Only the Brave (No Way Out, 2017)

19. April 2019 at 16:04

 

 

© Colombia Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

It’s not easy sharing your man with a fire.“

 

 

 

Der erfahrene Feuerwehrmann Eric Marsh lebt für seine Arbeit und setzt alles daran, sein Team zu Hotshots auszubilden. Diese Eliteeinheiten arbeiten bei Waldbränden an aller vorderster Front im Kampf gegen das Feuer und riskieren mehrfach ihre Leben. Als sich schließlich all das harte Training auszahlt und die Männer das begehrte Zertifikat erhalten, ist die Freude zunächst groß. Doch dann rücken Marsh und seine Männer Ende Juni 2013 zu einem Brand auf Yarnell Hill aus, der letztlich ungeahnte Ausmaße annehmen wird.

 

Nachdem Regisseur Joseph Kosinski zuvor mit Tron: Legacy (2010) und Oblivion (2013) zwei Science-Fiction-Filme gedreht hat, nimmt er sich nun einer wahren Begebenheit an, wenn er das Yarnell Hill Fire in den Fokus rückt, welches im Sommer 2013 neunzehn Feuerwehrmänner das Leben kostete. Was eigentlich der ideale Aufhänger für einen actiongeladenen Katastrophenfilm abgegeben könnte, das schlachtet Kosinski gar nicht so sehr aus, wie man vielleicht vermuten würde, und setzt statt auf Spektakel viel lieber auf seine Figuren und findet gerade in den ruhigen Momenten zu seiner wahren Stärke.

 

Only the Brave nimmt sich Zeit, lässt sich auf seine Figuren ein und interessiert sich spürbar mehr für deren Leben als für das Feuer, welches sie beendet hat. Sicherlich erzählt der Film von Heldentum, bleibt dabei aber angenehm bodenständig und bietet viel aufrichtiges Drama statt überspitztem Kitsch. Hier werden dem Zuschauer nicht stumpf unangenehme Heldenverehrung und klebriger Pathos aufgezwungen, sondern mit viel Sinn für Authentizität und Feingefühl die Menschen unter der Uniform gezeichnet. Diese erzählerische Zurückhaltung macht Only the Brave zu einem sehenswerten, manchmal gar bildgewaltigen Drama, und einem interessanten wie spannendem Gegenentwurf zu vielen anderen modernen Werken ähnlicher Art etwa aus dem Hause Bay oder Berg.

 

7 von 10 Mal hundert Liegestütze machen müssen

 

 

American Assassin (2017)

10. Mai 2018 at 18:34

 

 

© Lionsgate Films

 

 

 

Bei einem Terroranschlag auf Ibiza kommt die Verlobte von Mitch Rapp ums Leben, woraufhin er beschließt, die Verantwortlichen dafür auf eigene Faust zur Strecke zu bringen. Das wiederum rückt Rapp in den Fokus des FBI, welches ihn rekrutieren und zum Mitglied einer streng geheimen Eliteeinheit im Kampf gegen den internationalen Terror machen will.

 

Ich gebe zu, dass ich im Vorfeld schon eine eher geringe Erwartungshaltung gegenüber American Assassin hatte, aber wie sehr der Film dann letztlich seine Zuschauer für dumm verkauft, dass erlebe ich in solcher Form besonders im wirklichkeitsfernen Genre der Actionfilme dann doch eher selten. Ich bin grundsätzlich offen für ziemlich viel Quatsch, aber nichts, wirklich absolut rein gar nichts kaufe ich auch nur irgendeiner Figur zu irgendeinem Moment dieser rund 110 Minuten ab. Vor allem die Entwicklung des Mitch Rapp vom trauernden Verlobten hin zum nur 18 Monate später auf eigene Faust Terror-Zellen infiltrierenden Bad Ass ist dermaßen arg haarsträubend konstruiert, da kann ich beim besten Willen und mit zwei zugedrückten Augen nicht mehr mitgehen. Vermutlich hat er bereits auf der Beerdigung seiner Verlobten das Messerwerfen angefangen zu trainieren.

