Spider-Man: Into the Spider-Verse (2018)

10. August 2019 at 17:26

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

All right, let’s do this one last time. My name is Peter Parker. I was bitten by a radioactive spider, and for ten years I’ve been the one and only Spider-Man. I’m pretty sure you know the rest. I saved a bunch of people, fell in love, saved the city, and then I saved the city again… and again and again and again.“

 

 

 

Als der Teenager Miles Morales von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, da ändert sich sein bisheriges Leben grundlegend. Nicht nur entdeckt er plötzlich allerhand merkwürdiger Veränderungen an seinem Körper, er wird auch unfreiwillig Zeuge des Todes von Spider-Man durch die Hand des Green Goblin. Als dann auch noch der Kingpin versucht Zugang zu anderen Parallel-Universen zu erlangen, tauchen plötzlich diverse alternative Inkarnationen von Spider-Man in der Welt von Morales auf. Gemeinsam versucht man den Kampf aufzunehmen und jeden wieder zurück in seine Welt zu bringen.

 

Stilistisch ist Spider-Man: Into the Spider-Verse zweifellos sehr erfrischend geraten, bricht der Film doch deutlich aus den mittlerweile arg festgefahren Strukturen und Mechanismen der Comic-Blockbuster aus. Unter der Regie von Bob Persichetti, Peter Ramsey (Rise of the Guardians) und Rodney Rothman kommt das Drehbuch aus der Feder von Phil Lord (21/22 Jump Street, The Lego Movie) den Ursprüngen derartiger Verfilmungen deutlich näher als die meisten anderen Vertreter dieses Genre. Verstanden haben die Macher also das Medium Comic durchaus und den Mut zu neuen, anderen Wegen der Inszenierung haben sie auch, und dennoch wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Diesen turbulenten, rasanten, zuweilen rauschhaften bis gar psychedelisch anmutenden Stil der Inszenierung empfand ich mit zunehmender Laufzeit immer mehr als anstrengend bis hin zur hyperaktiven Reizüberflutung im finalen Akt. Wenn dann dazu die inhaltliche Ebene derart dünn und wenig originell ausfällt wie hier, dann kann das alles mitunter zur Zerreißprobe werden. Auch ist es schade, dass durch das wirklich enorm hohe Tempo so manch interessante wie kluge Idee im Stakkato der Bilder untergeht, weil einfach keine Zeit zum Verweilen und Wirken bleibt. Vielleicht – bestimmt sogar – bin ich auch gar nicht Teil der Zielgruppe, aber das ist vollkommen okay. Der Mut jedoch, überhaupt mal andere Wege auszuprobieren und das Genre neu beleben zu wollen, der gehört zumindest gewürdigt.

 

6 von 10 parallele Comicwelten

 

 

Venom (2018)

17. März 2019 at 18:04

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Look around at the world. What do you see? A planet on the brink of collapse. Human beings are disposable. But man and symbiote combined, this is a new race, a new species… a higher lifeform.“

 

 

 

Auf der Suche nach einer neuen Story kommt der Enthüllungs-Journalist Eddie Brock den fragwürdigen Machenschaften von Carlton Drake und dessen Life Foundation auf die Spur. Bei dem Versuch stichhaltige Beweise zu finden um Drake das Handwerk legen zu können, wird Brock mit einem außerirdischen Symbionten namens Venom infiziert. Drake jedoch setzt um jeden Preis alles daran, Venom wieder unter Kontrolle zu bekommen, und schon bald sieht sich Brock einer ganzen Heerschar von Verfolgern ausgesetzt, denen Venom nur liebend gern den Gar ausmachen möchte.

