The Revenant

13. Januar 2016 at 19:56

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„As long as you can still grab a breath, you fight. You breathe… keep breathing.“

 

 

 

Der Trapper Hugh Glass befindet sich mit einigen anderen Männern unter der Führung von Captain Andrew Henry auf einer Expedition, um den Missouri River zu erforschen und Pelze für die Rocky Mountain Fur Company zu sammeln. Nicht nur immer wieder angreifende Indianer machen den Männern das Leben schwer, auch die Natur selbst kann sich schnell gegen sie wenden. Als Glass in einem unachtsamen Moment von einer Grizzlybärin angegriffen und schwer verletzt wird, ist er eine zusätzliche Belastung für die immer kleiner werdende Gruppe von Männern. Als die Last immer größer und Glass` Zustand immer schlechter wird, werden mit seinem indianischem Mischlingssohn Hawk, dem jungen Soldaten Bridger und John Fitzgerald drei Mann mit ihm zurückgelassen, um ihm ein würdevolles Begräbnis zu geben, sobald er tot ist. Fitzgerald jedoch hat andere Pläne und keine große Lust, noch tagelang mit den Indianern im Nacken im Schnee festzusitzen und darauf zu warten, dass Glass endlich stirbt. Es kommt zum Eklat in der Gruppe, Fitzgerald tötet Hawk, verscharrt Glass notdürftig in einem Loch und macht sich mit Bridger zusammen auf den Weg, den Rest ihrer Leute wiederzufinden. Doch Glass ist noch nicht vollends tot und der Mord an seinem Sohn gibt ihm die letzte Kraft, sich mit dem unerbittlichen Ziel der Rache nach und nach zurück ins Leben zu kämpfen…

 

Was wurde nicht alles im Vorfeld über die Dreharbeiten zu The Revenant berichtet, über die enormen Strapazen der gesamten Crew, über den Perfektionismus des Regisseurs, der alle in den Wahnsinn trieb. Alejandro González Iñárritu drehte ausnahmslos bei natürlichem Licht und verzichtete auf jegliche künstlichen Beleuchtungsquellen, was oft bedeutete, dass nur wenige Stunden zum Drehen geeignet waren. Und das im tief winterlichen kanadischen Calgary und in Argentinien, oft an nur schwer zugänglichen Orten und bei Temperaturen im deutlich zweistelligen Minusbereich. Zudem drehte Iñárritu The Revenant in chronologischer Szenenabfolge, was nicht nur völlig untypisch ist, sondern auch deutlich zeitraubender und aufwendiger. Kurzum: die Dreharbeiten waren für alle Beteiligten eine Tortur, schnell lagen die Nerven blank und nicht wenige stiegen aus dem Projekt aus. Es gab Gerüchte von Streitereien und Handgemengen untereinander, und viele, auch DiCaprio selbst, gaben hinterher zu Protokoll, nicht selten an physische und psychische Grenzen gestoßen zu sein. Wäre nun The Revenant ohne diese Strapazen ein anderer Film geworden? Schwer zu sagen, aber eines ist gewiss: man spürt sie deutlich, die Belastung, die allen bei den Dreharbeiten abverlangt wurde.

 

