Captain Phillips

27. September 2015 at 14:41

 

 

 

Captain Phillips (2013)
Captain Phillips poster Rating: 7.9/10 (295,735 votes)
Director: Paul Greengrass
Writer: Billy Ray (screenplay), Richard Phillips (based upon the book "A Captain's Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea" by), Stephan Talty (based upon the book "A Captain's Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea" by)
Stars: Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman
Runtime: 134 min
Rated: PG-13
Genre: Biography, Drama, Thriller
Released: 11 Oct 2013
Plot: The true story of Captain Richard Phillips and the 2009 hijacking by Somali pirates of the US-flagged MV Maersk Alabama, the first American cargo ship to be hijacked in two hundred years.

 

 

 

„You said you were a business man! Is this how you do business?“

 

 

 

Richard Phillips ist der Kapitän des amerikanischen Containerschiffes Maersk Alabama, das sich auf dem Weg vom Oman nach Mombasa befindet. Vor der somalischen Küste kommt es zu einem Zwischenfall und das Schiff wird von Piraten verfolgt und letztlich auch geentert. Die Crew versteckt sich tief im Bauch des Schiffes während Captain Phillips verzweifelt versucht, die somalischen Piraten zu beruhigen und sie zum Aufgeben zu bewegen. Diese sind allerdings nicht gewillt ihre Beute wieder herzugeben und durchkämmen Stück für Stück das Schiff auf der Suche nach der Besatzung…

 

Ich glaube, der letzte wirklich gute Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle, den ich gesehen habe, war Road to Perdition von Sam Mendes. Das war 2002. Catch Me If You Can und Terminal waren zwar gute Filme, aber auch sehr seicht, mit Ladykillers, obwohl von den Coen-Brüdern, konnte ich so gar nichts anfangen, die beiden DaVinci-Code Filme empfand ich eher als ärgerlich und enervierend, Der Krieg des Charlie Wilson blieb auch hinter seinen Möglichkeiten ebenso zurück wie Hanks zweite Spielfilmregie Larry Crowne. Selbst der damals so gehypte Extrem laut & und unglaublich nah konnte nicht immer völlig überzeugen und Cloud Atlas… vielleicht lag es ja an mir, aber zu Cloud Atlas fand ich einfach keinen Zugang. Jetzt mag ich Tom Hanks als Schauspieler aber sehr und schätze ihn über alle Maßen, seine Leistungen in den oben aufgezählten Filmen waren ja auch meist toll, aber vieles andere an ihnen leider nicht. Das Gesamtpaket stimmte nicht, wie man so schön sagt. Gute Filme, aber eben auch nicht von der Qualität eines Philadelphia, Forrest Gump (den ich eigentlich gar nicht so sehr mag, handwerklich und erzählerisch ist er aber auf aller höchstem Niveau), Cast Away, Road to Perdition oder The Green Mile. Es dauerte bis 2013 und brauchte den Regisseur Paul Greengrass, damit einfach mal wieder alles passte. Greengrass, überwiegend bekannt für Die Bourne-Verschwörung und Das Bourne-Ultimatum sowie für Green Zone, versteht es meist, fiebrig inszenierte Action mit politischen Elementen zu packenden Thrillern zu verschmelzen und diese mehr oder weniger gelungen zu inszenieren. Captain Phillips ist zweifellos sein bisher bester Film geworden, sein Meisterstück, intelligentes Hochspannungskino der Extraklasse, das man in dieser Form wirklich nicht oft findet.

 

 

 

„There’s got to be something other than being a fisherman or kidnapping people.“

 

 

 

