Hard Eight (1996)

27. Juni 2020 at 20:26

 

 

© The Samuel Goldwyn Company/Quelle: IMDb

 

 

 

Never ignore a man’s courtesy.“

 

 

Vollkommen pleite und am Tiefpunkt in Reno angekommen wird der junge John vom älteren Sydney von der Straße aufgelesen und unter die Fittiche genommen. Der professionelle Spieler bringt John seine Tricks bei und entwickelt im Laufe der Zeit eine väterliche Beziehung zu ihm. Doch als sich John in die Kellnerin Clementine verliebt, beginnen die Dinge schief zu laufen.

 

Ein solch selbstbewusst inszeniertes Regiedebüt wie Hard Eight gibt es nicht oft zu bestaunen. Blood Simple von den Coens, Reservoir Dogs, Bound von den Wachowskis vielleicht. Paul Thomas Anderson scheint mit seinen damals erst 26 Jahren schon mehr gewusst zu haben als viele andere, nämlich ganz genau, was er will. Sein ausgeprägtes Stilbewusstsein jedenfalls lässt sich bereits hier kaum leugnen. Hard Eight ist inhaltlich eher schlicht gehalten, aber zugleich von großer Klarheit und Präzision geprägt und klug und bedächtig erzählt. Das große Spektakel sucht man hier vergeblich, findet stattdessen aber viel Feingefühl, aufrichtiges Verständnis für die Figuren und die dichte Atmosphäre einer lakonischen, aber nie zynischen Geschichte voller zärtlicher Melancholie.

 

Zweifellos gibt es Parallelen zum alternativen US-Kino jener Zeit, da ist diese ausgestellte Coolness, die Liebe zum klassischen amerikanischen aber auch europäischen Gangsterfilm und natürlich die Einflüsse des Film Noir, doch Paul Thomas Anderson findet dennoch seinen ganz eigenen Weg. Die elegant geführte Kamera von Robert Elswit harmoniert hervorragend mit der Bildsprache von Anderson und gemeinsam fangen sie die unglaublich starke und würdevolle Präsenz von Philip Baker Hall ein. Allein die Eröffnungssequenz, in der sein Sydney kaum mehr tut als eine Straße zu überqueren, sagt durch ihre Art der Inszenierung bereits alles, was wir wissen müssen. Oder die wunderbar anzusehenden, regelrecht schwebenden Kamerafahrten durch die Casinos.

 

Überhaupt setzt Anderson mit seinem klugen Drehbuch weniger auf Exposition und mehr auf Dialoge und vor allem Schauspiel. Wie Hall in der Szene im Motel reagiert, ruhig, besonnen, abgeklärt, wie er beruhigend einwirkt, versucht, die Situation zu lösen, das verrät sehr viel über seine Figur und deren Hintergründe. Dazu ist der Cast rund um Hall, John C. Reilly, Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson und in einer Nebenrolle Philip Seymour Hoffman hervorragend besetzt und weiß zu glänzen. Reilly halte ich in ernsteren Rollen ohnehin für unterschätzt und sein Spiel in Hard Eight beweist eindrucksvoll, dass er mehr kann als nur die platte Comedy-Schiene rund um Will Ferrell und Adam McKay.

 

Am Ende erweist sich Hard Eight mehr als Drama denn als Thriller, beeindruckt durch die selbstbewusste, ruhige Inszenierung seines Regisseurs, eine dichte Atmosphäre und starkem Schauspiel. Sicherlich gerade an noch folgenden Großtaten von Paul Thomas Anderson gemessen noch nicht der ganz große Wurf, doch dieser Vergleich ist ohnehin unfair. Ein verdammt starkes Regiedebüt ist Hard Eight allerdings ohne jeden Zweifel.

 

8 von 10 Mal zwei Vierer in Craps würfeln

 

 

 

Kong: Skull Island

18. März 2017 at 12:27

 

 

  © Warner Bros.

 

 

 

„This planet doesn’t belong to us. Ancient species owned this earth long before mankind. I spent 30 years trying to prove the truth: monsters exist.“

 

 

 

Der Vietnamkrieg ist gerade vorbei, da wittert Bill Randa von der Regierungsorganisation Monarch seine Chance, die sagenumwobene Insel Skull Island einer näheren Untersuchung zu unterziehen und überzeugt einen US-Senator davon, ein Expeditionsteam zu genehmigen. So macht sich eine kleine Gruppe bestehend aus Wissenschaftlern, Militär und Zivilisten und angeführt vom Abenteurer James Conrad auf den Weg durch eine gigantische Sturmfront, die Skull Island permanent im Verborgenen hält. Kaum auf der Insel angekommen, werden sie bereits vom gigantischen Riesenaffen Kong attackiert, dezimiert und quer über die ganze Insel verteilt.

