The King (2019)

29. November 2019 at 11:34

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

A king has no friends. Only followers and foe.“

 

 

 

Henry IV. sitzt sterbend auf seinem Thron und verwaltet ein Erbe aus Blut und Gewalt. Sein ältester Sohn Hal jedoch hat sich von ihm los gesagt und kein Interesse daran, sein Nachfolger zu werden. Doch das Schicksal hat andere Pläne und so besteigt Hal schon bald als Henry V. den Thron als König von England. Als der französische König Hal jedoch verhöhnt, da beleidigt er zugleich ganz England. Ein Krieg scheint unabwendbar.

 

Zwar ließ sich Regisseur David Michôd (Animal Kingdom, The Rover, War Machine) für The King zusammen mit seinem Co-Drehbuchautor Joel Edgerton (Felony, The Gift) von den beiden Shakespeare-Werken Henry IV und Henry V inspirieren, findet jedoch genug eigene Ansätze, um diese Mischung aus Historien-Drama und Coming of Age – Film zu erzählen. The King ist langsam, beinahe schon schwermütig inszeniert und rückt den Konflikt seines jungen Protagonisten in den Vordergrund, wenn dieser schon bald an die Grenzen seines Idealismus stößt.

 

Hal wird mehr als nur unfreiwillig in eine Rolle gedrängt, welche er niemals inne haben wollte. Ihm wird eine unfassbare Verantwortung aufgebürdet, doch will er zunächst das Beste daraus machen und vor allem nicht regieren wie sein Vater es tat. Frieden und Wohlstand will er für sein Volk, doch er muss schnell merken, dass die Dinge kompliziert sind. Zwar versucht er, an seiner Aufgabe zu wachsen, doch wem vertrauen, wenn man selbst keinen Rat weiß? Eben noch voller Unbekümmertheit und jugendlichem Leichtsinn sein lasterhaftes Leben abseits des Königshauses genießend, findet sich Hal viel zu schnell inmitten einer Schlacht wieder, besudelt mit Blut und Schlamm als Anführer seiner Truppen im Krieg gegen Frankreich.

 

The King ist stets um Authentizität bemüht, wirkt angenehm geerdet, ist dreckig, düster und weit weg von der verklärenden Mittelalter-Romantik manch anderer Filme. Schwertkämpfe in voller Rüstung sind eher wenig spektakulär, wirken schwerfällig und glaubwürdig, wenn keuchende Körper ungelenk aufeinander prallen. Überhaupt ist The King insgesamt toll ausgestattet und vermag immer wieder durch wunderbare Bilder von Adam Arkapaw (Macbeth, True Detective) zu überzeugen. Dazu passt dann auch ganz hervorragend der schwelgerische und doch kraftvolle Score von Nicholas Britell (Beale Street, Moonlight).

 

Auf der darstellerischen Ebene vermag Timothée Chalamet (Call Me by Your Name, Lady Bird) erneut eindrucksvoll zu beweisen, warum er momentan als einer der spannendsten Nachwuchsdarsteller überhaupt gilt. Ihm zur Seite steht eine kernige und doch irgendwie einfühlsame Performance von Joel Edgerton als Falstaff und auch Ben Mendelsohn und Sean Harris können trotz geringer screen time durchaus überzeugen. Und dann ist da noch die eigenwillige und bewusst überzogene Darstellung des Dauphin durch Robert Pattinson (The Rover, Good Time), welche seltsam deplatziert wirkt in diesem sonst eher düsteren Film und die ernste Stimmung aufbricht.

 

Letztlich ist The King dann auch weniger Historien-Film und vor allem ein Drama rund um einen jungen Mann, der ohne es zu wollen über sich hinauswachsen muss und doch immer Spielball äußerer Einflüsse bleibt. Er will das Richtige tun, weiß aber selbst gar nicht so ganz genau, was das überhaupt ist. Am Ende bleibt eine bittere wie schmerzhafte Erkenntnis, die seinen Blick auf zurückliegende Geschehnisse grundlegend verändern wird.

 

8 von 10 Ausrutschern im blutgetränkten Schlamm

 

 

Mission: Impossible – Fallout (2018)

27. August 2018 at 16:51

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

The end you’ve always feared is coming. And the blood will be on your hands. The fallout of all your good intentions.“

 

 

 

In Belfast nehmen Ethan Hunt und sein Team nach der Wiedereinsetzung des IMF einen neuen Auftrag an: aus den Überresten des vor zwei Jahren zerschlagenen Syndikats ist eine Terrorgruppe namens Die Apostel hervorgegangen. Scheinbar planen sie, waffenfähiges Plutonium zu erwerben, um damit drei Atombomben zu bauen. Ihr Ziel: drei verheerende Anschläge, um die gesamte Weltordnung zu destabilisieren. Doch das ist nur der Auftakt zu einer atemlosen Hatz rund um die Welt voller neuen Verbündeten und alten wie neuen Freunden und Feinden.

