Soldier (1998)

17. Mai 2019 at 16:16

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

A soldier does not speak unless spoken to by a superior officer. A soldier shows no mercy. Mercy is weakness. Weakness is death. The forces are his family. He is most happy, when following orders. A soldier loves to kill. A soldier needs no friend or family. War is his friend. The Forces are his family.“

 

 

 

2036. Der von Kindesbeinen an zum Elitesoldaten gedrillte Todd 3465 hat sein mörderisches Handwerk in zahlreichen Schlachten unter Beweis gestellt und doch sollen er und seine Kameraden nun schon zum alten Eisen gehören und ausrangiert werden. Eine neue, genetisch verbesserte Generation von Soldaten soll sie ersetzen, und als Todd in einem Kampf zu Demonstrationszwecken scheinbar ums Leben kommt, da wird sein Körper einfach auf dem Müllplaneten Arcadia 234 entsorgt. Doch Todd lebt und kommt schnell in Kontakt mit einer Gruppe von Siedlern, deren Leben sich kaum stärker von seinem eigenen unterscheiden könnte.

 

Genau drei Mal in seiner Karriere gelang es Regisseur Paul W.S. Anderson, all seine Stärken zu bündeln und in rund 100 Minuten Film zu gießen: bei Event Horizon (1997), bei Death Race (2008) und vor allem bei Soldier (1998). Zwischen all den aufgeblasenen Spektakel-Filmen ohne Ecken und Kanten wie Armageddon, Deep Impact oder Godzilla konnte Soldier seiner Zeit im Grunde nur untergehen. Augenzwinkernde Ironie als Absicherung gegenüber jeglicher Kritik sucht man hier vergeblich und so wird Soldier natürlich angreifbar, macht aber gleichzeitig auch nie einen Hehl aus seiner geradezu banalen Einfachheit und setzt so ziemlich alles, was er aufzubieten hat in die Verpackung seiner gerade noch hauchdünnen Story. Der Konflikt ist denkbar simpel und vollkommen klar umrissen, aber gerade diese ausgeprägte Simplizität in der Erzählstruktur ist wunderbar.

 

Obwohl 1998 in die Kinos gekommen, ist Andersons Film tief im Geiste des 80er-Actionfilms verortet und bedient sich zugleich der Erzählstruktur eines Western, wenn er Themen aufgreift, welche bereits George Stevens großer Klassiker Shane (1953) verhandelte. Der mysteriöse Held, der hilflosen Siedlern im Kampf gegen erbarmungslose Angreifer beisteht und dabei das Menschsein lernt und eine Andeutung von Liebe und Hoffnung erfährt. Dazu siedelt Drehbuchautor David Webb Peoples (12 Monkeys, The Unforgiven) Soldier durch kleine Bezüge im selben Universum an wie Blade Runner (1982), an dessen Script er ebenfalls beteiligt war. Dazu passt auch, dass die Idee bereits kurz nach Blade Runner entstanden ist, allerdings erst Ende der 90er in Produktion ging und sich folglich als eine Art geistiger Bruder versteht, wenn Soldier uns einen Blick in die Off-World-Kolonien gewährt, welche Blade Runner seiner Zeit nur andeutete. Thematisch übergreifende Ideen dahinter lassen sich kaum leugnen, auch wenn natürlich vollkommen klar ist, dass Andersons vierter Film zu keiner Sekunde die narrativen wie psychologischen Tiefen eines Blade Runner zu erreichen vermag. Aber das will er auch gar nicht, liegt sein Fokus doch viel eher auf den pulpigen Nebenschauplätzen abseits moralischer Grundsatzdiskussionen.

 

Rückblickend lässt sich Soldier mit seinem eindeutigen Gut/Böse-Schema und seiner sicherlich fragwürdigen Moral als Hommage an das klar und einfach strukturierte Actionkino der 80er Jahre verstehen. Vielleicht besinnt sich Paul W.S. Anderson ja irgendwann wieder auf seine Stärken und haut nochmal einen solch herrlich aus der Zeit gefallenen Streifen raus. Zu wünschen wäre es.

