The Endless (2017)

7. Oktober 2018 at 16:07

 

 

© Well Go USA Entertainment/Snowfort Pictures/Pfaff&Pfaff Productions/Quelle: IMDb

 

 

 

The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear of the Unknown.“

 

 

 

Die Brüder Aaron und Justin konnten vor zehn Jahren aus dem Griff eines religiösen Kultes entkommen, welchem sie von Kindesbeinen an angehörten. Als nun aber ein mysteriöses Videoband auftaucht, da werden die Erinnerungen an damals wieder lebendig. Sie beschließen, ein letztes Mal Camp Arcadia zu besuchen, um endgültig abschließen zu können. Zwar werden sie dort freundlich empfangen und in der Gemeinschaft aufgenommen, doch schon bald soll sich herausstellen, dass keineswegs alles in Ordnung ist.

 

Mit diesem Lovecraft-Zitat beginnt The Endless und gibt zugleich ein klein wenig die Richtung vor. Wie auch schon bei Resolution stammen erneut Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt und visuelle Effekte allein aus der Feder von Aaron Moorhead und Justin Benson und dieses Mal spielen sie auch gleich beide Hauptrollen. Wo Resolution buchstäblich noch eine Low-Low-Budget-Produktion war, da ist The Endless nur noch Low-Budget und eine merkliche Steigerung in allen Bereichen. Man könnte den Film vielleicht als eine Art Quasi-Fortsetzung zu Resolution bezeichnen, aber so ganz trifft das nicht den eigentlichen Kern. Eher ist es eine Rückkehr in das von Resolution etablierte Universum, die auch dessen Mythologie aufgreift und weiter ausbaut, wenn es zu Überschneidungen kommt und bestimmte Elemente auch hier eine Rolle spielen. Ich glaube zwar schon, dass The Endless auch gut für sich allein bestehen kann, aber die Kenntnis von Resolution erhöht zweifellos sowohl Verständnis (beider Filme) und Sehvergnügen und potenziert den Mindfuck.

 

Erneut ist die Inszenierung von Moorhead und Benson in jeder Hinsicht makellos und The Endless ist auf der erzählerischen, visuellen und akustischen Ebene absolut fantastisch, unglaublich kreativ, enorm einfallsreich und zeugt abermals von großem Selbstbewusstsein. Sie haben eine klare künstlerische Vision und wissen diese auch gekonnt umzusetzen. Zwar ist The Endless zugänglicher und strukturierter als Resolution, deswegen aber keineswegs weniger faszinierend oder packend und setzt einen potentiellen Schlusspunkt, welchen der Vorgänger noch konsequent verweigerte. Die Atmosphäre ist enorm dicht und die Geschichte entfaltet schnell einen stark einnehmenden Sog, wenn Stück für Stück das rätselhafte Geheimnis rund um Camp Arcadia entschlüsselt wird. Zunächst erweckt es noch den Anschein, als würden Moorhead und Benson kaum mehr als eine weitere Geschichte rund um eine Sekte erzählen wollen. Die falsche Fährte ist zwar eher schnell entlarvt, so ganz lässt The Endless die Katze jedoch erst im letzten Drittel aus dem Sack, dreht dann allerdings dafür nochmals so richtig auf, suhlt sich genüsslich im unerklärlich Übernatürlichen und spielt unheilvoll mit der diffusen Angst vor dem Unbekannten.

 

Der famose Score stammt aus der Feder von Jimmy LaValle und dessen Projekt The Album Leaf und unterstreicht zusammen mit einem tollen Sounddesign ganz wunderbar diese schwammige, rätselhafte und permanent unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, welche The Endless auszeichnet. Auch das Schauspiel von Moorhead und Benson ist überraschend gelungen und intensiv geraten, wenn diverse Konflikte glaubwürdig dargeboten werden. Die besonders im Finale jedoch eher dürftigen Spezialeffekte sollte man den beiden jungen Filmemachern dann aber vielleicht etwas nachsehen, arbeiten sie immerhin mit extrem niedrigen Budgets und beweisen Film um Film aufs Neue ihr unglaubliches Talent, immer wieder Beachtenswertes daraus zu erschaffen. Resolution ließ bereits ordentlich aufhorchen, doch The Endless ist eine wahre Perle im Mainstream fernen Independent-Kino wie sie nur selten zu finden ist und Moorhead und Benson empfehlen sich nun endgültig für Größeres. Man darf gespannt sein, was da noch alles kommen mag.

 

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