Baby Driver

8. Dezember 2017 at 13:14

 

 

© TriStar Pictures/Sony Pictures Releasing

 

 

 

„Sometimes all I want is to head West on 20 in a car I can’t afford, with a plan I don’t have, just me, my music, and the road.“

 

 

 

Baby ist Fluchtwagenfahrer und er ist verdammt gut darin. Gequält von einem Tinnitus, den er seit einem Unfall in seiner Kindheit mit sich herum schleppt, nutzt er diverse iPods voller unzähliger Songs für jede Gelegenheit, um die Nebengeräusche zu übertönen. Als er sich in die Kellnerin Debora verliebt, will er aus dem Geschäft aussteigen, doch sein beinahe schon väterlicher Auftraggeber und Förderer Doc plant noch ein letztes großes Ding mit Baby am Steuer.

 

Baby got beat. Baby got rhythm. Baby? Jep, B-A-B-Y. Edgar Wright ist ein Arsch: da schüttelt der Mann nach Scott Pilgrim vs. the World nun mit Baby Driver schon den zweiten Film aus dem Handgelenk, der mein kleines Herz nicht nur zum glühen bringt, sondern lieber gleich zum bersten. Ich weiß nicht, wie er es macht, aber er macht es mit Leichtigkeit. Einen Film, der seine ersten fünf Minuten komplett mit einem Song der grandiosen Jon Spencer Blues Explosion unterlegt, den kann ich nur in mein Herz schließen. Wenn das ganze dann auch noch so perfekt und auf den Punkt genau bis in den winzigsten Schnitt hinein inszeniert ist, dann ist der Einstieg in Baby Driver zweifellos einer der besten und spannendsten des Jahres. Pure Bewegung ist das, bildgewordener Rhythmus irgendwo zwischen Streets of Fire und Drive. Überhaupt ist der Einsatz von Musik über die gesamte Laufzeit hinweg ausgesprochen außergewöhnlich und permanent aktiver Bestandteil der Handlung statt nur im Hintergrund. Sie untermalt nicht einzelne Szenen, sie choreografiert sie, ist die treibende Kraft des Filmes, sie gibt den Rhythmus vor und bestimmt den Takt. Alles ist der Musik untergeordnet: Schauspiel, Schnitt, Tempo, Dramaturgie, sogar die Handlung. Und die Musikauswahl ist fantastisch, wenn Edgar Wright rund 70 Songs in den nicht ganz zwei Stunden unterbringt und so sein ganz eigenes Mixtape voller Lieblingsstücke erstellt. Die musikalische Bandbreite reichte dabei von Funk und Soul über Jazz und Blues so wie HipHop bis hin zu Indiepop, Garagenrock, Punk, Queen und schließlich dem titelgebenden Song Baby Driver von Simon & Garfunkel. Selbst der Turntable-Magier Kid Koala darf einen Song beisteuern. So ist letztlich der gesamte Film mehr oder weniger immer einzig dem Rhythmus des jeweiligen Songs auf Babys iPod unterworfen und auf ihn zugeschnitten. Dadurch wird die Musik nicht nur zum mal langsameren, mal schnelleren Herzschlag von Edgar Wrights Heist Movie, sondern auch zu einem weiteren erzählerischen Stilmittel, dem Beachtung geschenkt werden sollte und muss.

 

© TriStar Pictures/Sony Pictures Releasing

 

