Death Wish (2018)

11. Februar 2019 at 19:02

 

 

© MGM/Annapurna Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

People rely on the police to keep them safe. That’s the problem. The police only arrive after the crime has taken place. That’s like. Trapping the fox as he’s comin‘ out of the hen house. If a man really wants to protect what’s his. He has to do it for himself.“

 

 

 

Als seine Frau von Einbrechern getötet und seine Tochter danach schwer verletzt im Koma liegt, da bricht für den Chirurgen Paul Kersey die Welt zusammen. Doch als bei ihm nach und nach der Eindruck entsteht, dass die Polizei mit ihren Ermittlungen nicht vorwärts kommen und die Justiz grundsätzlich überlastet scheint, da beschließt er sich eine Waffe zu besorgen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Allerdings mutiert der private Rachefeldzug dank Smartphone und YouTube schnell zum landesweiten Thema und spaltet die Bevölkerung.

 

Wo Death Wish (1974) von Michael Winner zumindest dadurch punkten konnte, dass er dem Zuschauer eben keine vorgekaute Botschaft samt Moral vorsetzt und ihn mit seinem ungelösten Dilemma alleine zurück lässt, da serviert Eli Roth mit seinem unnötigen Remake kaum mehr als stumpfsinnige und vor allem langweilige Action. Zwar versucht der Film die zweifelhaften Taten seiner Hauptfigur und deren geradezu dankbare Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung zu hinterfragen, doch tatsächliche Konsequenzen haben seine Handlungen nicht und so verpufft all das im leeren Raum. Roth gelingt es nie in die Komfortzone des Zuschauers einzudringen, denn dafür ist sein Death Wish zu zahnlos und zaghaft geraten, vermag nie ernsthaft zu provozieren und herauszufordern und vertraut lieber auf Zurückhaltung statt volles Risiko zu gehen. Es fehlt am Mut zur Positionierung und so wird die Möglichkeit vertan, eine wirklich relevante Aussage zum Thema Selbstjustiz zu erschaffen. Gut, hatte Roth so vielleicht auch gar nicht im Sinn. Doch auch als reiner Genrefilm funktioniert Death Wish nicht sonderlich gut, denn dafür ist er viel zu belanglos runter gerissen und nach Schema F inszeniert, wirkt seltsam leidenschaftslos und kann bloß mit allenfalls mäßig umgesetzter und uninspirierter Action aufwarten. Winners Death Wish war seiner Zeit zweifellos nicht weniger fragwürdig, traf jedoch einen empfindlichen Nerv bei seinem Publikum. Roth hingegen schießt am aktuellen Zeitgeist vorbei und langweilt in seiner Belanglosigkeit mehr, als dass er eine Kontroverse erzeugen könnte.

 

4 von 10 Mal stupide die Waffe zerlegen und reinigen

 

 

The Player (1992)

26. Januar 2018 at 22:29

 

 

© Fine Line Features

 

 

 

„It lacked certain elements that we need to market a film successfully. Suspense, laughter, violence. Hope, heart, nudity, sex. Happy endings. Mainly happy endings.“

 

 

 

Griffin Mill ist einer der Top-Produzenten in einem großen Hollywood-Studio, doch die internen Machtkämpfe machen ihm zunehmend zu schaffen. Als er dann auch noch mysteriöse Drohbriefe erhält, vermutet er dahinter einen enttäuschten Autoren, dessen Drehbuch er abgelehnt hat. Schnell glaubt Mill in David Kahane den Schuldigen gefunden zu haben, sucht die Konfrontation mit ihm und bringt ihn letztlich in einer spontanen Handgreiflichkeit ungewollt um. Er kann seine Tat vertuschen, doch kurz darauf erhält er erneut Drohungen: hat er vielleicht den falschen umgebracht?

 

