The Ballad of Buster Scruggs (2018)

18. November 2018 at 16:31

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Wer hier öfter mal reinschaut, dem dürfte eigentlich kaum entgangen sein, dass die Coen-Brüder zum engen Kreis von mir hoch geschätzter Regisseure zählen. The Ballad of Buster Scruggs ist die nun mehr achtzehnte Regiearbeit des Brüderpaares und angeblich doch nicht ursprünglich als Netflix Mini-Serie geplant, sondern vielmehr über Jahrzehnte hinweg immer mal wieder als Sammelbecken für Ideen genutzt, aus denen nun ein sechsteiliger Episodenfilm rund um den Mythos Wilder Westen entstanden ist. Wo bereits Hail, Ceasar einen eher episodenhaften Charakter hatte und lediglich durch ein Mindestmaß an rotem Faden mühsam zusammen gehalten wurde, da verzichtet The Ballad of Buster Scruggs gleich vollkommen auf erzählerische Kontinuität und fasst seine sechs Episoden lediglich als lose Sammlung von Kurzgeschichten in einem Buch zusammen.

 

Unterschiedlich in Tonalität und vor allem auch in Qualität reicht hierbei die Ausrichtung von vertraut schwarzhumorig über absurd und morbide bis hin zu ausnehmend tragisch, wenn jede Folge einen bestimmten Aspekt der Coen-Handschrift besonders herausarbeitet. Allerdings schwankt The Ballad of Buster Scruggs gerade in puncto Qualität der einzelnen Episoden mitunter gewaltig, nicht jede vermag auch vollends zu überzeugen und mindestens eine verpufft für mich im erzählerischen Nichts, so ganz ohne schelmisch böse Pointe oder überhaupt irgendeiner narrativen Auflösung mit Mehrwert. Das alles ist zwar überwiegend wunderbar gefilmt und voller liebevoller Details, der Cast ist stark und namhaft besetzt, es gibt die eine oder andere tolle Idee zu bewundern und auch der Score von Carter Burwell erfüllt seinen Zweck, und dennoch will der Funke nicht so recht überspringen. So bleibt letztlich eine lose Sammlung diverser Kurzgeschichten mit unterschiedlichem Anspruch, wenn zwar immer mal wieder die filmische Brillanz der Coen-Brüder aufblitzt, das Gesamtergebnis jedoch eher unrund wirkt und The Ballad of Buster Scruggs als Ganzes nicht stärker ist als einzelne Episoden.

 

6,5 von 10 rechnenden Hühnern

 

 

Armour of God II: Operation Condor (1991)

23. September 2018 at 15:04

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Jackies außergewöhnliche Fähigkeiten werden erneut gefordert, als sein alter Freund Graf Bannon ihn darum bittet, in der Sahara nach einem alten Goldschatz zu suchen, der einst von einer Einheit deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt wurde. Ausgestattet mit einem mysteriösen Schlüssel begibt sich Jackie mit der Hilfe der Historikerin Ada und Elsa, der Enkelin des damals kommandierenden deutschen Offiziers der Einheit, auf die beschwerliche Suche nach dem alten Nazi-Goldschatz, doch auch andere Parteien haben es darauf abgesehen.

 

Wow! Klotzen statt kleckern ist hier das Motto und Armour of God II ist seinem Vorgänger in wirklich allen Belangen überlegen und bietet das volle Programm: herrlich überzeichnete Schurken, einen abenteuerlustigen Protagonisten, schöne Frauen, exotische Schauplätze, Nazi-Gold, geheime Bunker, reichlich spektakuläre Action, waghalsige Stunts, tollkühne Fights und jede Menge pointierten Slapstick. Das alles fetzt ordentlich, haut mächtig rein, kann sich mehr als nur sehen lassen und wo der erste Film noch eher verhalten wirkte und oft keine gelungene Balance zwischen Action und Humor finden konnte, da ist nun die Fortsetzung ganz hervorragend gelungen.