Auf der inhaltlichen Ebene allerdings ist Baby Driver denkbar einfach gehalten. Baby trifft sein Baby. Er ist Fluchtwagenfahrer, sie ist Kellnerin und beide träumen von einem neuen Leben, aber ein letzter Job will noch erledigt werden. That´s it. Wer an dieser Stelle mehr erwartet, der dürfte enttäuscht sein. Da ist Baby Driver tatsächlich kaum mehr als ein ganz gewöhnliches Heist Movie, wie man es schon unzählige Male zuvor hat sehen können, aber WIE dieser Plot letztlich inszeniert ist, DAS ist das aufregende und spannende wie brillante Novum. Wrights gesamte Inszenierung dieses doch eher schmalen Handlungsgerüstes sprüht geradezu vor Esprit und Verve und ist bis ins kleinste Detail derart ausgesprochen stilvoll, dass der geneigte Zuschauer in diesen rasanten wie vergnüglichen 112 Minuten kaum auch nur einen Gedanken daran verschwendet, wie generisch die Story doch eigentlich ist. Und visuell gibt es an jeder Ecke viel zu entdecken, auch wenn sich Wright mit den kleinen Spielereien und Referenzen im Vergleich zu Scott Pilgrim Vs. the World deutlich zurückhält. Was wäre ein Film über einen Fluchtwagenfahrer ohne Verfolgungsjagden? Richtig. Folglich gibt es auch in Baby Driver reichlich Blech-Bambule und cool umgesetzte wie spektakuläre Auto-Szenen zu bestaunen, die dann durch den gezielten Einsatz der Musik auf Babys iPod eine weitere faszinierende Dimension hinzu gewinnen. Auf CGI wird hier überwiegend verzichtet und vielmehr auf ganz klassische Stuntarbeit gesetzt, was der Dynamik und Wucht der Verfolgungsjagden und der Unfälle deutlich mehr an Gewicht verleiht. Mit den meisten Figuren verhält es sich recht ähnlich wie mit dem Plot: überwiegend bekommen wir es hier mit eher eindimensionalen Schablonen zu tun. Tiefgang sucht man hier vergeblich und auch auf der darstellerischen Ebene agiert der Cast oft solide durchschnittlich. Jamie Foxx übertreibt es mit seinem Psychopathen Bats gnadenlos und grenzt schon an eine Karikatur, Kevin Spacey liefert gesundes Mittelmaß und spielt seinen Doc locker runter. Jon Hamm als Buddy blieb bei mir noch gut hängen, hat er doch ein paar starke Szenen. Ansel Elgort als Baby allerdings ist verdammt cool und kann diese Figur ganz hervorragend zum Leben erwecken. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er einen deutlich besseren jungen Han Solo abgeben würde als Alden Ehrenreich. Diese bestimmte charmante Spitzbübigkeit jedenfalls strahlt er zweifellos aus.

 

Ich muss es sagen: Edgar Wright hat mich mit Baby Driver buchstäblich überfahren und nach Scott Pilgrim Vs. the World erneut mein Herz im Sturm erobert. Auch sein jüngstes Werk ist regelrecht durchströmt vom ansteckenden Enthusiasmus seines Regisseurs und den für sich genommenen eher schmalen Genre-Plot hievt er allein durch seine grandiose Fokussierung auf den fantastischen Einsatz der Musik innerhalb seiner Inszenierung auf ein völlig neues Level. Eine Liebeserklärung an Rhythmus, Tempo und Bewegung, die mich einfach nur umgeblasen hat in ihrer Wirkung auf mich. Und erneut kann ich am Ende nur wieder festhalten: Edgar Wrights Vision von Ant Man hätte ich nun wirklich unglaublich gern gesehen.

 

Sehr subjektive 10 von 10 iPods für jede Gelegenheit, aber objektiv immer noch starke 8 von 10 Mixtapes voller wunderbarer Songs

 

 

Stung

16. November 2017 at 19:47

 

 

© IFC Midnight

 

 

 

Die Geburtstagsparty einer reichen älteren Dame soll der große Durchbruch für den kleinen Catering-Service von Julia und Paul werden. Der Abend beginnt gut und trotz kleinerer Probleme scheint er für die beiden ein Erfolg zu werden, doch als mutierte Riesenwespen plötzlich über die Party herfallen und Jagd auf die Gäste machen, können sich die beiden mit Mühe und Not zusammen mit einigen anderen Überlebenden in das Herrenhaus der Gastgeberin retten.

