Aquaman (2018)

8. April 2019 at 18:29

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

My father was a lighthouse keeper. My mother was a queen. They were never meant to meet. But their love saved the world. They made me what I am: a son of the land, a king of the seas. I am the protector of the deep.“

 

 

 

Arthur Curry, Sohn eines einfachen Leuchtturmwärters und der Königin von Atlantis, ist sein Leben lang nie so recht Teil seiner beiden Herkunftswelten: sowohl unter den Menschen als auch im Ozean ist er eher Außenseiter. Sein Geburtsrecht auf den Thron von Atlantis mag er nicht zu beanspruchen, doch als sein Halbbruder Orm die sieben Unterwasser-Königreiche vereinen und Krieg gegen die Menschheit führen will, da sieht Arthur keine andere Wahl mehr als zusammen mit Prinzessin Mera und seinem alten Lehrer Vulko um seinen rechtmäßigen Anspruch auf den Thron zu kämpfen.

 

Hui. Regisseur James Wan (Saw, Insidious, Conjuring, Fast & Furious 7) entfesselt mit Aquaman einen ziemlich wilden wie bunten, mitunter recht kruden Stilmix aus kitschig-seichter Lovestory, Monsterfilm, Abenteuer, Komödie, Pacific Rim und Excalibur und jeder Menge CGI unterschiedlichster Qualität und doch macht diese holprige und rumpelnde Chose oft einfach Spaß. Geradezu erfrischend ist es, wie sich Wan genüsslich und voller Freude in all diese widersprüchlichen Elemente stürzt und ein irrsinniges Kaleidoskop erschafft, das ich bei ähnlichen Filmen lange nicht mehr erleben durfte: er eröffnet mir eine völlig neue Welt voller Details und absurder Einfälle, in welche ich eintauchen kann, statt eine solche immer bloß anzudeuten. Und mittendrin trägt Jason Momoa all diesen Quatsch auf seinen breiten Schultern, irgendwo zwischen grimmig ausgestellter Männlichkeit, geradezu erdrückender physischer Präsenz und charismatischer Selbstironie mit reichlich Augenzwinkern.

 

Dazu bietet Aquaman mit dessen Ankunft in Atlantis, der Actionsequenz auf Sizilien sowie dem Kampf gegen die Trench mindestens drei ganz wunderbare Szenen, dir jede auf ihre Art und Weise zu beeindrucken wissen. Leider steht daneben mindestens genauso viel digitaler Müll und ich kann mich an kaum einen Film in letzter Zeit erinnern, bei dem die Qualität des CGI derartig großen Schwankungen unterworfen ist. Und auch im großen Finale tappt James Wan in die gleiche Falle wie viele andere auch, bietet CGI-Overkill gepaart mit einer 08/15-Inszenierung, vollkommen überladen und unübersichtlich wie bedeutungslos und mit ausgesprochen geringer Fallhöhe versehen. Zudem bietet der Film mit Black Manta einen Bösewicht samt Subplot zu viel und kommt so auf einige unnötige Längen. Und doch hat mir Aquaman trotz seiner Schwächen wider Erwarten Spaß gemacht mit seinem geradezu kindlich naiven Größenwahn und seiner hellen Freude am überhöhtem Spektakel. Das alles ist grell, bunt, laut, schnell, kitschig, chaotisch, wild, gar nicht mal immer auch wirklich gut und oftmals ganz großer Quatsch, aber eben auch sehr schöner Quatsch.

 

6,5 von 10 trommelnden Kraken

 

 

Polar (2019)

29. Januar 2019 at 19:37

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Der in die Jahre gekommene und enorm renommierte Profi-Killer Duncan ´Black Kaiser´ Vizla arbeitet für eine mächtige Organisation, deren oberste Maxime es ist, ihre Mitarbeiter mit dem 50. Lebensjahr in den Ruhestand zu schicken. Seine Pension soll sich auf über 8 Millionen Dollar belaufen, doch sein Arbeitgeber ist nicht gewillt diese Summe auszuzahlen und setzt gleich ein ganzes Team von Killern auf Vizla an um diesen endgültig auszuschalten.

 

Wenn man sich mal diverse Reaktionen anschaut, dann scheint der Film von Regisseur Jonas Åkerlund (Spun, Horsemen, Small Apartments, Rammstein: Paris) im wahrsten Sinne des Wortes zu polarisieren. Die Verfilmung der Comicreihe von Victor Santos ist zugegebenermaßen ein durchaus zweischneidiges Schwert geworden – buchstäblich, ist sie tonal doch sehr zerrissen, irgendwie weder Fisch noch Fleisch und nicht selten Opfer ihrer oftmals gegensätzlichen Inszenierung. Einerseits zelebriert Polar laut und grell comichaft überzogene Gewaltauswüchse in bester Exploitation-Manier und gibt sich als überdrehtes Stück Genrekino, bevölkert von schrägen und kaputten Gestalten jenseits der Realität, andererseits versucht Åkerlund aber auch ein Drama voller verbissener Ernsthaftigkeit rund um einen seiner Arbeit überdrüssigen Profi-Killer kurz vorm wohlverdienten Ruhestand zu erzählen.