 

Eye, lungs, pancreas… so many snacks, so little time. Venom von Regisseur Ruben Fleischer (Zombieland, 30 Minutes or Less, Gangster Squad) wirkt in der Ära des MCU mit seinen Mega-Blockbustern seltsam deplatziert und irgendwie aus der Zeit gefallen. Er erinnert mich an eine Zeit, als noch nicht fünf bis acht Superheldenfilme im Jahr ins Kino kamen, alles etwas kleiner gehalten war und man sich als geneigter Fan nach Filmen wie The Phantom (1996), Spawn (1997) oder Blade (1998) – ungeachtet ihrer filmischen Qualitäten oder gar deren Mangel – die Finger leckte. So ist Fleischers Film dann auch von eher schlichtem Gemüt und begreift sich als launiges Spaßprodukt losgelöst vom erzählerischen Ballast irgendeinem ausschweifendem Universum gerecht werden zu müssen. Ganz bewusst genügsam reicht dann auch die infantil naive Prämisse von Venom, wenn sich eben außerirdische Parasiten mit Menschen symbiotisch verbinden und ihre Konflikte in CGI-Gewitter austragen.

 

Die Action ist dann auch ganz passabel geraten, visuell jedoch ist das alles mal okay, oft aber eher weniger gut gelungen, und besonders im überquellenden, unübersichtlichen und viel zu hastigen wie hektischen Finale verkommt alles wie so oft zu einem matschigen Brei ohne nennenswerte Differenzierung. Leider macht Venom immer mal wieder hoffnungsvoll blutige Versprechungen, welche jedoch dank des PG-13-Rating nicht eingelöst werden können. Den größten Reiz macht für mich letztlich dann auch die herrlich überdrehte Performance von Tom Hardy aus, der – einmal mit dem fiesen Parasiten infiziert – mit sichtlich viel Spaß buchstäblich alles gibt, und viel Unterhaltung aus dem Zusammenspiel zwischen Eddie Brock und Venom zu ziehen vermag. Leider bietet der Rest des zumindest auf dem Papier tollen Cast rund um Michelle Williams und Riz Ahmed kaum mehr als Dienst nach Vorschrift und kann den zugegeben schablonenhaften Figuren kaum Leben einhauchen. Unterm Strich braucht Venom etwas zu viel Zeit, um so richtig in die Gänge zu kommen, liefert viel standardisierte CGI-Action und traut sich zu wenig sein Potential voll auszuschöpfen, dennoch wurde ich über weite Strecken zumindest unterhalten. Auch, wenn da deutlich mehr drin war.

 

6 von 10 abgebissenen Köpfen

 

 

Avengers: Infinity War (2018)

25. November 2018 at 18:26

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

So this is it? It’s all been leading to this.“

 

 

 

Der Weltenzerstörer Thanos schickt sich an seinen Masterplan endgültig in die Tat umzusetzen und entsendet seine Handlanger auf die Suche den ihm noch fehlen Infinity Stones. Die Avengers sind immer noch über das Universum verteilt und alte Konflikte müssen überwunden werden, denn Thanos kann nur unter Aufbringung aller gemeinsamen Kräfte bezwungen werden. Doch die Zeit drängt, denn Thanos wird mit jedem weiteren Stein, der ihm in die Hände fällt, zusehends mächtiger.

 

Vorab: ich bin weder glühender Verehrer des MCU, noch bin ich voller Ablehnung diesem gegenüber, sondern eher neutral positioniert. Im besten Fall bekomme ich einen unterhaltsamen Film zu sehen, im schlimmsten Fall einen meist egalen und beinahe nie ärgerlichen. Nun also kommt es mit Avengers: Infinity War nach bisher achtzehn Filmen in zehn Jahren zum vorerst großen Höhepunkt und erneut sitzen nach Captain America: The Winter Soldier und Captain America: Civil War die Russo-Brüder auf den Regiestühlen. Abermals nach Civil War jonglieren sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit mit einer Vielzahl an Helden und zähmen gekonnt das beinahe schon megalomanische Figuren-Setup. Fast jeder bekommt mit mal mehr, mal etwas weniger Screen Time versehen seinen verdienten Moment. Trotz des gigantischen Ensembles und obwohl nun unzählige erzählerische Pfade aus den letzten zehn Jahren zusammengeführt werden, fühlt sich Infinity War erstaunlich homogen an, statt überladen oder überfrachtet zu wirken. Bereits die Exposition gibt die tonale Ausrichtung vor und die Atmosphäre ist durchgehend düster, oftmals hoffnungslos und selbst der immer wieder aufblitzende Humor funktioniert meist und steht keinesfalls im Kontrast zur Ernsthaftigkeit, sondern lädt als willkommene Pause immer mal wieder zum Durchatmen ein.