Captain Phillips entwirft ein enorm beklemmendes Szenario auf engstem Raum, das sehr eindringlich und spannend daherkommt, ohne dabei auf großen Aufwand zurückgreifen zu müssen. Greengrass benötigt keinen inszenatorischen Firlefanz, keine Augenwischerei, verweigert sich den allzu plumpen Griffen in die Trickkiste und lässt lieber seine einnehmenden Bilder sprechen. Gerade auch der starke Kontrast zwischen der oft erdrückenden Enge der Maersk Alabama und der offenen Weite des Meeres unterstreicht die fiebrige Anspannung und die dichte Atmosphäre an Bord. Dazu sorgen die dezent eingebrachten, leicht dokumentarischen Anleihen in der Inszenierung für ein gewisses Mittendrin-Gefühl, der Zuschauer wird sogartig in die Ereignisse hineingezogen. Zwar greift Greengrass auch in Captain Phillips erneut auf sein liebstes Stilmittel, die Shaky-Cam, zurück, macht aber zum einen nicht übermäßigen Gebrauch von ihr und verfällt zum anderen nicht der Versuchung, diese mit schnellen Schnittfrequenzen zu versehen, wie er es in seinen Bourne-Filmen gerne getan hat. Ein simpler Kniff, um Bewegung zu erzeugen, so plakativ wie nervig. Captain Phillips dagegen zeigt wunderbar, wie die Shaky-Cam in Maßen als Stilmittel ganz hervorragend funktionieren kann, längere Einstellungen bestimmen die zermürbende und durch totale Ausweglosigkeit geprägte Geiselsituation, die nicht dauernd hektisch unterbrochen, sondern erstaunlich nachfühlbar gestaltet wird. Das Drehbuch von Billy Ray ist sehr pointiert, erliegt zum Glück nicht dem einfachen Weg der Schwarz/Weiß-Malerei und zwängt seine Akteure nicht vorschnell in allzu simple Strukturen von Gut und Böse. Sie werden weder glorifiziert und zu Helden verklärt, noch verurteilt oder dämonisiert. Vielmehr kommen beide Seiten der Medaille zur Geltung, die somalischen Piraten verkommen nicht zu eindimensionalen Klischee-Bösewichten, ihnen wird Raum gegeben und eine Geschichte spendiert. Die von erschreckend guten Laiendarsteller verkörperten Geiselnehmer erhalten ein Gesicht und nachvollziehbare Motivationen und sind am Ende auch nicht viel mehr als einfache Erfüllungsgehilfen, als winzige Zahnräder in der großen Maschine Piraterie, ein zumindest damals noch enorm einträgliches Geschäft mit der Angst. Dass die somalischen Piraten selbst nicht zu den Profiteuren dieser Strukturen zählen, ist offensichtlich. Am Ende wollen beide Seiten, Piraten wie Geiseln, im Grunde das gleiche, nämlich einfach nur Überleben. Um den Kreis zum Beginn meiner Rezension zu schließen: Tom Hanks in seiner Rolle als Richard Phillips ist einfach unfassbar stark. So gut habe ich ihn schon sehr lange nicht mehr, vielleicht sogar noch nie erlebt. Seine Figur durchlebt extrem glaubhaft die ganze Palette von Sorge um seine Crew, Überforderung, Entschlossenheit, Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und letztlich sogar Hysterie. Allein die letzten zehn Minuten sind so stark und unglaublich intensiv, dass sie allein bereits das Ansehen lohnen. Zweifellos einer der am eindrucksvollsten gespielten Momente überhaupt, da gibt es kaum vergleichbares.

 

Captain Phillips ist trotz seiner Laufzeit von 134 Minuten zu jedem Moment unglaublich spannend inszeniert, ohne dabei viel Aufwand betreiben zu müssen. Intensives, dramatisches, den Herzschlag beschleunigendes Spannungskino auf engstem Raum, das den Zuschauer mit auf eine unter die Haut gehende Tour de Force nimmt, welcher man sich kaum entziehen kann, und das einen wahrlich entfesselt aufspielenden Tom Hanks zeigt. Zweifellos der bisher beste Film von Regisseur Paul Greengrass und der beste seit langem von Tom Hanks. Vielleicht sogar sein bester überhaupt.

 

8 von 10 Scherben im Fuß

 

 

 

 

The Gambler

5. September 2015 at 16:56

 

 

 

The Gambler (2014)
The Gambler poster Rating: 6.1/10 (36418 votes)
Director: Rupert Wyatt
Writer: William Monahan (screenplay), James Toback
Stars: Mark Wahlberg, George Kennedy, Griffin Cleveland, Jessica Lange
Runtime: 111 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 25 Dec 2014
Plot: Lit professor and gambler Jim Bennett's debt causes him to borrow money from his mother and a loan shark. Further complicating his situation is his relationship with one of his students. Will Bennett risk his life for a second chance?

