Armour of God II: Operation Condor (1991)

23. September 2018 at 15:04

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Jackies außergewöhnliche Fähigkeiten werden erneut gefordert, als sein alter Freund Graf Bannon ihn darum bittet, in der Sahara nach einem alten Goldschatz zu suchen, der einst von einer Einheit deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkrieges dort versteckt wurde. Ausgestattet mit einem mysteriösen Schlüssel begibt sich Jackie mit der Hilfe der Historikerin Ada und Elsa, der Enkelin des damals kommandierenden deutschen Offiziers der Einheit, auf die beschwerliche Suche nach dem alten Nazi-Goldschatz, doch auch andere Parteien haben es darauf abgesehen.

 

Wow! Klotzen statt kleckern ist hier das Motto und Armour of God II ist seinem Vorgänger in wirklich allen Belangen überlegen und bietet das volle Programm: herrlich überzeichnete Schurken, einen abenteuerlustigen Protagonisten, schöne Frauen, exotische Schauplätze, Nazi-Gold, geheime Bunker, reichlich spektakuläre Action, waghalsige Stunts, tollkühne Fights und jede Menge pointierten Slapstick. Das alles fetzt ordentlich, haut mächtig rein, kann sich mehr als nur sehen lassen und wo der erste Film noch eher verhalten wirkte und oft keine gelungene Balance zwischen Action und Humor finden konnte, da ist nun die Fortsetzung ganz hervorragend gelungen.

 

Slapstick und Action wechseln sich beinahe schon minütlich ab und gehen oft Hand in Hand oder ineinander über, das ganze erzählerische Timing ist deutlich gelungener als noch im Vorgänger und insgesamt wirkt Armour of God II witziger, spritziger und agiler. Allein die rund zwanzig minütige Hotel-Sequenz ist ihr Geld wert und pures Comedy-Gold. Seiner Zeit war der Film die teuerste Hong Kong-Produktion bisher, weil Jackie Chan das Budget nach Herzenslust überzog und sich statt sechs Monaten beinahe zwei Jahre Zeit nahm. Das merkt man dann auch an jeder Ecke, wenn die Settings überwiegend deutlich wertiger wirken. Armour of God II bündelt genau all die guten Ideen, welche man dem ersten Teil bereits anmerken konnte, aber nicht so recht zu sehen bekam, und schafft es, diese auch auszuformulieren und eindrucksvoll auf die Leinwand zu bringen. Das alles macht irre viel Spaß, unterhält fantastisch und überzeugt auf der ganzen Linie mit dieser charmanten Mixtur aus Humor, Slapstick, atemberaubenden Stunts und Action satt.

 

8,5 mit Luft nach oben und jede Menge Bock, den bald nochmals zu schauen.

 

 

Armour of God (1986)

23. September 2018 at 14:48

 

 

© Golden Harvest/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Abenteurer und Schatzsucher Jackie sucht in aller Welt nach diversen Artefakten, darunter auch die fünfteilige Rüstung Gottes, welche er auf Auktionen versteigert. Als sein alter Freund Alan ihn um Hilfe bittet, weil seine Freundin Lorelei von einer Sekte entführt worden ist, welche nun die Rüstung Gottes als Lösegeld fordert, muss Jackie zur Tat schreiten.

 

Was Jackie Chan und Eric Tsang mit ihrem Drehbuch zu Armour of God und Chan dann später nach seinem beinahe tödlichen Unfall am Set auch als Regisseur des Filmes vorschwebt, das ist verhältnismäßig offensichtlich: einen turbulent unterhaltsamen Abenteuerfilm als Schnitzeljagd voller exotischen Schauplätzen rund um die Welt in aller bester Indiana Jones-Tradition, teils parodierend, teils einfach nur kopierend, aber gepaart mit Chans ganz eigenen Trademarks. So ist beispielsweise das ursprünglich antreibende Storyelement in Form der fünfteiligen Rüstung Gottes letztlich auch nicht mehr als genau das, nämlich ein simpler wie gleichermaßen genreüblicher McGuffin, einzig dazu dienlich, unseren Helden Jackie/Asian Hawk auf seine Reise zu schicken. Leider schafft es der Film nicht so recht, seine vermeintlich exotischen Schauplätze auch in ein angemessenes Licht zu rücken, wodurch ein wenig an Flair verloren geht und das eigentlich recht bunte Treiben manchmal visuell ein wenig blass wirkt.