Zwölf Jahre lang hatte sich Robert Altman nach seinen desaströsen Erfahrungen rund um seinen Film Popeye von Hollywood mehr oder weniger abgewandt und fand im Mainstream kaum bis gar nicht mehr statt, als er 1992 mit The Player doch noch ins Haifischbecken zurückkehrte. Eine bissige wie ätzende Abrechnung mit dem System Hollywood und zynisch-befreiende Bewältigung seiner eigenen Erfahrungen sollte es werden und eine herrlichere Lehrstunde über Arbeitsprozesse beim Filmemachen habe ich seit The Stuntman von Richard Rush nicht mehr gesehen. Dem Vernehmen nach nahm er diesmal so einiges selbst in die Hand: jeden Schauspieler, den er kannte, rief er persönlich an und die allermeisten sagten bereitwillig zu. Einige spielen Rollen, die meisten allerdings sich selbst – und diese Besetzung sucht buchstäblich ihres gleichen mit solch illustren Namen wie Bruce Willis, Julia Roberts, John Cusack, Harry Belafonte, Cher, James Coburn, Burt Reynolds, Jeff Goldblum, Peter Falk, Susan Sarandon, Anjelica Huston, Andie MacDowell, Malcolm McDowell, Nick Nolte, Jack Lemmon, Mimi Rogers, Rod Steiger, Fred Ward, Vincent D´Onofrio, Peter Gallagher, Tim Robbins, Whoopi Goldberg, Greta Scacchi, Dean Stockwell, Richard E. Grant, Gary Busey, Scott Glenn und noch vielen anderen. So realisierte er seinen Film an vielen Strukturen Hollywoods vorbei und das ist dann letztlich auch das wahrlich Meisterhafte an Altmans Film: einige der größten Stars jener Zeit für die Entlarvung des eigenen Geschäftes einzuspannen, das ist zweifellos die bemerkenswerteste Pointe in dieser ironisch-selbstreflexiven Abrechnung. Bei der bitterbösen Konsequenz, mit der uns Altman diese Marionetten vorführt, liegt die Versuchung nahe, seinen Film als verbitterten Beißreflex zu betrachten, aber das wird dem leichtfüßig wie elegant in Szene gesetzten The Player nicht gerecht.

 

Altman betont ganz bewusst die oberflächlichen Reize, schlägt einen lockeren Rhythmus an und ignoriert zugleich die gängige Hollywood-Dramaturgie. Weder gibt es am Ende eine reinigende Erkenntnis oder eine Wende zum Guten – ganz im Gegenteil: statt von sympathischen Figuren ist The Player beinahe durchgängig von lauter rückgratlosen Speichelleckern, eiskalten Opportunisten und selbstverliebten, karrieregeilen Egomanen bevölkert. Wenn der moralisch korrupte Griffin Mill am Ende der Geschichte überhaupt etwas lernt, dann, dass Gewissensbisse mit der Zeit nachlassen und man in der richtigen Position und den richtigen Verbindungen auch mit einem Mord davon kommen kann. Aber The Player überzeugt auf der formalen Ebene ebenso wie auf der inhaltlichen: allein die etwa acht minütige, den Film eröffnende Planseuqenz ist meisterhaft, beginnt sie doch mit dem Schlagen einer Klappe (genaues hinsehen lohnt an dieser Stelle) und folgt fortan dem Gewusel diverser Angestellter auf dem Gelände eines Filmstudios und deren Gespräche, welche sich immer irgendwie um Filme drehen – und eben auch um meisterhafte Plansequenzen der Filmgeschichte wie etwa in Touch of Evil von Orson Welles. Überhaupt ist The Player voller Meta-Ebenen und das zu einer Zeit, als derartiges noch nicht zum inflationär missbrauchten Stilmittel degradiert wurde.

 

The Player ist natürlich auch nur einer von so vielen Filmen über das Kino selbst, über das Filmemachen und über Hollywood, aber nur sehr wenige beleuchten dieses Business so sehr voller Bitterkeit und Zynismus. Altman entblößt die funktionalen Strukturen der vermeintlichen Traumfabrik, er deckt sie auf, die Lügen und Abgründe dieser Scheinwelt, hält ihr den Spiegel vor, wohl wissend, ein Teil von ihr zu sein. Letztlich ist auch er nur ein Rädchen in diesem gigantischen Getriebe, aber wenigstens eines, das hin und wieder versucht, das System aus dem Takt zu bringen.

 

8 von 10 Luxus-Verstecken irgendwo in der Wüste

 

 

Die Glorreichen Sieben

2. März 2017 at 12:52

 

 

  © MGM

 

 

 

„What we lost in the fire, we found in the ashes.“

 

 

 

Der brutale wie rücksichtslose Grundbesitzer Bartholomew Bogue vergrößert sein Land mit eiserner Faust. Sein neuestes Objekt sind die Grundstücke der Bewohner von Rose Creek und um die anliegende Goldmine ausbeuten zu können, bietet er den Leuten zunächst einen Spottpreis weit unter Wert für ihr Land. Als das nicht funktioniert, braucht es Gewalt, um die Siedler zu vertreiben. In ihrer Not wendet sich die Witwe Emma Cullen an den erfahrenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der eine schlagkräftige Truppe zusammen stellt, um den gemeinsamen Kampf gegen Bogue und seine Männer aufzunehmen.

