Avengers: Infinity War (2018)

25. November 2018 at 18:26

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

So this is it? It’s all been leading to this.“

 

 

 

Der Weltenzerstörer Thanos schickt sich an seinen Masterplan endgültig in die Tat umzusetzen und entsendet seine Handlanger auf die Suche den ihm noch fehlen Infinity Stones. Die Avengers sind immer noch über das Universum verteilt und alte Konflikte müssen überwunden werden, denn Thanos kann nur unter Aufbringung aller gemeinsamen Kräfte bezwungen werden. Doch die Zeit drängt, denn Thanos wird mit jedem weiteren Stein, der ihm in die Hände fällt, zusehends mächtiger.

 

Vorab: ich bin weder glühender Verehrer des MCU, noch bin ich voller Ablehnung diesem gegenüber, sondern eher neutral positioniert. Im besten Fall bekomme ich einen unterhaltsamen Film zu sehen, im schlimmsten Fall einen meist egalen und beinahe nie ärgerlichen. Nun also kommt es mit Avengers: Infinity War nach bisher achtzehn Filmen in zehn Jahren zum vorerst großen Höhepunkt und erneut sitzen nach Captain America: The Winter Soldier und Captain America: Civil War die Russo-Brüder auf den Regiestühlen. Abermals nach Civil War jonglieren sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit mit einer Vielzahl an Helden und zähmen gekonnt das beinahe schon megalomanische Figuren-Setup. Fast jeder bekommt mit mal mehr, mal etwas weniger Screen Time versehen seinen verdienten Moment. Trotz des gigantischen Ensembles und obwohl nun unzählige erzählerische Pfade aus den letzten zehn Jahren zusammengeführt werden, fühlt sich Infinity War erstaunlich homogen an, statt überladen oder überfrachtet zu wirken. Bereits die Exposition gibt die tonale Ausrichtung vor und die Atmosphäre ist durchgehend düster, oftmals hoffnungslos und selbst der immer wieder aufblitzende Humor funktioniert meist und steht keinesfalls im Kontrast zur Ernsthaftigkeit, sondern lädt als willkommene Pause immer mal wieder zum Durchatmen ein.

 

Thanos ist dann das Herzstück des Filmes, der vielleicht ambivalenteste und interessanteste Schurke des MCU bisher und sowohl erzählerische Konstante als auch emotionaler Ankerpunkt. Ein wirklich großartig geschriebener Bösewicht, der eigentlich gar nicht so böse ist, und dessen Agenda weder von abgrundtiefer Bösartigkeit oder größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien angetrieben wird, sondern auf der rein rationalen Ebene absolut nachvollziehbar ist. Sicher sind seine gewählten Mittel und Methoden äußerst radikal und mögen grausam anmuten, doch tief in seinem Innern ist seine Motivation beinahe schon human. Die erzählerische Struktur gerät zwar manchmal ein wenig ins Wackeln, wirkt gelegentlich etwas ungelenk episodenhaft und ist vor allem durch und durch der seit nun mehr zehn Jahren perfektionierten Formelhaftigkeit des MCU unterworfen (warum auch nicht, großartig nennenswerte Innovationen erwarte ich ohnehin an anderer Stelle), unterm Strich jedoch wurde ich als weder Fanboy noch Hater dieses filmischen Universums von Infinity War überraschend gut unterhalten. Die durchgehend düstere Ernsthaftigkeit steht dem Film wirklich gut, wäre zumindest für mich allerdings ohne die nun nötige wie konsequente Standhaftigkeit rückblickend wertlos.

 

7,5 von 10 Infinity Stones in falschen Händen

 

 

The Brothers Bloom (2008)

12. August 2018 at 20:39

 

 

© Summit Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

The perfect con is one where everyone involved gets just what they wanted.“

 

 

 

Die Brüder Stephen und Bloom gelten als geradezu legendäre und extrem gerissene Trickbetrüger und arbeiten unter dem Namen The Brothers Bloom. Als Bloom jedoch aussteigen möchte, um fortan ein ehrliches Leben führen zu können, da überredet ihn Stephen zu einem allerletzten Coup. Ziel ist die reiche wie naive Penelope und wie immer ist es Bloom, der als Köder fungieren und den von Stephen penibel erdachten Plan in die Tat umsetzen soll.