 

Letztlich will die Mischung aus Action und Humor irgendwie nicht so recht zünden und Armour of God schwächelt ein wenig in der Balance aus Humor und Action. Zwar ist der Einstieg durchaus gelungen, doch gerade im oft von Klamauk und Slapstick geprägten Mittelteil gehen Zug und Tempo etwas verloren und erst in der letzten halben Stunde findet der Film wieder vollends zu sich, wenn dort nochmals herrlich aufgedreht werden darf. Die Action ist meist routiniert in Szene gesetzt und gelungen choreografiert, denn Jackie Chan weiß einfach ganz genau, was er wie umgesetzt haben will und wie das dann auch auf der Leinwand wirkt. Zu den Höhepunkten gehören da sicherlich eine ereignisreiche Verfolgungsjagd zu Jeep, Mitsubishi und Motorrad sowie im Finale der eindrucksvolle Kampf von Jackie gegen vier dunkelhäutige Amazonen. In seinen besten Momenten entwickelt Armour of God einen beinahe schon treibenden Druck nach vorne, doch nicht selten funken halbgare Gags, merkwürdiger Slapstick und manchmal etwas befremdlich anmutende Beziehungsspielchen zwischen den drei Protagonisten dazwischen. Sehenswert und unterhaltsam – vor allem an einem verkaterten Sonntag Nachmittag – ist der Film dennoch, und wer weiß, wenn ich den schon aus Kindheitstagen kennen würde, dann würden mich diese Punkte vielleicht gar nicht so sehr stören.

 

6,5 von 10 Verfolgungsjagden mit einem Mitsubishi Colt C 10 Spider

 

 

Jumanji: Welcome to the Jungle (2017)

17. August 2018 at 18:05

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

„The goal for you. I’ll recite in verse / Return the jewel and lift the curse / If you wish to leave the game / You must save Jumanji and call out its name.“

 

 

 

Die vier Teenager Spencer, Fridge, Bethany und Martha werden vom Videospiel Jumanji in dessen künstliche Dschungelwelt gezogen. Sie erkennen schnell: das Spiel muss gewonnen werden, wenn sie wieder zurück nach Hause wollen, und Teamwork ist fortan gefragt, um den lauernden Gefahren lebend zu entgehen.

 

Eine Frage drängte sich mir irgendwann im Laufe von Jumanji: Welcome to the Jungle auf: ob Robin Williams wohl einen Cameo-Auftritt gehabt hätte, wenn er noch am Leben gewesen wäre? Wer weiß… Jake Kasdan, seines Zeichens der weniger legendäre Sohn des legendären Lawrence Kasdan, ist jedenfalls verantwortlich für die Neubelebung des Filmes von Joe Johnston und entstaubt nun die Vorlage, ergänzt sie um entsprechende Schauwerte und passt den Stoff sanft an die Moderne an, wenn nun aus einem Brettspiel ein Videospiel wird – auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon 1995 kein Interesse mehr an Brettspielen hatte. Dazu dann noch The Rock als Publikumsmagnet und eine Hälfte der Jonas-Brothers, fertig ist der nächste Straßenfeger. Und tatsächlich ist die Grundidee von Jumanji auch gar nicht mal so übel, doch leider macht der Film mir einfach zu wenig damit außer immer mal wieder Elemente aus Videospielen im Drehbuch zu platzieren, denn wirklich mit den Mechaniken der Spielewelt gearbeitet wird hier wenig bis kaum. Das ist schon etwas schade, weil hier doch einiges an Potential liegen gelassen wird.