 

Thanos ist dann das Herzstück des Filmes, der vielleicht ambivalenteste und interessanteste Schurke des MCU bisher und sowohl erzählerische Konstante als auch emotionaler Ankerpunkt. Ein wirklich großartig geschriebener Bösewicht, der eigentlich gar nicht so böse ist, und dessen Agenda weder von abgrundtiefer Bösartigkeit oder größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien angetrieben wird, sondern auf der rein rationalen Ebene absolut nachvollziehbar ist. Sicher sind seine gewählten Mittel und Methoden äußerst radikal und mögen grausam anmuten, doch tief in seinem Innern ist seine Motivation beinahe schon human. Die erzählerische Struktur gerät zwar manchmal ein wenig ins Wackeln, wirkt gelegentlich etwas ungelenk episodenhaft und ist vor allem durch und durch der seit nun mehr zehn Jahren perfektionierten Formelhaftigkeit des MCU unterworfen (warum auch nicht, großartig nennenswerte Innovationen erwarte ich ohnehin an anderer Stelle), unterm Strich jedoch wurde ich als weder Fanboy noch Hater dieses filmischen Universums von Infinity War überraschend gut unterhalten. Die durchgehend düstere Ernsthaftigkeit steht dem Film wirklich gut, wäre zumindest für mich allerdings ohne die nun nötige wie konsequente Standhaftigkeit rückblickend wertlos.

 

7,5 von 10 Infinity Stones in falschen Händen

 

 

The Punisher

22. November 2017 at 13:11

 

 

© Netflix

 

 

 

„Es gibt schlimmeres als den Tod. Ich wache morgens auf und sehne mich danach.“

 

 

 

Meine Erwartung an den neuesten Marvel-Ableger aus dem Hause Netflix waren sehr hoch, denn der erste Auftritt des Punishers in der zweiten Staffel von Daredevil war so ziemlich das beste, was man in dem Bereich in den letzten paar Jahren zu sehen bekam. Grundsätzlich liegt mir das netflixsche Marvel-Universum deutlich mehr als dessen großer Bruder aus dem Hause Disney, denn der Hang zu etwas mehr Realismus in der Inszenierung gefällt mir besser. Aber auch hier muss ich Abstufungen vornehmen, fiel der Startschuss mit der ersten Staffel Daredevil noch ganz hervorragend aus, doch verlor man auch mit den weiteren Ablegern Jessica Jones, Luke Cage, Iron Fist und letztlich deren Zusammenkunft in Form der Defenders fortschreitend immer weiter an Qualität. Nun also ist der Punisher zurück und dieses Mal auf Solopfaden unterwegs. Jon Bernthal ist die Idealbesetzung für Frank Castle und ohne jeden Zweifel die bisher beste filmische Inkarnation dieser so abseitigen und doch geliebten Figur, verkörpert er doch den stoischen wie zielstrebigen und vor allem rachsüchtigen Elite-Soldaten geradezu perfekt zerrissen zwischen seiner Trauer, seiner Wut und seinem Durst nach Blut.

 