Das dominierende Thema in The Revenant ist Leid. Physisches und psychisches Leid gepaart mit Wut, Trauer und einem unbändigen Durst nach Rache, aber überwiegend ist es Leid, dass Iñárritu in faszinierenden und oftmals geradezu hypnotischen Bildern auf die Leinwand bringt. Natürlich ist es hauptsächlich Hugh Glass der leidet, aber schnell überträgt sich das auch auf den Zuschauer, so intensiv ist die Inszenierung von Schmerz, Entbehrung und Verzweiflung. Bereits der Einstieg in den Film gestaltet sich als schwer zu ertragen und zeigt einen Indianerangriff auf das Lager der Expedition. Die Kamera ist mittendrin, gleitet anmutig im Kampfgetümmel umher, ruhig, schonungslos und unbarmherzig bildet sie in einer von noch vielen folgenden atemberaubenden Plansequenzen die erstaunlich konsequente Gewalt auf beiden Seiten ab. Dem Zuschauer wird die Rolle des passiven Beobachters genommen, er ist sofort Teil des Geschehens und wird regelrecht hinein gezogen. Jegliche Distanz und sämtliche Barrieren, die man aufbauen könnte, werden bereits in den ersten Minuten egalisiert und es ist ungemein schwer, sich all dem zu entziehen. Unbedingt erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang der Mann hinter der Kamera, Emmanuel Lubezki. Der Mexikaner ist buchstäblich ein Zauberer der Bilder, ein Meister der Plansequenzen und vielleicht der aktuell Beste seines Fachs. Schon seine Arbeiten bei Children of Men und Gravity von Alfonso Cuarón, bei The New World, Tree of Life, To the Wonder und Knight of Cups von Terrence Malick und natürlich auch bei Birdman von Alejandro González Iñárritu waren allesamt absolut fantastisch, aber in The Revenant übertrifft Lubezki sich selbst. Nicht nur gelingt es ihm immer wieder absolut spektakuläre Bilder von umwerfender Schönheit in dieser doch so kargen und feindlichen Welt zu finden, er lässt seine Kamera sich in einer Art und Weise bewegen, wie ich es vorher noch nie erlebt habe. Mit verblüffender Leichtigkeit, geradezu tänzelnd, aber nie verspielt oder gar selbstverliebt, sondern trotzdem immer sehr direkt und ganz nah am Geschehen, wird nahezu jedes Detail eingefangen. Ähnlich verhält es sich mit dem faszinierenden Soundtrack des japanischen Pianisten und Komponisten Ryûichi Sakamoto, der bekannt ist für seine Ausflüge in Jazz, Neoklassik und Avantgarde-Pop, und bei The Revenant von Bryce Dessner unterstützt wird, seines Zeichens Gitarrist und Songwriter bei der Band The National. Sakamoto entwirft (alb)traumhafte Bruchstücke statt eines geradlinigen Klangteppichs, fiebrig, treibend und aufpeitschend, oft dissonant und arhytmisch, manchmal verstörend, aber immer die Bilder von Lubezki perfekt untermalend. So ensteht ein ganz eigener, sogartiger, gelegentlich rauschhafter Rhythmus aus Bildern, Musik, Kampfgetümmel, Leid, Schmerz, Schreien, Keuchen und pochenden Herzschlägen.

 

 

 

„I ain’t afraid to die anymore. I’d done it already.“

 

 

 

Kommen wir zu dem im Vorfeld vielleicht am meisten diskutierten Aspekt von The Revenant, den schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Auf das leidige Thema Leonardo DiCaprio und den Oscar will ich an dieser Stelle gar nicht erst eingehen, denn ich kann diese Diskussion nur bedingt nachvollziehen, ist dieser Preis doch mittlerweile ohnehin recht wertlos und hat beinahe keinerlei Aussagekraft mehr über Qualität. Und ja, DiCaprio ist überragend in The Revenant und ich wage sogar zu behaupten, dass er noch nie so gut war. Eine unglaublich intensive und kraftvolle Darbietung ist das, die ihn nun vielleicht endgültig den allerletzten Schritt nehmen lässt hin zu solch absoluten Legenden wie Daniel Day-Lewis. DiCaprio hat sehr wenig Text im Film, seine Figur des Hugh Glass ist enorm wortkarg und spricht selten ganze Sätze, ist er anfangs doch sehr mit stöhnen, grunzen oder gurgeln beschäftigt und später meist auf sich allein gestellt in der Wildnis. Aber Dicaprio braucht keine Worte, um dem Zuschauer zu jeder Sekunde sein Leid, seinen Schmerz, seine Wut und seine Trauer absolut überzeugend und vollkommen glaubwürdig zu vermitteln. Vielleicht ist das dann auch der Punkt, an dem sich der Perfektionismus von Iñárritu auszahlt, mussten die Darsteller während der Dreharbeiten ja tatsächlich auch an ihre Grenzen und bis zum Äußersten gehen. Aber so brilliant DiCaprio in The Revenant auch spielt und scheinbar alles dominiert, darf man keineswegs die auch hervorragende Leistung eines Tom Hardy vergessen, der seinen John Fitzgerald in einen knurrigen Unsympathen aller erster Güte verwandelt, ein nuschelndes, manchmal kaum zu verstehendes, geradezu ekelhaft zynisches Bündel aus Hass, Abscheu, Gewalt und gnadenlosem Egoismus. Eine weitere von vielen tollen Darbietungen des Briten in den letzten paar Jahren. Und auch Domhnall Glesson, der schon in Ex Machina und The Force Awakens im letzten Jahr große Auftritte hatte, ist auch hier vertreten. Der scheinbar steil aufstrebende Sohn von Brendan Glesson liefert als Captain Andrew Henry ebenfalls eine sehr gute Performance, nuanciert und gewissenhaft, quasi der ruhige Gegenpol zu Hardy´s Fitzpatrick.

