The Player (1992)

26. Januar 2018 at 22:29

 

 

© Fine Line Features

 

 

 

„It lacked certain elements that we need to market a film successfully. Suspense, laughter, violence. Hope, heart, nudity, sex. Happy endings. Mainly happy endings.“

 

 

 

Griffin Mill ist einer der Top-Produzenten in einem großen Hollywood-Studio, doch die internen Machtkämpfe machen ihm zunehmend zu schaffen. Als er dann auch noch mysteriöse Drohbriefe erhält, vermutet er dahinter einen enttäuschten Autoren, dessen Drehbuch er abgelehnt hat. Schnell glaubt Mill in David Kahane den Schuldigen gefunden zu haben, sucht die Konfrontation mit ihm und bringt ihn letztlich in einer spontanen Handgreiflichkeit ungewollt um. Er kann seine Tat vertuschen, doch kurz darauf erhält er erneut Drohungen: hat er vielleicht den falschen umgebracht?

 

Zwölf Jahre lang hatte sich Robert Altman nach seinen desaströsen Erfahrungen rund um seinen Film Popeye von Hollywood mehr oder weniger abgewandt und fand im Mainstream kaum bis gar nicht mehr statt, als er 1992 mit The Player doch noch ins Haifischbecken zurückkehrte. Eine bissige wie ätzende Abrechnung mit dem System Hollywood und zynisch-befreiende Bewältigung seiner eigenen Erfahrungen sollte es werden und eine herrlichere Lehrstunde über Arbeitsprozesse beim Filmemachen habe ich seit The Stuntman von Richard Rush nicht mehr gesehen. Dem Vernehmen nach nahm er diesmal so einiges selbst in die Hand: jeden Schauspieler, den er kannte, rief er persönlich an und die allermeisten sagten bereitwillig zu. Einige spielen Rollen, die meisten allerdings sich selbst – und diese Besetzung sucht buchstäblich ihres gleichen mit solch illustren Namen wie Bruce Willis, Julia Roberts, John Cusack, Harry Belafonte, Cher, James Coburn, Burt Reynolds, Jeff Goldblum, Peter Falk, Susan Sarandon, Anjelica Huston, Andie MacDowell, Malcolm McDowell, Nick Nolte, Jack Lemmon, Mimi Rogers, Rod Steiger, Fred Ward, Vincent D´Onofrio, Peter Gallagher, Tim Robbins, Whoopi Goldberg, Greta Scacchi, Dean Stockwell, Richard E. Grant, Gary Busey, Scott Glenn und noch vielen anderen. So realisierte er seinen Film an vielen Strukturen Hollywoods vorbei und das ist dann letztlich auch das wahrlich Meisterhafte an Altmans Film: einige der größten Stars jener Zeit für die Entlarvung des eigenen Geschäftes einzuspannen, das ist zweifellos die bemerkenswerteste Pointe in dieser ironisch-selbstreflexiven Abrechnung. Bei der bitterbösen Konsequenz, mit der uns Altman diese Marionetten vorführt, liegt die Versuchung nahe, seinen Film als verbitterten Beißreflex zu betrachten, aber das wird dem leichtfüßig wie elegant in Szene gesetzten The Player nicht gerecht.

 

Altman betont ganz bewusst die oberflächlichen Reize, schlägt einen lockeren Rhythmus an und ignoriert zugleich die gängige Hollywood-Dramaturgie. Weder gibt es am Ende eine reinigende Erkenntnis oder eine Wende zum Guten – ganz im Gegenteil: statt von sympathischen Figuren ist The Player beinahe durchgängig von lauter rückgratlosen Speichelleckern, eiskalten Opportunisten und selbstverliebten, karrieregeilen Egomanen bevölkert. Wenn der moralisch korrupte Griffin Mill am Ende der Geschichte überhaupt etwas lernt, dann, dass Gewissensbisse mit der Zeit nachlassen und man in der richtigen Position und den richtigen Verbindungen auch mit einem Mord davon kommen kann. Aber The Player überzeugt auf der formalen Ebene ebenso wie auf der inhaltlichen: allein die etwa acht minütige, den Film eröffnende Planseuqenz ist meisterhaft, beginnt sie doch mit dem Schlagen einer Klappe (genaues hinsehen lohnt an dieser Stelle) und folgt fortan dem Gewusel diverser Angestellter auf dem Gelände eines Filmstudios und deren Gespräche, welche sich immer irgendwie um Filme drehen – und eben auch um meisterhafte Plansequenzen der Filmgeschichte wie etwa in Touch of Evil von Orson Welles. Überhaupt ist The Player voller Meta-Ebenen und das zu einer Zeit, als derartiges noch nicht zum inflationär missbrauchten Stilmittel degradiert wurde.

 

The Player ist natürlich auch nur einer von so vielen Filmen über das Kino selbst, über das Filmemachen und über Hollywood, aber nur sehr wenige beleuchten dieses Business so sehr voller Bitterkeit und Zynismus. Altman entblößt die funktionalen Strukturen der vermeintlichen Traumfabrik, er deckt sie auf, die Lügen und Abgründe dieser Scheinwelt, hält ihr den Spiegel vor, wohl wissend, ein Teil von ihr zu sein. Letztlich ist auch er nur ein Rädchen in diesem gigantischen Getriebe, aber wenigstens eines, das hin und wieder versucht, das System aus dem Takt zu bringen.