Steve Lightfoot, der geistige Vater hinter der Serie, beschränkt sich zum Glück nicht einfach nur auf die bereits in den Filmen verwendete Formel aus kampferprobtem Elite-Soldat, tragischem Verlust der Familie und gnadenlosem Rachefeldzug gegen die dafür Verantwortlichen, sondern entspinnt in den dreizehn Folgen trotz kaum zu fassender Gewalt und Brutalität ein überraschend feinfühliges Drama rund um einen Mann, der längst alles verloren hat, der vollkommen ausgebrannt ist von Schmerz, Wut und Trauer, der aber auch immer noch Züge von Menschlichkeit an sich hat. Der Tod von Franks Frau und Kindern ist hier nicht der alleinige Auslöser für sein Werk, sondern vielmehr der Ausgangspunkt eines noch langen Weges, bis er schließlich zu der kompromisslosen Tötungsmaschine ohne Gnade werden wird, die man aus den Filmen und Comics kennt. In ihrer moralischen Ambivalenz ist die Figur perfekt ausbalanciert: man kann zwar nicht gutheißen, was Castle tut, aber man kann verstehen, warum er es tut. Er kennt nichts anderes außer Krieg, ihm bleibt nichts anderes außer Krieg, also trägt er den Krieg auf die Straße. Das darf man ruhig wörtlich verstehen: er entfesselt einen unfassbaren Mahlstrom der Gewalt auf seinem blutigen Pfad der Vergeltung. Aber die Macher der Serie erliegen nie der naheliegenden Versuchung, seine Taten in irgendeiner Form zu glorifizieren. Frank Castle ist kein Held. Will auch gar keiner sein. Wie könnte er auch? Nein, in der Welt, in der er sich bewegt, da ist er ein Außenseiter und verkörpert all die Dinge, welche die klassischen Helden allenfalls verachten: Mord, Wut, Gewalt, Rache, Kaltblütigkeit. Persönliche Motive vor übergeordneter Menschlichkeit. Aufopferung für das große Ganze, die große Verantwortung, die aus großer Kraft entspringt, die kennt der Punisher nicht, die ist ihm vollkommen egal. Für ihn zählt nur der Tod all derer, die an seinem Schicksal Schuld sind und das um jeden Preis.

 

© Netflix

 

Der Grad der Gewalt ist enorm hoch und die Action immer sehr brachial in Szene gesetzt, doch die unbarmherzige Brutalität ist bei weitem nicht die einzige Stärke der Serie. Darüber hinaus nämlich zeichnet sie ein wahnsinnig deprimierendes wie desillusionierendes Bild einer amerikanischen Mittel- und Unterschicht, deren Söhne und Töchter für ihr Land buchstäblich alles gaben und bei ihrer Rückkehr von ihm verraten und fallen gelassen wurden. Da bewegt sich The Punisher in einer schmuddeligen Zwischenwelt aus Selbsthilfegruppen für Veteranen, wiederkehrenden Albträumen und kruden Verschwörungstheorien. Lightfoot holt Frank Castle in unsere Erfahrungswelt und konfrontiert ihn mit uns nur allzu bekannten Problemen: so wird der Homegrown-Terror beispielsweise im weiteren Verlauf wichtigen Raum einnehmen. Auch die Machenschaften verschiedener Geheimdienste – egal, ob Inland oder Ausland – werden thematisiert und zum Teil drastisch in Szene gesetzt, wenn sich Bürokraten und Strippenzieher finstere Pläne ausdenken, die junge Soldaten dann Werkzeug gleich in die Tat umsetzen müssen. Folter, Mord, Anschläge, Entführungen, das volle Programm. Aber The Punisher ist keineswegs politisch ambitioniert oder gar anklagend, denn zu keinem Zeitpunkt bezieht die Serie klar Stellung, sondern zeigt lieber einfach nur auf, so dass der Zuschauer schon für sich selbst entscheiden muss, ob und was er aus dem Gezeigten schlussendlich für sich selbst mitnehmen kann oder will. Hochaktuell und brisant sind die verhandelten Themen aber in jedem Fall und somit ist The Punisher deutlich intelligenter geschrieben, als man es vielleicht vermuten würde.

 

Rau, hart, düster, deprimierend, kompromisslos, brutal und unter seiner Kruste aus Blut und Dreck erschreckend wahrhaftig: das ist The Punisher, auch deswegen, weil die Macher der Serie Frank Castle fest in unserer Bezugswelt verankern. Es ist ein radikales Wagnis, eine Gratwanderung, es strahlt aber auch eine erschreckende Wahrhaftigkeit aus. Ich hätte nie gedacht, dass eine Comic-Serie aus dem Hause Marvel/Netflix mich derart begeistern, mich so sehr mitnehmen, so sehr beschäftigen und so sehr zum Nachdenken anregen würde, aber genau das tut The Punisher.

 

10 von 10 schmerzhaften Schusswunden