 

Klingt also alles nach einem Meisterwerk, nicht wahr? Nun, nicht ganz, wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ist das erste Drittel von The Revenant noch an Intensität kaum zu überbieten, ergeht sich Iñárritu gerade im Mittelteil ein wenig zu sehr im Leid des Hugh Glass, reizt es komplett aus und beginnt, sich erzählerisch im Kreis zu drehen. Irgendwie will der Regisseur einfach nicht ablassen von seinem tragischen Antihelden und die körperliche Grenzerfahrung an sich scheint ihm nicht zu genügen, vielmehr bauscht es sie künstlich auf und lässt seinen Protagonisten immer und immer wieder neue Extremsituationen durchleben. Das wird irgendwann repetitiv, nutzt sich ab und untergräbt letztlich auch ein wenig die Glaubwürdigkeit der Ereignisse. Der Film verliert dadurch so einiges an Kompaktheit, die man gerade im etwas zähen und unnötig in die Länge gezogenen Mittelteil zu vermissen beginnt. Der Verzicht auf die eine oder andere peinigende Qual des Hugh Glass hätte The Revenant an diesen Stellen vermutlich gut getan, kommt doch unweigerlich der Punkt, an dem der Zuschauer zwar verstanden hat, was der Mann unsägliches durchleben muss, Iñárritu seine Qualen aber regelrecht zu zelebrieren beginnt und man dem durchaus überdrüssig werden kann. Zudem leistet sich der Mexikaner immer mal wieder leichte spirituelle Einsprengsel und driftet in etwas esoterische Bereiche ab, wenn man so will, die zwar durchweg absolut stimmungsvoll umgesetzt sind, erzählerisch aber nur bedingt dazu beitragen, The Revenant voran zu bringen. Ist der Mittelteil noch von diversen erzählerischen Längen durchsetzt und manchmal von Leerlauf geprägt, zieht dann aber das Tempo wieder an und das zweifellos grandiose und buchstäblich biblische Finale kommt seltsam plötzlich und irgendwie zu schnell. Der Weg dorthin wirkt eigenartig gerafft, gerade auch im Gegensatz zum mittleren Drittel des Films. Dafür fährt Iñárritu dann aber am Schluss wirklich nochmal alles auf, was er zu Beginn von The Revenant so fantastisch etablieren konnte und lässt den Zuschauer versöhnt aus seinem Film.

 

Das erhoffte und vielleicht auch erwartete Meisterwerk ist The Revenant letztlich nicht geworden, denn dafür gibt es phasenweise zuviel erzählerischen Leerlauf in einer ohnehin schon nicht sehr komplexen Rachestory um Schuld und Sühne. Was aber nun keineswegs bedeuten soll, The Revenant wäre ein schlechter oder langweiliger Film geworden, das nun wirklich nicht, es ist nämlich immer noch ein verdammt guter, nur eben kein Meisterwerk. In seinen besten Momenten ist The Revenant treibendes, pulsierendes und immer wieder auch verstörendes Kino in unglaublich schönen und zugleich auch grausamen Bildern, eingefangen durch die wohl beste Kameraarbeit seit sehr langer Zeit. Ein spürbar gewaltiger Kraftakt, den Alejandro González Iñárritu auf die Leinwand bringt und der sich schon bald schonungslos auf den Zuschauer überträgt, der aber auch ein wenig zu repetitiv geraten ist und seinen esoterischen Unterbau nur bedingt braucht. Alles in allem zweifellos ein absolut sehenswerter Film, vor allem auch und unbedingt im Kino, aber auch ein Film, an dem die breite Masse vielleicht nicht immer Geschmack finden wird, unterläuft seine Erzählstruktur doch gerne Mal festgefahrene Sehgewohnheiten.

