The Neptune Factor (1973)

29. Mai 2020 at 0:50

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Als die Unterwasserforschungsstation Oceanlab II wegen eines Seebebens in einen angrenzenden Tiefseegraben stürzt, da kann nur noch der Bergungsexperte Adrian Blake mit seinem U-Boot Neptune helfen. Doch die Zeit drängt, denn den möglichen Überlebenden droht der Sauerstoff auszugehen.

 

Ich gebe zu, dass ich ein großer Fan von Filmen mit Unterwasser-Setting bin, egal, ob Thriller, Horror, oder Abenteuer, und so brachte mich meine ausgeprägte Faszination für diese eher spezielle Form des Genre-Kinos nun auch zu The Neptune Factor. Doch was Regisseur Daniel Petrie hier auf die Leinwand brachte, das ist ein ausgesprochen seltsamer Film, und viel mehr unausgegorenes Katastrophenkino der 70er als das Plakat vielleicht suggeriert. Unentschlossen irgendwo zwischen nostalgisch-naiver Jules Verne-Fantastik der 50er Jahre und eben jenem, gerade boomenden Katastrophenkino der 70er Jahre schwankend ist The Neptune Factor letztlich nichts von alldem. Die Story dümpelt zu lange vor sich hin, ist spannungsarm und viel zu langsam erzählt und bietet darüber hinaus kaum interessante Figuren zum mitfiebern.

 

Ob nun Regisseur Petrie, Drehbuchautor Jack DeWitt oder Kameramann Harry Makin, ich weiß es nicht genau, irgendwer jedoch hatte scheinbar ein großes Faible für die, nun ja, eingehende Beobachtung von Fischen. Anders lassen sich teils minutenlange und zudem technisch nicht sonderlich anspruchsvolle Szenen voller Fischen kaum erklären, welche zur filmischen Dramaturgie nun wirklich gar nichts beitragen und stattdessen immer wieder das Tempo ausbremsen und den Spannungsbogen kollabieren lassen. Wenig maßstabsgetreu mit einem U-Boot-Modell aus Plastik und einigen Zierfischen im Aquarium zu arbeiten, das zerstört schlicht jegliche Illusion. Für Liebhaber filmischer Randnotizen und kurioser Fußnoten vielleicht noch irgendwie interessant, wirklich sehenswert oder gar gut ist The Neptune Factor ganz gewiss nicht.

 

4 von 10 Mal im Aquarium planschen

 

 

The Mummy (2017)

23. Februar 2019 at 14:29

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Welcome to a new world of gods and monsters.“

 

 

 

Durch einen Luftangriff im kriegsgeschüttelten Irak wird eine uralte ägyptische Grabstätte freigelegt. Zusammen mit dem leicht zweifelhaften Abenteurer Nick Morton und dessen Partner Chris Vail untersucht die Archäologin Jenny Halsey den Fund, der nach England gebracht werden soll. Doch keiner von ihnen ahnt, dass sie dabei die Pharaotochter Ahmanet befreit haben, die einen Pakt mit dem ägyptischen Gott des Todes eingegangen ist, nun nach grenzenloser Macht strebt und das Böse selbst in die Welt holen will.

 

Das also ist der Auftakt für das von Universal geplante Dark Universe, welches zumindest auf dem Papier ja durchaus Potential gehabt hätte. Doch die nach People Like Us (2012) erst zweite Regiearbeit des eher für seine Drehbücher bekannten Alex Kurtzman macht überdeutlich, warum dieses ehrgeizige Projekt zumindest in dieser Form zum Scheitern verurteilt war. The Mummy ist weder bei Grusel oder Horror zu verorten, sondern zeigt sich vielmehr als glattgebügeltes Fantasy-Action-Spektakel ohne Ecken und Kanten. Spannung oder Dramatik sucht man hier vergeblich und bekommt stattdessen kaum mehr als knappe zwei Stunden auf Hochglanz polierte Langeweile geboten. Kurtzman inszeniert seinen Film zwar handwerklich kompetent, aber auch seelenlos, leblos und ohne Liebe zum Genre.

