Caligula

13. Dezember 2015 at 16:37

 

 

 

Caligula (1979)
Caligula poster Rating: 5.2/10 (26,137 votes)
Director: Tinto Brass, Bob Guccione, Giancarlo Lui
Writer: Gore Vidal (original screenplay)
Stars: Malcolm McDowell, Teresa Ann Savoy, Guido Mannari, John Gielgud
Runtime: 156 min
Rated: UNRATED
Genre: Drama, History
Released: 15 Feb 1980
Plot: Details the graphic and shocking, yet undeniably tragic story of Rome's most infamous Caesar, Gaius Germanicus Caligula.

 

 

 

„I have existed from the morning of the world and I shall exist until the last star falls from the night. Although I have taken the form of Gaius Caligula, I am all men as I am no man and therefore I am a God.“

 

 

 

Caligula. Aufstieg und Fall eines Tyrannen. Was soll man zu diesem Film sagen? Charakterstudie eines Wahnsinnigen oder pornografischer Schund? Schwer zu sagen, denn ein wirkliches Urteil über diesen Film zu fällen ist nicht leicht, entzieht er sich doch völlig gängigen Sehgewohnheiten. Zudem ist die Geschichte um seine Entstehung, sind all die Mythen und Halbwahrheiten, die sich um die Dreharbeiten ranken, ist der Skandal um Caligula größer und interessanter als der Film selbst. Das Ergebnis der vielleicht größten kreativen Differenzen der Filmgeschichte. Mit einem Budget von rund 17,5 Mio Dollar und namhaften Stars wie Malcolm McDowell, Peter O´Toole und Helen Mirren, die man für das Projekt hatte gewinnen können, schickte sich Regisseur Tinto Brass an, den nächsten großen Monumentalfilm zu inszenieren. Brass war vor allem daran gelegen, das exzessive Leben des römischen Kaisers Caligula, dessen Abstieg in den Wahnsinn und seinen Machtmissbrauch entsprechend zu bebildern, und tatsächlich ist das Ergebnis abstoßend und faszinierend zu gleich, eine ungeheure Ansammlung von Sex, Gewalt, Sadismus, Demütigung, Erniedrigung, Inzest, Vergewaltigung, Verstümmelung, Mord, Nekrophilie, Leichenschändung, zumindest angedeuteter Sodomie und zahlreichen, ausschweifenden Orgien. Die bildgewordene, ultimative Dekadenz, die so allerdings nicht auf Tinto Brass zurückzuführen ist und auch in dieser Form nie seine Absicht war. Vielmehr war es Bob Guccione, seines Zeichens der Produzent des Films und Begründer des Erotikmagazins Penthouse, der Brass vom finalen Schnitt ausschloss, ihn völlig überging und lieber selbst Hand anlegte, da ihm die Vision seines Regisseurs offenbar zu zahm und harmlos wirkte. Guccione verschob und entfernte nicht nur zahlreiche Szenen, er ließ auch gleich völlig neues Material nachdrehen, überwiegend unsimulierte, also echte Sexszenen mit Pornodarstellern und diese nach Belieben in den eigentlich fertigen Film einfügte. Und fertig war der hausgemachte Skandal. Zwar gab es in der 143 minütigen Urfassung auch zahlreiche Sexszenen, doch diese waren nicht derart explizit, um im juristischen Sinne pornografisch zu sein, und Tinto Brass war so erbost über das eigenmächtige Handeln seines Produzenten, dass er sich umgehend von Caligula distanzierte und mit dieser neuen Fassung nichts mehr zu tun haben wollte. Es gelang ihm sogar gerichtlich durchzusetzen, dass er im Vorspann nicht mehr als Regisseur genannt werden durfte. Und nicht nur Brass reagierte empört und entsetzt, auch Malcolm McDowell (der sein Mitwirken später mit seinem damaligen Drogenproblem entschuldigen wollte und sich heute dafür schämt), Peter O´Toole und Helen Mirren waren alles andere als begeistert vom fertigen Film. Ihnen war zwar durchaus bekannt, dass Tinto Brass explizite Szenen vorgesehen hatte, von handfester Pornografie jedoch war nie die Rede. Somit zog Caligula dann endgültig als skandalumwitterter Hardcore-Porno mit Handlungsgerüst in die Filmgeschichte ein, löste zahlreiche Diskussionen und Debatten aus, gleichermaßen kultisch verehrt und gehasst, und wurde nicht selten in vielen Ländern verboten. Auch in Deutschland ist die ungeschnittene, 156 minütige Fassung bis heute indiziert und nicht frei erhältlich, aber es existieren unzählige, geschnittene und zum Teil regelrecht verstümmelte Versionen mit den unterschiedlichsten Altersfreigaben.

 

So viel also zur Entstehungsgeschichte von Caligula, die wie bereits erwähnt tatsächlich deutlich interessanter ist als der Film selbst, über den man wirklich nicht allzu viel sagen kann. Es ist ein nicht einmal besonders guter oder anspruchsvoller Film, höchstens noch ein seltsam interessanter Film, nicht intellektuell, nicht subtil, nicht frei von Längen und Wiederholungen und ganz sicher nicht geschmackvoll. Ein Film, der ohne all die Skandale um ihn herum vermutlich kaum Erwähnung finden würde, geschweige denn in die Annalen der Filmgeschichte eingezogen wäre. Malcolm McDowell spielt den grausamen Tyrannen gewohnt überzogen, nicht unähnlich seinem Alex in Stanley Kubricks A Clockwork Orange, irgendwo zwischen kindischem Narziss und paranoidem Größenwahn, und sowohl Peter O´Toole als auch Helen Mirren haben nicht genug screen time, um wirklich bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Die Ausstattung schwankt zwischen ausladend opulent und seltsam billig und beinahe alle Kulissen erwecken in ihrem Aufbau den Eindruck von Theaterbauten. Letztlich bleibt nur der fertige Film, dessen von Guccione überarbeitete Fassung vermutlich kaum noch etwas von Tinto Brass´einstigen Ambitionen erkennen lässt. Ein Film, den man definitiv nicht zwingend gesehen haben muss, der aber auch eine Erfahrung wert ist. Ein Film, den ich weder einzuordnen noch zu beurteilen vermag, und der deswegen auch ohne abschließende Benotung auskommen muss. Ein krudes Machwerk irgendwo zwischen anspruchsvollem Psychogramm des Wahnsinns und schmuddeligem Porno. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen und meist wohl auch im Auge des Betrachters, im Falle von Caligula kann, soll und muss sich jeder Interessierte unbedingt sein eigenes Urteil bilden.