 

8 von 10 gesammelten Skalps

 

 

Jurassic Park

13. Juni 2015 at 16:22

 

 

© Universal Pictures

 

 

 

„God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.“

 

 

 

Der leicht egozentrische Multimilliardär John Hammond hat auf einer kleinen Insel in der Nähe von Costa Rica mit Hilfe modernster Gentechnologie einen neuen Vergnügungspark geschaffen, ein riesiges prähistorisches Biotop mit geklonten Dinosauriern als größte Attraktion. Im Vorfeld der offiziellen Eröffnung kommt es jedoch zu einem tödlichen Arbeitsunfall, woraufhin die Investoren des Projekts nervös werden und eine eingehende Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Park fordern. Im Zuge einer aus diesem Grund geplanten Besichtigung des noch geschlossenen Parks durch ein eigens dafür zusammengestelltes Team von Experten will Hammond endgültig alle Zweifel ausräumen. Als jedoch wegen eines heraufziehenden Unwetters große Teile der Parkbelegschaft evakuiert werden müssen, nur eine Rumpfbesatzung zurückbleibt und schließlich der Strom ausfällt, nimmt die Katastrophe unweigerlich ihren Lauf…

 

Jurassic Park und ich, das ist eine ganz besondere Beziehung… Ich war dreizehn, als der Film anlief und es war mein erster Kinobesuch ohne elterliche Aufsicht und wohl auch der erste, an den ich mich selbst heute noch ganz bewusst erinnern kann. Der erste Blockbuster, dem ich bewusst entgegen fieberte, ohne damals auch nur zu wissen, was ein Blockbuster überhaupt ist. Spätestens an diesem Tag war es um mich geschehen und ich hoffnungslos verloren, den bewegten Bildern, dieser ganz besonderen Magie verfallen. Der Auftakt zu einem bis heute andauernden Eskapismus. Und seien wir doch mal ehrlich, dafür sind sie doch da, die Filme, das ist der Grund, warum es sie gibt und warum wir sie schauen, um für einen bestimmten Zeitraum, einen winzigen Moment lang in eine andere Welt abtauchen zu können, eine Welt, die eben nicht unsere ist. Insofern ist Jurassic Park für mich bis heute einer meiner Lieblingsfilme und ein moderner Klassiker zugleich, ich kann ihn auch heute noch voller kindlicher Begeisterung schauen ohne das er mir langweilig wird und er hat 1993 die Filmwelt revolutioniert und die Messlatte für kommende Blockbuster so hoch gelegt, dass sie bis heute nicht erreicht wurde. Und nun, 22 Jahre nach dem ersten Film, öffnet der Park mit Jurassic World wieder seine Tore, was auch der Grund für diese Rezension ist.

 

 

 

„ The kind of control you’re attempting simply is… it’s not possible. If there is one thing the history of evolution has taught us it’s that life will not be contained. Life breaks free, it expands to new territories and crashes through barriers, painfully, maybe even dangerously, but, uh… well, there it is.“

 

 

 

