Ant-Man

12. Dezember 2015 at 18:06

 

 

 

Ant-Man (2015)
Ant-Man poster Rating: 7.6/10 (138,824 votes)
Director: Peyton Reed
Writer: Edgar Wright (screenplay), Joe Cornish (screenplay), Adam McKay (screenplay), Paul Rudd (screenplay), Edgar Wright (story), Joe Cornish (story), Stan Lee (comic book), Larry Lieber (comic book), Jack Kirby (comic book)
Stars: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll
Runtime: 117 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 17 Jul 2015
Plot: Armed with a super-suit with the astonishing ability to shrink in scale but increase in strength, cat burglar Scott Lang must embrace his inner hero and help his mentor, Dr. Hank Pym, plan and pull off a heist that will save the world.

 

 

 

„I’ve spent half my life trying to keep this technology out of the hands of a Stark. I’m sure as hell not gonna hand-deliver it to one now. This is not some cute technology like the Iron Man suit. This could change the texture of reality. Besides they’re probably too busy dropping cities out of the sky.“

 

 

 

Als Scott Lang nach einer dreijährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wird, scheint sein Leben in Trümmern zu liegen. Keine Wohnung, kein Job und seine Ex-Frau macht es dem ehemaligen Dieb und Einbrecher zusätzlich schwer, indem sie ihm den Umgang mit seiner Tochter Cassie verweigert, solange er nicht alles auf die Reihe kriegt und endlich Unterhalt zahlen kann. Trotz seines festen Willens nicht mehr ins Gefängnis zu wollen, bleibt ihm kaum eine andere Wahl, als einen Job für einen weiteren Einbruch zu übernehmen. Was ihn dabei jedoch erwartet, verändert sein Leben für immer…

 

Zugegeben, Ant-Man ist nicht unbedingt der Held aus dem Marvel-Universum, auf den ich gewartet habe. Und auch das Aussteigen von Edgar Wright als Regisseur aufgrund kreativer Differenzen ließ nichts allzu Gutes vermuten, denn nach seinen Filmen Shaun of the Dead, Hot Fuzz und The World´s End (auch bekannt als Cornetto-Trilogie) sowie der Comicverfilmung Scott Pilgrim vs. the World hätte ich nur zu gerne erlebt, was der Mann aus seinem langjährigen Lieblingsprojekt Ant-Man macht. Aber dass Kevin Feige, das Produzenten-Mastermind hinter dem kompletten Marvel Cinematic Universe, keine allzu kreativen Auswüchse duldet, ist ja allgemein bekannt. So wurde schließlich Payton Reed die Regie bei Ant-Man übertragen und Egar Wright findet nur noch zusammen mit Joe Cornish und Adam Mckay als Schreiberling Erwähnung. Und trotzdem blieb die im Vorfeld gerade auch nach den eher weniger spektakulären Trailern erwartete Katastrophe aus, im Gegenteil, Ant-Man ist sogar richtig gelungen und bringt als Heist-Movie im Superheldenkostüm frischen Wind in die etwas festgefahrenen Mechanismen im MCU, das zuletzt doch ein wenig auf der Stelle trat. Das beginnt schon damit, dass der Film auf angenehme Art und Weise mehrere Schritte zurück macht und auf überwältigenden Bombast weitestgehend verzichtet, denn ausnahmsweise Mal lautet die Devise nicht höher – weiter – schneller. Ant-Man ist sowohl in seinem Erzähltempo als auch in puncto Actionsequenzen erfrischend zurückgenommen und denkt in deutlich kleineren Dimensionen und zur Abwechslung geht es hier mal nicht primär um die Rettung der ganzen Menschheit. Zudem wird eine ganz eigene Geschichte erzählt, in der  die Avengers zwar mehr als nur einmal Erwähnung finden, man aber ist nie krampfhaft darum bemüht ist, irgendwelche Bezüge herzustellen, die nur konstruiert wirken würden. Ant-Man platziert nicht blindlings einfach irgendwelche Charaktere, nur um deren neuen Filme anzuteasern, sondern dosiert Querverbindungen sehr sparsam und bindet sie geschickt und sinnstiftend in die Handlung mit ein.

