Bird Box (2018)

3. März 2019 at 16:39

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Make the end of the world great again!“

 

 

 

Ein rätselhaftes Phänomen greift blitzschnell und weltweit um sich: Menschen geraten plötzlich und scheinbar grundlos in Panik und tun alles, um sich so schnell wie möglich selbst umzubringen. Die werdende Mutter Malorie kann dem zusammen mit einer handvoll anderer so gerade noch entgehen und gemeinsam verschanzt man sich in einem Haus. Schnell wird klar, dass sich geisterhafte Wesen draußen aufhalten, deren bloßer Anblick die Menschen Selbstmord begehen lässt. Die einzige Lösung scheint also zu sein, sich zumindest im Freien permanent die Augen zu verbinden.

 

Überleben ist nicht LEBEN. Die konzeptuellen Parallelen zu A Quiet Place lassen sich kaum leugnen, ist doch die postapokalyptische Prämisse in Bird Box zumindest ähnlich gelagert, mit dem Unterschied jedoch, dass es John Krasinski gelingt mehr aus dem limitierten Setting herauszuholen als es nun die dänische Regisseurin Susanne Bier (The Night Manager) vermag. Zwar beginnt der in Rückblenden erzählte Bird Box interessant und durchaus auch stimmungsvoll, wenn die Anfangsphase dieser Apokalypse in starken Bildern eingefangen wird, flacht nach diesem eindrücklichen Einstieg narrativ jedoch schnell ab und ergeht sich zu sehr in allseits bekannten und ausgelutschten Genrestrukturen. Im Mittelteil geht viel Tempo verloren, es schleichen sich eigentlich unnötige Längen ein und der Erzählfluss gestaltet sich mitunter geradezu zäh, wenn sich zu lange und zu oft alles innerhalb des Hauses und somit auch innerhalb der zusammengewürfelten Gruppe abspielt, die Figuren an sich überwiegend jedoch kaum mehr als klischeehafte wie eindimensionale Abziehbilder sind.

 

Richtig Spannung kommt hier nur sehr selten auf. Die kurze Autofahrt zum Supermarkt sorgt da zumindest für einen Hauch von Abwechslung und mit der Figur des Gary blitzt für kurze Zeit sogar eine richtig gute Idee im Drehbuch von Eric Heisserer (Arrival, Lights Out, Hours) auf, doch auch hier wird einfach zu wenig daraus gemacht. Das ist dann letzten Endes auch das größte Problem von Bird Box: das Potential ist nämlich durchaus vorhanden, nur ausgeschöpft wird dieses nie, man bleibt nahezu immer hinter seinen Möglichkeiten zurück und lässt alles in einem doch arg enttäuschenden Finale enden, dem man mit etwas mehr Mut einen zumindest halbwegs passablen kleinen Kniff hätte abringen können. So pendelt Bird Box irgendwo zwischen A Quiet Place, The Happening (2008) von Shyamalan und Blindness (2008) von Meirelles, beraubt sich selbst seines Potentials und hätte durchaus etwas kompakter inszeniert sein können. Schade.

 

4,5 von 10 Mal das Rauschen des Windes in den Bäumen vernehmen

 

 

The Predator (2018)

23. Januar 2019 at 0:09

 

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Nach seiner unfreiwilligen Begegnung mit einem Yautja in Mexiko soll der Elitesoldat Quinn McKenna als einziger Überlebender seiner Einheit in eine Einrichtung für verhaltensauffällige Veteranen gebracht werden. Der Vorfall soll vertuscht werden, denn die Regierung weiß schon längst von der Existenz der kriegerischen Alienrasse und ist sogar in Besitz eines lebenden Exemplares, doch als dem gefangenen Außerirdischen die Flucht gelingt, da befindet sich McKenna mit einigen anderen Veteranen plötzlich in der Schusslinie.

 

Braucht man den neuen Film von Regisseur Shane Black? Vermutlich eher nicht. Erweitert The Predator sinnvoll sein filmisches Universum? Definitiv nicht. Habe ich das erwartet? Auf keinen Fall. Erwartungen sind Belastungen. Und so hatte ich auf eine sehr spezielle Art und Weise durchaus meinen Spaß mit diesem kruden und aus der Zeit gefallenen Machwerk irgendwo zwischen markiger 80er Reminiszenz und modernem Blockbuster. Dabei ist The Predator nicht einmal ein sonderlich guter Film, zu sehr ist seine Erzählstruktur zerrissen und holprig, zu sehr schwankt der Plot immer wieder zwischen unterschiedlichsten Motiven, so dass sich das Endprodukt seltsam unfertig und zerfasert anfühlt. Chaotisch wirkt das bunte Treiben, unausgegoren und sprunghaft, wurde The Predator doch mehrfach umgeschnitten und immer wieder in andere Richtungen gestoßen. Das spürt man deutlich und wird dem Skript wohl auch zum größten Verhängnis, welches sich wie für den Regisseur und dessen Co-Writer Fred Dekker (Night of the Creeps, Monster Squad) nicht unüblich gleichsam aus explosiver Action und selbst für Blacks Maßstäbe schamloser Ketten aus Gags und Sprüchen jenseits der Gürtellinie und des guten Geschmacks zusammensetzt.

 

Als ernsthaftes Stück Genrekino ganz in der Tradition der ersten beiden Filme von McTiernan und Hopkins darf das alles natürlich nicht verstanden werden, sondern viel eher als herzhaft deftiger wie kurzweiliger und vor allem grobschlächtiger Spaß, der seine R-Rating-Effekte im späteren Verlauf genüsslich zelebrieren will, und dem ich aufgrund seiner breitbeinig ausgestellten Infantilität kaum wirklich böse sein könnte. Ja, The Predator ist kein guter Film, hat zahllose Schwächen und Probleme auf beinahe allen Ebenen und doch wirkt er dadurch – selbstverständlich unfreiwillig und vollkommen ohne Absicht – weit weniger formelhaft als so manch anderer Actionfilm unserer Zeit. Irgendwie liegt in all dem heillosen Chaos und Durcheinander ein ganz merkwürdiger und überaus eigenwilliger Charme, dem ich erlegen bin.

 

6 von 10 vom Fleisch befreite Wirbelsäulen