 

Hier funktioniert eindeutig die Balance nicht, wenn Polar zu sehr beides sein will, menschliches Drama und reißerische Genre-Replik jenseits des guten Geschmacks. So lässt es der Film vor allem an Stringenz und Homogenität vermissen, springt die Handlung doch immerzu zwischen diesen beiden Ebenen hin und her und verkommt zu kaum mehr als einer lauwarmen Variation altbekannter Motive und Genre-Muster im grell blendenden Gewand, bei der sogar der finale Twist ins Leere läuft. Auch ist es merkwürdig, dass der düstere wie schroffe, farblich entsättigte und reduzierte Stil der Comics von Victor Santos ignoriert wurde und zu Gunsten eines grell bunten Bonbon-Looks weichen musste. Mads Mikkelsen macht seine Sache zwar durchaus gut als Profi-Killer ohne Profession, der versucht im normalen Leben Fuß zu fassen und doch irgendwie immer daneben liegt, weil er einfach nicht weiß, was normale Menschen tun oder sagen, ist mit der Rolle des Duncan Vizla aber auch gnadenlos unterfordert. Selbst ein ausgestochenes Auge verkommt da zu kaum mehr als einer Aufhübschung vermeintlicher Coolness-Klischees. Zumindest unterhaltsam ist das Ganze unterm Strich dann aber schon und spätestens ab der Hälfte gewinnen auch die reißerischen Exploitation-Elemente deutlich die Überhand, aber gerade die tonale Zerrissenheit von Polar kann schon zum Dorn im Auge werden.

 

5 von 10 unfreiwillig erschossenen Hunden

 

 

Avengers: Infinity War (2018)

25. November 2018 at 18:26

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

So this is it? It’s all been leading to this.“

 

 

 

Der Weltenzerstörer Thanos schickt sich an seinen Masterplan endgültig in die Tat umzusetzen und entsendet seine Handlanger auf die Suche den ihm noch fehlen Infinity Stones. Die Avengers sind immer noch über das Universum verteilt und alte Konflikte müssen überwunden werden, denn Thanos kann nur unter Aufbringung aller gemeinsamen Kräfte bezwungen werden. Doch die Zeit drängt, denn Thanos wird mit jedem weiteren Stein, der ihm in die Hände fällt, zusehends mächtiger.

 

Vorab: ich bin weder glühender Verehrer des MCU, noch bin ich voller Ablehnung diesem gegenüber, sondern eher neutral positioniert. Im besten Fall bekomme ich einen unterhaltsamen Film zu sehen, im schlimmsten Fall einen meist egalen und beinahe nie ärgerlichen. Nun also kommt es mit Avengers: Infinity War nach bisher achtzehn Filmen in zehn Jahren zum vorerst großen Höhepunkt und erneut sitzen nach Captain America: The Winter Soldier und Captain America: Civil War die Russo-Brüder auf den Regiestühlen. Abermals nach Civil War jonglieren sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit mit einer Vielzahl an Helden und zähmen gekonnt das beinahe schon megalomanische Figuren-Setup. Fast jeder bekommt mit mal mehr, mal etwas weniger Screen Time versehen seinen verdienten Moment. Trotz des gigantischen Ensembles und obwohl nun unzählige erzählerische Pfade aus den letzten zehn Jahren zusammengeführt werden, fühlt sich Infinity War erstaunlich homogen an, statt überladen oder überfrachtet zu wirken. Bereits die Exposition gibt die tonale Ausrichtung vor und die Atmosphäre ist durchgehend düster, oftmals hoffnungslos und selbst der immer wieder aufblitzende Humor funktioniert meist und steht keinesfalls im Kontrast zur Ernsthaftigkeit, sondern lädt als willkommene Pause immer mal wieder zum Durchatmen ein.

 

Thanos ist dann das Herzstück des Filmes, der vielleicht ambivalenteste und interessanteste Schurke des MCU bisher und sowohl erzählerische Konstante als auch emotionaler Ankerpunkt. Ein wirklich großartig geschriebener Bösewicht, der eigentlich gar nicht so böse ist, und dessen Agenda weder von abgrundtiefer Bösartigkeit oder größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien angetrieben wird, sondern auf der rein rationalen Ebene absolut nachvollziehbar ist. Sicher sind seine gewählten Mittel und Methoden äußerst radikal und mögen grausam anmuten, doch tief in seinem Innern ist seine Motivation beinahe schon human. Die erzählerische Struktur gerät zwar manchmal ein wenig ins Wackeln, wirkt gelegentlich etwas ungelenk episodenhaft und ist vor allem durch und durch der seit nun mehr zehn Jahren perfektionierten Formelhaftigkeit des MCU unterworfen (warum auch nicht, großartig nennenswerte Innovationen erwarte ich ohnehin an anderer Stelle), unterm Strich jedoch wurde ich als weder Fanboy noch Hater dieses filmischen Universums von Infinity War überraschend gut unterhalten. Die durchgehend düstere Ernsthaftigkeit steht dem Film wirklich gut, wäre zumindest für mich allerdings ohne die nun nötige wie konsequente Standhaftigkeit rückblickend wertlos.