 

7 von 10 zarte Pflänzchen der Hoffnung

 

 

The House of Horrorctober #5: Dog Soldiers

12. Oktober 2017 at 23:04

 

 

© Pathé

 

 

„I am not breaking radio silence just cos‘ you lot got spooked by a dead flying fucking cow.“

 

 

In seinem Langfilmdebüt lässt der Brite Neil Marshall in den schottischen Highlands eine kleine Gruppe von Soldaten im Manöver auf Werwölfe treffen. Zwar gestaltet sich der Einstieg in den Film als noch etwas schleppend, das Tempo steigert sich aber in seinem Verlauf immer weiter und erreicht spätestens mit seinem Belagerungsszenario einen Höhepunkt, der sich durchaus sehen lassen kann. Marshall beweist hier sein Talent, aus relativ wenig einen erstaunlich effektiven, fiesen, kleinen Schocker zu erschaffen, und versteht es hervorragend sein limitiertes Budget derart einzusetzen, dass es nicht allzu sehr ins Gewicht fällt und Dog Soldiers wohl möglich allzu billig wirken könnte. Man sieht dem Film seine Low Budget-Herkunft zwar durchaus an, Marshall inszeniert jedoch mit ausreichend Esprit und Einfallsreichtum, um das schnell vergessen zu machen. Sind die verbliebenen Soldaten erst einmal in dem Haus im Wald und unter Belagerung durch die Werwölfe, dann hält auch ausreichend Spannung Einzug in das Szenario und die Atmosphäre aus Terror und Angst wird dichter. Die filmischen Vorbilder von Marshall sind recht offensichtlich zu identifizieren und reichen von John Carpenters Assault on Precinct 13 bis zu Filmen wie Southern Comfort von Walter Hill. Sicher hat Dog Soldiers seine Schwächen und sieht manchmal mehr nach einer TV-Produktion aus, aber Neil Marshall zeigt mit seinem Debüt bereits, was in ihm schlummert, und was er hier 2002 bereits verspricht, das sollte er später mit tollen Genrefilmen wie The Descent, Doomsday und Centurion einlösen. So wie es aussieht, wird er die Regie beim Hellboy-Reboot führen und das ist definitiv mal eine reizvolle Kombination.

 

6,5 von 10 Darmschlingen auf dem Fußboden

 

 

Howl

17. April 2016 at 17:12

 

 

© Starchild Picture/Pathé

 

 

 

„Bears don´t howl…“

 

 

 

Schaffner Joe freut sich nach einem langen Tag im Grunde schon auf seinen wohlverdienten Feierabend, als er unversehens doch noch für einen kranken Kollegen einspringen und den letzten Nachtzug begleiten muss. Als dieser dann auch noch plötzlich mit einer Notbremsung mitten in der Abgeschiedenheit der britischen Wälder zum Stehen kommt und der Zugführer unauffindbar ist, haben die wenigen Passagiere und auch Joe noch keinen Schimmer, was in der Dunkelheit dieser regnerischen Nacht auf sie lauert…

 

