Jurassic World: Fallen Kingdom (2018)

7. April 2019 at 15:09

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Relax. Anything in here would be dead by now.“

 

 

 

Während die halbe Welt auch drei Jahre nach der Zerstörung des Freizeitparks Jurassic World noch immer hitzig diskutiert, was nun mit den verbliebenen Dinosauriern geschehen soll, droht ein akuter Vulkanausbruch die Tiere erneut auszulöschen. Da wendet sich der Milliardär Benjamin Lockwood zusammen mit seinen Geschäftspartner Eli Mills an Claire Dearing. Zusammen mit Owen Grady soll die ehemalige Leiterin von Jurassic World nun eine Expedition mit dem Ziel anführen, so viele Tiere wie möglich vor dem drohendem Untergang zu retten.

 

Das die Wahl für die Fortsetzung von Jurassic World auf den spanischen Regisseur J.A. Bayona (El Orfanato, The Impossible, A Monster Calls) fiel, erweist sich rückblickend als kleiner Glücksgriff, vermag er der Filmreihe doch zwar feine, aber dennoch frische Ideen abzuringen. Jurassic World: Fallen Kingdom begibt sich nun endgültig hinab in die Untiefen der Creature Features vergangener Tage, akzeptiert noch mehr als sein Vorgänger seine Wurzeln im fantastischen B-Movie und scheut sich nicht, diese auch ordentlich zu überhöhen. Im Verlauf kippt der Film tonal vom Abenteurfilm hin zu Grusel, wobei sich Bayona ganz bewusst diverser stilistischen Elemente aus dem Horror-Genre bedient und so zumindest im Ansatz aus dem bisher üblichen Schema auszubrechen wagt.

 

Inhaltlich baut all das auf einer Nebenhandlung aus Jurassic World auf, wenn die Idee fokussiert wird, Dinosaurier nicht nur bloß als Waffen einzusetzen, sondern diese auch je nach Bedarf gezielt genetisch zu verändern. Das streift abermals Themenbereiche wie die menschliche Hybris, Gier und den Gottkomplex der Wissenschaft, reißt diese aber allenfalls an und bleibt stets oberflächlich. Das ist dann auch vollkommen okay, handelt es sich hier doch letztlich um einen fantastischen Stoff, dem seine naive Herkunft durchaus bewusst ist und der auch dazu steht, wenn er sich breit grinsend in zahllosen Science-Fantasy-Motiven suhlt und kaum mehr als Eskapismus in bester Spielberg-Manier bieten will. Vieles davon kann als großer Quatsch empfunden werden, ich finde das allerdings sympathisch und erfrischend. Allein der Humor kommt oft etwas zu drüber daher, kapert zu viele Szenen und nimmt sie in Geiselhaft, wirkt nicht selten deplatziert und zerstört immer mal wieder die eigentlich eher düstere Atmosphäre.

 

So wie sich Jurassic World thematisch, erzählerisch und inszenatorisch stark auf Jurassic Park bezieht, so macht das nun Fallen Kingdom mit The Lost World, und verpackt seine genre-typisch eher dünne Story in visuell starken Bildern. Ein geradezu klassischer Monsterfilm ganz nach meinem Geschmack. Ich mag sowas.

 

6,5 von 10 Wiedersehen mit einer alten T-Rex-Dame

 

 

Morgan (Das Morgan Projekt)

17. Juli 2017 at 12:21

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„Do you know the cruelest thing you can do to someone you’ve locked in a room? Press their face to the window.“

 

 

 

Mit Hilfe von Nanotechnologie kombiniert mit menschlichem Genmaterial erschaffen Wissenschaftler ein künstliches Wesen namens Morgan. Als es zu einem blutigen Zwischenfall kommt, wird die Risikomanagerin Lee Weathers damit betraut, sich einen Überblick zu verschaffen und eine Empfehlung über den Fortbestand des Projektes abzugeben. Doch als es während der psychologischen Analyse von Morgan durch einen hinzugezogenen Experten erneut zu Blutvergießen kommt, eskaliert die Situation vollends und die künstlich erschaffene Kreatur kann sich befreien.

 

Luke Scott liefert nach Arbeiten für die Second Unit bei Exodus:Gods and Kings und Der Marsianer und einigen Kurzfilmen für das Prometheus/Alien: Covenant-Universum für seinen Vater Ridley Scott nun mit Morgan seinen ersten Langfilm. Und eines muss man zweifellos anerkennen: das Auge seines Vaters hat er scheinbar geerbt, ist Morgan über weite Strecken doch hübsch anzusehen und weiß visuell zu überzeugen. Wenn er dazu auch die inhaltliche Ebene ähnlich gut im Griff haben würde, dann hätte aus seinem Regiedebüt ein richtig guter Film werden können. Da das leider nicht der Fall ist, bleibt Morgan zwar ein interessanter Beginn, welcher zumindest im Ansatz ganz ähnliche philosophische und moralische Dilemmata thematisiert, wie sie zuletzt auch Alex Garland mit seinem kammerspielartigem Science Fiction-Drama Ex Machina verarbeitet hat. Doch erreicht dieses durchaus komplexe Thema seinen vorerst dramatischen Höhepunkt in Form der psychologischen Analyse von Morgan, dann kippt der Film in seiner Stimmung, es kommt zu einem relativ harten tonalen Bruch und bereits etablierte Motive verlieren plötzlich zu Gunsten von Action angereichert mit Horrorelementen an Bedeutung, so dass Morgans künstliche Herkunft, ihre Intelligenz und die damit implizierten Fragen fortan keine Rolle mehr spielen. Das ist zwar ein wenig schade, könnte ich jedoch problemlos verschmerzen, wenn die daran folgende Action nicht schrecklich herkömmlich und gewöhnlich ausfallen würde wie direkt vom Reißbrett. Auch die Handlung bleibt beinahe immer vorhersehbar und verlässt nur ausgesprochen selten seit Jahrzehnten ausgetretene Genrepfade, ja, sogar den Twist am Ende kann man durchaus vorher kommen sehen. Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass Morgan nicht zu seiner eigentlichen Herkunft als B-Movie so wirklich stehen will oder kann, obwohl der Plot an sich doch eben ein solcher Stoff durch und durch ist. Ein Film wie Species beispielsweise ist mir da um einiges sympathischer, weil er seine Herkunft nicht verleugnet und vollkommen dazu steht, was er ist und auch gar nicht versucht mehr zu sein, wohl wissend, das nicht leisten zu können. Ein B-Movie durch und durch, was ja auch überhaupt nichts schlimmes ist, ganz im Gegenteil. Morgan hingegen versucht sich ein wenig größer zu machen, als sein Plot letztlich ist, bleibt dabei aber zumindest durchweg unterhaltsam.

 

Somit formuliert Morgan anfangs zwar eine durchaus interessante und moralisch ambivalente Fragestellung, wirft diese jedoch recht zügig zu Gunsten von Action und Horror über Bord. Es bleibt eine hübsch anzusehende, geradlinig inszenierte Action-Horror-Variante von bereits bekannten Motiven, die kaum eigenständige Idee zu entwickeln vermag und immer vorhersehbar bleibt. Unterhaltsam ist das zwar, vielmehr aber auch nicht, denn inhaltlich ist da noch deutlich Luft nach oben. Eine gelungene Arbeitsprobe für Regisseur Luke Scott ist das aber allemal.

 

6 von 10 toughen Risikomanagerinnen