 

Überall nur noch Remakes, Reboots, Sequels oder Prequels. Hollywood generiert keine eigenen Ideen mehr, erschafft nichts eigenständiges mehr. Ein schöner Satz, der leicht in den Wortschatz der Kulturpessimisten aufgenommen werden kann. Allerdings geht selbst mir – der dem hollywood´schen Remake-Wahn sonst eigentlich auch eher kritisch gegenüber eingestellt ist  – inzwischen diese Diskussion auf die Nerven, denn es gibt sie durchaus, die Ideen, auch in Hollywood, man muss sich nur als Film interessierter Mensch manchmal einfach auch auf die Suche nach ihnen begeben und sich mit dem Medium auch auseinander setzen. Auf dem Silbertablett neben der heimischen Couch jedenfalls werden sie sicher nicht serviert werden. Insofern soll es an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, zumal man das dem neuen Film von Antoine Fuqua auch gar nicht zum Vorwurf machen kann, ist doch bereits der 1960 von John Sturges gedrehte Die Glorreichen Sieben mit Yul Brunner und Steve McQueen in den Hauptrollen auch nur ein Remake von Akira Kurosawas Die Sieben Samurai aus dem Jahre 1954. Auch würde ich Fuquas Version der sieben Samurai nur bedingt als Western wahrgenommen sehen. Sicher bedient er sich dem Setting und dem Look dieses Genre mit seiner oftmals sehr einfach gehaltenen Struktur, weist ansonsten aber höchstens oberflächliche und eher kaum typische Merkmale auf und wirkt auf mich vielmehr wie ein Actionfilm im Gewand eines Western. Spätestens im überaus bleihaltigen Finale offenbart sie dann Die Glorreichen Sieben als reinrassiger Actioner voller leicht ironischem Augenzwinkern und angenehm dosiertem Humor. Das liegt meist vor allem an der wunderbar funktionierenden Kombination aus Denzel Washington und Chris Pratt, denn die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, ähnlich wie damals bei Yul Bunner und Steve McQueen – von denen wir ja heute wissen, dass sie sich so gar nicht leiden konnten, wenn die Kamera aus war, und Brunner den jungen und frechen McQueen als Bedrohung für seinen eigenen Status betrachtete.

 

Auch der übrige Cast weiß zu überzeugen und besticht durch enorme ethnische Vielfalt, wenn ein Nordstaatler, ein Südstaatler, ein Mexikaner, ein Chinese, ein Indianer, ein Kanadier und ein Europäer gemeinsam Seite an Seite zu den Waffen greifen. Und die sind auch alle toll besetzt mit Ethan Hawke (den ich eigentlich immer gern sehe und sehr schätze), Vincent D´Onofrio, Byung-hun Lee (an dieser Stelle bitte nicht wieder das reflexartige „White-washing“ Gemaule, bloß weil der Chinese von einem Koreaner verkörpert wird – man kann es auch übertreiben), Manuel Garcia-Rulfo und Martin Sensmeier. Allerdings leidet auch Die Glorreichen Sieben an einem für solche Ensemble getriebenen Filme oftmals recht typischen Problem, wenn einfach nicht jeder einzelne der geradezu archetypischen Charaktere auch genügend Raum bekommt um sich entfalten zu können. Vor allem der von Martin Sensmeier verkörperte Indianer Red Harvest hat mit mangelnder Screentime und einer kaum erklärten Motivation für sein Handeln zu kämpfen. Auch die einzelnen Rekrutierungen der fünf Mitstreiter im Kampf gegen Bogue fallen mir oft zu kurz aus und wirken seltsam gehetzt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, gerade auch, weil Sturges Film da eine deutlich besser Balance findet. Dennoch bleibt Fuqua seinem bisherigen Arbeitsethos treu und inszeniert sein jüngstes Werk abermals geradlinig, schnörkellos und ganz im Sinne des von ihm gewohnten Kino des Exzesse. Allerdings fällt Die Glorreichen Sieben für seine Verhältnisse geradezu zahm aus. Gestorben wird hier zwar viel und reichlich, gern auch spektakulär in Szene gesetzt, aber der offensichtliche Mangel an Blut fällt nicht nur schnell ins Auge, es drückt auch ein wenig die sonst eher gelungene Atmosphäre.

 

Letztlich sehe ich Antoine Fuquas neuesten Film weniger als Remake, sondern eher als eine weitere, leicht abgewandelte Adaption eines bestehenden Stoffes, die in einem ganz ähnlichen Verhältnis zu Sturges Film steht wie Walter Hills Last Man Standing zu Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar: am Ende lässt sich in beiden Fällen alles auf Akira Kurosawa zurückführen. Fuqua jedoch legt seinen Schwerpunkt wie Walter Hill auch deutlich stärker auf die Action und die kann sich einfach sehen lassen. Dazu bietet er uns interessante Charaktere, die zwar etwas besser ausgearbeitet und in Szene gesetzt sein könnten, aber nichts desto trotz zu unterhalten wissen und sehr gut miteinander harmonieren. Das ist dann auch letzten Endes ein schönes Fazit: Die Glorreichen Sieben ist trotz seiner teils offensichtlichen Schwächen einfach unterhaltsam und macht Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

 

7 von 10 alles niedermähenden Gatlin Guns