 

Slapstick und Action wechseln sich beinahe schon minütlich ab und gehen oft Hand in Hand oder ineinander über, das ganze erzählerische Timing ist deutlich gelungener als noch im Vorgänger und insgesamt wirkt Armour of God II witziger, spritziger und agiler. Allein die rund zwanzig minütige Hotel-Sequenz ist ihr Geld wert und pures Comedy-Gold. Seiner Zeit war der Film die teuerste Hong Kong-Produktion bisher, weil Jackie Chan das Budget nach Herzenslust überzog und sich statt sechs Monaten beinahe zwei Jahre Zeit nahm. Das merkt man dann auch an jeder Ecke, wenn die Settings überwiegend deutlich wertiger wirken. Armour of God II bündelt genau all die guten Ideen, welche man dem ersten Teil bereits anmerken konnte, aber nicht so recht zu sehen bekam, und schafft es, diese auch auszuformulieren und eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Das alles macht irre viel Spaß, unterhält fantastisch und überzeugt auf der ganzen Linie mit dieser charmanten Mixtur aus Humor, Slapstick, atemberaubenden Stunts und Action satt.

 

8,5 mit Luft nach oben und jede Menge Bock, den bald nochmals zu schauen.

 

 

Armour of God (1986)

23. September 2018 at 14:48

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Abenteurer und Schatzsucher Jackie sucht in aller Welt nach diversen Artefakten, darunter auch die fünfteilige Rüstung Gottes, welche er auf Auktionen versteigert. Als sein alter Freund Alan ihn um Hilfe bittet, weil seine Freundin Lorelei von einer Sekte entführt worden ist, welche nun die Rüstung Gottes als Lösegeld fordert, muss Jackie zur Tat schreiten.

 

Was Jackie Chan und Eric Tsang mit ihrem Drehbuch zu Armour of God und Chan dann später nach seinem beinahe tödlichen Unfall am Set auch als Regisseur des Filmes vorschwebt, das ist verhältnismäßig offensichtlich: einen turbulent unterhaltsamen Abenteuerfilm als Schnitzeljagd voller exotischen Schauplätzen rund um die Welt in aller bester Indiana Jones-Tradition, teils parodierend, teils einfach nur kopierend, aber gepaart mit Chans ganz eigenen Trademarks. So ist beispielsweise das ursprünglich antreibende Storyelement in Form der fünfteiligen Rüstung Gottes letztlich auch nicht mehr als genau das, nämlich ein simpler wie gleichermaßen genreüblicher McGuffin, einzig dazu dienlich, unseren Helden Jackie/Asian Hawk auf seine Reise zu schicken. Leider schafft es der Film nicht so recht, seine vermeintlich exotischen Schauplätze auch in ein angemessenes Licht zu rücken, wodurch ein wenig an Flair verloren geht und das eigentlich recht bunte Treiben manchmal visuell ein wenig blass wirkt.

 

Letztlich will die Mischung aus Action und Humor irgendwie nicht so recht zünden und Armour of God schwächelt ein wenig in der Balance aus Humor und Action. Zwar ist der Einstieg durchaus gelungen, doch gerade im oft von Klamauk und Slapstick geprägten Mittelteil gehen Zug und Tempo etwas verloren und erst in der letzten halben Stunde findet der Film wieder vollends zu sich, wenn dort nochmals herrlich aufgedreht werden darf. Die Action ist meist routiniert in Szene gesetzt und gelungen choreografiert, denn Jackie Chan weiß einfach ganz genau, was er wie umgesetzt haben will und wie das dann auch auf der Leinwand wirkt. Zu den Höhepunkten gehören da sicherlich eine ereignisreiche Verfolgungsjagd zu Jeep, Mitsubishi und Motorrad sowie im Finale der eindrucksvolle Kampf von Jackie gegen vier dunkelhäutige Amazonen. In seinen besten Momenten entwickelt Armour of God einen beinahe schon treibenden Druck nach vorne, doch nicht selten funken halbgare Gags, merkwürdiger Slapstick und manchmal etwas befremdlich anmutende Beziehungsspielchen zwischen den drei Protagonisten dazwischen. Sehenswert und unterhaltsam – vor allem an einem verkaterten Sonntag Nachmittag – ist der Film dennoch, und wer weiß, wenn ich den schon aus Kindheitstagen kennen würde, dann würden mich diese Punkte vielleicht gar nicht so sehr stören.