 

Allerdings gefällt mir der Gedanke, dass dieses Mal nicht der Dschungel des Spiels Stück für Stück in die Realität eindringt, sondern deutlich stärker umgekehrt. Die im Spiel etablierte Welt hat nämlich durchaus ihre Reize zu bieten, kann zumindest visuell überzeugen und so mancher Einfall ist frisch und belebend, doch viele Gags können nicht richtig zünden, wiederholen sich in ihrer Formelhaftigkeit oft nur leicht abgewandelt und kommen lange nicht über Körpertausch-Humor hinaus. Auch ist es irgendwie ganz süß, wie unsere vier unfreiwilligen Helden gegen Ende ihre Filterblasen verlassen und vermeintlich über sich hinauswachsen dürfen, arg klischeehaft, vorhersehbar und kitschig ist das aber auch. Dass Jumanji abseits seines Humors eher wenig Spannung und kaum erzählerische Tiefe bietet – geschenkt, das hab ich so im Vorfeld auch gar nicht erwartet. Mein Highlight dieser rund 120 Minuten seichtem Dschungelabenteuer voller mäßigem Humor: die gnadenlos überzeichnete und herrlich comichafte Performance von Bobby Cannavale als Bösewicht Russell Van Pelt. Einfach köstlich. Letztlich ist die Neuauflage von Jumanji durchaus passables Blockbusterkino, das nicht weh tut, stellenweise auch zu unterhalten vermag und auf Nummer sicher geht, wenn eigentlich gute Ideen nie so richtig ausgespielt werden. Kann man mal machen.

 

5 von 10 rätselhaften grünen Kristallen

 

 

 

The Brothers Bloom (2008)

12. August 2018 at 20:39

 

 

© Summit Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

The perfect con is one where everyone involved gets just what they wanted.“

 

 

 

Die Brüder Stephen und Bloom gelten als geradezu legendäre und extrem gerissene Trickbetrüger und arbeiten unter dem Namen The Brothers Bloom. Als Bloom jedoch aussteigen möchte, um fortan ein ehrliches Leben führen zu können, da überredet ihn Stephen zu einem allerletzten Coup. Ziel ist die reiche wie naive Penelope und wie immer ist es Bloom, der als Köder fungieren und den von Stephen penibel erdachten Plan in die Tat umsetzen soll.

 

Diese Worte von Stephen Bloom gilt es im Hinterkopf zu behalten. Trickbetrüger unterscheiden sich im Grunde nur sehr marginal von Geschichtenerzählern und Filmemachern. Beide erschaffen Schein-Realitäten, in denen sich ihre Opfer verlieren sollen und beide müssen dazu Bedürfnisse erkennen und zum Teil auch erfüllen. Ihr Handwerk funktioniert auch eben gerade dann besonders gut, wenn das Opfer ein Stück weit Komplize ist, denn ein guter Trickbetrüger, ein guter Geschichtenerzähler zerrt die Menschen nicht gewaltsam und gegen ihren Willen irgendwohin, er führt sanft, lässt sie in seine Geschichte eintauchen und sich freiwillig auf die von ihm geschriebenen Wege begeben.

 

Rian Johnsons Erstlingswerk Brick (2005) war kühnes Experiment wie seltsamer Genre-Zwitter gleichermaßen, wenn er ausgesprochen konsequent Handlung, Sprache, Motive und Bilder des typischen Hard Boiled-Film Noir in das Setting einer High School der Gegenwart verlegt. Das war erfrischend, das war überraschend, das hat erstaunlich gut funktioniert und das bescherte Johnson einen durchaus eindrucksvollen Achtungserfolg. Und auch für seinen zweiten Film The Brothers Bloom setzt Johnson wieder auf eine ungewöhnliche Mischung unterschiedlichster Genres und Stilrichtungen und kombiniert munter Elemente aus Con Artist-Filmen, klassischen romantischen Komödien, Heist-Movie, Abenteuerfilm und schrägem Kostüm-Drama, abgeschmeckt mit liebevoll skurrilen Figuren wie sie auch in Filmen von Wes Anderson auftauchen könnten. Und auch, wenn zahlreiche seiner erzählerischen Vorbilder recht offensichtlich sein dürften, gelingt es ihm nahezu mühelos, aus all diesen winzigen Puzzlestücken und Mosaiksteinchen einen originellen wie unterhaltsamen Film zu erschaffen, welcher abermals einen ganz eigenen Kosmos zum bunten Leben erweckt und scheinbar widersprüchlichste Einflüsse zu einem runden Ganzen verschmilzt. Und das vollkommen frei von billiger Ironie oder ätzendem Zynismus, sondern zu aller erst bestimmt von der puren Lust am Fabulieren, von der Freude am Erzählen, von reichlich Fantasie und einer angenehm optimistischen Melancholie.