 

Diese Worte von Stephen Bloom gilt es im Hinterkopf zu behalten. Trickbetrüger unterscheiden sich im Grunde nur sehr marginal von Geschichtenerzählern und Filmemachern. Beide erschaffen Schein-Realitäten, in denen sich ihre Opfer verlieren sollen und beide müssen dazu Bedürfnisse erkennen und zum Teil auch erfüllen. Ihr Handwerk funktioniert auch eben gerade dann besonders gut, wenn das Opfer ein Stück weit Komplize ist, denn ein guter Trickbetrüger, ein guter Geschichtenerzähler zerrt die Menschen nicht gewaltsam und gegen ihren Willen irgendwohin, er führt sanft, lässt sie in seine Geschichte eintauchen und sich freiwillig auf die von ihm geschriebenen Wege begeben.

 

Rian Johnsons Erstlingswerk Brick (2005) war kühnes Experiment wie seltsamer Genre-Zwitter gleichermaßen, wenn er ausgesprochen konsequent Handlung, Sprache, Motive und Bilder des typischen Hard Boiled-Film Noir in das Setting einer High School der Gegenwart verlegt. Das war erfrischend, das war überraschend, das hat erstaunlich gut funktioniert und das bescherte Johnson einen durchaus eindrucksvollen Achtungserfolg. Und auch für seinen zweiten Film The Brothers Bloom setzt Johnson wieder auf eine ungewöhnliche Mischung unterschiedlichster Genres und Stilrichtungen und kombiniert munter Elemente aus Con Artist-Filmen, klassischen romantischen Komödien, Heist-Movie, Abenteuerfilm und schrägem Kostüm-Drama, abgeschmeckt mit liebevoll skurrilen Figuren wie sie auch in Filmen von Wes Anderson auftauchen könnten. Und auch, wenn zahlreiche seiner erzählerischen Vorbilder recht offensichtlich sein dürften, gelingt es ihm nahezu mühelos, aus all diesen winzigen Puzzlestücken und Mosaiksteinchen einen originellen wie unterhaltsamen Film zu erschaffen, welcher abermals einen ganz eigenen Kosmos zum bunten Leben erweckt und scheinbar widersprüchlichste Einflüsse zu einem runden Ganzen verschmilzt. Und das vollkommen frei von billiger Ironie oder ätzendem Zynismus, sondern zu aller erst bestimmt von der puren Lust am Fabulieren, von der Freude am Erzählen, von reichlich Fantasie und einer angenehm optimistischen Melancholie.

 

Doch unter all dieser wundervollen Unterhaltung versteckt sich auch ein Drama rund um das immer währende Spiel mit der eigenen Identität und vermeintlichen Projektionsflächen, wenn Bloom selbst schon lange nicht mehr weiß, wer genau er denn nun eigentlich ist unter all den Rollen, die sein Bruder immer wieder für ihn schreibt. Es ist der Wunsch und Ausdruck nach Authentizität, nach einem unwritten life, nach Freiheit und Leben. Trying to get something real by telling yourself stories is a trap. Das beste aber: am Ende gelingt Rian Johnson selbst das größte wie schwierigste Kunststück bei einem Trickbetrug. Denn wenn das erzählerische Konstrukt immerzu von doppelten und dreifachen Böden durchzogen ist, wenn Tote selten auch tot bleiben und Liebesschwüre meist nicht echt sind, dann stellt sich ja immer auch die Frage danach, inwieweit man als Zuschauer überhaupt noch dazu bereit ist, emotional mitzugehen. Wie bringt der Erzähler sein Opfer, das Publikum also, dann noch dazu, Emotionen zu investieren, wenn man spürt, dass jedes eingebrachte Gefühl nur Minuten später wertlos sein wird, weil die nächste Wendung ohnehin nur wieder alles auf den Kopf stellt? Zwar zaubert auch Johnson die eine oder andere Wendung aus dem Ärmel wie ein Trickbetrüger eine gezinkte Karte, doch letztlich geht er derart liebevoll und behutsam sowohl mit seinen Figuren als auch dem Zuschauer um, so dass man trotzdem ernsthaft mitfühlen kann ohne Angst haben zu müssen, es am Ende vielleicht zu bereuen.

