The Imitation Game

21. November 2015 at 22:11

 

 

 

The Imitation Game (2014)
The Imitation Game poster Rating: 8.1/10 (366,245 votes)
Director: Morten Tyldum
Writer: Graham Moore, Andrew Hodges (book)
Stars: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear
Runtime: 114 min
Rated: PG-13
Genre: Biography, Drama, Thriller
Released: 25 Dec 2014
Plot: During World War II, mathematician Alan Turing tries to crack the enigma code with help from fellow mathematicians.

 

 

 

„Sometimes it’s the very people who no one imagines anything of who do the things no one can imagine.“

 

 

 

Das Biopic des norwegischen Regisseurs Morton Tyldum erzählt nicht linear überwiegend drei Abschnitte aus dem Leben des britischen Mathematikers und Informatikers Alan Turing, wobei der Schwerpunkt des Films ganz eindeutig auf seiner Arbeit für die britische Royal Navy und dem MI 6 während des Zweiten Weltkriegs liegt, als es vornehmlich Turing und einigen weiteren seiner Mitarbeiter gelang, den Enigma-Code zu knacken und somit die bis dahin kryptische Kommunikation der Deutschen zu entschlüsseln. Nicht nur ein essentieller Bestandteil auf dem Weg den Krieg zu gewinnen, Turings Arbeiten bilden auch die Grundlage heutiger Computer und dem Konzept einer Künstlichen Intelligenz.

 

Biopics haben so ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und kranken beinahe alle an den immer gleichen Problemen. The Imitation Game macht da keine Ausnahme. Das Problem ist, das Verlauf und Ausgang für den interessierten Zuschauer meist bereits bekannt sind und der Film über diesen Weg kaum bis gar keine Spannung mehr zu erzeugen vermag. Folglich müssen andere erzählerische Pfade beschritten werden, es kommt zu Überspitzungen und Auslassungen, Raffung der Ereignisse, Halbwahrheiten werden aufgebaut und eingestreut und manchmal sogar gänzlich neue Begebenheiten eingefügt. Das Ergebnis kann dann oft den tatsächlichen Personen und Ereignissen nicht mehr gerecht werden. The Imitation Game aber kommt es zumindest sehr zu gute, dass sich das Drehbuch auf drei sehr konkrete Abschnitte im Leben des Alan Turing beschränkt, auch wenn ich mir an dieser Stelle eine etwas andere Gewichtung gewünscht hätte. Auslassungen und Überspitzungen sowie zu Spannungszwecken eingestreute Halbwahrheiten gibt es allerdings auch hier zu finden. Diese müssen als Mechanismen des Genres einfach hingenommen und akzeptiert werden, können dem Film kaum zum Vorwurf gemacht werden und sollen auch gar nicht das Thema sein.

 

Denn handwerklich ist The Imitation Game durchgängig absolut gut gelungen, egal, ob Inszenierung oder Schauspiel, in diesen Bereichen bewegt sich der Film auf hohem Niveau, stellenweise vielleicht ein wenig zu pathetisch und dick aufgetragen, ansonsten aber gibt es da so gut wie nichts an der Arbeit von Morton Tyldum auszusetzen. Das Biopic ist die erste amerikanische Produktion für den Norweger, der bereits 2011 in seiner Heimat und dem Rest von Europa mit seinem etwas unkonventionellen Thriller Headhunters zu überzeugen wusste, und auch mit The Imitation Game leistet er gute Arbeit und empfiehlt sich zweifellos für weitere Regiearbeiten in Hollywood. Allerdings hat der Film in meinen Augen einen doch recht großen Makel: indem er sich überwiegend Turings Arbeit an der Enigma widmet, beraubt er sich selbst dem ungeheuren Potential, das in der Geschichte dieses Mannes schlummert. The Imitation Game ist zu wenig politisch, irgendwie seltsam vage liberal, aber nicht wirklich konsequent, nicht mutig genug, sondern hübsch angepasst und ohne die nötigen Ecken und Kanten. Das eigentliche Drama im Leben dieses Mannes, die Konflikte rund um Turings Homosexualität, seine Verurteilung zur chemischen Kastration, seine Depressionen und schließlich sein Selbstmord hätten durchaus mehr in den Fokus des Films geraten dürfen, stattdessen verkommt es beinahe zur Nebensache und wird schlussendlich mit einigen wenigen, lapidar eingefügten Texttafeln abgehandelt. Turings Persönlichkeit bleibt die ganze Zeit über im Schatten und an dieser Stelle versagt der Film als Biopic, The Imitation Game fühlt sich die meiste Zeit über mehr wie ein Thriller mit Weltkriegshintergrund an, Licht ins Dunkel dieses ambivalenten und faszinierenden Menschen bringt er jedenfalls nicht wirklich. So spielt Cumberbatch Turing zwar auch gewohnt großartig, aber auch sehr an seinen Sherlock aus der gleichnamigen Serie der BBC angelehnt, ähnlich genial, manisch, arrogant und im ursprünglichsten Sinne asozial, die Parallelen sind frappierend und kaum zu leugnen. Seine Präsenz auf der Leinwand füllt dann auch große Teile des Films und drängt den Rest des Cast, allen voran Keira Knightly und Mark Strong, an den Rand, da bleibt nicht mehr allzu viel Raum um sich zu entfalten.

 

Am Ende ist The Imitation Game ein handwerklich wirklich sehr gut gemachter Film, der sein ganzes Potential leider nicht völlig auszuschöpfen vermag, weil er schlicht und ergreifend zu glatt geraten ist und sich nicht wirklich positionieren will, um bloß nirgendwo anzuecken. Ein heikles Thema politisch korrekt umgesetzt ohne groß Stellung zu beziehen. Auch auf der emotionalen Ebene kann The Imitation Game letztlich nicht durchgängig überzeugen und schafft es nicht immer, den Zuschauer an seine Figuren und deren Konflikte zu binden. Das verschenkte Potential ist schade, denn angesichts der Geschichte hinter Alan Turing wäre da doch mehr drin gewesen, so bleibt ein zwar immer noch guter, aber auch vollkommen auf Sicherheit produzierter, typischer Oskarfilm.

 

7 von 10 Rechenmaschinen namens Christopher