 

Doch unter all dieser wundervollen Unterhaltung versteckt sich auch ein Drama rund um das immer währende Spiel mit der eigenen Identität und vermeintlichen Projektionsflächen, wenn Bloom selbst schon lange nicht mehr weiß, wer genau er denn nun eigentlich ist unter all den Rollen, die sein Bruder immer wieder für ihn schreibt. Es ist der Wunsch und Ausdruck nach Authentizität, nach einem unwritten life, nach Freiheit und Leben. Trying to get something real by telling yourself stories is a trap. Das beste aber: am Ende gelingt Rian Johnson selbst das größte wie schwierigste Kunststück bei einem Trickbetrug. Denn wenn das erzählerische Konstrukt immerzu von doppelten und dreifachen Böden durchzogen ist, wenn Tote selten auch tot bleiben und Liebesschwüre meist nicht echt sind, dann stellt sich ja immer auch die Frage danach, inwieweit man als Zuschauer überhaupt noch dazu bereit ist, emotional mitzugehen. Wie bringt der Erzähler sein Opfer, das Publikum also, dann noch dazu, Emotionen zu investieren, wenn man spürt, dass jedes eingebrachte Gefühl nur Minuten später wertlos sein wird, weil die nächste Wendung ohnehin nur wieder alles auf den Kopf stellt? Zwar zaubert auch Johnson die eine oder andere Wendung aus dem Ärmel wie ein Trickbetrüger eine gezinkte Karte, doch letztlich geht er derart liebevoll und behutsam sowohl mit seinen Figuren als auch dem Zuschauer um, so dass man trotzdem ernsthaft mitfühlen kann ohne Angst haben zu müssen, es am Ende vielleicht zu bereuen.

 

The Brothers Bloom ist letztlich ein unglaublich beschwingtes, lockeres, unterhaltsames Stück Film, angenehm zeitlos inszeniert, ungemein stilvoll bebildert, leichtfüßig und doch kunstvoll arrangiert. Der Cast ist formidabel, Adrien Brody übertreibt es mit seiner inneren Zerrissenheit zwar manchmal, erweckt seinen Bloom aber dennoch glaubhaft zum Leben, Mark Ruffalo gibt den Autoren der Geschichte mit ganz viel charmanter Lässigkeit gepaart mit einer Prise mysteriöser Undurchschaubarkeit. Und dann ist da noch das Glanzstück des Filmes, nämlich die WUNDERVOLLE! Rachel Weisz als die exzentrische, von kindlicher Neugierde und Zauber erfüllte und mit großer Naivität ausgestattete Penelope, das von den Bloom Brothers auserkorene Opfer ihres vermeintlich letzten Trickbetrugs. Sie ist das Herz des Filmes, sie ist der Motor der Geschichte, sie begeistert in wirklich JEDER ihrer Szenen. The Brothers Bloom ist wahrlich wundervolles Ezählkino, dem man die Lust am Fabulieren und Fantasieren zu jeder Sekunde ansieht. Und auch, wenn Rian Johnson zweifellos auch mal den einen oder anderen Schlenker zu viel einbaut und sich im Mittelteil auch mal kleinere Längen einschleichen und etwas an Tempo verloren geht, so ist sein zweiter Film einer, der einfach Spaß macht und wahrhaft zu bezaubern weiß. Immer vorausgesetzt, dass man sich grundlegend auf The Brothers Bloom einzulassen vermag.

 

8 von 10 ausgetüftelten Plänen