 

Wie ein trotziges Kind, dem sein Lieblingsspielzeug weggenommen wurde, stapft Dylan O´Brien beleidigt mit den Füßen stampfend durch diverse eher unspektakuläre Settings in Europa wie ein drittklassiger Pseudo-Jack Ryan oder Jason Bourne, ignoriert beinahe jede Regel oder Anweisung von oben und agiert über alle Maßen egoistisch und zu keinem Punkt nachvollziehbar, nur um immer wieder in Anfälle maßloser Arroganz zu kippen und beinahe jeden Auftrag damit unweigerlich zu sabotieren. Auch die vom Film implizierte physische Präsenz und seine selbst antrainierten Fähigkeiten nehme ich Dylan O´Brien einfach nicht ab.

 

Grundsätzlich ist die Action in American Assassin zwar solide inszeniert, sticht aber kaum aus ähnlich angelegten Genre-Vertretern heraus, setzt sie zwar recht viel auf Faustkämpfe und weniger auf Shootouts, bleibt in ihrer Choreografie jedoch meist eher unspektakulär. Dazu trifft der Film von Michael Cuesta sogar für einen Actionfilm erstaunlich dumme Entscheidungen, dennoch war American Assassin bei mir bis zum Schlussakt auf einem 4,5 vielleicht 5/10-Kurs, doch dann hat sich der Film doch noch seine 3/10 bei mir verdient. Das Finale verkommt nur noch zu einem schlechten Witz, dessen Pointe nicht zündet, wenn ich mich plötzlich in Battleship wähne statt noch eben in American Assassin. Ich habe schon viele schlechte Filme gesehen und oft auch eine gewisse Freude an ihnen entwickelt, aber nochmals: wie sehr American Assassin den Zuschauer für dumm verkauft, das sucht selbst in solchen Genre-Kreisen seines Gleichen.

 

3 von 10 Ausrastern auf dem Schießplatz

 

 

True Detective – Staffel 2

21. März 2016 at 17:39

 

 

© HBO

 

 

 

„We get the world we deserve.“

 

 

 

Als Ben Caspere, der City Manager der fiktiven kalifornischen Kleinstadt Vinci, ermordet aufgefunden wird, werden gleich drei verschiedene Dienststellen mit dem Fall betraut. Detective Ray Velcoro von der Polizei Vinci, Detective Ani Bezzerides aus Ventura County und Paul Woodraugh von der California Highway Patrol müssen nun gemeinsam ermitteln. Zudem hat auch noch der Gangster Frank Semyon großes Interesse an dem Mord, denn ihn verbindet mit Caspere ein großer Immobiliendeal, der Semyon viel Geld gebracht und den Weg in die Legalität geebnet hätte, nun aber zu platzen droht und ihn ruinieren könnte. Je weiter die drei Polizisten und mit seinen Mitteln auch Semyon in diesem Fall vordringen, so größer scheint sich ein komplexes Gewirr aus Politik, Korruption, Gier und Mord nach und nach auszubreiten. Schnell kommt die Frage auf, ob überhaupt jemand ernsthaft Interesse daran hat, den Mord aufzuklären…

 

Wagen wir doch einmal einen Ausflug in die Welt der Serien. Ich bekenne mich dazu, dass ich die hochgelobte und preisgekrönte erste Staffel von True Detective annähernd perfekt finde und diese acht Episoden für mich das beste sind, das seit langer Zeit über den Bildschirm flimmerte. Inhaltlich hin und wieder vielleicht mit der einen oder anderen Länge versehen, stilistisch aber zweifellos überragend und Maßstäbe setzend, wie gute und intelligente TV-Unterhaltung aussehen kann. Dazu noch zwei schauspielerische Hochkaräter als Darsteller, eine morbid-düstere, drückende Atmosphäre mit frischem Südstaatenszenario, das Drehbuch von Nic Pizzolatto, ein exzellenter Soundtrack und das (rückblickend ohne jeden Zweifel geniale) Wagnis, alle acht Episoden mit Cary Fukunaga durchgängig von nur einem Regisseur inszenieren zu lassen, und schon war die Fernsehlandschaft um eine wahre Perle reicher. Nun also haben wir Staffel 2 im Handel, ich konnte es mir natürlich nehmen lassen, sie mir anzusehen und möchte nun ein klein wenig Bilanz ziehen.