 

The Mummy will ein möglichst breites Spektrum abdecken, verliert dadurch jedoch seinen narrativen Fokus und findet zwischen Düsternis und Klamauk nie wirklich zu sich selbst. Will man dann noch unbedingt das Dark Universe mit der Brechstange voran treiben, indem alles andere als subtile Verweise – ein Vampirschädel hier, eine Hand mit Schwimmhäuten da – lieblos aufeinander stapelt werden und natürlich auch Dr. Jekyll in diese Richtung zielt, rückt die eigentliche Rahmenhandlung rund um das titelgebende Monster plötzlich in den Hintergrund. Die vom Drehbuch propagierte Gefahr seitens Ahmanet bleibt letztlich diffus und kommt nicht nur wegen der holprigen Erzählstruktur nie wirklich zum Tragen, sondern auch, weil der teils deplatzierte Humor immerzu sämtliche Anstrengung in Richtung Ernsthaftigkeit unterläuft und manchmal sogar in unfreiwilliger Komik mündet. Rückblickend ist es wirklich kein Wunder, dass das von Universal angestrebte Dark Universe gleich wieder in sich kollabieren musste, wenn bereits der Auftaktfilm derart viel Potential vollkommen ungenutzt und geradezu achtlos liegen lässt.

 

4 von 10 tauchenden Kreuzritter-Zombies

 

 

Paprika (2006)

31. Januar 2019 at 18:57

 

 

© Sony Pictures Entertainment Japan/Quelle: IMDb

 

 

 

Findest du nicht auch, dass Träume und das Internet sich in gewisser Weise gleichen? In beiden lebt sich das unterdrückte Unterbewusste aus.“

 

 

 

Als drei Prototypen des DC Mini – ein revolutionäres Gerät in der Psychotherapie, mit dem die Träume von Patienten nicht nur aufgezeichnet, sondern auch beeinflusst werden können – gestohlen werden, da muss die Projektleiterin Dr. Chiba Atsuko zusammen mit ihrem Chef und dem Polizisten Toshimi die Spur aufnehmen, denn mit dem DC Mini kann auch Manipulation betrieben und Gehirnstrukturen umprogrammiert werden. Als ihr Alter Ego Paprika begibt sich Atsuko also in die Traumwelten ihrer Patienten, um den Drahtzieher hinter all dem zu finden.

 

Provokant und vielleicht etwas überspitzt formuliert: Paprika ist Inception in gut. Inception mag zweifellos handwerklich großes Kino sein und doch ist an dieser These etwas dran, denn wo Christopher Nolan den Zuschauer immerzu an die Hand nimmt und jeden Schritt haarklein erklärt, damit bloß keine Orientierungslosigkeit aufkommen kann, da schmeißt einen Satoshi Kon ( Perfect Blue, Tokyo Godfathers) mit Paprika direkt und unvermittelt ins Geschehen, nimmt sein Publikum ernst und traut ihm auch zu, den Dingen ganz von allein auf den Grund gehen zu können. Und dieser wilde Ritt sucht wahrlich seines gleichen, denn Kon entfesselt einen geradezu unglaublich kreativen Bilderrausch voller übersprudelnd fantastischer Ideen. Visuell ist das bunte Treiben wundervoll anzusehen und erinnert manchmal an Cronenberg, manchmal an Dalí und manchmal einfach nur an bunte Comicwelten.

 

Statt die Grenze zwischen Realität und Traum nur zu verwischen, da sprengt Kon sie lieber gleich einfach weg. So baut Paprika auch auf keinen bestimmten Plot Twist hin, sondern zweifelt lieber von Beginn an konsequent an eben jener Grenze. Was ist wahr, was Traum, was manipuliert? Woran lassen sich die Unterschiede erkennen? Gibt es überhaupt noch welche? Traumwelt auf Traumwelt wird hier geschichtet bis sie sogar miteinander verschmelzen und der Zuschauer sich buchstäblich nie sicher sein kann auf welcher Ebene er sich gerade befindet. Die Wahrnehmung selbst wird manipuliert, verdreht, verknotet und dann gleich nochmal auf links gedreht. Paprika ist mehr als nur doppelbödig, verschachtelt und verwinkelt, rätselhaft und vor allem durchzogen von diversen Metaebenen und dennoch gelingt Kon das angesichts dieses schieren Wahnsinns geradezu unglaubliche Kunststück, dass sein Film nie zu überladen wirkt und trotz aller Ablenkung seine Story im Auge behält und sogar zu einem durchdachten Schlusspunkt bringt. Geschickt hinterfragt Kon nicht nur die Beschaffenheit von Wahrnehmung und somit Realität, sondern reflektiert darüber hinaus noch intelligent wie gleichermaßen unterhaltsam Gesellschaft, Medienwelt und den menschlichen Geist. So entpuppt sich Paprika sowohl inhaltlich wie audiovisuell wahrlich als kleines Meisterwerk, dessen tatsächliche Größe beim ersten Schauen kaum erfasst werden kann, denn Satoshi Kon bombardiert immerzu die Synapsen des Zuschauers mit den unterschiedlichsten Reizen, bis diese glühen, ohne es je zu übertreiben. Ganz großes Kino.