 

Wenn sich riesige Monster auf der großen Leinwand gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann hat das Kind in mir seine helle Freude an dem dargebotenem Spektakel. Egal, ob Filme wie Godzilla, Pacific Rim oder eben jetzt die neueste Inkarnation des King Kong, da fühle ich mich beinahe immer bestens aufgehoben. Und auch Kong: Skull Island konnte mich in Aufregung versetzen, wurde mir doch so ziemlich alles geboten, was mein Herz begehrte. Ich habe fette und spektakuläre Monsteraction erwartet und fette und spektakuläre Monsteraction bekommen. Mehr braucht es in diesem Kontext für mich dann auch gar nicht mehr um mich zu unterhalten. Umso angenehmer empfand ich es, dass der mir bisher unbekannte Regisseur Jordan Vogt-Roberts gar nicht erst zu vertuschen versucht, welchen Geistes Kind sein Film ist, und von der ersten Minute an vollkommen dazu steht, nicht mehr zu sein als bloßes Effektspektakel. Das versprüht auf jeden Fall seinen ganz eigenen Charme, zeugt von der reinen Lust am Fabulieren und zelebriert einen scheinbar grenzenlosen Gigantismus, ganz unkompliziert und ohne unnötige Umwege über story telling. Die Geschichte selbst von Kong: Skull Island ist schlicht und leicht zu überschauen und auch die Charaktere sind nicht viel mehr als bloße Stereotypen und klischeehafte Abziehbilder, bei denen meist völlig egal ist, wer überlebt oder stirbt, doch das alles ist mehr oder weniger egal, wenn Kong seinen Pfad der Verwüstung schneisenartig über die Insel zieht. In dem Kontext mutet es ein wenig eigenartig an, einen solch starbesetzten Cast einfach so zu verschleudern, denn Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman und John C. Reilly werden zu Gunsten der Monsteraction mehr oder weniger verheizt, aber dafür gibt es viel Spektakel zu bestaunen. Das Drehbuch verzichtet sogar auf den sonst oftmals üblichen Vorlauf (welchen Peter Jackson einst ein wenig übertrieben hat in meinen Augen – ich mag seinen King Kong gern, aber die ersten anderthalb Stunden haben durchaus ihre Längen, wie ich finde) und präsentiert seinen haarigen Star dem Publikum sehr schnell und ohne größere Einführung.

 

Und ist Kong erst einmal auf der Bildfläche erschienen, dann geht es auch schon Schlag auf Schlag zur Sache, denn er ist bei weitem nicht das einzige Monster auf Skull Island. Visuell sieht das alles dann auch fantastisch aus und kann punktuell sogar durch die eine oder andere ausgesprochen kreative Kameraperspektive überzeugen. Der 70er Jahre Soundtrack weiß zu gefallen, auch wenn klar ist, dass es sich dabei schon auch um einen Griff in die Trickkiste handelt, doch er lädt zum dezenten Mitwippen ein und täuscht über die eine oder andere erzählerische Schwäche hinweg. Auch der Humor, überwiegend transportiert durch John C. Reilly als Hank Marlow, weiß meist zu überzeugen und bildet einen angenehmen Gegenpol zu der Ernsthaftigkeit eines Samuel L. Jackson, der in bester Apocalypse Now – Manier Colonel Kurtz nachahmt und langsam dem Wahnsinn anheim fällt, besessen von der Idee, Kong zu töten. Überhaupt taucht Apocalypse Now recht häufig als Referenz in Kong: Skull Island auf: Look und vor allem die Farbgebung erinnern an Francis Ford Coppolas Meisterwerk, das Setting ist durchaus ähnlich, es gibt eine Bootsfahrt auf einem Fluss sowie Helikopterangriffe und Napalm, und auch einige Namen der Figuren lassen sich als Anspielungen lesen. Als sonderlich tiefschürfend erweisen sich all diese Verweise nicht wirklich, aber Apocalypse Now scheint ganz offensichtlich die größte Inspirationsquelle gewesen zu sein. Sogar dem großen Klassiker des italienischen Mondo-Genre Cannibal Holocaust wird in einer kurzen Szene Tribut gezollt und wer beide Filme kennt, der weiß ganz genau, was ich meine. Übrigens lässt sich anhand von Kong: Skull Island und Peter Jacksons King Kong sehr gut begrifflich differenzieren, wo der Unterschied zwischen einem Remake und einem Reboot liegt, denn Jackson nimmt ein in sich geschlossenes Werk und passt es erzählerisch und visuell moderneren Zeiten an, Jordan Vogt-Roberts hingegen nimmt die Figur an sich samt ihrer Heimat aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und erzählt eine völlig neue Geschichte. Die zudem im gleichen filmischen Universum spielt wie Gareth Edwards Godzilla und in einem gemeinsamen Zusammentreffen gipfeln soll.