Eines beherrscht Steven Spielberg wirklich in Vollendung: das Erzählen von Geschichten. Geschichten, die oftmals diesen ganz besonderen Hauch haben, dieses besondere Etwas, das sie so außergewöhnlich macht, egal, ob Jaws in den 70er Jahren, Indiana Jones in den 80er Jahren oder eben Jurassic Park in den 90er Jahren…. immer waren es geradezu magische Kinomomente. Und Jurassic Park ist wirklich ein Glanzstück des Erzählkinos, ein auch heute noch beeindruckendes Abenteuer, das zu begeistern weiß. Spielberg erschafft hier einen nahezu perfekten Spannungsbogen, er nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für die Etablierung des Settings und die Einführung der Figuren und spielt permanent mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, indem er sich lange nur in Andeutungen ergeht, hier mal ein Reptilienauge, dort mal ein schuppiges Ding, das kurz im Gebüsch aufblitzt. Gerade zu Beginn wird oft nur angedeutet, was später dann noch zur Genüge zu sehen sein wird und phasenweise macht sich der Film sogar darüber lustig, wenn Dr. Malcolm fragt, ob es da denn auch Dinosaurier auf dieser Dinosauriertour gäbe. Doch genau dadurch werden dann die späteren Auftritte der eigentlichen Hauptdarsteller des Films erst so unglaublich eindrucksvoll, bis der T-Rex zum ersten Mal in voller Größe erscheint, ist die Spannung schon längst so groß, dass sie sich in diesem einen Moment entlädt. Ein unvergesslicher Augenblick. Was bei den Dreharbeiten zu Jaws noch aus der Not heraus im Schneideraum geboren wurde, setzt Spielberg in Jurassic Park nahezu perfekt zur Steigerung der Spannung ein. Nicht weniger faszinierend ist es auch, wie elegant Spielberg den Spagat zwischen Horrorfilm, Abenteuerfilm und Familienunterhaltung meistert, eine Gratwanderung, achtet er doch sehr genau darauf, den gezeigten Schrecken nicht zu detailgetreu in Szene zu setzen, gleichzeitig gelingt es ihm aber, immer die Spannungskurve im Auge zu behalten. Überhaupt treten das gekonnt vermittelte Gefühl von Abenteuer und die Lust am Entdecken und Staunen nach ungefähr der Hälfte des Films zu Gunsten von Angst und Terror in den Hintergrund, aber dieser Wechsel der Stimmung erfolgt keineswegs abrupt, er kommt vielmehr schleichend und wird sorgfältig aufgebaut.

 

Aber Jurassic Park ist nicht nur eine annähernd perfekt inszenierte Mischung aus Abenteuer und Horror, er handelt ganz nebenbei auch noch die menschliche Hybris und den Gottkomplex der Wissenschaft ab und stellt unbequeme, moralisch und ethisch wichtige Fragen. Was passiert, wenn der Mensch zu sehr in das komplizierte Gefüge der Natur eingreift? Was berechtigt den Menschen dazu, solche Eingriffe in die Natur vorzunehmen? Nur, weil er es kann? Zudem vermittelt Jurassic Park auf ausgesprochen unterhaltsame, manchmal vielleicht etwas alberne, meistens aber dezent selbstironische Art und Weise dem Zuschauer die wissenschaftlichen Grundlagen. Die Herkunft des Dinosaurierblutes, das Klonen, das Vervollständigen der fehlerhaften DNA-Stränge, all das ist wissenschaftlich natürlich alles andere als haltbar und auch beim Design der Dinosaurier selber hat man sich viele Freiheiten genommen (besonders von den Velociraptoren wird ein verzerrtes Bild entworfen, aber hey: genau deswegen lieben wir diese bösartigen Fieslinge doch so sehr!), aber all das wird so charmant und immer mit einem Augenzwinkern präsentiert, dass es einfach unterhaltsam ist, so ganz ohne oberlehrerhaft erhobenem Zeigefinger.

 

 

 

„Your scientists were so preoccupied with whether or not they could that they didn’t stop to think if they should.“

 

 

 

So sind auch die Dinosaurier ganz klar die Hauptdarsteller des Films, aber Spielberg gelingt es dennoch, die menschlichen Protagonisten nicht zu bloßem Beiwerk verkommen zu lassen. Zwar sind die Charaktere durchgängig flach und eindimensional, aber eben niemals überzeichnet und mit ihnen wird die Story absolut verlässlich und reibungslos erzählt. Einige sind wandelnde Klischees, der geldgierige Anwalt, der schmierige IT-Experte mit Übergewicht, vermülltem Arbeitsplatz und einem ausgeprägten Hang zu Süßigkeiten oder die nervigen Kinder, aber sowohl das als auch kleinere Plotlöcher, die eine oder andere etwas holprige und ungelenke Szene, ja, sogar einer der vielleicht größten Filmfehler überhaupt, nichts davon wiegt im Vergleich zum Rest des Films so schwer, dass man nicht darüber hinweg sehen könnte.