 

Da ist es wieder, das hierzulande immer noch leidige Thema Genrefilm. Regisseur Bennie Diez hat nämlich mit seinem Debütfilm Stung genau einen solchen erschaffen. Tierhorror aus Deutschland, ein Creature-Feature aus einer stark von ihrem ureigenem Anspruchsdenken geprägten Filmlandschaft. Gerade auf der technischen Ebene kann sich Stung tatsächlich sehen lassen und muss sich kaum hinter ähnlichen internationalen Produktionen verstecken, aber es ist auch ein wenig erschreckend, wie deutlich der Mangel an Originalität auf der erzählerischen Ebene den Film dominiert. Das bedeutet nun aber nicht, dass Stung ein schlechtes und einfallsloses Werk wäre, denn stellenweise macht er durchaus Spaß und weiß zu überzeugen. Bennie Diez kennt ganz offensichtlich das Genre Tierhorror und bedient sich gekonnt dessen Mechanismen: Stung ist zwar simpel konstruiert und hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, doch sobald das Drehbuch flott das Setting und die Konstellation der Figuren grob umrissen hat, dann kann der Spaß beginnen, wenn die mutierten Wespen in Scharen über ihre Opfer herfallen. Große Überraschungen sucht man vergeblich und auch sonst haftet Stung keine weiter erzählerische Dimension an, wenn sonst viele Vertreter des Genres zumindest noch einen Hauch von Gesellschaftskritik zu zeigen wagen, doch handwerklich und visuell ist der Film mehr als nur solide und kann hier einige seiner Mankos wieder ausgleichen. Die Effekte sind überwiegend handgemacht und hübsch eklig anzuschauen, wenn die Monster auf alle möglichen Arten aus menschlichen Körpern platzen, und nur die rein digitalen Effekte können aus budgetären Gründen kaum überzeugen. Bennie Diez versteht also die Konzepte, Strukturen und Mechanismen des Genres Tierhorror und in all den Aspekten liefert Stung zweifellos ab, aber für einen deutschen Genrefilm ist er seltsam „undeutsch“ geraten, denn streng genommen passiert nichts anderes als die vollständige Überführung sämtlicher Amerikanismen ganz ähnlicher Filme. Gäbe es nicht eine winzige Szene im Film, dann würde nichts weiter darauf hinweisen, dass Stung ein deutscher Film ist: in Brandenburg wurde zwar gedreht, die Handlung aber in die USA verlegt, bis auf wenige Statisten sind alle Schauspieler Amerikaner und in englischer Sprache gedreht wurde er auch. Im Grunde macht Diez damit nicht viel falsch, denn das Konzept funktioniert ja durchaus, aber man nimmt Stung so auch die Möglichkeit, eigenständiges deutsches Horrorkino zu sein. Das Potential dazu ist auf jeden Fall gegeben, aber vielleicht mangelte es den Machern letztlich doch am Mut zur konkreteren Eigenständigkeit, die Strukturen des Genres in die hiesige Filmkultur zu übertragen. Nichtsdestotrotz macht Stung Spaß und er ist auch kein schlechter Film, er hat nur einen nicht unbeträchtlichen Teil des ihm inne wohnenden Potentials nicht genutzt. Aus welchen Gründen letztlich auch immer.

 

6 von 10 herausplatzenden Augäpfeln

 

 

The House of Horrorctober #7: House II

17. Oktober 2017 at 17:41

 

 

© New World Pictures

 

 

Als Jesse unerwartet ein riesiges Haus erbt, kommt er dabei auch unweigerlich seiner obskuren Familiengeschichte auf die Spur. Sein Ururgroßvater Gramps war Abenteurer im Wilden Westen und gelangte seiner Zeit in den Besitz eines mysteriösen Kristallschädels. Auf der Suche nach dem Schädel öffnet Jesse gemeinsam mit seinem Freund Charlie Gramps Grab nur um festzustellen, dass dieser dank der magischen Kräfte des Schädels noch lebt. Als das uralte Relikt jedoch in die falschen Hände gerät, müssen die drei ihn zurückholen, denn er kann auch Portale in andere Dimensionen öffnen.

