Crimewave (1985)

11. April 2020 at 16:42

 

 

© Columbia Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Vic Ajax soll auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden für Morde, welche er nicht begangen hat. So erzählt er in Rückblicken, wie zwei als Kammerjäger getarnte Auftragskiller einen ganzen Straßenzug in blutiges Chaos verwandeln.

 

Extermination is not just a business. It´s a way of life. Man kann es kaum anders in Worte fassen: Crimewave ist wie ein filmischer Unfall, von dem man den Blick nicht abwenden kann. Nach The Evil Dead (1981) ist das die erst zweite Regiearbeit von Sam Raimi, für die er zusammen mit den Coen-Brüdern auch das Drehbuch verfasst hat. Zwar lassen sich in dieser denkbar kruden Mischung aus Horror, Noir-Parodie und The Three Stooges-Slapstick bereits die jeweiligen Handschriften dieses Dreiergespanns erkennen, doch dieser fehlgeleitete Versuch, die Dynamik und die Ästhetik von Cartoons in eine Thriller-Groteske zu übertragen, scheitert in vielerlei Hinsicht. Dieses wirre Kuriosum mutet wie eine überlange Looney Tunes oder Tex Avery-Episode an, ausgedehnt auf etwas mehr als 80 Minuten, entwickelt allerdings zu keinem Moment einen brauchbaren Rhythmus.

 

Crimewave ist viel zu schnell getaktet, erfährt keinerlei Tempowechsel und leidet unter seinem misslungenem Timing. Statt einem gelungenem Spiel aus Anspannung und Entspannung kennt der Film mehr oder weniger nur Vollgas, feuert ungeachtet derer Qualität Gag um Gag aus allen Rohren und verkommt so zu einer ermüdenden Nummernrevue. Quantität steht hier über Qualität und so werden auch vereinzelt großartige Einfälle und Ideen gleich wieder für den nächsten Witz beiseite geschoben ohne sich nennenswert entfalten zu können. Auf dem Papier kommen hier bereits alle Stärken von Raimi und den Coen-Brüdern zusammen und doch will Crimewave einfach nicht funktionieren. Spannend ist diese kuriose Fußnote im Schaffen dreier genialer Filmemacher und Geschichtenerzähler allerdings insofern, als dass diese einen faszinierenden Lernprozess aus ihrem Scheitern heraus erfahren und zweifellos die richtigen Schlüsse gezogen haben. Sowohl Evil Dead II (1987) als auch Raising Arizona (1987) waren spürbar besser und der Rest ist ohnehin Geschichte.

 

5 von 10 Bowlingkugeln auf den Kopf fallen lassen

 

 

Army of Darkness (1992)

15. Dezember 2018 at 14:57

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Groovy.“

 

 

 

Nach den Ereignissen in Evil Dead 2 und seinem Sturz durch die Zeit landet Asg im finsteren Mittelalter und wird sogleich von den Schergen des Lord Arthur gefangen genommen. Diesen verweist er jedoch mit Hilfe seiner Schrotflinte schnell in seine Grenzen und als Ash erfährt, dass allein das Necronomicon die Macht hat, ihn wieder zurück in die Gegenwart zu schicken, da macht er sich auf die Suche nach dem Buch des Bösen. Doch Ash wäre nicht Ash, wenn er das nicht gegen die Wand fahren würde und so entfesselt er eine Armee von Untoten, die nun die Burg von Lord Arthur belagert.

 

Hail to the king, baby! Regisseur Sam Raimi verbindet etwas mit den Coen-Brüdern: seine leidenschaftliche Vorliebe für derben Slapstick in der Tradition der Three Stooges und Cartoons wie die von Tex Avery. So ist dann auch Army of Darkness eine vollkommen logisch konsequente Weiterführung von Evil Dead 2, wenn die im Mittelalter angesiedelte Fantasy-Horror-Slapstick-Kömodie von Beginn an ein enorm hohes Tempo geht, grell überdreht und sich für keine noch so grobe Pointe zu schade ist. Wie schon bei The Evil Dead und dessen mehr Quasi-Remake als Fortsetzung tritt auch hier die klassisch lineare Erzählstruktur zugunsten einer stark episodisch geprägten Narration deutlich in den Hintergrund, wenn ganze Sequenzen oft nur auf einer einzigen visuellen Idee basieren. Die traditionellen Regeln einer herkömmlichen Dramaturgie interessieren Raimi eindeutig ebenso wenig wie die Erschaffung eines gleichmäßigen Spannungsbogens und Army of Darkness ist ein Schelm von Film, schwankt immerzu freudig zwischen toll inszenierten Momenten und geradezu amateurhaften Szenen mit betont schlechten Effekten und spielt ganz bewusst und selbstsicher mit seinen Wurzeln.