 

Sind wir aufgewacht? Ist das jetzt kein Traum mehr?“

 

9 von 10 bizarren Albtraumwelten

 

Ready Player One (2018)

27. November 2018 at 13:03

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

People come to the Oasis for all the things they can do, but they stay for all the things they can be.“

 

 

 

Im Jahr 2045 ziehen weite Massen der Bevölkerung die Flucht in die virtuelle Welt der OASIS der nackten wie ernüchternden Realität vor. Als deren Erschaffer Jimmy Hallyday überraschend verstirbt, da initiiert er eine Art gigantische Schnitzeljagd quer durch die OASIS. Wer diese als erste meistert und alle Hinweise entschlüsseln kann, dem winkt zum Lohn die volle Kontrolle über seine virtuelle Welt.

 

Der Roman Ready Player One von Ernest Cline (2011) galt für Hollywood-Maßstäbe kaum mehr als einen Wimpernschlag lang als unverfilmbar, bevor sich Steven Spielberg nun seiner angenommen hat und eine sowohl auf der audiovisuellen als auch der erzählerischen Ebene geradezu atemlose Hatz durch Jahrzehnte der Popkultur inszeniert, so sehr angefüllt mit lauter Gimmicks, Anspielungen und Referenzen, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Seine Vision von Ready Player One gestaltet sich als ausgedehnter Trip nach Nerdistan in Form einer virtuellen Schnitzeljagd rund um ein Easter Egg. Spielberg adaptiert zusammen mit Cline den Roman allerdings nicht 1:1, sondern weitet die ursprünglich überwiegend die 80er Jahre zitierende Handlung aus bis ins hier und jetzt und wendet sich wohl schon auch aus finanziellen Aspekten einem deutlich breiteren Spektrum der Popkultur zu. Vollkommen legitim, dennoch stellt sich mir auch die Frage nach der Zielgruppe. Wo der Roman eher auf Leute Anfang/Mitte 30 und vielleicht noch junge Erwachsene abzielt, da scheint mir der Film eher ein kindliches Publikum zu adressieren.

 

Der Einstieg ist enorm rasant, das Tempo gerade zu Beginn ungemein hoch und liefert geballte Reizüberflutung, doch zum Glück schaltet Ready Player One danach mehrere Gänge runter und fährt erst im letzten Drittel den totalen, zu Weilen aber auch ermüdenden Overkill auf. Doch gerade der Mittelteil hat ein paar hübsche Ideen und Einfälle abseits von XY ist für ein paar Sekunden im Bild zu sehen und besonders die Shining-Sequenz ist in ihrem enormen Detailreichtum beeindruckend. Manche Idee ist wirklich schön und elegant in die Erzählstruktur eingeflochten, andere hingegen werden bloß um ihrer selbst willen ins Getümmel geworfen und regelrecht abgehakt. Auch die Story bietet durchaus interessante Ansätze und hält so manches spannende Thema abseits der Jagd nach dem Easter Egg bereit, doch Ready Player One bleibt da immer nur an der Oberfläche, setzt lieber auf seine zugegeben eindrucksvollen Schauwerte und zelebriert das Staunen und die Überwältigung des Zuschauers. Zudem sind mir die Figuren und ihr Schicksal zu sehr egal, so dass ich weder mit ihnen noch mit der eigentlichen Handlung wirklich mitfiebern könnte. Auf der technischen und handwerklichen Ebene ist das alles aller erste Sahne, da besteht gar kein Zweifel, aber letztlich fühle ich mich von Ready Player One nur bedingt abgeholt. Spielbergs Film ist vielleicht DAS Popkultur-Destillat unserer Zeit, doch Scott Pilgrim vs. The World ist mir am Ende des Tages lieber.

 

6,5 von 10 Mal Buckaroo Banzai als Lieblingsfilm haben