 

It´s getting weirder! Aber sowas von! House II: The Second Story ist DER Film, den ich bereits mein halbes Leben lang suche. Als Kind gesehen und sehr gemocht, geriet der Film von Regisseur Ethan Wiley dennoch irgendwie in Vergessenheit und lediglich winzige Splitter fragmentarischer Bilder blieben mir noch in Erinnerung ohne das ich sie je konkret hätte zu ordnen können. Zurück blieb nur dieses vage Gefühl, welches House II seinerzeit bei mir auszulösen vermochte. Die insgesamt vier Filme umfassende House-Reihe fand schon vor geraumer Zeit ihren Weg in mein Regal und der erste Teil wurde auch prompt gesichtet, konnte jedoch kaum bis gar nicht bei mir zünden, so dass ich die restlichen Filme erstmal wieder auf unbegrenzte Teit zurück ins Regal verbannte. Welch Fehler! Ist der zweite Teil doch nicht nur vollkommen anders, er ist auch deutlich besser. Wenn auch House II eindeutig mehr Fantasy als Horror und vor allem auch eher eine Komödie ist: es brauchte keine zehn Minuten, um mich im Film heimisch zu fühlen. Ich bin mir rückblickend nicht mehr sicher, ob ich als Kind das enorme komödiantische Potential darin erkannte, vermutlich fand ich den einfach eher gruselig, auf jeden Fall aber ungemein faszinierend. Allein all die wunderbaren Jim Henson-artigen animatronischen Puppen wie die Bier trinkende Hunde-Raupe oder der prähistorische Baby-Vogel sind fantastisch und machen richtig viel Spaß. Wo der Vorgänger noch eher dem klassischen Grusel-Szenario des Haunted House zugewandt war, da erweitert der zweite Teil seine Welt um Elemente aus Western, Fantasy, Märchen, Abenteuerfilm und Ausflüge in andere Dimensionen und klatscht einfach mal alles aneinander, was den Machern gerade so einfallen wollte. Klingt schrecklich chaotisch, funktioniert aber überraschend gut, wenn Jesse und Charlie sehr episodenhaft ihre Abenteuer erleben. House II wirft die abstrusesten Ideen vollkommen selbstverständlich einfach so in den Raum ohne diese groß zu kommentieren und reiht allerlei reichlich durchgeknallte Episoden beinahe nahtlos aneinander. Dabei ist das erzählerische Tempo so hoch, dass man all diesen Unfug gar nicht erst wagt in Frage zu stellen. Wenn dann erst der merkwürdige Elektriker Bill (der tolle John Ratzenberger – vielen wohl bekannt als Postbote Cliff in der Serie Cheers) plötzlich vor der Tür steht, ist das Chaos perfekt. Das alles ist oft reichlich albern, macht aber eben auch verdammt viel Spaß, sofern man sich diesem kindlichen Treiben denn auch hinzugeben vermag. Dann jedenfalls ist House II rasant erzählt, trotz seiner chaotischen Struktur erstaunlich gut getimt, oft beinahe schon grenzdebil unterhaltsam und einfach wahnsinnig lustig, dieser vollkommen hanebüchene Unfug, von dem ich froh bin, ihn nun endlich doch wiederentdeckt zu haben.

 

7 von 10 prähistorischen Vögeln im Küchenschrank

 

 

Scott Pilgrim vs. the World

28. September 2017 at 23:43

 

 

© Universal Pictures

 

 

 

„An epic of epic epicness.“

 

 

 

Scott Pilgrim ist ein mustergültiger Slacker. Anfang 20, ohne Job, gammelt er sich Tag für Tag durch sein Leben in Toronto, datet ein Schulmädchen und probt immerzu mit seiner Band Sex Bob-omb für den großen Durchbruch, als plötzlich die geheimnisvolle Schönheit Ramona Flowers in sein Leben platzt. Sie ist buchstäblich das Mädchen seiner Träume, doch bevor er mit ihr zusammen sein kann, muss er sich noch mit ihren sieben teuflischen Ex-Lovern rumschlagen.

 