 

Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass True Detective von Anfang an als Anthologie gedacht war und jede Staffel in sich abgeschlossen sein und für sich selbst stehen würde. Insofern ist es im Grunde nicht gerecht, beide Staffeln direkt miteinander zu vergleichen, aber ich bin da ehrlich und gebe zu, dass das nur schwer bis gar nicht möglich ist, auch wenn wirklich nichts außer dem Drehbuchautor  beide miteinander verbindet. Regie, Schauspieler, Setting, Story, alles ist anders, alles ist neu. Trotzdem will ich versuchen, Staffel 2 so neutral wie möglich und losgelöst von ihrer Vorgängerin zu betrachten, auch wenn mir das vermutlich nicht immer ganz gelingen wird und der geradezu monolithische Schatten der ersten Staffel kaum zu leugnen ist. Alles neu also, alles auf Anfang, alles auf Null. Die offensichtlich größten Neuerungen betreffen Cast und Setting. Nach Detective Rust Cohle und Detective Marty Hart, den beiden Hauptfiguren der ersten Staffel, wurde der Cast nun auf vier handlungsrelevante Figuren aufgestockt. Zudem entführt uns Staffel 2 von dem mythisch-entrückten Setting der Südstaaten hinein in den schmutzigen, urbanen Realismus des Molochs L.A. und dessen fiktiver Anliegerstadt Vinci. Bedingt durch die zahlenmäßige Vergrößerung der Protagonisten wird zwangsläufig auch die Story deutlich komplexer. Da wird es auch schon einmal recht schnell in den ersten ein oder zwei Episoden zu einem Problem, dass dem geneigten Zuschauer in der Etablierung des Szenarios sehr viele Informationen auf einmal auf sehr engem Raum präsentiert werden und gerne mal die Übersicht verloren geht. Namen, Orte, Beziehungen, Ereignisse, gerade zu Beginn ist der Plot doch sehr verdichtet und kompakt und die erzählerische Balance stimmt noch nicht so ganz, was sich jedoch im weiteren Verlauf der Handlung ein wenig relativiert. Auch fällt auf, dass sich die Figuren charakterlich sehr gleichen, alles sind ähnlich traumatisiert, haben ähnliche tiefe Narben in ihren Seelen und Leichen im Keller. Egal, ob Velcoro, Bezzerides oder Woodraugh, alle haben das eine oder andere finstere Geheimnis, welches sie mit sich herum schleppen müssen und das sie früher oder später einholen wird. Selbst oder gerade Frank Semyon ist da keine Ausnahme, den zudem noch eine alte Geschichte mit Velcoro verbindet.

 

 

 

„Pain is inexhaustible. It´s only people that get exhausted.“

 

 

 

