The Invitation

8. Juli 2016 at 13:20

 

 

© Drafthouse Films

 

 

 

„I’m so glad you’re here. We have a lot to talk about. So much to say tonight.“

 

 

 

Nach zwei Jahren totaler Funkstille wird Will zusammen mit seiner Freundin Kyra von seiner Ex-Frau Eden urplötzlich und aus heiterem Himmel zu einer Dinnerparty eingeladen. Aber nicht nur Will und Kyra haben eine Einladung erhalten, sondern auch alle alten Freunde von Will und Eden. Somit ist der alte Freundeskreis plus neue Partner in dem Haus versammelt, in welchem Will und Eden einst zusammen lebten.

 

Mehr kann und darf an dieser Stelle auch nicht über die Beziehung zwischen Will und Eden preisgegeben werden, aber ihre gemeinsame Vergangenheit trägt eine gewaltige emotionale Last mit sich, die vor allem Will noch zu schaffen macht. Die erzählerische Prämisse in The Invitation bildet etwas so gewöhnliches und alltägliches wie eine Einladung zu einer Dinnerparty, aber schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass da mehr dahinter steckt als ein entspanntes Abendessen unter alten Freunden. Mir ist ein wenig schleierhaft, woher Karyn Kusama, Regisseurin von solchen Werken wie Æon Flux oder Jennifer´s Body, plötzlich eine solche Stilsicherheit und so viel inszenatorische Raffinesse und Subtilität her nimmt, aber sie lassen sich in The Invitation von Beginn an nicht leugnen und schon gar nicht ignorieren. Sie braucht kein Feuerwerk an Effekten, denn Stimmungen und Atmosphäre dominieren den Film deutlich und schnüren den Zuschauer im weiteren Verlauf mehr und mehr ein. Kusama spielt sehr viel lieber mit der Paranoia ihrer Figuren und bald dann auch mit der des Zuschauers und kreiert von Beginn an ein ausgesprochen subtiles Bedrohungsszenario, welches sich lange Zeit kaum konkret ausmachen lässt. Die große Stärke von The Invitation ist dann letztlich auch das permanente Schwanken zwischen Misstrauen und Bestätigung. Will begegnet den Sentimentalitäten und der Gastfreundlichkeit an diesem Abend von Beginn an zweifelnd, windet sich mehr und mehr in Unbehagen, was den Zuschauer in eine widerstreitende Situation in Bezug auf seine sich immer stärker ausprägende Anspannung bringt: Seine Bedenken scheinen immer wieder schlüssig, werden im nächsten Moment aber doch wieder aus den spekulativen Angeln gehoben und andersherum. Er ist es auch, der als Anker für den Betrachter innerhalb der Story fungiert, denn gemeinsam mit Will durchstreift der Zuschauer das Haus, das auch einmal sein Haus war, und blickt zurück in seine gemeinsame Vergangenheit mit Eden. Man inspiziert Details, durchleuchtet die einfachsten und alltäglichsten Handgriffe und letztlich ertappt man sich immer wieder selbst dabei, wie man die Paranoia des Protagonisten zu teilen beginnt. Ob nun grundlos oder doch nicht, das ist die Frage, die lange den Kern von The Invitation ausmacht, wenn man als Zuschauer ständig nach neuen Hinweisen sucht um zu bestätigen oder zu entkräften. Leider vermag Kusama es nicht, ihren Film über die gesamte Laufzeit von rund 100 Minuten in diesem subtilen Spannungsfeld der Paranoia zu belassen und der schleichende, aber stetige Anstieg der Spannungskurve entlädt sich schließlich in einem Finale, dessen Auflösung zwar irgendwann im Verlauf des Filmes durchaus vorhersehbar ist, dessen letzter Schlusspunkt aber auch noch einmal einen unangenehmen Beigeschmack hinterlässt. Dennoch ist das Finale auch gleichzeitig der große Schwachpunkt von The Invitation, der bis dahin sehr viel richtig macht, denn es will zu viel und zieht das erzählerische Tempo zu schnell zu sehr an, wodurch das bisherige ansonsten eher subtil ausgeprägte Gesamtbild in Wanken gerät. Das ist ein wenig schade, denn der Film lebt lange Zeit von der inneren Anspannung, die er beim Betrachter unwillkürlich auslöst, die sich im Finale aber auch schnell verflüchtigt.

 

Mit The Invitation ist Regiesseurin Karyn Kusama ein lange Zeit starker Thriller gelungen, der ausgesprochen subtil daherkommt und gekonnt mit der Paranoia seiner Hauptfigur und letztlich auch mit der des Zuschauers spielt, sich selbst aber auch viel von dieser unangenehmen und bedrückenden Atmosphäre am Ende wieder zerstört, wenn das Tempo zu Gunsten von Action und Gewalt angezogen wird. The Invitation überzeugt aber überwiegend, denn bis zum Finale versteht es Kusama sehr gut, die Spannungsschraube nach und nach immer weiter anzuziehen, um den Zuschauer lieber permanent in diesem psychologischen Spannungsfeld aus Verdacht, bestätigen und entkräften zu lassen, statt ruckartig den Druck zu erhöhen um lediglich eine möglichst schnelle Schmerzreaktion zu provozieren. Leider kann The Invitation sein hohes Niveau nicht über die gesamte Laufzeit aufrecht erhalten, was ihn aber dadurch keineswegs zu einem nicht sehenswerten Film macht.

 

7 von 10 roten Laternen