Ich platze mit meiner Meinung gleich einfach mal so heraus: Edgar Wright ist ein meisterhafter Regisseur, Scott Pilgrim vs. the World ist der Beweis und dieser Text eine Liebeserklärung an sein zweifellos stärkstes Werk. Seine Verfilmung des sechsteiligen Comics von Bryan Lee O´Malley ist ein permanent Popkultur referenzierendes Monster, ein visuell einzigartiges Feuerwerk der Ideen, ein Wanderer zwischen den unterschiedlichsten medialen Kunstformen, dem es mühelos gelingt all seine Einflüsse zu bündeln und ein vollkommen für sich stehendes Gesamtkunstwerk zu erschaffen. Und wie Wright die Geschichte erzählt, wie er die Gedanken – und Gefühlswelt seines Protagonisten direkt und ungefiltert auf die Leinwand überträgt und den Zuschauer daran teilhaben lässt, das zeugt von unglaublich profunder Kenntnis der letzten vierzig Jahre Popkultur – von Pac Man über Mangas bis hin zu zeitgenössischem Indierock – sowie einer schier immensen Lust daran, mit dieser Kenntnis zu spielen und einem unglaublich guten Gespür für Tempo und Timing. Visuell ist das alles unfassbar eindrucksvoll und geradezu überbordend kreativ umgesetzt, wenn sich die verschiedensten Erzählformen munter vermischen, wenn 80er Jahre Videospiel-Ästhetik auf Comicwelten trifft, wenn sich der Film frech und schamlos Dinge erlaubt, vor denen auf Filmhochschulen stets gewarnt wird, dann bricht Scott Pilgrim vs. the World buchstäblich den filmischen Horizont auf. Was mich aber abseits all dieser audiovisuellen Pracht, all der wundervollen Ideen und Einfällen auf der erzählerischen Ebene und all dieser nerdigen Detailverliebtheit noch am allermeisten fasziniert und begeistert, das ist der so schlichte wie zu gleich schöne Kern der Geschichte. Wenn man nämlich all diesen Popkultur-Wahnsinn, die inszenatorischen Tricks und Kniffe und den visuellen Budenzauber einfach mal außen vor lässt und beiseite wischt, dann offenbart sich tief im Innern von Scott Pilgrim vs. the World ein roter Faden, welcher zu keiner Sekunde aus den Augen gelassen wird. Denn letztlich erzählt Edgar Wright mit seinem Film nicht mehr und nicht weniger als die vielleicht älteste Geschichte der Menschheit: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen. So einfach, so universell. Und bei all dem kreativen Feuerwerk, welches er nahezu permanent entfacht, verliert er nie das Gespür für seine Figuren und drosselt gezielt das erzählerische Tempo um der Romanze zwischen Scott und Ramona genügend Freiraum und Luft zum atmen zu geben. Der Cast erledigt dann den Rest und füllt den Film mit Leben und lässt seine Liebesgeschichte erst richtig glaubwürdig erscheinen. Und auch bis in kleinere Nebenrollen ist der Film wahnsinnig gut besetzt und kann mit Namen wie Chris Evans, Anna Kendrick, Brie Larson, Jason Schwartman, Brandon Routh oder Kieran Culkin um sich werfen. Sogar Thomas Jane und Clifton Collins, jr. dürfen kurz für einen ausgesprochen witzigen Cameo-Auftritt vorbeischauen. Aber das Herz von Scott Pilgrim vs. the World sind Michael Cera und die wundervolle Mary Elizabeth Winstead. Und seien wir doch mal ehrlich: wie könnte man sich nicht in Ramona Flowers verlieben?

 

Natürlich ist sich Edgar Wright vollkommen im klaren darüber, dass er allein aufgrund der Art und Weise, wie er seine Geschichte erzählt, große Teile des Publikums nicht erreichen wird. Dafür ist vieles an Scott Pilgrim vs. the World einfach zu weit weg vom Mainstream, vieles einfach zu sehr auf bestimmte Nischen der Popkultur fixiert. Das schöne aber ist: es ist ihm egal. Wright zelebriert das alles so voller Enthusiasmus, dass man das Gefühl bekommt, er hätte den Film auch nur für sich allein gemacht. Schon die Cornetto-Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World´s End) war sehr gut und zeugte vom scheinbar grenzenlosen Genre-Wissen ihres Regisseurs, aber Scott Pilgrim vs. the World treibt das alles frech wie versiert auf die Spitze und katapultiert den Film damit tief in mein Nerd-Herz. Baby Driver habe ich leider noch nicht sehen können, bin aber sehr, sehr gespannt darauf, was sich Mr. Wright hier wieder alles hat einfallen lassen. Seine Vision von Ant-Man hätte ich übrigens auch nur allzu gern gesehen.

 

9 von 10 Extraleben