 

The Brothers Bloom ist letztlich ein unglaublich beschwingtes, lockeres, unterhaltsames Stück Film, angenehm zeitlos inszeniert, ungemein stilvoll bebildert, leichtfüßig und doch kunstvoll arrangiert. Der Cast ist formidabel, Adrien Brody übertreibt es mit seiner inneren Zerrissenheit zwar manchmal, erweckt seinen Bloom aber dennoch glaubhaft zum Leben, Mark Ruffalo gibt den Autoren der Geschichte mit ganz viel charmanter Lässigkeit gepaart mit einer Prise mysteriöser Undurchschaubarkeit. Und dann ist da noch das Glanzstück des Filmes, nämlich die WUNDERVOLLE! Rachel Weisz als die exzentrische, von kindlicher Neugierde und Zauber erfüllte und mit großer Naivität ausgestattete Penelope, das von den Bloom Brothers auserkorene Opfer ihres vermeintlich letzten Trickbetrugs. Sie ist das Herz des Filmes, sie ist der Motor der Geschichte, sie begeistert in wirklich JEDER ihrer Szenen. The Brothers Bloom ist wahrlich wundervolles Ezählkino, dem man die Lust am Fabulieren und Fantasieren zu jeder Sekunde ansieht. Und auch, wenn Rian Johnson zweifellos auch mal den einen oder anderen Schlenker zu viel einbaut und sich im Mittelteil auch mal kleinere Längen einschleichen und etwas an Tempo verloren geht, so ist sein zweiter Film einer, der einfach Spaß macht und wahrhaft zu bezaubern weiß. Immer vorausgesetzt, dass man sich grundlegend auf The Brothers Bloom einzulassen vermag.

 

8 von 10 ausgetüftelten Plänen

 

 

Spotlight

9. November 2016 at 17:28

 

 

© Open Road Films

 

 

 

„If it takes a village to raise a child, it takes a village to abuse one.“

 

 

 

Als Martin Baron 2001 den Posten des Chefredakteurs beim Boston Globe antritt und auf einen Fall von Kindesmissbrauch durch einen katholischen Priester aufmerksam wird, erahnt er das große Ganze dahinter und setzt das sogenannte Spotlight-Team unter der Führung des renommierten Journalisten Walter Robinson auf die Story an. Das auf investigativen Journalismus spezialisierte Spotlight macht sich an die langwierige Arbeit und Mike Rezendes, Sacha Pfeiffer und Matt Carroll befragen Anwälte, machen Opfer ausfindig und versuchen unter Verschluss gehaltene Akten einsehen zu dürfen. Schnell wird deutlich, dass noch sehr viel mehr dahinter steckt und sich ein riesiger Skandal abzuzeichnen droht.

 

Spotlight von Regisseur Tom McCarthy fand in der letzten Oscar-Saison mit sechs Nominierungen und zwei Auszeichnungen (Bester Film und bestes Originaldrehbuch) trotz erdrückender Konkurrenz durchaus Beachtung. Seine strikte Orientierung an den Abläufen journalistischer Arbeit rückt Spotlight in die Nähe des sogenannten Procedural-Genre und damit natürlich auch in die von Alan J. Pakula´s Klassiker All the President´s Men (Die Unbestechlichen) über die Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein, dem vielleicht besten Film dieser Art, sowie in die von David Fincher´s Zodiac, der sich zwar dem Police Procedural widmet, aber dennoch ganz ähnlich in seiner Erzählweise gelagert ist. Spotlight ist kein Missbrauchsdrama wie beispielsweise Sleepers von Barry Levinson, sondern beleuchtet vielmehr die Prozesse journalistischer Arbeit in all ihren oft auch drögen Facetten. Die Ermittlungen sind langwierig, zeitintensiv, anstrengend, zermürbend und frustrierend für alle Beteiligten und so wird von ruhiger Hand und mit leisen Tönen, vollkommen ohne Effekthascherei, die Geschichte dieser Aufdeckung erzählt, die nach und nach immer größere Kreise zieht und erst langsam ihr ganzes Ausmaß offenbart. So entrollen sich immer mehr all die Verstrickungen von Kirche, Politik, Justiz, Presse und Opfern, offenbaren ein gewaltiges, scheinbar kaum zu durchdringendes Netz aus Korruption, Vertuschung und Einschüchterung. So thematisiert Spotlight auch eine tief verwurzelte Kultur des Wegschauens und des Nicht-Wissen-Wollens, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und wenn doch, dann sind es traurige Einzelfälle, die selbstverständlich entfernt werden. Der Schlüssel dazu liegt nicht nur, aber eben gerade auch in der vom Film sehr deutlich aufgezeigten Bedeutung der Katholischen Kirche für die vor allem arme und gläubige Bevölkerung Bostons. So ist auch Martin Baron im Grunde der entscheidende Faktor, denn seine Devise lautet: eine Zeitung arbeitet dann am besten, wenn sie für sich allein steht. In Boston aber ist alles miteinander vernetzt und verfilzt. Der von Liev Schreiber sehr ruhig, beinahe schon introvertiert gespielte Baron kommt von außen, aus Florida, als er Chefredakteur des Boston Globe wird, ist Jude, und kennt niemanden in der Stadt. Nicht aus der Nachbarschaft, nicht aus der Schule, nicht aus dem College, nicht aus der Kirche, nicht aus dem Messdienst und schon gar nicht aus dem Klüngel der höheren Gesellschaft. Ihn braucht es als treibende Kraft von außen, um diesen Skandal aufdecken und den Filz durchdringen zu können, denn mit einem weiteren Eigengewächs auf seinem Posten hätte sich vermutlich nichts geändert.