 

Auch tricktechnisch ist Jurassic Park zweifellos bis heute ein herausragender Meilenstein und wirkt selbst nach 22 Jahren in keinster Weise angestaubt oder veraltet. Spielberg legt hier eine Messlatte für das moderne Kino, die bis heute Bestand hat. Der Film zeigt beinahe in Perfektion, wie man digitale und klassische Spezialeffekte virtuos harmonieren lassen kann, um die Illusion absolut glaubwürdig erscheinen zu lassen. CGI kommt nur zum Einsatz, wenn es auch unbedingt nötig ist, ansonsten werden überwiegend animatronische Puppen eingesetzt, wodurch den Effekten eine ganz andere Physis und Wucht verliehen wird, eine gewisse Authentizität angesichts tonnenschwerer Dinosaurier. Ein Musterbeispiel dafür, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob man einfach alles die Computer errechnen lässt, oder ob man diese Möglichkeit nutzt, um die Illusion letztlich perfekt abzurunden. Ein großes Problem der Nachfolgefilme ist dann letztlich auch, dass der vermehrte Einsatz von CGI zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit führt, denn es mangelt deutlich an diesem speziellen Gefühl von Wucht, Masse und Kraft, welches Jurassic Park noch so überzeugend vermitteln konnte.

 

 

 

„Dinosaurs had their shot, and nature selected them for extinction.“

 

 

 

Bevor wir zum Ende kommen, sprechen wir doch noch einmal kurz über die beiden Fortsetzungen The Lost World und Jurassic Park III. The Lost World hatte das große Problem, dass man sich nicht mehr auf den Überwältigungseffekt des Vorgängers verlassen konnte, der große Wow-Moment, den konnte man so unmöglich wiederholen, das war einmalig. Was also tun? Richtig! Einfach alles größer machen. The Lost World bietet mehr Dinosaurier, mehr Action, mehr Tempo, mehr Zähne, aber leider auch weniger gut geschriebene Figuren, die zum Teil völlig entgegen ihrer Herkunft agieren, und einen an vielen Stellen sehr unausgegorenen Handlungsbogen. Zwar ist der Film deutlich grimmiger, düsterer und kälter angelegt, aber er büßt so auch viel vom kindlichen Charme der Begeisterung ein, welcher den Vorgänger noch so auszeichnete. Zudem mangelt es dem Zuschauer an Bindung zum Geschehen, man fiebert nicht so richtig mit den Figuren mit, denn es wird kaum Identifikationspotential geboten. Geriet die Gruppe um Dr.Grant im ersten Teil noch unfreiwillig und ohne eigenes Verschulden in den Schlamassel, so trägt die Gruppe um Dr.Malcolm im zweiten Teil doch eine gewaltige Mitschuld an den Ereignissen. Vor allem die sehr schlecht geschriebene Figur des radikalen Öko-Aktivisten, der seine vermeintlich hohen Ziele gerne auch mit Waffengewalt durchsetzt und zu Hauf Menschenleben riskiert, ist da ein ausgesprochen unsympathischer und stellenweise unüberlegt und dumm agierender Störfaktor. Das seltsam aufgepfropft wirkende Finale in San Diego zitiert dann zu allem Überfluss auch noch gleichermaßen King Kong wie Godzilla und wirkt mehr als nur deplatziert, auch weil die Spezialeffekte nicht mehr so sehr zu überzeugen wissen wie im Vorgänger. Aufgrund vieler starker Einzelszenen und wenigen sehr gelungenen Momenten ist The Lost World dennoch ein guter bis gelegentlich sehr guter Reißer, der durchaus zu unterhalten weiß. Jurassic Park III jedoch… nun ja, hier versucht man erneut, alles einfach nur nochmal zu toppen, noch mehr Dinosaurier, noch mehr Action, noch mehr Zähne. In gut 90 Minuten presst man hier so ziemlich alles rein, was sich irgendwie noch vertreten ließ. Drehbuch und Story sind haarsträubend, die Charakter eine Katastrophe, die Spezialeffekte stellenweise lachhaft und Spannung kommt so gut wie keine mehr auf. Mit dem grandiosen ersten Teil hat das nichts mehr gemein, außer, dass Dinosaurier darin auftauchen. Ein relativ unwürdiger Schlusspunkt der Reihe, zumindest bisher. Man darf gespannt sein, wo sich letztlich Jurassic World einreihen wird.