 

Letztlich gibt es gar nicht so wahnsinnig viel über Kong: Skull Island zu sagen: er hat meine Erwartungen an ihn erfüllt, mir jede Menge fette Monsteraction geboten und das Kind in mir glücklich gemacht. Dass Handlung und Figuren flach und austauschbar bleiben, habe ich so im Vorfeld erwartet und in meinen Augen kann und darf man das einem solchen Film auch nicht ankreiden. Kong kommt schnell zur Sache, das macht Spaß und sieht toll aus. Was will man denn mehr in einem solchen Film? Ich wurde zwei Stunden lang gut unterhalten, hatte keine Langeweile und wurde in eine fantastische Welt entführt. Dafür sind Abenteuerfilme doch eigentlich gemacht, oder nicht?

 

7 von 10 zweckentfremdeten Bäumen im Kampf gegen Hubschrauber

 

 

 

 

The Hateful Eight

28. Januar 2016 at 17:30

 

 

© The Weinstein Company

 

 

 

„One of them fellas is not what he says he is…“

 

 

 

Ein gewaltiger Schneesturm im tiefsten Herzen von Wyoming zwingt acht Fremde Unterschlupf in einer abgelegenen Holzhütte zu suchen. So kommt es, dass der ehemalige Nordstaaten-Offizier Major Marquis Warren, der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth, dessen Gefangene Daisy Domergue, der neue Sheriff von Red Rock, Chris Mannix, der britische Henker Oswaldo Mobray, der Cowboy Joe Gage, der ehemals konförderierte General Sandy Smithers und letztlich der Mexikaner Bob, auf engstem Raum miteinander eingesperrt sind und schnell wird deutlich, dass dieses Zusammentreffen kaum zufälliger Natur sein kann…

 