 

8 von 10 Luxus-Verstecken irgendwo in der Wüste

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles

5. Juli 2015 at 15:13

 

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)
Teenage Mutant Ninja Turtles poster Rating: 5.9/10 (132387 votes)
Director: Jonathan Liebesman
Writer: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daugherty, Peter Laird (Teenage Mutant Ninja Turtles characters), Kevin Eastman (Teenage Mutant Ninja Turtles characters)
Stars: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner, Alan Ritchson
Runtime: 101 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 8 Aug 2014
Plot: When a kingpin threatens New York City, a group of mutated turtle warriors must emerge from the shadows to protect their home.

 

 

 

„You are extraordinary, my sons. Unlike anything the world has ever seen. Bowed in greatness, destined to protect the people of New York!”

 

 

 

Eine mysteriöse Organisation namens Foot-Clan ist unter der Führung ihres Meisters Shredder verantwortlich für eine Flut von Verbrechen in New York. Die junge Nachwuchsreporterin April O´Neil wittert die ganz große Story, welche ihre Karriere endlich voran bringen soll, und recherchiert privat und auf eigene Gefahr um die Hintergründe aufzudecken. Dabei stößt sie auf eine Gruppe von vier Vigilanten, die dem Foot-Clan immer wieder empfindlichen Schaden zufügen. Als diese sich ihr schließlich als die Teenage Mutant Ninja Turtles offenbaren, entbrennt der letzte große Kampf gegen Shredder und seine Schergen….

 

Was denkt sich Michael Bay wohl morgens nach dem Aufstehen? Wie man am besten die Kindheitsidole unzähliger kleiner Jungs ruiniert, die in den 80er Jahren groß geworden sind? Erst hat er die Transformers mit seinem Franchise vergewaltigt, jetzt knüpft er sich die Turtles vor… beides durchaus relevante Bestandteile der 80er Jahre Popkultur. Gott bewahre, der Mann möge Masters of the Universe für sich entdecken! Um es schon mal kurz vorweg zu nehmen: das wirklich einzig positive an TMNT ist seine für Michael Bay Verhältnisse erstaunlich kurze Laufzeit von 100 Minuten, das war es dann aber auch schon. Der Versuch einer zeitgemäßen Wiederbelebung der Turtles (und die Betonung liegt hier ganz klar auf dem Wort Versuch), angepasst an die Generation Smartphone und YouTube, geht gnadenlos in die Hose, weil man komplett an der eigentlichen Zielgruppe der nostalgischen Mitt30er vorbeiproduziert. Stattdessen versucht man, sich an 12jährige anzubiedern, welche sich gar nicht mehr für die Turtles interessieren, und wenn doch, dann kennen sie die Schildkröten nicht mehr, weswegen man auch ganz wunderbar die Herkunftsgeschichte der vier Panzerträger nahezu vollständig ignorieren und umschreiben kann. Die Macher haben schlicht und ergreifend zu keiner Sekunde den eigentlichen Geist der Turtles verstanden und es mangelt durchgängig an diesem Augenzwinkern, am juvenilen Charme und den leichten Trash-Anleihen, die zumindest die alten Produktionen bestimmten und ausmachten. Stattdessen kriegt man Fäkalhumor zu Hauf, dümmliche und unglaublich flache Witze und jede Menge Sexismus. Vermutlich auch so eine Frage, die sich Michael Bay gestellt haben mag: wieviel Sexismus kann ich in einen Film pressen, der sich an Jugendliche richtet? Wofür seine Filme ja mal mehr und mal weniger latent bekannt sind, das nimmt hier unbeschreiblich Überhand in Bild und Ton, so stumpf, so dumm, so unerträglich, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Amoklaufende Adoleszenz inszeniert von alten Männern.

 

 

 

„ Four turtles… one’s fighting a robot samurai. Why not?”

 

 

 

