The Salvation

21. April 2015 at 15:45

 

 

The Salvation (2014)
The Salvation poster Rating: 6.8/10 (12,177 votes)
Director: Kristian Levring
Writer: Anders Thomas Jensen, Kristian Levring
Stars: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan, Eric Cantona
Runtime: 92 min
Rated: R
Genre: Drama, Western
Released: 27 Feb 2015
Plot: In 1870s America, a peaceful American settler kills his family's murderer which unleashes the fury of a notorious gang leader. His cowardly fellow townspeople then betray him, forcing him to hunt down the outlaws alone.

 

 

 

„I was a soldier once and it told me a lesson: Don´t get into a fight you know you gonna lose.”

 

 

 

Amerika 1871, zur Zeit der Erschließung des Wilden Westens, als der american dream noch einer war, als ein Mann sich mit seinen bloßen Händen noch etwas aufbauen konnte in einer rauen Welt. Die beiden Dänen Jon und dessen Bruder Peter sind solche Männer, haben sie doch sieben Jahre zuvor ihre Heimat und den deutsch-dänischen Krieg hinter sich gelassen, um nicht mehr als Söldner dienen zu müssen, um für ihre Familien etwas Dauerhaftes aufbauen zu können. Sieben Jahre hat Jon seine in Dänemark verbliebene Frau jetzt nicht mehr gesehen und seinen kleinen Sohn noch nie, als er endlich soweit ist, beide in die neue Heimat und ihr neues Leben zu holen. Die Freude des Wiedersehens ist leider nur von kurzer Dauer, werden die drei noch auf dem Weg zum neuen Heim von zwei kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Männern überfallen. Jon wird überwältigt und zurückgelassen, seine Frau vergewaltigt und schließlich zusammen mit ihrem Sohn ermordet. Jon gelingt es zwar letztlich, die beiden Männer zu erschießen, doch damit tritt er nur eine weitere Spirale der Gewalt los, ist einer der beiden Toten der Bruder des finsteren Delarue, dem Anführer einer Bande von skrupellosen Verbrechern, der nichts mehr will als Rache für seinen toten Bruder….

 

The Salvation ist ein ganz klassischer Rachewestern, geradlinig und völlig schnörkellos inszeniert, angereichert mit zahlreichen archetypischen Figuren und reduziert auf eine nur das absolut Wesentliche skizzierende Handlung, gänzlich frei von Überraschungen. Innovation sucht man hier vergeblich, aber das ist völlig in Ordnung so, ist das Genre in der Regel doch relativ robust gegenüber Einflüssen von außen. Umso einfacher die Story gehalten ist, so grimmiger wird sie erzählt, getränkt von beinahe schon alttestamentarischer Wucht, Auge um Auge, Zahn um Zahn, buchstäblich. Zudem bedient sich Regisseur Kristian Levring vieler Referenzen sowohl an den klassischen amerikanischen Western als auch am deutlich düstereren Genre des Italo-Western, eine Spielart, die mir besonders am Herzen liegt, sind ihre Vertreter doch oft moralisch viel ambivalenter, dreckiger und zynischer als der klassische Western. Levring zitiert gleichermaßen große Klassiker wie High Noon oder The Searchers wie Spiel mir das Lied vom Tod oder Leichen pflastern seinen Weg, der Film muss aber nie um seine Eigenständigkeit fürchten.

 

Das verdankt The Salvation hauptsächlich seinen Schauspielern, die durchgängig wirklich hervorragende Darbietungen präsentieren. Mads Mikkelsen als Jon wirkt episch, in geradezu biblischer Art und Weise monumental, rau, stoisch und wortkarg wie die Welt um ihn herum. Viel sprechen muss er auch gar nicht, gelingt es ihm doch immer wieder, alles von Bedeutung nur durch seine Mimik auszudrücken, reduziert auf das Allernötigste. Gleiches gilt für Mikael Persbrandt, der seinen Bruder Peter spielt, die beiden zusammen auf der Leinwand, das hat irgendwie was ganz besonderes, wenig Dialog, viel passiert zwischen den Zeilen und bleibt ungesagt zwischen ihnen, oftmals reichen kurze Blicke zur Verständigung. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Figur von Eva Green, spielt sie doch die Verlobte des getöteten Bruders von Delarue, Madelaine. Hier treibt Levring das Konzept des wortkargen Helden auf die Spitze wie einst Sergio Corbucci mit Leichen pflastern seinen Weg, ist der dortige Held doch genauso stumm wie Madelaine. Eva Green ist so gut, man kann alle Facetten ihrer Wut, Angst und Abscheu deutlich an ihrem Gesicht ablesen, das ist auf jeden Fall beeindruckend genug, um ihre doch eher schwache Performance in 300: Rise of an Empire vergessen zu machen. Einzig Jeffrey Dean Morgan in der Rolle des rachedürstigen und sadistischen Bandenchefs Delarue ist deutlich redseliger als die meisten Figuren im Film, er gibt einen wirklich fiesen Bösewicht ab, einerseits charmant, wenn er will oder muss, im nächsten Moment aber auch eiskalt und vor allem immer absolut berechnend und nur auf seinen Vorteil bedacht.

 

The Salvation ist ein Film, der, wie so oft im Genre des Western und ganz besonders bei den Italowestern, vor allem durch seine Bildersprache lebt, und diese ist erstaunlich stark ausgefallen, das hätte ich so vorher nicht unbedingt vermutet. Gerade die Landschaft ist oft exzellent in Szene gesetzt, so dass der Drehort Südafrika wirklich glänzen darf, Dreck, Staub und flimmernde Hitze glaubt man oft auf der Haut zu spüren, so präzise ist die Kamera. Leider fallen eine handvoll CGI-Effekte sehr schwach aus, vornehmlich einige wenige Außenszenen im Regen und ganz besonders das lodernde Flammenmeer im Finale sehen alles andere als überzeugend aus. Hier merkt man doch das mit gut 10 Millionen Euro recht knapp bemessene Budget und es geht dadurch einiges an Atmosphäre verloren.

 

Unterm Strich ist The Salvation kein herausragender, aber doch ein überdurchschnittlicher Vertreter seines Genre, der sich eher am Italowestern orientiert als an den klassischen amerikanischen Western, hauptsächlich durch seine präzise Bildersprache und seine starken Schauspieler zu überzeugen weiß und mit angemessener Härte verhältnismäßig schonungslos zur Sache geht. Durch die unterschwellig noch angedeutete Thematik der langsam aufkeimenden Ölförderung findet sogar ein Hauch von Gesellschaftskritik Einzug in den Film, was gerade beim Italowestern nicht unüblich ist. Wer Western gegenüber nicht abgeneigt ist, der sollte hier durchaus mal einen Blick riskieren, wer dem Genre jedoch so gar nichts abgewinnen kann, der kann auch getrost einen Bogen um The Salvation machen ohne etwas zu verpassen.

 

7 von 10 Einschüssen zwischen die Augen