Vorab muss ich erwähnen, dass ich The Hateful Eight in seiner sogenannten Road Show-Fassung sehen konnte, also als analoge Ultra Panavision 70mm Kopie, welche sich nicht nur in Laufzeit und Bildformat von der digitalen Kinofassung erheblich unterscheidet, sondern auch in Struktur, Aufbau und Dramaturgie. Nicht nur kann in der analogen Fassung die Bildsprache im korrekt gezeigten, extra breiten Seitenverhältnis von 2,76:1 ihre volle Pracht entfalten, durch die Ouvertüre und die bewusst sehr geschickt platzierte Intermission entwickelt sich ein völlig anderer erzählerischer Rhythmus. Kann man nun als kindische Spielerei abtun, tatsächlich aber funktioniert diese heute etwas ungewohnt anmutende Erzählstruktur ganz hervorragend, ändern sich doch Tempo und Dynamik nach der Intermission deutlich. Quentin Tarantinos nun mehr achter Film ist nach Django Unchained erneut ein Western geworden und war sein Vorgänger noch eine Art Fingerübung für den Regisseur, dann ist The Hateful Eight sein Glanzstück. Wo Django Unchained eine geradezu comichaft überhöhte Collage aus unzähligen, verschiedensten Versatzstücken war, ist sein jüngstes Werk mit einem deutlich düsteren Grundton ausgestattet, durch und durch pessimistisch und deutlich eigenständiger in seiner Struktur. Zwar wird auch hier nicht auf Zitate, Anspielungen und Querverweise sowie teils absurde Gewalteskapaden verzichtet, aber Tarantino scheint sich zunehmend von seinen Anfängen zu entfernen und sich als ernstzunehmender Künstler zu emanzipieren. The Hateful Eight fällt auch ein wenig aus dem Rahmen seines bisherigen Schaffens, nicht nur, weil es sein vielleicht eigenständigstes Werk ist. Die ausladend schwelgerische und dennoch sehr präzise Bildsprache und die messerscharfen, fein geschliffenen, oft nicht weniger ausladenden Dialoge sind bekanntermaßen ein Markenzeichen von Tarantino, aber hier übertrifft er sich selbst. Gerade das gesprochene Wort ist von zentraler Bedeutung in diesem Reigen aus Misstrauen, Verrat, Paranoia, Hass, Gier, offenem Rassismus und Gewalt, er lebt viel von der Macht der Sprache, von all den bedeutungsschweren Monologen und Dialogen, die nur scheinbar abdriften und ins Leere laufen und bei denen sich zuhören lohnt, auch wenn es sich um vermeintliches Schwadronieren handelt. Insgesamt treibt Tarantino seinen Film überhaupt sehr ausladend und bedächtig voran, beinahe schon gemächlich, und so ist beinahe die halbe Laufzeit von 187 Minuten verstrichen, bis alle Figuren in diesem theaterähnlichen Mikrokosmos etabliert sind. Es ist überaus faszinierend zu beobachten, wie er seine Charaktere geschickt und präzise positioniert und in Stellung bringt, Allianzen bildet und ebenso schnell wieder zu Staub zerfallen lässt, und so mit jeder verstreichenden Minute die Spannung erhöht als würde er Schach spielen mit den Protagonisten seines Filmes. Die feinen Einzelheiten all der kleinen und großen Gefechte und Konflikte, die sich im Laufe der Handlung immer mehr offenbaren, schlagen sich auch nicht nur im gesprochenen Wort nieder, sondern auch in der grandios arrangierten Bildsprache, wenn Tarantino immer wieder das gesamte Bildfeld in Breite und Tiefe nutzt, um Gruppenbildung und Konfrontation zu visualisieren. In solchen Momenten gehen Bild und Wort in The Hateful Eight eine nahezu perfekte Symbiose ein.

 

 

 

„You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang.“

 

 

 

Auch die Charaktere sind ausnahmslos fantastisch geschrieben und hervorragend umrissen, erwecken sie doch anfangs noch den Eindruck, ausgesprochen formelhaft, klischeebeladen und eindimensional zu sein, aber nach und nach dekonstruiert Tarantino all diese Stereotypen, bricht sie auf und lässt teilweise überraschend komplexe Figuren zum Vorschein kommen. Ein Panoptikum der Selbstdarsteller offenbart sich in der Holzhütte im Schneesturm, voller Lügner, Falschspieler, Scharlatanen und windigen Opportunisten. Gut und Böse, Schwarz und Weiß, richtig und falsch, all diese Begriffe existieren nicht in dieser kleinen, abgeschlossenen Welt aus Hass und Gewalt, und Helden gibt es dort erst recht nicht. Allerdings gelingt Tarantino das Kunststück, keinen seiner oftmals nur sehr schwer zu durchschauenden Charakter der Lächerlichkeit preiszugeben, in dem sie zu bloßen zweckdienlichen Karikaturen verkommen. Jeder hat seine Bedeutung und jeder hat seine Motivation und immer sind diese, wenn denn erkennbar, auch nachvollziehbar. Überhaupt ist nichts in diesem Film auch das, was es zu sein scheint. Lüge, Täuschung und Ablenkung sind bedeutende und tragende Elemente der Handlung, nie kann sich der Zuschauer auch nur über irgendetwas im Film sicher sein. Das gilt sogar für die grundlegende Erzählstruktur, wenn nach der Intermission und somit in der zweiten Hälfte von The Hateful Eight sich auch diese ändert, dynamischer wird, das Tempo die Schlagzahl erhöht und der Gewaltgrad drastisch anzieht. Einige wirklich bizarre Gewaltspitzen tauchen plötzlich auf, völlig überzogen und grotesk spritzen die Blutfontänen an die Wände, aber auch das ist nur einer von vielen Kunstgriffen des Regisseurs, die vom wesentlichen Kern des Filmes ablenken. Welcher das ist, das muss man schon selbst herausfinden.

