehr zehnte Regiearbeit ein schöner Film geworden, mehr aber auch nicht in meinen Augen. Die Ausstattung ist über jeden Zweifel erhaben, sieht wundervoll aus und glänzt mit vielen tollen visuellen Ideen und Einfällen. Das Schauspiel rund um den Cast mit Sally Hawkins, Richard Jenkins und Michael Shannon ist hervorragend. Und del Toro ist hier wieder voll in seinem Element, wenn er zu seinen Lieblingsthemen zurückkehrt und das Misstrauen in autoritäre Institutionen, unterdrückte Außenseiter und märchenhaften Eskapismus in seinen Fokus rückt. Seine Gespaltenheit zwischen blühender Fantasie und brutaler Realität wird in The Shape of Water wieder überdeutlich. Schon in der aller ersten Szene unterstreicht er mit einem Off-Kommentar gleich zu Beginn die märchenhaften Züge seines Filmes und macht sofort deutlich, wohin die Reise gehen wird. Er öffnet eine Tür in eine andersartige Fantasiewelt, zeigt uns aber auch zugleich auf, warum es diese Tür geben muss, wenn er jenen Eskapismus als Überlebensstrategie für die Unangepassten und die Außenseiter etabliert.

 

Del Toro lässt ebenfalls keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass sein mysteriöser Amphibien-Mann humaner ist als die menschlichen Widersacher, wenn gerade Michael Shannons Figur Richard Strickland mit dicken Pinselstrichen als kontrollbesessener, rassistischer und reaktionärer MANN inklusive phallischem Arbeitsgerät und ausgeprägter Angst vor allem Fremden gezeichnet und uns mit dem Holzhammer eingeprügelt wird. Shannon setzt dem auch nichts entgegen und akzentuiert diese Figur lieber noch mehr, wenn er sich zwar wuchtig in diese Rolle wirft, aber auch ohne jegliche Subtilität als eine Art Galionsfigur einer stark von Homophobie, Rassismus und einer streng normierten, zutiefst paranoiden und von Minderwertigkeitskomplexen geplagten Gesellschaft agiert. Auch ist die Figurenzeichnung insgesamt zwar gelungen, aber man kann schon festhalten, dass sie ebenso als schlichte Schwarz/Weiß-Malerei ausgelegt werden kann, wenn das Figurenensemble recht deutlich in zwei offensichtliche Kategorien eingeteilt ist und The Shape of Water lediglich zwischen Gut und Böse, Außenseiter und Angepasste differenziert und kaum Zwischentöne zulässt.

 

Das allerdings könnte ich angesichts del Toros gewohnt toller Inszenierung und seines umfassenden Ideenreichtums durchaus verschmerzen, aber mein eigentliches Problem mit dem Film liegt an anderer Stelle: mir fehlt einfach der emotionale Ankerpunkt, um vollends in diese märchenhafte Liebesgeschichte eintauchen zu können. Ich sehe, was del Toro mir sagen möchte, ich fühle es jedoch nicht. Ich vermisse diesen einen Moment, in dem es bei mir Klick macht, die eine Erkenntnis, welche mir sagt, warum genau sich Elisa und die Kreatur ineinander verlieben. Ihr jeweiliges Außenseiterdasein allein reicht mir da nicht aus, um eine Verbindung herzustellen. Darüber hinaus ging mir die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden viel zu schnell, als dass mich das emotional vollends hätte abholen können. Dennoch gefällt mir die zauberhafte Sally Hawkins in ihrer Rolle wirklich sehr, wirkt sie doch immer irgendwie schwebend, ein wenig losgelöst und entrückt von der brutalen Realität. Man fragt sich, warum sie so wenig Teil dieser Welt ist und am Ende löst sich das auf, wenn deutlich wird, dass sie sich eben nie richtig entfalten konnte, weil unsere Welt nicht die ihre ist. Das empfand ich zum Schluss nochmals als sehr schönes Bild, wenn hier eine erzählerische Klammer auf wunderbare Art und Weise geschlossen wird.

 

Letztlich ist The Shape of Water ein schöner wie märchenhafter Film über die Liebe und Außenseiter auf der Suche nach ihrer Bestimmung, dessen ansehen sich auch zweifellos lohnt, der mich aber aus genannten Punkten nicht vollends zu berühren vermochte. Auch lässt es sich del Toro immer mal wieder nicht nehmen, auf seine Liebe zum Kino und dessen Kraft als Eskapismus zu verweisen und auch das fügt sich wunderbar in seinen Film ein. The Shape of Water ist ein guter, vielleicht sogar sehr guter Film, opulent ausgestattet und bebildert, voller angenehm nuanciertem Humor und überwiegend toll gespielt, aber diesen einen bestimmten Fleck in meinem Herzen hat er nicht getroffen.

 

7 von 10 gekochten Eiern