Das Dilemma beginnt schon mit der geradezu frechen Charakterzeichnung der vier „Helden in Halbschalen“, die mit den Turtles aus den Comics und der alten Zeichentrickserie schon beinahe nichts mehr gemein hat. Donatello verkommt zum Technik-Nerd mit obligatorischer Geek-Brille und sieht eher aus wie ein missratener Steve Urkel, Michelangelo gibt als Möchtegern-Rapper (MC Mickey in the house!) reichlich Anlass zum Fremdschämen, Leonardo wird zu keiner Sekunde seiner Rolle als besonnener Anführer gerecht und Raphael wirkt wie ein ungestümes Kind randvoll mit Testosteron, hin und her gerissen zwischen Familiensinn und Eigensinn. Zudem interagieren die gepanzerten Brüder außerhalb der Actionszenen viel zu wenig miteinander, es fehlt der verspielte Witz im Umgang miteinander und der Film nimmt sich keine Zeit, um mit den unterschiedlichen Charakteren der Jungs ein bisschen zu spielen, hier mal ein billiger Furzwitz, dort gelegentlich der leicht anklingende, aber nie wirklich zum Ausdruck kommende Anführerkonflikt zwischen Leonardo und Raphael, aber viel mehr auch nicht. Auch der familiäre Zusammenhalt untereinander ist kaum zu spüren, hier zeigt der Film Teenage Mutant Ninja Turtles von 1990 deutlich besser die Bindung der Brüder untereinander als eingespieltes und gleichzeitig verspieltes Team, was auch ihre eigentliche Stärke ausmacht, die Kombination ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten. Wie bereits angedeutet wurde auch die Ursprungsgeschichte völlig umgeschrieben, auch Splinter wurde ein neuer Background verpasst, von der schon lange währenden Fehde zwischen Splinter und Shredder beispielsweise findet sich keine Spur. Plötzlich werden alle Schicksale irgendwie miteinander verknüpft und laufen auf April O´Neil als Schlüsselfigur hinaus, was nur bedingt sinnstiftend ist. Und so schlecht die Charaktere der Turtles gezeichnet sind, so mies sehen sie auch aus, sie sind viel zu groß und zu muskulös geraten, Schildkröten auf Anabolika, schlecht animiert und auch ihre Ninja-Fähigkeiten kommen nicht wirklich zum Tragen, wozu auch, wenn man kugelsicher ist, ihre individuellen Waffen werden ohnehin kaum genutzt. Zu allem Überfluss sind dann auch gar nicht die Turtles selbst die Hauptfiguren ihres Filmes, sondern es ist April O´Neil, der diese Ehre zuteil wird, alles ist auf sie ausgerichtet, und trotzdem verkommt sie zum bloßen Stichwortgeber für dümmliche Witze und jede Menge sexistische Anspielungen.

 

 

 

„We were created as weapons, and we knew the world would never accept us… but one day, it would need us.”

 

 

 

Die menschlichen Figuren taugen auch nicht mehr als die grünen Brüder, vor allem Megan Fox, die tatsächlich noch künstlicher aussieht als die computergenerierten Turtles und lebloser wirkt als jede animierte Figur des Films, beweist abermals ihre absolute Unfähigkeit vor der Kamera, ihre April ist eine einfältige Nervensäge mit enorm ausgeprägtem Geltungsbedürfnis, die zudem ständig auf ihr Geschlecht und Aussehen reduziert wird. Naja, wem der Schuh passt… Irgendwie wirkt es schon sehr befremdlich, wenn die Turtles plump um die Gunst der Reporterin wetteifern oder Will Arnett als Kameramann Vernon Fenwick in gefühlt jeder zweiten Szene Anzüglichkeiten vom Stapel lassen muss, dass man sich nur noch fremdschämen kann. Umso erstaunlicher also, dass gerade eine solche Figur, die sich lediglich durch Äußerlichkeiten zu profilieren weiß, auch noch zur emotionalen Leitfigur des Films auserkoren wird. Auf der Seite der Bösewichte sieht es auch nicht besser aus. William Fichtner, den ich eigentlich ganz gerne sehe, ist als Eric Sacks völlig vergeudet, nach nur fünf Minuten kann man meilenweit gegen den Wind riechen, welche Rolle er eigentlich im Geschehen spielt und er darf mit der vielleicht uninspiriertesten Plan-Enthüllungs-Szene der Filmgeschichte aufwarten. Und Shredder ist ein Witz, sein völlig überzogenes Design erinnert eher (welch Überraschung) an einen Transformer, ein überdimensionales Schweizer Taschenmesser voller nutzloser Gimmicks. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, was man in der Fortsetzung aus Krang, Bebop und Rocksteady für grauenhafte Dinge machen könnte.

 

Teenage Mutant Ninja Turtles schafft etwas, das ich in der Form selten erlebe: er hat nichts Gutes zu bieten, da ist nichts, das auch nur ansatzweise für den Film sprechen würde. Er ist voller dümmlicher Dialoge, platter und dummdreister sexueller Anspielungen auf Limbostangenniveau, er hat riesige Plotlöcher, ist voller Filmfehler und hat eine kaum nachvollziehbare Handlung. Das Drehbuch ist lieblos zusammengeschustert und zeugt von null Respekt gegenüber der Vorlage. Die Turtles sehen furchtbar aus und werden ihren eigentlichen Charakteren nicht einmal ansatzweise gerecht, um die menschlichen Darsteller ist sogar noch schlimmer bestellt. Die Actionszenen sind geprägt von einem extrem klinischen und sterilen technischen Perfektionismus, der ihnen jegliche Wirkung nimmt, alles wirkt viel zu sauber. Fans der vier Panzerträger sollten lieber weiterhin auf die Filme Teenage Mutant Ninja Turtles (1990) und Teenage Mutant Ninja Turtles – The Secret of Ooze (1991) und die alte Zeichentrickserie bauen, die waren auch nicht wirklich gelungen und sind eher mäßig gut gealtert, aber hier gibt es ihn noch, den liebevoll naiv-trashigen Charme, der einst den Reiz ausgemacht hat. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

 

1 von 10 Stücken der 99-Käsesorten-Pizza