 

Oberflächlich betrachtet ist The Hateful Eight ein langweiliger und zäher Film voller ermüdender Dialoge und in die Länge gezogener Szenen und Einstellungen. Man muss schon etwas genauer hinschauen, um letztlich zu erkennen, wie gut er eigentlich doch ist. Ein wortgewandtes und bildgewaltiges Werk von Tarantino, aber auch sein bisher sperrigstes und exzessivstes und somit ein Film, der sicherlich vielen nur bedingt gefallen dürfte. Es mag manchmal anstrengend erscheinen, all dem zu folgen, aber es lohnt sich zweifellos, sich auf den Film einzulassen. Ich will mich noch nicht gänzlich festlegen, denn Tarantinos Filme offenbaren oftmals auch erst nach mehrmaligem Anschauen ihre nicht immer ganz offenkundigen Qualitäten, aber möglicherweise ist The Hateful Eight sein bisher bester Film geworden. Sein kompromisslosester ist er in jedem Fall.

 

8,5 von 10 Mexikanern namens Bob

 

 

The Avengers: Age of Ultron

30. September 2015 at 12:33

 

 

 

Avengers: Age of Ultron (2015)
Avengers: Age of Ultron poster Rating: 7.8/10 (282,723 votes)
Director: Joss Whedon
Writer: Joss Whedon, Stan Lee (based on the Marvel comics by), Jack Kirby (based on the Marvel comics by)
Stars: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans
Runtime: 141 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 May 2015
Plot: When Tony Stark and Bruce Banner try to jump-start a dormant peacekeeping program called Ultron, things go horribly wrong and it's up to Earth's Mightiest Heroes to stop the villainous Ultron from enacting his terrible plans.

 

 

 

„I once had strings, but now I’m free… There are no strings on me!“

 

 

 

Nachdem der Angriff der Chitauri New York in Schutt und Asche gelegt hatte, sind die Menschen nicht sonderlich gut zu sprechen auf Superhelden und eine gewisse Ablehnung gegenüber solch mächtiger Geschöpfe macht sich in der Bevölkerung breit. Tony Stark hingegen hält weiterhin an seinem Plan vom ewigem Frieden fest und erschafft mehr oder weniger eigenmächtig ein globales Schutzprogramm, eine Künstliche Intelligenz namens Ultron. Kaum aktiviert stellt sich Ultron jedoch schnell die Frage nach seiner Existenz, entwickelt einen stark ausgeprägten Gottkomplex und schon bald seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie Frieden auf der Welt geschaffen werden kann…

 

Das also ist er, der, wenn auch nicht formelle (das ist Ant-Man), wohl aber doch gefühlte Abschluss der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU), diesem mehr als nur ehrgeizigen Großprojekt aus dem Hause Disney. Man sollte Großes erwarten dürfen. Wird der Film dem gerecht? Ja und Nein. Einerseits bedient der Film natürlich all die Mechanismen des modernen Blockbuster. Das Tempo ist ungemein hoch, Verschnaufpausen gibt es wenige, ständig passiert irgendetwas vor dem Auge des Zuschauers und Joss Whedon erhebt den Exzess regelrecht zum Erzählprinzip. Das ist in großen Teilen durchaus beeindruckend, mitunter allerdings auch erdrückend. Es gibt viel zu sehen, doch nur wenig bleibt im Gedächtnis. Macht das Age of Ultron weniger unterhaltsam? Nicht wirklich, zu unterhalten weiß der Film schon, das alles macht durchaus Spaß, wenn man sich zurücklehnt, den Kopf ausschaltet und sich dem bunten Treiben hingibt. Also alles gut? Naja…

 

So unterhaltsam The Avengers: Age of Ultron phasenweise auch daherkommt, so seltsam substanzlos wirkt er über seine gesamte Laufzeit von 141 Minuten, oftmals sogar regelrecht inhaltslos. Der gesamte Plot rund um Ultron, seine Schöpfung, seine Bewusstwerdung, seine Pläne, bemüht sich stellenweise nicht mal um Relevanz, es wird nicht wirklich eine kohärente Geschichte erzählt und große Teile sind nicht mehr als Augenwischerei und Blendwerk. Joss Whedon täuscht geschickt mit allerhand Spektakel darüber hinweg, dass sein Film auf der erzählerischen Ebene oftmals versagt und seine eigentliche Intention an anderer Stelle liegt, nämlich einzig und allein den Weg zu ebnen für die kommenden Ereignisse in Captain America: Civil War und später dann in The Avengers: Infinity War. Age of Ultron ist ein Brückenfilm wie er im Buche steht, in dessen Laufzeit nur eine handvoll Minuten und wenige Ereignisse wirklich zur Weiterentwicklung des MCU beitragen, und existiert im Grunde nur als Füllmaterial und Weichenstellung für das große Finale. Statt seine eigene Geschichte konsequent auszuformulieren, rast der Film lieber von bombastischer Actionsequenz zu Actionsequenz, rauscht förmlich an einem vorbei und wirkt dadurch manchmal gehetzt. Das alles ist zwar, wie bereits erwähnt, spektakulär und eindrucksvoll umgesetzt, aber aufgrund des hohen Tempos bleibt kaum Zeit zum Genießen im Dauerfeuer der Effekte, und so fehlt dann letztlich auch irgendwie der eine große Actionhöhepunkt, der hervorzustechen weiß.