Howl (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film über den Dichter Allen Ginsberg und dessen Gedicht Howl und nicht mit The Howling von Regisseur Joe Dante, einem wichtigen und wegweisenden Beitrag zum Genre der Werwolf-Filme) ist nach The Seasoning House die zweite Regiearbeit des britischen Effekte – und Make-Up-Spezialisten Paul Hyett, dessen Arbeit man in Filmen wie Centurion, Doomsday oder Attack the Block bewundern kann. Nun, um es vorweg zu nehmen: Howl erfindet das Genre sicherlich nicht neu und erzählt uns auch nichts neues, aber einen solchen Anspruch hat der Film auch gar nicht. Auch wird man ihn vermutlich nicht als einen der besten Vertreter seines Genre bezeichnen, aber ein grundsolider Beitrag zu dem Thema, der auch unterhalten und Spannung generieren kann, ist der Film allemal. Dank der straffen Erzählweise und einem interessanten Setting kommt auch kaum Leerlauf oder Langeweile auf. Auch schon ohne die Bedrohung von außen ist das Szenario an sich alptraumhaft genug, mitten in der Nacht mit lauter Fremden in einem Zug festzusitzen ohne zu wissen, was überhaupt passiert ist. Zudem leistet sich Howl den Luxus, seinen Horror lange nur anzudeuten, was der Atmosphäre zu gute kommt, und konzentriert sich zunächst stark auf die Gruppe aus zusammengewürfelten Fremden, die sich nun der neuen Situation anpassen müssen. Die Angreifer bleiben lange eine eher abstrakte Bedrohung und Hyett gelingt es auf diesem Weg, Spannung und Neugier lange genug aufrecht zu halten ohne den Zuschauer mit Reizen zu bombardieren und seine stärksten Trümpfe in der Hand zu behalten statt sie, wie heute leider oft üblich, viel zu früh auszuspielen. So entpuppt sich dann letztlich auch das Monsterdesign als überraschend gelungen für einen eher kleinen Genrefilm und setzt auf ein kluges Zusammenspiel zwischen praktischen und digitalen Effekten. Hyett distanziert sich auch ganz bewusst vom sonst eher üblichen Design früherer Werwölfe der Filmgeschichte, indem er mehr menschliche Züge bei seinen Kreaturen mit einfließen lässt, die dann auch ungewöhnlich deutlich ausgeprägt sind. Das gefällt vielleicht nicht jedem, ist aber in jedem Fall mal etwas erfrischend anderes und hat durchaus auch seinen Reiz. Die Charakterzeichnung fällt da deutlich weniger ungewöhnlich aus und scheint direkt der Klischeehölle entsprungen zu sein. Die Figuren in Howl sind kaum weniger als einfache Schablonen, aber immerhin erfüllen diese ihre ihnen zu gedachten Funktionen, und Hyett gesteht ihnen wenigstens ein absolutes Minimum an (vorhersehbarer) Entwicklung zu und räumt jedem von ihnen einen eigenen Moment im Film ein. Dass das unterm Strich immer noch zu wenig ist, ist klar, so aber auch zu erwarten in einem kleinen Genrefilm. Natürlich ist all das formelhaft erzählt, Hyett versteht es aber durchaus auch Atmosphäre und Spannung zu generieren und baut genügend kleine Abwandlungen vom erzählerischen Korsett in seinem Film ein, damit es unterhaltsam bleibt. Schauspielerisch bietet Howl allenfalls Mittelmaß. Sean Pertwee ist zwar noch der bekannteste Darsteller im Cast, hat aber erstaunlich wenig screen time. Ed Speleers kennt man sonst wohl nur noch aus Eragon und vielleicht noch aus A Lonely Place to Die, das war es dann aber auch. Der Rest läuft eindeutig unter ferner liefen, erfüllt aber immerhin seinen Zweck und bietet keine drastischen Ausreißer nach unten hin. Was man vom Drehbuch nicht immer unbedingt behaupten kann, denn das eine oder andere, mal größere, mal kleinere Logikloch leistet es sich trotz des sehr begrenzten Settings dann doch. Allein schon die Prämisse selbst ist im Zeitalter von Smartphone und WLan doch arg konstruiert und unglaubwürdig, das muss man so erstmal schlucken. Glücklicherweise machen die Vorzüge von Howl solche Schnitzer relativ schnell wieder vergessen.

 

Auf den Punkt gebracht ist Howl am Ende ein grundsolider Film innerhalb seines Genre und will auch gar nicht mehr sein als genau das. Hyett macht ebenso viel richtig wie falsch und erschafft mit seinem Zweitling einen durchaus ansehnlichen Film, der Spannung und Atmosphäre erschaffen kann und kurzweilig zu unterhalten weiß. Die formelhafte Erzählstruktur und Logikfehler werden durch ein gelungenes Monsterdesign und einigen kleinen, eher ungewöhnlichen Einfällen wieder ausgeglichen. Sicherlich kein allzu großer Wurf, aber ein Reinfall ist Howl keineswegs und man darf sich durchaus auf den Film einlassen ohne Gefahr zu laufen, einen Rohrkrepierer zu sehen.

 

6 von 10 blutverschmierten Äxten