 

 

 

„It could’ve been you, it could’ve been me, it could’ve been any of us.“

 

 

 

Die aber wohl größte Stärke von Spotlight liegt vor allem auch darin verborgen, dass McCarthy das Thema nämlich keineswegs reißerisch ausschlachtet, was ein leichtes gewesen wäre. Bei all der vollkommen berechtigten Empörung und Wut über die Ereignisse ist Spotlight gerade kein blinder Kreuzzug gegen die Katholische Kirche geworden, der mit wild fuchtelndem, moralischem Zeigefinger verdammt und dämonisiert. Stattdessen legt der Film viel Wert darauf, sich seinem Sujet aus vielen verschiedenen Richtungen zu nähern und entblättert beinahe schon subtil Stück für Stück all die Strukturen und Mechanismen innerhalb der Bevölkerung Bostons, welche die Ereignisse überhaupt erst möglich gemacht haben. Ein sehr feines, engmaschiges und komplexes Netz liegt all dem nämlich zu Grunde, dass es zu aller erst zu verstehen gilt und dann erst durchschnitten werden kann. Darüber hinaus ist Spotlight nicht nur bis in die kleinsten Rollen exzellent besetzt, sondern auch durch die Bank weg hervorragend gespielt. Tom McCarthy findet eine sehr feine Balance rund um schauspielerische Schwergewichte wie Michael Keaton oder Mark Ruffalo, niemand drängt sich zu sehr in den Vordergrund und jeder bekommt einen glaubwürdigen Moment, dem es Ausdruck zu verleihen gilt. So hat Ruffalo´s Mike Rezendes im letzten Drittel den vielleicht emotionalsten Moment im Film und Stanley Tucci als Anwalt für die Opfer kombiniert in seiner Figur des Mitchell Garabedian leidenschaftliches Engagement und Überzeugung mit einer Spur Desillusionierung und Verdrossenheit. Der von Brian d´Arcy James verkörperte Matt Carroll muss im Zuge der Recherchen erkennen, dass es in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ein sogenanntes Trainingszentrum für auffällig gewordene Priester gibt und kann niemandem davon erzählen. Seine Kollegin Sacha Pfeiffer, die von Rachel McAdams mit sehr viel Feingefühl versehen wird, bringt es fortan nicht mehr übers Herz, mit ihrer Großmutter auch noch weiterhin regelmäßig in die Kirche zu gehen, und der Kopf des Spotlight-Teams, Michael Keatons Walter Robinson, muss eine wichtige und langjährige Freundschaft für bedeutende Informationen opfern. Ihre Arbeit verändert eben nicht nur das Leben der Opfer und Täter, das der Leser, das der Kirchgänger und vielleicht auch der zuständigen Kontrollinstanzen, es verändert gerade auch ihr eigenes Leben. Letztlich erzählt Spotlight aber nicht nur von einem Skandal unfassbaren Ausmaßes, sondern ist auch ein Plädoyer für die Kraft und Macht einer starken, unabhängigen Presse, wenn sie fundiert und an journalistischer Ethik gemessen ihre Arbeit verrichten kann.