 

Beinahe alles schreit regelrecht danach, so wenig ernst wie nur möglich genommen werden zu wollen und Army of Darkness macht sich besonders dann gnadenlos über sich selbst lustig, wenn man sich viel Mühe gibt, das damals eigentlich recht üppige Budget von rund 11 Millionen Dollar zu verschleiern. Ein Wolf im Schafspelz, der immer wieder vorgibt billiger zu sein als er es tatsächlich ist. Das schlagende Herz des ganzen Budenzaubers ist zweifellos die grandiose, zwischen irrem Slapstick, derbem Humor und reichlich Körpereinsatz pendelnde Performance von Bruce Campbell, der nun endgültig zu der B-Movie Ikone werden sollte, welche er ist, und dank ihm wird Army of Darkness zum regelrecht hysterischen Spektakel, wenn sein Ash uns immer tiefer in den chaotischen Einfallsreichtum von Raimi führt und all die losen Ideen und Versatzstücke zusammenhält. Dazu der tolle Score von Raimis Haus- und Hofkomponist Joseph LoDuca sowie die starke Kamera von Bill Pope und fertig ist der für mich stärkste Beitrag der Reihe und zugleich der Beweis dafür, was für ein einzigartiger Filmemacher Sam Raimi einst war.

 

8 von 10 Ray Harryhausen-Gedächtnis-Skeletten

 

 

Darkman

16. Juli 2015 at 22:11

 

 

 

Darkman (1990)
Darkman poster Rating: 6.4/10 (44361 votes)
Director: Sam Raimi
Writer: Sam Raimi (story), Chuck Pfarrer (screenplay), Sam Raimi (screenplay), Ivan Raimi (screenplay), Daniel Goldin (screenplay), Joshua Goldin (screenplay)
Stars: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels, Larry Drake
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Fantasy
Released: 24 Aug 1990
Plot: A brilliant scientist left for dead returns to exact revenge on the people who burned him alive.

 

 

 

„I’m everyone – and no one. Everywhere – nowhere. Call me… Darkman.”

 

 

 

Der ehrgeizige Wissenschaftler Dr. Peyton Westlake steht kurz vor seinem großen Durchbruch bei der Entwicklung synthetischer Haut, die Verbrennungsopfern ein normales Leben ermöglichen soll. Gleichzeitig will er sein Glück perfekt machen und seine langjährige Freundin Julie Hastings heiraten, eine junge Anwältin, die eher durch Zufall auf einen großen Bestechungsskandal im Bauwesen stößt, in dessen Mittelpunkt der Unterweltboss Robert G. Durant seine Fäden zieht. Durant vermutet belastende Dokumente im Besitz von Westlake und überfällt mit seinen Männern dessen Labor, verwüstet es, richtet ihn übel zu und sprengt es schließlich in die Luft. Westlake überlebt die Explosion schwer verletzt, ist aber durch die erlittenen Verbrennungen grauenhaft entstellt. Auf Rache sinnend perfektioniert er seine synthetische Haut, um fortan als Darkman einen Feldzug gegen Durant und seine Leute zu starten…

 

Ich muss zugeben, Darkman von Sam Raimi ist mir auch irgendwie ein persönliches Anliegen, eine Herzensangelegenheit, denn ich mag den Film wirklich sehr und halte ihn für oftmals maßlos unterschätzt. Darkman wirkt wie die Verfilmung eines Comics, aber es ist keine, denn es hat nie einen solchen Comic gegeben. Es ist schon Ironie pur, das Raimi erst zwölf Jahre später mit dem Auftakt zu seiner Spiderman-Trilogie eine richtige Comicverfilmung in seinem Lebenslauf verzeichnen konnte, aber bereits Darkman verschmilzt gekonnt die Gesetzmäßigkeiten dieses Genre mit dem manchmal etwas eigenwilligen Stil des Regisseurs. Bereits sein Spielfilmdebüt Tanz der Teufel schaffte 1981 das Kunststück, nicht nur seine Karriere als kultisch verehrter Regisseur und Liebling der Horrorszene ins Rollen zu bringen, es ebnete auch Bruce Campbell den Weg, genau die B-Movie-Ikone zu werden, die er heute ist. Hail to the king! Beide arbeiten bis heute immer sehr eng zusammen und so gut wie kein Film von Sam Raimi kommt ohne Gastauftritt von Bruce Campbell aus, gleiches gilt übrigens auch für seinen Bruder Ted Raimi (wer erinnert sich nicht an ihn als Joxer in der Serie Xena oder als Lieutenant Timothy O´Neill in der Serie SeaQuest DSV? 😀 ). So ist es dann auch nicht allzu verwunderlich, dass ursprünglich Bruce Campbell die Hauptrolle in Darkman hätte spielen sollen, aber die Produzenten des Films waren nicht allzu überzeugt davon, dass er die Figur wirklich tragen könnte (so ein Schwachsinn, Bruce Campbell kann einfach jede Figur spielen 😀 ), und letztlich war es Liam Neeson, der die Figur des Dr. Peyton Westlake/Darkman verkörpern sollte.