 

 

„Fuck you. You get up two and a half million dollars… That’s your fortress of fucking solitude. That puts you, for the rest of your life, at a level of fuck you. Somebody wants you to do something, fuck you. Boss pisses you off, fuck you! Own your house. Have a couple bucks in the bank. Don’t drink. That’s all I have to say to anybody on any social level.“

 

 

 

Jim Bennett hat eigentlich alles. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie, hat ein schönes Haus, ist ein zwar etwas eigenwilliger, aber dennoch angesehener Professor für Literatur und hat sogar einen Roman veröffentlicht. Er hat aber auch ein nicht unbeträchtliches Problem: er ist spielsüchtig. Gewinnen oder Verlieren sind ihm egal. Gewinnt er, dann spielt er einfach so lange weiter, bis nichts mehr übrig ist. Das Spielen an sich ist es, das ihm als einziges wirklich etwas bedeutet und für ihn zählt. Auch ist es ihm egal, dass es gleich mehrere Kredithaie auf ihn abgesehen haben, weil er sich überall Geld leiht und dieses nicht zurückzahlt, sondern lieber verzockt. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, als ihm niemand mehr Geld leihen will und ihm die Geldeintreiber mehr und mehr zu Leibe rücken…

 

Manchmal gibt es Filme, da erwartet man zu viel und wird dann eventuell enttäuscht. Und dann gibt es Filme, da ist die Erwartungshaltung verhältnismäßig gering, und man wird positiv überrascht. The Gambler war bei mir ganz eindeutig ein Film der zweiten Kategorie. Regisseur Rupert Wyatt ist ja schon mit seinem letzten Film Planet der Affen: Prevolution etwas gelungen, das viele andere hinter der Kamera so nicht unbedingt schaffen: ein Actionfilm mit intellektuellem Anstrich, der zu unterhalten weiß, aber auch auf der emotionalen Ebene erstaunlich gut funktioniert. The Gambler hingegen versteht sich ganz klar als Drama, bietet allerdings auch Thrillerelemente, die sich jedoch in Grenzen halten. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt ganz eindeutig auf seiner Hauptfigur Jim Bennett und dessen vorprogrammierter Abwärtsspirale. Jedoch will der Film diese Ausgangslage seines Protagonisten nicht bewusst reißerisch ausarbeiten und einfach alle nur erdenklichen Klischees und Stereotypen vor dem Zuschauer auswalzen. So einfach macht Wyatt es einem nicht. Das beginnt schon damit, dass es einem wirklich schwer fällt, Bennett zu mögen, denn es ist eher eine seltsame Mischung aus Abscheu und Mitleid, die hier mitschwingt. Der Mann ist alles andere als ein Sympathieträger, bestimmt von seiner Lebenseinstellung. Mittelmaß widert ihn in jeglicher Hinsicht an. All or nothing. Ist es kein Sieg, dann ist es wertlos, und selbst das ist nur zweitrangig. Für ihn zählt einzig und allein der fiebrige Rausch, den er beim Spielen empfinden kann, alles andere ist ohne Bedeutung. Diesem Gefühl ist alles andere untergeordnet und in diesem Punkt gibt sich Bennett ausgesprochen kompromisslos. Er schert sich kein Stück weit um die Gefühle und Meinungen seiner Mitmenschen, sagt gerade heraus was er denkt und lehnt jegliche sich im bietende Hilfe einfach ab. Er fährt sein ganzes Leben so zielstrebig wie selbstzerstörerisch an die Wand und steuert geradezu hemmungslos seinem Ende entgegen ohne das es ihn groß kümmern würde. Im Gegenteil, er scheint ihn regelrecht zu zelebrieren, seinen Untergang mit wehenden Fahnen. Er lehnt sich kein bisschen dagegen auf und wünscht ihn vielleicht sogar herbei. Ein Hauch von Todessehnsucht scheint ihn zu umgeben und selbst, wenn er wollte, er könnte gar nichts dagegen tun, das wird schnell klar. Es ist Teil seiner Natur, er akzeptiert es als Stück seiner Selbst, ganz so wie der Skorpion in dem bekannten Gleichnis mit dem Frosch. Mark Wahlberg verkörpert diesen ausgesprochen ambivalenten Charakter ganz hervorragend, perfekt teilnahmslos, stoisch und gnadenlos zerstörerisch sich selbst gegenüber. Zweifellos seine beste Performance seit dem tollen Boogie Nights (1997). Es ist beinahe beängstigend, wie gleichgültig er sich gibt, gleichgültig gegenüber sich selbst und seiner Umwelt. Neben Wahlberg sind auch die Nebenrollen exzellent besetzt, egal, ob John Goodman als philosophierender Kredithai, Jessica Lange als Bennett´s Mutter oder Brie Larson als studentische Affäre, sie alle spielen hervorragend. Vor allem Goodman ist grandios, agiert deutlich über seinem ohnehin schon hoch angesiedelten Durchschnitt und liefert mehr als nur eine denkwürdige Szene. Sein Monolog über seine Fuck you! – Einstellung jedenfalls ist fantastisch und sicher eines der Highlights des Films.