 

Nach Rogue Nation steht für Fallout erneut Christopher McQuarrie nicht nur hinter der Kamera, sondern ist auch wieder für das Drehbuch verantwortlich. Ein Novum der bisher sechs Filme umfassenden Reihe rund um den IMF-Agenten Ethan Hunt, wurde zuvor doch immer für jeden neuen Teil auch ein anderer Regisseur besetzt. Dass McQuarrie Action eindrucksvoll inszenieren kann, das steht vor allem nach Rogue Nation außer Frage, und auch Fallout vermag rasante wie atemberaubende Sequenzen zu erschaffen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich im Kino nach den ersten etwa zwanzig Minuten bei dem Gedanken ertappte, das hier könnte in die Hose gehen. Zu merkwürdig ungelenk und irgendwie holprig fühlt sich der Einstieg in den Film an und zu viel Exposition wird mir da auf geballtem Raum präsentiert, doch brennt erst einmal die Zündschnur, dann nimmt Fallout mächtig Fahrt auf und spätestens nach der Hälfte der rund 145 Minuten Laufzeit wurde ich komplett mitgerissen von dem irrwitzigen Tempo und geradezu zu in den Kinosessel gepresst, wenn zunehmend die Schlagzahl erhöht wird und in einem nur denkbar größtmöglichen Spektakel alle Fäden zusammenlaufen.

 

Aber McQuarrie inszeniert seinen Film auch abseits fulminanter Action ungemein smart und was er darüber hinaus noch ergründet, das vermag durchaus zu überraschen, wenn nun auch ruhige, nachdenkliche und emotionale Momente zum Vorschein kommen dürfen ohne gleich unter der Last des Spektakels erdrückt zu werden. Allein der Einstieg in Fallout gestaltet sich eher ungewöhnlich für die Reihe, wenn eben kein spektakuläres Stück Action den Beginn markiert, sondern ein wiederkehrender Albtraum aus den Untiefen von Hunts Gedankenwelt. Seine Figuren sind ihm wichtig, das unterstreicht McQuarrie immer wieder, und sie erhalten Raum, um sich zumindest ein wenig entfalten zu können. Oft sind es Kleinigkeiten, welche noch den einen oder anderen Pinselstrich in puncto Charakterzeichnung hinzufügen können, um so ein stimmigeres Gesamtbild zu erschaffen. Gleich die erste größere Actionsequenz in einer Herrentoilette ist nicht nur wuchtig wie druckvoll umgesetzt, sondern charakterisiert gleich auch sowohl Ethan Hunt als auch dessen CIA-Kollegen August Walker eben wie zuvor im Film erwähnt als Skalpell und Hammer. Ihre Herangehensweisen könnten unterschiedlicher kaum ausfallen, McQuarrie umreißt so geschickt ihre Persönlichkeiten und darüber hinaus bekommen sie auch noch ihre Grenzen aufgezeigt. Solche Details sind es, welche Fallout auch immer wieder auszeichnen, und dazu geht der Film einen angenehmen Schritt zurück zu den Wurzeln der Reihe und bietet auch wieder eine zumindest etwas mehr verzwickte Spionage-Story voller doppelter Böden, Täuschung, List, Lug und Trug als die letzten Filme.

 

Sicherlich ist auch hier nicht alles perfekt, wenn sich der Einstieg etwas holprig anfühlt, manchmal zu viel Exposition dargeboten wird, so mancher Moment sehr nach Deus ex machina schreit, Hunt sich nie wirklich die Hände schmutzig machen muss oder vielmehr darf und so manche Scharade allzu offensichtlich ist, aber wenn sich Fallout seinen Kernkompetenzen widmet, das Tempo immer weiter anzieht und eine spektakulärere Actionsequenz an die andere reiht, dann wird das zunehmend rauschhaftes Kino in seiner besten Form und Eskapismus pur. Ja, Fallout legt seinen Schwerpunkt deutlich auf seine Schauwerte, aber die sind State of the Art und machen den sechsten Teil der Reihe zum wohl besten Blockbuster-Actionfilm des Jahres.

 

8 von 10 Peilsendern im Hals