Inszenatorisch ist das alles auf hohem Niveau, da kann man kaum meckern, und obwohl insgesamt sechs Regisseure die acht Episoden unter sich aufteilen, ist eine erzählerische Stringenz klar erkennbar. Zahlreiche Motive und Anklänge an die Welt des (Neo) Noir sind nur allzu offensichtlich und werden mit einem guten Schuss David Lynch-Ästhetik vermischt, was an und für sich gut funktioniert und einen eigenständigen Look kreiert. Allerdings fehlt es mir ein wenig an dieser morbiden Faszination, die das Setting der ersten Staffel noch auf mich ausübte, was aber natürlich rein subjektives Empfinden und meiner grundsätzlichen Vorliebe für die Südstaaten als Szenario geschuldet ist. Das Finale der vierten Episode ist ganz ähnlich dem in Staffel 1 ein wenn auch nicht ganz so eindrucksvoll inszeniertes, aber doch sehr starkes Stück Serie, dessen Qualität die gesamte Staffel nicht immer halten kann. Allerdings gibt es dann erst einmal einen irgendwie eigenartig harten Schnitt und die Ereignisse machen zeitlich einen guten Sprung nach vorne. Schon wieder sieht man sich mit allerhand neuen Informationen konfrontiert und muss erst einmal all das inhaltlich einordnen. Wohin die Reise nun hingehen soll ist zunächst einmal nicht ganz klar, zumal unsere vier Hauptfiguren versetzt, nicht mehr im Dienst oder im Falle von Frank Semyon doch wieder in alte Verhaltensweisen verfallen sind und der eigentlich ursprüngliche Mordfall eine Zeit lang kaum bis gar nicht mehr Thema ist. Das Tempo wird bis kurz vor Schluss ein wenig raus genommen und gerade das Staffelfinale in Form von Folge acht ist mit einer Laufzeit von rund 90 Minuten dann doch zu lang geraten, bietet zuviel unnützes Füllmaterial und schleppt allerhand unnötigen Ballast mit sich herum. Überhaupt ist das eines von in meinen Augen zwei ganz großen Problem der zweiten Staffel von True Detective, dass der Zuschauer beinahe über die gesamte Laufzeit mit Informationen gefüttert wird, bei denen nie wirklich klar ist, ob sie nun relevant und wichtig sind für den weiteren Handlungsverlauf oder eben nicht. Zudem ist die Story an sich einfach ein bisschen zu umständlich konstruiert und um eine oder zwei Ecken zuviel gedacht, wodurch immer wieder der Fokus verloren geht. Nie kann man als Zuschauer sicher sein, ob das aktuelle Geschehen nun von Bedeutung ist oder nicht, aber das Drehbuch nutzt das nicht als bewusst irreführendes Element, es ist einfach zu voll gestopft mit Nebensächlichkeiten, legt permanent Fährten aus, die schnell wieder in Vergessenheit geraten und ist zumindest in dieser Hinsicht oftmals seltsam schwammig inszeniert, so als hätte sich Nic Pizzolatto bis zum Schluss noch alle Optionen offen halten wollen. Ich selbst empfand es als ein wenig frustrierend, wenn ich Folge für Folge am dem Fall mitdenke, versuche, alle Puzzleteile einzusammeln und zusammenzusetzen, um das Gesamtbild zu enthüllen, und am Ende feststellen muss, dass drei Viertel der Puzzleteile wertlos waren und die eigentliche Auflösung verhältnismäßig banal und eher zufällig um die Ecke kommt. Ein in meinen Augen weiteres, recht schwerwiegendes Problem der zweiten Staffel sind die enorm klischeehaft geschriebenen Charaktere. Ich werde da jetzt nicht ins Detail gehen, das müsst ihr schon selbst erledigen, aber allein die Figur des Paul Woodraugh ist buchstäblich ein Klischee auf zwei Beinen in nahezu jeglicher Hinsicht und zudem noch inhaltlich weitestgehend absolut nutzlos. Und auch Velcoro, Bezzerides und Semyon sind mal mehr, mal weniger doch arg klischeebelastet. Von diversen völlig überzeichneten Nebenfiguren mal ganz zu schweigen, das grenzt phasenweise schon auch ans Lächerliche. Auch die Figurenentwicklung an sich empfinde ich nicht immer als gelungen und gänzlich konsequent und die Auflösung aller Ereignisse konnte mich auch nur bedingt befriedigen. Oberflächlich erscheint das Ende als zynisch und stimmig, aber genauer betrachtet war mir der Schluss bei mindestens einer Figur schlichtweg zu dumm und bei einer anderen einfach nicht konsequent genug.

 

Unterm Strich liest sich das jetzt vielleicht wie ein Verriss, aber das soll es nun auch nicht sein. Die zweite Staffel von True Detective bietet solide inszenierte Krimikost, die wohl überwiegend darunter zu leiden hat, dass True Detective drauf steht. Allerdings sollte man vielleicht für eine weitere, dritte Staffel Drehbuchautor Nic Pizzolatto den einen oder anderen Co-Autor an die Seite stellen, der ihn zu Gunsten der erzählerischen Balance ein wenig bremst. Schon in Staffel eins war so manches plump geschrieben, aber dort konnte Cary Fukunaga als Regisseur noch so einiges wieder ausbügeln. Letztlich will der Plot der zweiten Staffel zuviel und bietet zu wenig, verliert sich allzu oft in Nebensächlichkeiten und streut Hinweise, die ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten wie sie urplötzlich auf der Bildfläche erscheinen. Grundsätzlich sind Story, Setting und Figuren durchaus interessant, aber Pizzolatto denkt einfach zu umständlich und konstruiert einen riesigen Überbau, der für den Kern der Handlung unnötig ist. Kurz noch zur besseren Einordnung meiner Gewichtung: die erste Staffel bekommt von mir trotz einiger Längen und Makel dennoch 10 von 10, die zweite ist immer noch gute Unterhaltung, aber auch nicht annähernd in den Sphären ihrer Vorgängerin, denn insgesamt fiel es mir schwerer in die zwar komplexe, aber mitunter auch verworrene Story hinein zukommen und auch diese sogartige Faszination der ersten Staffel wollte sich nicht bei mir einstellen.

 

7 von 10 Lektionen in Kindererziehung