 

 

 

„I know you’re good people. I know you mean well. But you just didn’t think it through. There is only one path to peace… your extinction.“

 

 

 

Ein weiteres Problem ist der Bösewicht selbst. Die Idee hinter Ultron als Künstliche Intelligenz mit Gottkomplex ist jetzt zwar nicht wahnsinnig neu oder innovativ, aber doch durchaus interessant in ihrem Ansatz, wenn sie entsprechend umgesetzt wird. Leider gelingt es dem Film nie, seinen Antagonisten wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen, vielmehr wirkt Ultron oftmals wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde, gibt sich theatralisch und exaltiert, wenn er Pinocchio zitierend durch die Gegend stapft. Was in den Trailern noch wunderbar Gänsehaut auszulösen wusste, funktioniert im Film dann gar nicht mehr. Zudem scheint er in keiner physischen Konfrontation den Avengers wirklich Paroli bieten zu können und verschanzt sich lieber hinter seiner Armee aus Drohnen (und noch mehr Drohnen… und Drohnen) und den beiden Maximoff-Zwillingen Pietro und Wanda ( Quicksilver und Scarlet Witch), selbst ähnlich wie Ultron fast noch Kinder, ausgestattet mit einer doch arg konstruierten Motivation, um sich dem Kampf gegen die Avengers anzuschließen. Das man Ultron nie wirklich als ernsthafte Bedrohung wahrnehmen kann (noch weniger übrigens Baron von Strucker zu Beginn des Films), ist dann auch nur ein weiterer Hinweis darauf, dass der Film seine Geschichte nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit erzählt. Wie man Quicksilver übrigens deutlich eindrucksvoller und memorabler in Szene setzt, hat Bryan Singer in X-Men: Days of Future Past gezeigt.

 

Insgesamt ist The Avengers: Age of Ultron am Ende ein unterhaltsames Megaspektakel und weiß durchaus Spaß zu machen, trotz seiner offensichtlichen Mängel. Weder die kaum ausformulierte und substanzlose Story, noch Ultrons Mangel an ernsthafter Bedrohung für die Helden wiegen so schwer, dass es einem den Spaß an all dem Budenzauber nehmen könnte, vorausgesetzt, man weiß sich darauf einzulassen und geht nicht allzu kritisch mit Joss Whedon ins Gericht. Ein wenig erschreckend aber ist dann doch der stellenweise eklatant schlechte Umgang mit den CGI-Effekten, vergleichbar dilettantische Szenen wie beispielsweise zu Beginn des Films beim Sturm auf die Hydra-Festung findet man in ähnlich großen und hoch budgetierten Filmen kaum. Das ist schlicht und ergreifend schlampig inszeniert, zumal der Film eben bis auf jene, wenige Ausnahmen sehr gut aussieht, der Zweikampf zwischen Ironman und Hulk in Afrika beispielsweise ist einwandfrei umgesetzt. Unterm Strich also ist Age of Ultron auf seine größenwahnsinnige Art und Weise durchaus unterhaltsam, aber zu seinem Leidwesen auch lediglich ein Lückenbüßer für das große Finale, ein Platzhalter und Wegbereiter. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, dennoch wurde ich besser unterhalten als beim Vorgänger. Würde der Film seine Figuren und seine Story insgesamt etwas wichtiger nehmen und nicht ständig das Gefühl von inhaltlicher Leere vermitteln, dann hätte ich mich durchaus zu einer etwas besseren Bewertung hinreißen lassen, so aber sind es nur…

 

5,5 von 10 zerschmetterten Drohnen