 

 

 

„ What is it about the dark? What secret does it hold?”

 

 

 

Schlussendlich erweist sich der damals noch recht unbekannte Liam Neeson als Glücksgriff, denn es gelingt ihm ganz wunderbar die innere Zerrissenheit von Westlake darzustellen, diesen Abgrund, den Wahnsinn, der ihm inne wohnt, irgendwo zwischen Phantom der Oper und Der Unsichtbare. Überhaupt bedient sich Sam Raimi sehr stark bei den klassischen Horrorfilmen der 30er, 40er und 50er Jahre, neben den bereits erwähnten lassen sich auch Elemente von Frankenstein, Das Kabinett des Prof. Bondi oder Der geheimnisvolle Dr. X genauso wie Motive aus Der Elefantenmensch von David Lynch oder Tim Burtons Batman finden. Generell ist Raimis Inszenierung manchmal dem gotischen Stil von Burton durchaus ähnlich, beide sind beinahe grenzenlos ideenreich, oft übertrieben, düster und ironisch, manchmal sogar grotesk melodramatisch, aber er übertreibt es nicht damit, es wird nicht zum Leitmotiv, klingt aber immer mal wieder an. Sicherlich trägt da auch der Soundtrack von Danny Elfman zu bei, bekanntermaßen ja Burtons Haus – und Hofkomponist für alle seine Filme und absolut unverkennbar. Raimi ist dann aber auch wieder eigenständig genug, um seinen eigenen, ganz unverkennbaren Stil zu entwickeln, einige sehr gelungene Bildmontagen, Einstellungen und Kamerafahrten sind geradezu typisch für seine Arbeiten und nahezu immer als eben solche zu erkennen. Wer will kann sogar in einer relativ zum Schluss des Films angesiedelten Szene, in der Darkman an einem Stahlseil am Hubschrauber hängend durch Häuserschluchten schwingt, erste Hinweise auf Spiderman entdecken, rückblickend betrachtet hat es zumindest einen Hauch davon, vielleicht seine Eintrittskarte in das Universum des Netzschwingers, wer weiß das schon.

 

Obwohl Darkman auf keinem existierenden Comic beruht, fängt der Film den Geist der gezeichneten Bilder ganz hervorragend ein, die bildliche Kraft und den Rhythmus, etwas, das vielen heutigen Comicverfilmungen völlig abgeht. Darkman hat dieses Medium so gut verstanden und verinnerlicht wie kaum ein anderer, ein beinahe vergessener Wegbereiter für ein ganzes Filmgenre, heute so etabliert wie damals ignoriert, und Raimi war seiner Zeit gewaltig voraus. Das ist er zum Teil immer noch, denn Darkman ist hervorragend gealtert, so wie Raimi seine Spezialeffekte anlegt und in die Handlung einbindet, manchmal regelrecht mit ihnen spielt, das sucht heute noch seines gleichen. Natürlich wirkt die damalige Tricktechnik inzwischen angestaubt und veraltet, aber das spielt im Grunde keine Rolle, denn ihre Integration und Bildkomposition ist auch heute noch durchdachter und effektiver eingesetzt als jedes auf Hochglanz polierte CGI-Spektakel.

 

Am Ende ist Darkman durch und durch gelungenes Genrekino, ironischerweise eine sehr frühe Comicverfilmung ohne das zugehörige Ausgangsmaterial, die heute noch das Genre in mancher Hinsicht mit definiert. Sam Raimi etabliert einen Antihelden, einen Mann ohne Gesicht, oder besser: einen Mann mit vielen Gesichtern, getrieben von Rache, ausgestattet ohne Schmerzempfinden, zerrissen von seinen inneren Dämonen. Da ist das tragische, dem düsteren und verzweifelten Grundton des Films gerecht werdende Ende völlig angemessen und nur konsequent. Sam Raimi nimmt 1990 schon viel von dem vorweg, das heute in Comicverfilmungen Standard ist, aber sein Darkman hat Tiefe und vor allem auch eine Seele, etwas, das man heute oft schmerzlich vermisst. Raimi war damals schon klar, dass sich hinter der Maske nur eines verbirgt: ein tiefer Abgrund, ein weiteres Monster. Und genau das zeigt er uns.

 

8 von 10 Masken aus synthetischer Haut