 

Ob Spotlight seinen Oscar als bester Film letztlich verdient hat oder nicht, das kann und will ich nicht beurteilen, zumal Bedeutung, Wert und Aussagekraft solcher Preisverleihungen ohnehin in Frage gestellt gehören. Aber Tom McCarthy hat einen sehr ruhig erzählten Film geschaffen, der sich einem hoch komplexen und schwierigen Thema annimmt, dabei nicht in blinde Beißreflexe verfällt und stattdessen auch die Ursachen innerhalb der Bevölkerung Bostons versucht offen zulegen. Zusammen mit einem toll besetzten und stark, aber dennoch zurückhaltend aufspielenden Cast, gelingt es McCarthy mit Spotlight ein auf dem Papier eigentlich eher dröges Thema sehr spannend und packend umzusetzen. Absolut sehenswert.

 

8 von 10 Pulitzer-Preisen für Dienste an der Öffentlichkeit

 

 

The Avengers: Age of Ultron

30. September 2015 at 12:33

 

 

 

Avengers: Age of Ultron (2015)
Avengers: Age of Ultron poster Rating: 7.8/10 (282,723 votes)
Director: Joss Whedon
Writer: Joss Whedon, Stan Lee (based on the Marvel comics by), Jack Kirby (based on the Marvel comics by)
Stars: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans
Runtime: 141 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 May 2015
Plot: When Tony Stark and Bruce Banner try to jump-start a dormant peacekeeping program called Ultron, things go horribly wrong and it's up to Earth's Mightiest Heroes to stop the villainous Ultron from enacting his terrible plans.

 

 

 

„I once had strings, but now I’m free… There are no strings on me!“

 

 

 

Nachdem der Angriff der Chitauri New York in Schutt und Asche gelegt hatte, sind die Menschen nicht sonderlich gut zu sprechen auf Superhelden und eine gewisse Ablehnung gegenüber solch mächtiger Geschöpfe macht sich in der Bevölkerung breit. Tony Stark hingegen hält weiterhin an seinem Plan vom ewigem Frieden fest und erschafft mehr oder weniger eigenmächtig ein globales Schutzprogramm, eine Künstliche Intelligenz namens Ultron. Kaum aktiviert stellt sich Ultron jedoch schnell die Frage nach seiner Existenz, entwickelt einen stark ausgeprägten Gottkomplex und schon bald seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie Frieden auf der Welt geschaffen werden kann…

 

Das also ist er, der, wenn auch nicht formelle (das ist Ant-Man), wohl aber doch gefühlte Abschluss der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU), diesem mehr als nur ehrgeizigen Großprojekt aus dem Hause Disney. Man sollte Großes erwarten dürfen. Wird der Film dem gerecht? Ja und Nein. Einerseits bedient der Film natürlich all die Mechanismen des modernen Blockbuster. Das Tempo ist ungemein hoch, Verschnaufpausen gibt es wenige, ständig passiert irgendetwas vor dem Auge des Zuschauers und Joss Whedon erhebt den Exzess regelrecht zum Erzählprinzip. Das ist in großen Teilen durchaus beeindruckend, mitunter allerdings auch erdrückend. Es gibt viel zu sehen, doch nur wenig bleibt im Gedächtnis. Macht das Age of Ultron weniger unterhaltsam? Nicht wirklich, zu unterhalten weiß der Film schon, das alles macht durchaus Spaß, wenn man sich zurücklehnt, den Kopf ausschaltet und sich dem bunten Treiben hingibt. Also alles gut? Naja…

 

So unterhaltsam The Avengers: Age of Ultron phasenweise auch daherkommt, so seltsam substanzlos wirkt er über seine gesamte Laufzeit von 141 Minuten, oftmals sogar regelrecht inhaltslos. Der gesamte Plot rund um Ultron, seine Schöpfung, seine Bewusstwerdung, seine Pläne, bemüht sich stellenweise nicht mal um Relevanz, es wird nicht wirklich eine kohärente Geschichte erzählt und große Teile sind nicht mehr als Augenwischerei und Blendwerk. Joss Whedon täuscht geschickt mit allerhand Spektakel darüber hinweg, dass sein Film auf der erzählerischen Ebene oftmals versagt und seine eigentliche Intention an anderer Stelle liegt, nämlich einzig und allein den Weg zu ebnen für die kommenden Ereignisse in Captain America: Civil War und später dann in The Avengers: Infinity War. Age of Ultron ist ein Brückenfilm wie er im Buche steht, in dessen Laufzeit nur eine handvoll Minuten und wenige Ereignisse wirklich zur Weiterentwicklung des MCU beitragen, und existiert im Grunde nur als Füllmaterial und Weichenstellung für das große Finale. Statt seine eigene Geschichte konsequent auszuformulieren, rast der Film lieber von bombastischer Actionsequenz zu Actionsequenz, rauscht förmlich an einem vorbei und wirkt dadurch manchmal gehetzt. Das alles ist zwar, wie bereits erwähnt, spektakulär und eindrucksvoll umgesetzt, aber aufgrund des hohen Tempos bleibt kaum Zeit zum Genießen im Dauerfeuer der Effekte, und so fehlt dann letztlich auch irgendwie der eine große Actionhöhepunkt, der hervorzustechen weiß.

