Kong: Skull Island

18. März 2017 at 12:27

 

 

  © Warner Bros.

 

 

 

„This planet doesn’t belong to us. Ancient species owned this earth long before mankind. I spent 30 years trying to prove the truth: monsters exist.“

 

 

 

Der Vietnamkrieg ist gerade vorbei, da wittert Bill Randa von der Regierungsorganisation Monarch seine Chance, die sagenumwobene Insel Skull Island einer näheren Untersuchung zu unterziehen und überzeugt einen US-Senator davon, ein Expeditionsteam zu genehmigen. So macht sich eine kleine Gruppe bestehend aus Wissenschaftlern, Militär und Zivilisten und angeführt vom Abenteurer James Conrad auf den Weg durch eine gigantische Sturmfront, die Skull Island permanent im Verborgenen hält. Kaum auf der Insel angekommen, werden sie bereits vom gigantischen Riesenaffen Kong attackiert, dezimiert und quer über die ganze Insel verteilt.

 

Wenn sich riesige Monster auf der großen Leinwand gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann hat das Kind in mir seine helle Freude an dem dargebotenem Spektakel. Egal, ob Filme wie Godzilla, Pacific Rim oder eben jetzt die neueste Inkarnation des King Kong, da fühle ich mich beinahe immer bestens aufgehoben. Und auch Kong: Skull Island konnte mich in Aufregung versetzen, wurde mir doch so ziemlich alles geboten, was mein Herz begehrte. Ich habe fette und spektakuläre Monsteraction erwartet und fette und spektakuläre Monsteraction bekommen. Mehr braucht es in diesem Kontext für mich dann auch gar nicht mehr um mich zu unterhalten. Umso angenehmer empfand ich es, dass der mir bisher unbekannte Regisseur Jordan Vogt-Roberts gar nicht erst zu vertuschen versucht, welchen Geistes Kind sein Film ist, und von der ersten Minute an vollkommen dazu steht, nicht mehr zu sein als bloßes Effektspektakel. Das versprüht auf jeden Fall seinen ganz eigenen Charme, zeugt von der reinen Lust am Fabulieren und zelebriert einen scheinbar grenzenlosen Gigantismus, ganz unkompliziert und ohne unnötige Umwege über story telling. Die Geschichte selbst von Kong: Skull Island ist schlicht und leicht zu überschauen und auch die Charaktere sind nicht viel mehr als bloße Stereotypen und klischeehafte Abziehbilder, bei denen meist völlig egal ist, wer überlebt oder stirbt, doch das alles ist mehr oder weniger egal, wenn Kong seinen Pfad der Verwüstung schneisenartig über die Insel zieht. In dem Kontext mutet es ein wenig eigenartig an, einen solch starbesetzten Cast einfach so zu verschleudern, denn Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman und John C. Reilly werden zu Gunsten der Monsteraction mehr oder weniger verheizt, aber dafür gibt es viel Spektakel zu bestaunen. Das Drehbuch verzichtet sogar auf den sonst oftmals üblichen Vorlauf (welchen Peter Jackson einst ein wenig übertrieben hat in meinen Augen – ich mag seinen King Kong gern, aber die ersten anderthalb Stunden haben durchaus ihre Längen, wie ich finde) und präsentiert seinen haarigen Star dem Publikum sehr schnell und ohne größere Einführung.

 

Und ist Kong erst einmal auf der Bildfläche erschienen, dann geht es auch schon Schlag auf Schlag zur Sache, denn er ist bei weitem nicht das einzige Monster auf Skull Island. Visuell sieht das alles dann auch fantastisch aus und kann punktuell sogar durch die eine oder andere ausgesprochen kreative Kameraperspektive überzeugen. Der 70er Jahre Soundtrack weiß zu gefallen, auch wenn klar ist, dass es sich dabei schon auch um einen Griff in die Trickkiste handelt, doch er lädt zum dezenten Mitwippen ein und täuscht über die eine oder andere erzählerische Schwäche hinweg. Auch der Humor, überwiegend transportiert durch John C. Reilly als Hank Marlow, weiß meist zu überzeugen und bildet einen angenehmen Gegenpol zu der Ernsthaftigkeit eines Samuel L. Jackson, der in bester Apocalypse Now – Manier Colonel Kurtz nachahmt und langsam dem Wahnsinn anheim fällt, besessen von der Idee, Kong zu töten. Überhaupt taucht Apocalypse Now recht häufig als Referenz in Kong: Skull Island auf: Look und vor allem die Farbgebung erinnern an Francis Ford Coppolas Meisterwerk, das Setting ist durchaus ähnlich, es gibt eine Bootsfahrt auf einem Fluss sowie Helikopterangriffe und Napalm, und auch einige Namen der Figuren lassen sich als Anspielungen lesen. Als sonderlich tiefschürfend erweisen sich all diese Verweise nicht wirklich, aber Apocalypse Now scheint ganz offensichtlich die größte Inspirationsquelle gewesen zu sein. Sogar dem großen Klassiker des italienischen Mondo-Genre Cannibal Holocaust wird in einer kurzen Szene Tribut gezollt und wer beide Filme kennt, der weiß ganz genau, was ich meine. Übrigens lässt sich anhand von Kong: Skull Island und Peter Jacksons King Kong sehr gut begrifflich differenzieren, wo der Unterschied zwischen einem Remake und einem Reboot liegt, denn Jackson nimmt ein in sich geschlossenes Werk und passt es erzählerisch und visuell moderneren Zeiten an, Jordan Vogt-Roberts hingegen nimmt die Figur an sich samt ihrer Heimat aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und erzählt eine völlig neue Geschichte. Die zudem im gleichen filmischen Universum spielt wie Gareth Edwards Godzilla und in einem gemeinsamen Zusammentreffen gipfeln soll.

 

Letztlich gibt es gar nicht so wahnsinnig viel über Kong: Skull Island zu sagen: er hat meine Erwartungen an ihn erfüllt, mir jede Menge fette Monsteraction geboten und das Kind in mir glücklich gemacht. Dass Handlung und Figuren flach und austauschbar bleiben, habe ich so im Vorfeld erwartet und in meinen Augen kann und darf man das einem solchen Film auch nicht ankreiden. Kong kommt schnell zur Sache, das macht Spaß und sieht toll aus. Was will man denn mehr in einem solchen Film? Ich wurde zwei Stunden lang gut unterhalten, hatte keine Langeweile und wurde in eine fantastische Welt entführt. Dafür sind Abenteuerfilme doch eigentlich gemacht, oder nicht?

 

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