 

Nach Planet der Affen: Prevolution hat Rupert Wyatt mit The Gambler einen weiteren Volltreffer gelandet. Das Drama bietet zwar gelegentliche Thriller-Momente, lebt aber eindeutig von seiner Stimmung und der dichten Atmosphäre. Neben dem hervorragendem Cast und einer etwas ungewöhnlichen Figurenzeichnung glänzt The Gambler letztlich noch mit seiner Inszenierung selbst, selbstbewusst, aber niemals selbstverliebt, düster und zugleich poetisch, in kühlen Bildern eingefangen und mit einem tollen Soundtrack versehen. Ein chronologisch erzähltes Psychogramm einer hoffnungslosen Seele, dem eine enorme innere Spannung anhaftet. Das unweigerlich nahende Ende ist zwar vorhersehbar, aber gleichzeitig so sehr im Schicksal des Protagonisten verankert, dass das kaum störend wirkt.

 

8 von 10 tausend Dollar auf Schwarz

 

 

 

 

 

 

Doomsday

24. August 2015 at 14:39

 

 

 

Doomsday (2008)
Doomsday poster Rating: 6.0/10 (59965 votes)
Director: Neil Marshall
Writer: Neil Marshall
Stars: Caryn Peterson, Adeola Ariyo, Emma Cleasby, Christine Tomlinson
Runtime: 105 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 14 Mar 2008
Plot: A futuristic action thriller where a team of people work to prevent a disaster threatening the future of the human race.

 

 

 

„You’re going there? If there is such a thing as hell on earth, that’s it.”

 

 

 

2008 bricht in Glasgow das hochgradig ansteckende und tödliche Reaper-Virus aus und wütet schon bald in ganz Schottland. Der Name ist hier Programm, wie der Sensenmann persönlich dezimiert das Virus unaufhaltsam die Bevölkerung. Die britische Regierung ist absolut machtlos, es gibt weder eine Heilung noch eine Impfung, und die Infektion muss um jeden Preis eingedämmt werden. Buchstäblich. Also wird ganz Schottland unter Quarantäne gestellt und vom Rest des Landes isoliert, indem eine gigantische Stahlmauer entlang des Hadrianswall errichtet wird und schwer bewaffnete Truppen fortan die Grenzen bewachen. Schottland und seine Einwohner werden einfach sich selbst überlassen und im Laufe der Jahre gerät alles in Vergessenheit. Bis 30 Jahre später ein erneuter Ausbruch des Reaper-Virus mitten in London den britischen Premierminister zum Handeln zwingt. Schon länger ist der Regierung bekannt, dass es wieder menschliches Leben in Schottland zu geben scheint, also wird eine Gruppe von Wissenschaftlern und Elitesoldaten entsandt, um auf der anderen Seite der Mauer nach einem Heilmittel zu suchen….

 

Doomsday ist nach Dog Soldiers und The Descent die dritte Regiearbeit des Briten Neil Marshall. War Dog Soldiers zwar noch nicht der ganz große Wurf, aber doch ein ansehnliches Debüt voller schwarzem Humor, dass bereits viel von der späteren Handschrift Marshalls enthielt, so war das Nachfolgewerk The Descent ein wahres Monster von Horrorfilm, das bis heute zu meinen absoluten Lieblingen des Genres zählt. Für Doomsday hat man Marshall dann ein Budget von 30 Mio Dollar und absolut freie Hand gegeben. Das Ergebnis ist ein sehr eigenwilliger, räudiger, kleiner Bastard, der sich einen feuchten Dreck um Genrekonventionen schert. Marshall ignoriert und unterwandert breit grinsend die gängige Kino-Etikette und wechselt in einem herrlichen Tempo auf angenehm respektlose und ironische Art und Weise Schauplätze und Stimmungen. Doomsday entpuppt sich recht schnell als doch sehr kompromissloser Endzeit-Actioner mit Horrorelementen, der ganz bewusst am Geschmack der Massen vorbei produziert wurde und sich selbstbewusst als regelrechte Flut von Zitaten versteht, ganz im Geiste der 80er Jahre ohne Längen oder Füllmaterial, eine handfeste Hommage mit Augenzwinkern, ohne dabei plump oder billig zu wirken. Marshall spielt ungehemmt mit der ganzen Bandbreite der Klischees der Endzeit-Action, von degenerierten und entarteten Kannibalen über die mahnenden Stahlgerippe der einstigen Zivilisation und die zurückerobernde Natur bis hin zu ins Mittelalter  zurückentwickelte Gesellschaftsstrukturen findet sich hier beinahe alles. Störende Anflüge von Anspruch oder Subtext gibt es keine, nur knallharte Action, ein hohes Tempo und jede Menge entfesselten Wahnsinn gepaart mit verrückten Einfällen und Details. Es regiert einzig und allein der Spaß am Spektakel. Die Mischung aus Geschwindigkeit und Gewalt, die Marshall dem Zuschauer serviert, lässt zwar nicht alle, aber doch viele ähnlich gestrickte Genrevertreter deutlich hinter sich, und obwohl er sich sehr zitierfreudig durch die Geschichte der Endzeit-Actioner wühlt, kommt Doomsday nie als stumpfes Plagiat daher, sondern vielmehr als gelungene Hommage an seine offensichtlichen Vorbilder. So erinnern die Grundzüge der Story an John Carpenters Klassiker Die Klapperschlange, entwickelt sich zum kleinen Bruder von Flucht aus Absolom mit leichten Einschlägen von Mad Max III: Beyond Thunderdome, driftet dann irgendwie in mittelalterliche Gefilde ab und die finale Verfolgungsjagd bezieht sich ganz eindeutig auf Mad Max II: Road Warrior. Sogar das zwei Jahre später von Neil Marshall blutig inszenierte Schlachtgemälde Centurion mit Michael Fassbender in der Hauptrolle deutet sich in Doomsday schon überdeutlich an.