 

6,5 von 10 Verfolgungsjagden mit einem Mitsubishi Colt C 10 Spider

 

 

Jumanji: Welcome to the Jungle (2017)

17. August 2018 at 18:05

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

„The goal for you. I’ll recite in verse / Return the jewel and lift the curse / If you wish to leave the game / You must save Jumanji and call out its name.“

 

 

 

Die vier Teenager Spencer, Fridge, Bethany und Martha werden vom Videospiel Jumanji in dessen künstliche Dschungelwelt gezogen. Sie erkennen schnell: das Spiel muss gewonnen werden, wenn sie wieder zurück nach Hause wollen, und Teamwork ist fortan gefragt, um den lauernden Gefahren lebend zu entgehen.

 

Eine Frage drängte sich mir irgendwann im Laufe von Jumanji: Welcome to the Jungle auf: ob Robin Williams wohl einen Cameo-Auftritt gehabt hätte, wenn er noch am Leben gewesen wäre? Wer weiß… Jake Kasdan, seines Zeichens der weniger legendäre Sohn des legendären Lawrence Kasdan, ist jedenfalls verantwortlich für die Neubelebung des Filmes von Joe Johnston und entstaubt nun die Vorlage, ergänzt sie um entsprechende Schauwerte und passt den Stoff sanft an die Moderne an, wenn nun aus einem Brettspiel ein Videospiel wird – auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon 1995 kein Interesse mehr an Brettspielen hatte. Dazu dann noch The Rock als Publikumsmagnet und eine Hälfte der Jonas-Brothers, fertig ist der nächste Straßenfeger. Und tatsächlich ist die Grundidee von Jumanji auch gar nicht mal so übel, doch leider macht der Film mir einfach zu wenig damit außer immer mal wieder Elemente aus Videospielen im Drehbuch zu platzieren, denn wirklich mit den Mechaniken der Spielewelt gearbeitet wird hier wenig bis kaum. Das ist schon etwas schade, weil hier doch einiges an Potential liegen gelassen wird.

 

Allerdings gefällt mir der Gedanke, dass dieses Mal nicht der Dschungel des Spiels Stück für Stück in die Realität eindringt, sondern deutlich stärker umgekehrt. Die im Spiel etablierte Welt hat nämlich durchaus ihre Reize zu bieten, kann zumindest visuell überzeugen und so mancher Einfall ist frisch und belebend, doch viele Gags können nicht richtig zünden, wiederholen sich in ihrer Formelhaftigkeit oft nur leicht abgewandelt und kommen lange nicht über Körpertausch-Humor hinaus. Auch ist es irgendwie ganz süß, wie unsere vier unfreiwilligen Helden gegen Ende ihre Filterblasen verlassen und vermeintlich über sich hinauswachsen dürfen, arg klischeehaft, vorhersehbar und kitschig ist das aber auch. Dass Jumanji abseits seines Humors eher wenig Spannung und kaum erzählerische Tiefe bietet – geschenkt, das hab ich so im Vorfeld auch gar nicht erwartet. Mein Highlight dieser rund 120 Minuten seichtem Dschungelabenteuer voller mäßigem Humor: die gnadenlos überzeichnete und herrlich comichafte Performance von Bobby Cannavale als Bösewicht Russell Van Pelt. Einfach köstlich. Letztlich ist die Neuauflage von Jumanji durchaus passables Blockbusterkino, das nicht weh tut, stellenweise auch zu unterhalten vermag und auf Nummer sicher geht, wenn eigentlich gute Ideen nie so richtig ausgespielt werden. Kann man mal machen.

 

5 von 10 rätselhaften grünen Kristallen