 

Jurassic Park ist ohne jeden Zweifel ein moderner Klassiker, ein Juwel am Blockbusterhimmel, dessen Qualitäten bis heute niemand hat erreichen können. Ein erzählerisches Glanzstück, dass moderne Technik formvollendet dazu verwendet, seine Geschichte intensiver und glaubwürdiger zu machen. Ein Paradebeispiel dafür, zu was Kino in der Lage sein kann, wenn nur die richtigen Leute mit einer Vision und Lust am Geschichten erzählen in Ruhe arbeiten dürfen. 9 von 10 blutigen Ziegenbeinen

 

The Lost World hat deutlich mehr Schwächen als Jurassic Park und ist weniger charmant und deutlich düsterer. Nachlässiger inszeniert, aber immer noch ein guter bis sehr guter und durchaus unterhaltsamer Film. 7 von 10 T-Rex Babies mit gebrochenem Bein

 

Jurassic Park III… da ist nur noch bloßes Unverständnis. Und Dinos. 4 von 10 nervigen Eltern

 

 

 

 

Buckaroo Banzai: Die 8. Dimension

20. Januar 2015 at 1:39

 

 

The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension (1984)
The Adventures of Buckaroo Banzai Across the 8th Dimension poster Rating: 6.4/10 (16,104 votes)
Director: W.D. Richter
Writer: Earl Mac Rauch
Stars: Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum
Runtime: 103 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Romance
Released: 10 Aug 1984
Plot: Adventurer/surgeon/rock musician Buckaroo Banzai and his band of men, the Hong Kong Cavaliers, take on evil alien invaders from the 8th dimension.

 

 

 

„Don’t be mean; we don’t have to be mean, cuz, remember, no matter where you go, there you are.”

 

 

 

Buckaroo Banzai… Puh! Was soll man da sagen? Wo soll ich anfangen?! Am besten bei Buckaroo Banzai selbst, seines Zeichens Neurochirurg, Rockstar (mit seiner Band, den Hong Kong Cavaliers), Physiker, Kampfsportler, Erfinder, Rennfahrer, Abenteurer, Star seines eigenen Comics und noch vieles mehr, vor allem aber: der Retter der Welt. Noch Fragen?

Buckaroo, seine Hong Kong Cavaliers und die Blue Blazers, eine Art Buckaroo-Fanclub, müssen die Welt vor den roten Lectroiden vom Planeten 10 aus der 8. Dimension unter der Führung des fiesen Lord John Whorfin bewahren, die mit Hilfe des von Buckaroo erfundenen Oszillations-Overthrusters die Welt zerstören wollen (glaube ich zumindest, soweit ich das verstanden habe). Unterstützung (oder auch nicht, das ist irgendwie ein bisschen unklar) erhalten sie von den schwarzen Lectroiden vom Planeten… ihr wisst schon. Klar soweit?