 

Wie gesagt, in Doomsday regieren eindeutig Action, Gewalt, Tempo und Spaß, Logik, inhaltliche Konsistenz und erwähnenswerte schauspielerische Leistungen hingegen sucht man hier vergeblich. Vielmehr inszeniert Marshall ein unterhaltsames Flickwerk aus Anspielungen und Zitaten, ein B-Movie mit zwar für seine Verhältnisse durchaus ansehnlichem Budget, aber eben doch in seinem tiefsten Herzen durch und durch ein B-Movie, das zwar manchmal etwas zuviel des Guten offeriert, zwischendurch auch mal ein wenig unübersichtlich wird und leider zu oft eine gewisse Homogenität vermissen lässt, aber niemals zur bloßen Parodie verkommt. Ernst gemeint ist hier nun wirklich nichts, das schwarzhumorige Augenzwinkern ist kaum zu übersehen, und so entsteht eine kurzweilige und unterhaltsame Hommage an ein Genre, dass man schon mögen sollte, um Doomsday etwas abgewinnen zu können. Ist dies jedoch der Fall und gelingt es einem, für rund 108 Minuten den Kopf auszuschalten, dann kann man durchaus Spass haben mit dem Film. Stumpf wie ein zur Axt umfunktioniertes Verkehrsschild, aber dafür auch ebenso unterhaltsam.

 

7 von 10 zelebrierten Enthauptungen

 

 

Blackhat

25. Juli 2015 at 16:31

 

 

 

Blackhat (2015)
Blackhat poster Rating: 5.4/10 (22993 votes)
Director: Michael Mann
Writer: Morgan Davis Foehl
Stars: Chris Hemsworth, Leehom Wang, Wei Tang, Viola Davis
Runtime: 133 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 16 Jan 2015
Plot: A furloughed convict and his American and Chinese partners hunt a high-level cybercrime network from Chicago to Los Angeles to Hong Kong to Jakarta.

 

 

 

„This isn’t about money. This isn’t about politics. I can target anyone, anything, anywhere.”

 

 

 

Als das Computersystem eines chinesischen Atomkraftwerks von Hackern angegriffen und die Kühlung der Brennstäbe manipuliert wird, ruft das verschiedene Abteilungen der chinesischen Regierung auf den Plan. Der IT-Sicherheitsexperte Chen Dawai soll zusammen mit seiner Schwester den Hackern auf die Spur kommen und findet den fragmentarischen Teil eines Codes, den er einst am MIT zusammen mit seinem alten Studienfreund Nick Hathaway geschrieben hat. Der jedoch sitzt zur Zeit wegen Computerkriminalität im Gefängnis, weswegen die Kooperation mit den amerikanischen Behörden unumgänglich wird, soll Hathaway doch tatkräftige Unterstützung leisten. Nachdem schließlich auch noch die New Yorker Börse gehackt wird, bietet man Hathaway einen Deal an: Straffreiheit für die Jagd nach den Hackern. Eine regelrechte Schnitzeljagd rund um die Welt entbrennt…