 

 

 

„I’ve been watching you for a while, now. You’re different. Now, don’t let anyone tell you that you have nothing to offer.“

 

 

 

Das Drehbuch ist trotz der zugegebenermaßen doch recht kruden Ursprungsgeschichte unseres Helden durchaus gelungen. Zwar greift die Story auf sehr biedere Erzählmuster zurück, bedient sich meist simpler Rollenbilder, ist stellenweise vielleicht eine Spur zu rührselig und nimmt sich etwas zuviel Zeit für seine Exposition, dafür ist aber das Timing hervorragend, die Dichte an funktionierenden Gags recht hoch und die Witze sitzen so gut wie seit Guardians of the Galaxy nicht mehr. In diesen Momenten blitzt auch immer wieder noch der Humor eines Edgar Wright auf und seine Handschrift lässt sich doch noch im Drehbuch erkennen. Auch die Action weiß durchgängig zu überzeugen und bezieht ihre eigenwillige Faszination meist aus dem herrlich kreativen Zusammenspiel der ständig wechselnden Größenverhältnisse und den dadurch bedingten unterschiedlichen Perspektiven, wenn Ant-Man sich nach Bedarf vergrößert oder verkleinert, gerne auch mitten in Bewegungsabläufen, und gerade das Finale im Kinderzimmer hat so manch tollen Einfall zu bieten. Und wenn in einer Szene Miniaturgebäude effektreich zerstört werden und der geschrumpfte Ant-Man um sein Leben rennen muss, dann ist das nicht nur visuell brilliant umgesetzt, sondern auch eine augenzwinkernde Anspielung auf den größenwahnsinnigen Bombast der Avengers und deren diverse Ableger. Dazu ist Paul Rudd als Scott Lang/Ant-Man einfach herrlich sympathisch und nach Chris Pratt als Starlord bei den Guardians of the Galaxy ein weiterer Geniestreich was das Casting betrifft. Den Held wider Willen, der sich schließlich doch in sein Schicksal fügen muss, den Mann, der Fehler gemacht und dafür bezahlt hat und nun einfach alles irgendwie wieder auf die Reihe kriegen möchte, das verkörpert der sonst eher für Komödien bekannte Rudd auf sehr charmante und gewitzte Art und Weise. Michael Douglas als Dr. Hank Pym, der väterliche Mentor des Helden, wird zum Glück auch genügend Raum geboten und verkommt bei weitem nicht zu einer bloßen Randfigur, sogar einige der besten Szenen gehören ihm. Evangeline Lilly hingegen als dessen Tochter Hope van Dyne kann kaum bleibende Eindrücke hinterlassen und Corey Stoll als Darren Cross und potentieller Gegenspieler Yellowjacket ist zwar sehr bemüht, kann aber kaum eine wirklich ernstzunehmende Bedrohung verkörpern.

 

Sicher hat Ant-Man seine Schwächen, aber sein Charme und Witz in Kombination mit einigen sehr kreativen Actionszenen und einem wirklich gelungenen Timing funktionieren ganz wunderbar und wissen das wieder auszugleichen. Dazu ist der Film ein angenehmer und willkommener Schritt weg vom immer größer werdenden, genretypischen Bombast und ein sympathischer, ganz normaler Typ als Held rundet das Gesamtpaket dann ab. Sicherlich kein gewöhnlicher Vertreter aus dem Hause Marvel und genau deswegen auch ein besonderer und sehr erfrischender, der sich von der Masse abzuheben weiß. Nach Guardians of the Galaxy ist Ant-Man für mich der bisher gelungenste und unterhaltsamste Beitrag zum Marvel Cinematic Universe.

 

7,5 von 10 Ameisen namens Anthony