Der Film ist wirr, macht keinen Sinn und ist einfach irgendwie seltsam. Nichts will so richtig zusammen passen, logisch ist hier gar nichts. Wer nicht versteht, worum es geht, der muss sich wirklich nicht schämen, im Gegenteil, wer mir den tieferen Sinn hinter all dem erklären kann, der verdient einen Orden. Hauptsächlich liegt das daran, dass der Film versucht ganz viele Genre gleichzeitig zu sein, ein wilder Stilmix aus Action, Comedy, Science Fiction, Lovestory, Fantasy, Adventure und Musikfilm, es aber nicht schafft, all das sinnvoll unter einen Hut zu bringen, etwas homogenes, etwas eigenes daraus zu machen. Es gibt keinen richtigen roten Faden, vielmehr springt der Film von Genre zu Genre, von Idee zu Idee, vieles wird angerissen, aber nicht zu Ende gebracht. Das ist schade, denn im Grunde birgt das alles irre viel Potential, welches aber kaum genutzt wird. Man merkt deutlich, dass die Macher unbedingt einen Kultfilm erzwingen wollten, als Entwurf am Reißbrett, und das funktioniert fast nie. Kult lässt sich nicht planen. Im Falle von Buckaroo Banzai geht die Rechnung zumindest zum Teil auf, denn der Film ist tatsächlich abgedreht genug, um einen gewissen Kultstatus zu erlangen, er hat ja durchaus auch seine Anhänger, aber am Ende fehlen ihm Herz und Seele.

Ein weiteres Problem des Films ist die enorm hohe Dichte an Charakteren. Hier werden einem so viele Figuren im Minutentakt um die Ohren gehauen, teils ohne nennenswerte Funktion, dass man schnell den Überblick verliert und nicht mehr genau weiß, wer jetzt wer ist, wer auf wessen Seite, und wer welche Bedeutung hat, und mindestens die Hälfte davon könnte man problemlos aus dem Drehbuch streichen ohne das es auffällt. Dadurch bleibt auch kaum Zeit, den einzelnen Figuren genügend Raum zur Entfaltung zu geben, alles wirkt sehr oberflächlich. Dabei ist der Cast wirklich mehr als nur beachtlich, hier wird mit Peter Weller, John Lithgow, Ellen Barkin, Jeff Goldblum, Christopher Lloyd, Clancy Brown, Vincent Schiavelli und Dan Hedaya allerhand aufgefahren, aber bis auf John Lithgow, der sichtlich Spaß hat an seiner Rolle des verrückten Bösewichts, und Ellen Barkin wirken alle anderen doch relativ lustlos und spielen recht uninspiriert. Peter Weller als Buckaroo Banzai bleibt erstaunlich blaß, Christopher Lloyd als roter Lectroid John Bigboote (was im englischen Originalton ein herrliches Wortspiel abgibt, welches dann aber auch permanent wiederholt werden muss) ist nahezu völlig verschenkt, Jeff Goldblum kann keine Akzente setzen und Clancy Brown hat vielleicht zwei Szenen. Der Rest hat einfach nicht genügend Platz im Drehbuch, um zu glänzen.

Überhaupt ist das Drehbuch bei weitem kein schlechtes, es ist voller skurriler Ideen und verrückter Einfälle, voller bizarrer Figuren und geradezu grotesken Situationen und Momenten, aber es ist schlicht und ergreifend zu überladen, es wird zuviel auf einmal gewollt. Der Regisseur W.D. Richter schrieb einige Jahre später, als klar wurde, dass es aufgrund der schwachen Einspielergebnisse an den Kinokassen keine Buckaroo-Fortsetzung geben würde, das Drehbuch zu John Carpenters Big Trouble in Little China, der ähnlich verrückt, aber deutlich stringenter daherkommt, und verwendete hier große Teile seines Skripts für Buckaroo II. Vieles von dem, was dort passieren sollte, können wir also heute in Big Trouble in Little China sehen.

Vielleicht liest sich das alles jetzt so, als wäre Buckaroo Banzai ein schlechter Film, aber das ist er nun wirklich nicht. Er ist herrlich abgedreht und auch durchaus unterhaltsam und spaßig, aber seine Macher wollten mit dem Drehbuch einfach zuviel auf einmal, es ist vollgestopft mit all diesen verrückten Ideen, Figuren und Einfällen, und quillt regelrecht über vor kalkuliertem Kultcharakter. Zudem ist vieles einfach zu unausgegoren und wird nicht zu Ende gedacht, das Potential der Story wird nicht zur Gänze, sondern höchstens im Ansatz genutzt und tatsächlich wäre hier weniger mehr gewesen. Am Ende fehlen einfach Herz und Seele, um einen echten Kultfilm abzuliefern.

 

6 von 10 Oszillations-Overthrustern