 

 

 

„I know you’re good people. I know you mean well. But you just didn’t think it through. There is only one path to peace… your extinction.“

 

 

 

Ein weiteres Problem ist der Bösewicht selbst. Die Idee hinter Ultron als Künstliche Intelligenz mit Gottkomplex ist jetzt zwar nicht wahnsinnig neu oder innovativ, aber doch durchaus interessant in ihrem Ansatz, wenn sie entsprechend umgesetzt wird. Leider gelingt es dem Film nie, seinen Antagonisten wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen, vielmehr wirkt Ultron oftmals wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde, gibt sich theatralisch und exaltiert, wenn er Pinocchio zitierend durch die Gegend stapft. Was in den Trailern noch wunderbar Gänsehaut auszulösen wusste, funktioniert im Film dann gar nicht mehr. Zudem scheint er in keiner physischen Konfrontation den Avengers wirklich Paroli bieten zu können und verschanzt sich lieber hinter seiner Armee aus Drohnen (und noch mehr Drohnen… und Drohnen) und den beiden Maximoff-Zwillingen Pietro und Wanda ( Quicksilver und Scarlet Witch), selbst ähnlich wie Ultron fast noch Kinder, ausgestattet mit einer doch arg konstruierten Motivation, um sich dem Kampf gegen die Avengers anzuschließen. Das man Ultron nie wirklich als ernsthafte Bedrohung wahrnehmen kann (noch weniger übrigens Baron von Strucker zu Beginn des Films), ist dann auch nur ein weiterer Hinweis darauf, dass der Film seine Geschichte nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit erzählt. Wie man Quicksilver übrigens deutlich eindrucksvoller und memorabler in Szene setzt, hat Bryan Singer in X-Men: Days of Future Past gezeigt.

 

Insgesamt ist The Avengers: Age of Ultron am Ende ein unterhaltsames Megaspektakel und weiß durchaus Spaß zu machen, trotz seiner offensichtlichen Mängel. Weder die kaum ausformulierte und substanzlose Story, noch Ultrons Mangel an ernsthafter Bedrohung für die Helden wiegen so schwer, dass es einem den Spaß an all dem Budenzauber nehmen könnte, vorausgesetzt, man weiß sich darauf einzulassen und geht nicht allzu kritisch mit Joss Whedon ins Gericht. Ein wenig erschreckend aber ist dann doch der stellenweise eklatant schlechte Umgang mit den CGI-Effekten, vergleichbar dilettantische Szenen wie beispielsweise zu Beginn des Films beim Sturm auf die Hydra-Festung findet man in ähnlich großen und hoch budgetierten Filmen kaum. Das ist schlicht und ergreifend schlampig inszeniert, zumal der Film eben bis auf jene, wenige Ausnahmen sehr gut aussieht, der Zweikampf zwischen Ironman und Hulk in Afrika beispielsweise ist einwandfrei umgesetzt. Unterm Strich also ist Age of Ultron auf seine größenwahnsinnige Art und Weise durchaus unterhaltsam, aber zu seinem Leidwesen auch lediglich ein Lückenbüßer für das große Finale, ein Platzhalter und Wegbereiter. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, dennoch wurde ich besser unterhalten als beim Vorgänger. Würde der Film seine Figuren und seine Story insgesamt etwas wichtiger nehmen und nicht ständig das Gefühl von inhaltlicher Leere vermitteln, dann hätte ich mich durchaus zu einer etwas besseren Bewertung hinreißen lassen, so aber sind es nur…

 

5,5 von 10 zerschmetterten Drohnen