 

Blackhat ist der neueste Film von Regisseur Michael Mann, der Licht wie Schatten in seiner Karriere zu verbuchen hat. So ist beispielsweise sein Film Manhunter (hierzulande auch bekannt als Blutmond und später nochmal neu verfilmt als Roter Drache) von 1986 in allen Belangen sehr gut gelungen und Heat, diesen herausragenden Meilenstein der Filmgeschichte, hat er 1995 auch inszeniert, ein unsterblicher Klassiker und einer der besten Filme aller Zeiten. Auch Collateral ist ein durchgängig stimmungsvoller Thriller, der deutlich über dem Durchschnitt liegt und erneut Mann´s eigenwilligen Stil der Inszenierung unterstreicht und etabliert. Er hat aber auch Totalausfälle wie Miami Vice und Public Enemies zu verbuchen, Filme, die buchstäblich die Zeit nicht wert sind, die man mit ihnen vergeudet. Jetzt also Blackhat, ein Actionthriller rund um Cyberkriminalität, diese gesichtslose Bedrohung aus dem World Wide Web. Ein durchaus aktuelles wie brisantes Thema, das reichlich Potential zu bieten hat. Nur müsste man dieses auch wirklich nutzen, was Mann leider nicht mal ansatzweise gelingt. Vor allem ist Blackhat zu lang und zu zäh geraten, zwischendurch zieht sich der Film wie ein alter Kaugummi, er findet seinen Rhythmus nicht und kann sich nicht entscheiden, ob er jetzt doch lieber Actionfilm oder eher HiTech-Thriller sein möchte. Spannung kommt so gut wie nie auf, denn die Handlung ist allzu offensichtlich und vorhersehbar geraten, stets weiß man, was als nächstes passieren wird, wirkliche Überraschungen hat Blackhat nicht zu bieten. Die Handschrift von Michael Mann ist zwar allgegenwärtig, sein ausgeprägtes Faible für nächtliche Neonszenerien ebenso wie seine unterkühlte Distanz, aber er zitiert sich inzwischen einfach viel zu oft selbst. Egal, ob Heat, Collateral oder Miami Vice, von allen lassen sich Elemente in Blackhat wiederfinden, der Film wirkt nicht wie eine Weiterentwicklung seines Schaffens, sondern eher wie eine blasse Kopie. Mann verlässt sich zu sehr auf die Kraft seiner Bilder, und die sind ja auch wirklich gelungen, das kann man dem Film absolut nicht vorwerfen, visuell ist er hervorragend, aber das allein reicht nicht aus, wenn dann sonst nichts mehr geboten wird. Sein Stil war Mann schon immer wichtig, aber so sehr style over substance wie in Blackhat war es noch nie, höchstens noch bei Miami Vice, und er dreht sich permanent im Kreis, immer und immer wieder schön um die eigene Achse und sich selbst zelebrierend. Die Story bleibt dabei auf der Strecke und der Zuschauer auch. Zudem ist Chris Hemsworth als Elektronikgenie und Tastenjongleur Nick Hathaway eine totale Fehlbesetzung, den genialen Hacker kann man ihm zu keiner Sekunde abnehmen und zu allem Überfluss darf er hin und wieder völlig deplatziert seinen Körper zur Schau stellen. Der Rest des Cast ist kaum erwähnenswert, ist aber eigentlich auch egal, da ohnehin alle Figuren immerzu laut „Klischee!“ schreien, die überflüssige und seltsam hinein gestopft wirkende Lovestory fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht.

 

Blackhat ist visuell hervorragend, erzählerisch aber sehr zerfasert und uninspiriert. Die Handlung entwickelt sich viel zu langsam, das unglaubwürdige Finale dagegen ist viel zu schnell und plötzlich vorbei, und der Film ist oft haarsträubend unlogisch. Ein schwaches Drehbuch und die schlechten schauspielerischen Leistungen nahezu aller Beteiligten runden das Ganze ab. Letztlich dreht sich Michael Mann selbstverliebt um sich selbst und zitiert permanent seine eigenen Werke, das wirkt schnell ermüdend und langweilt. Wahrlich keine seiner Sternstunden und ganz sicher nicht mal ansatzweise in der Nähe eines Heat, nicht einmal eines Collateral, sondern viel mehr ganz nah bei Miami Vice. Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold.

 

4 von 10 Superhackern mit Nahkampfausbildung und Schusswaffentraining