 

7,5 von 10 Infinity Stones in falschen Händen

 

 

Punisher: War Zone (2008)

1. November 2018 at 21:20

 

 

© Lionsgate Films/Marvel Studios/Quelle: IMDb

 

 

 

Sometimes I would like to get my hands on God.“

 

 

 

Bereits seit sechs Jahren wütet der Punisher und dezimiert die Unterwelt. Als es einer großen Mafia-Familie an den Kragen gehen soll, da überlebt nicht nur Billy Russoti schwer entstellt, Frank Castle erschießt auch einen Undercover-Agenten des FBI. Russoti sinnt fortan auf Rache, doch nicht nur der Punisher selbst rückt in seinen Blick, auch die Familie des Spitzels soll beseitigt werden. Ein blutiger Krieg beginnt.

 

Punisher: War Zone von der in Deutschland geborenen Regisseurin Lexi Alexander ist bereits der dritte Anlauf einer filmischen Aufarbeitung des erbarmungslosen Vigilanten und endlich auch die erste, welcher es gelingt, den Kern der Vorlage auch wirklich zu treffen. War Zone zeigt Frank Castle als genau das, was er ist: eine effiziente, erbarmungslose, skrupellose und alles andere als heldenhafte Tötungsmaschine mit ganz eigenem moralischen Kompass, erfüllt von Todessehnsucht und auf einer niemals enden wollenden Mission mit dem alleinigen Ziel endlich sterben zu dürfen. Zwar blitzen immer mal wieder zersplitterte Fragmente eines früheren Lebens auf, doch all das ist schon viel zu weit weg. So ist dann letztlich auch der eigentliche Star die absurd hohe Gewalt, mit welcher der Abschaum in einer Flut aus Blut aus den Straßen und Städten gespült wird.

 

Ideologisch darf man das nicht hinterfragen, denn da lässt sich kaum etwas schön reden, wenn mehrfach betont wird, wie ineffektiv das Rechtssystem ist, wenn Gnade und Resozialisierung keine Option darstellen und wenn Kriminelle lieber an Ort und Stelle gleich hingerichtet werden. Doch so brutal der Film auch ist, in der extrem überhöhten Comicästhetik wirkt das alles nur selten wirklich grausam und kann kaum ernst genommen werden. War Zone versteht sich vielmehr als B-Movie der 80er Jahre, kommt total überzogen und absurd überzeichnet daher und erliegt nicht dem Fehler, die Figur des Punishers allzu ernst zu nehmen, wenn stattdessen genau diese gnadenlose Überhöhung geradezu zelebriert wird. Auch die hochgradig stilisierte Optik ist ein klarer Verweis auf den comichaften Ursprung des Punishers und zugleich eine visuelle Abkehr vom noch halbwegs realistisch gehaltenem Film von Jonathan Hensleigh aus 2004.

 

Letztlich ist dann War Zone auch stimmiger im Gesamtbild als der tonal doch sehr wankelmütige Vorgänger. Lexi Alexander und ihr Team sind sich völlig im Klaren darüber, was sie da tun, wie sie es tun und was sie wollen. Der Punisher wird hier ernst genug genommen, aber gerade nicht zu ernst. War Zone ist nicht tiefgründig, intelligent oder gar moralisch valide, aber er ist in seinem ureigenem Genre-Verständnis geradezu ehrlich. Dazu ist Ray Stevenson als Frank Castle/Punisher eine hervorragende – meiner Meinung nach die bisher beste – Besetzung und glänzt wortkarg durch grimmigen Stoizismus der ganz besonderen Art, zynisch, skrupellos und brutal effizient in seinem Tun. Und auch das zweiteilige Gegenstück bestehend aus dem gestörten Billy Russoti/Jigsaw und seinem noch viel mehr gestörten Bruder Loony Bin Jim kann mehr als überzeugen, wenn Dominic West und Doug Hutchison in diesem immer weiter eskalierendem Wahnsinn geradezu aufgehen und sich immer wieder gegenseitig in neue Höhen des Irrsinns pushen. Alles in allem ist War Zone eine Mordsgaudi, die moralischen Blickwinkeln zwar zu keiner Sekunde stand halten kann, sich dem aber auch sehr wohl bewusst ist und sich als reine und ursprüngliche Verfilmung einer ultra brutalen Comicreihe sieht. Nicht mehr und nicht weniger.

 

7 von 10 gnadenlosen Exekutionen