Jurassic World

17. Juni 2015 at 18:41

 

 

 

Jurassic World (2015)
Jurassic World poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: Colin Trevorrow
Writer: Rick Jaffa (screenplay), Amanda Silver (screenplay), Colin Trevorrow (screenplay), Derek Connolly (screenplay), Rick Jaffa (story), Amanda Silver (story), Michael Crichton (characters)
Stars: Chris Pratt, Vincent D'Onofrio, Bryce Dallas Howard, Judy Greer
Runtime: 124 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 12 Jun 2015
Plot: Twenty-two years after the events of Jurassic Park (1993), Isla Nublar now features a fully functioning dinosaur theme park, Jurassic World, as originally envisioned by John Hammond. After 10 years of operation and visitor rates declining, in order to fulfill a corporate mandate, a new attraction is created to re-spark visitor's interest, which backfires horribly.

 

 

 

„We have learnt more in the past year from genetics, than a century of digging up bones! A whole new frontier has opened up! We have our first genetically modified hybrid!”

 

 

 

22 Jahre nach den Ereignissen auf Isla Nublar ist der nun Jurassic World betitelte Jurassic Park nicht nur endlich eröffnet und größer als jemals zuvor, er erfreut sich auch einer hohen Zahl an Besuchern und boomt gewaltig. Trotzdem sehen sich die Betreiber mit dem Problem konfrontiert, dass der Park zwar beständig zulegt, aber nicht genug, denn die Besucher lassen sich immer weniger von den Dinosauriern beeindrucken, sie sind nicht mehr viel außergewöhnlicher als ein Elefant im Zoo. Somit muss eine neue Sensation her, um die Gier des Publikums nach Spektakel zu befriedigen. Also basteln die Genetiker des Parks etwas völlig neuartiges zusammen, eine gänzlich neue Spezies, hochintelligent, lernfähig, absolut unberechenbar und schon längst kein Dinosaurier mehr, sondern durch und durch künstlich und am genetischen Reißbrett erschaffen. Als der sogenannte Indominus Rex aus seinem Gehege ausbricht, ist die Katastrophe vorprogrammiert und die Parkbesucher für die amoklaufende Bestie leichte Beute….

 

So hatte sich John Hammond seinen Traum vom Jurassic Park sicher nicht vorgestellt, vollständig durchkommerzialisiert, mit Starbucks-Filialen an jeder Ecke, irgendwo zwischen Sea World und Disneyland mit Dinosauriern und permanent auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, wollte er doch eigentlich der Menschheit ein Geschenk machen und ihr nicht bei jeder Gelegenheit das Geld aus der Tasche ziehen. Nebenbei pfuscht die genetische Abteilung weiterhin fleißig an ihren Produkten (so werden die Tiere genannt) herum und optimiert sie weiter und weiter, völlig ohne Respekt gegenüber Natur und Schöpfung. Sogar InGen darf immer noch mitmischen, aber die Bestrebungen gehen inzwischen arg in Richtung militärischer Komplex, natürlich immer schön streng geheim. Nicht einmal die Parkbetreiber selbst, die Masrani Corporation, stellvertretend dafür Simon Masrani, indischer Besitzer dieses Konglomerats, wissen so ganz genau, was da vor sich geht. Die Ausgangslage der Geschichte ist nur stimmig und konsequent, Hybris und Gottkomplex ins beinahe Unermessliche gesteigert und auf die Spitze getrieben im Vergleich zu Jurassic Park. Haben sich The Lost World und Jurassic Park III noch nur mit den Nachwirkungen eben dieser Problematik beschäftigt, lenkt Jurassic World sie in größere Dimensionen. Überhaupt gelingt es dem Drehbuch auf eine sehr einfache, aber umso effektivere Art und Weise, uns den Spiegel vorzuhalten, denn der von den Dinosauriern gelangweilte und nach der nächsten, noch größeren, noch schrecklicherern Sensation lechzende Jurassic World-Besucher ist im Grunde nichts anderes als wir, die genauso immer mehr nach dem nächstgrößeren Thrill gierenden Kinobesucher. Höher, weiter, schneller. Bigger is better. Mehr Zähne. Einen hübschen doppelten Boden hat der Regisseur Colin Trevorrow da eingezogen in seinen Film.

 

 

 

„Monster is a relative term. To a canary, a cat is a monster. We’re just used to being the cat.”

 

 

 

Es stellt sich allerdings die Frage: ist Jurassic World überhaupt nötig? Warum die Reihe noch einmal wieder beleben? Und ist der Film nun Reboot oder Sequel? Ersteres muss jeder für sich selbst beantworten, denn es hängt auch davon ab, wie man den Film denn nun findet, zu erzählen und zu zeigen gibt es in diesem Universum jedoch noch so allerhand. Jurassic World wirkt eher wie ein Reboot und nicht wie eine Fortsetzung, ist aber irgendwie beides und dann wieder nicht so richtig. Das klingt komisch und man muss es selber sehen, der Film platziert sich irgendwo dazwischen, erzählt eine neue Geschichte vor altem Hintergrund, bedient sich aber so vieler liebevoller und teilweise sehr detaillierter Anspielungen und Referenzen an Jurassic Park, dass man permanent das Gefühl hat, sich hier sehr gut auszukennen. Er baut auf die Ereignisse im ersten Teil auf, Jurassic World wurde mehr oder weniger auf den Überresten des alten Parks erbaut, und ignoriert die Geschehnisse aus The Lost World und Jurassic Park III vollständig. Keine Anlage B, keine Isla Sorna, kein San Diego, nichts davon wird erwähnt. Muss es auch nicht, denn es spielt für die Geschichte absolut keine Rolle. Und Jurassic World ist zum Glück nicht ähnlich sinnentleert geraten wie Jurassic Park III, sondern erzählt zunächst eine zwar keineswegs neue, aber durchaus spannende Geschichte, liefert mit dem neuen Park einen sehr gut und glaubwürdig inszenierten Mikrokosmos als Setting ab und etabliert Figuren, die zwar nichts allzu Besonderes sind, aber die Geschichte durchaus tragen und voranbringen können. Obwohl der Handlungsverlauf also bekannt ist, gibt es dennoch die eine oder andere geschickt platzierte Wendung, die dann doch zu unterhalten weiß.

 

Ja, es stimmt, Jurassic World präsentiert dem Zuschauer mehr Dinosaurier als irgendein anderer Teil der Reihe, allerdings fungieren viele Exemplare oftmals lediglich als Statisten, dürfen kurz durch das Bild laufen oder sind sehr zweckgebunden, und tragen meist wenig bis gar nichts zur Handlung bei. Das sie so sehr auf bloße Schauwerte reduziert sind, ist ein bisschen schade, in Jurassic Park zum Beispiel hatte jeder Dinosaurier zumindest seinen eigenen Auftritt, und war er noch so klein. Dafür ist das Design der Urzeitechsen wieder überzeugender ausgefallen als in den letzten beiden Filmen, auch wenn das tricktechnische Niveau des ersten Films nicht erreicht wird. Eine Rückbesinnung auf teilweise animatronische Effekte gerade in den Nahaufnahmen kommt Jurassic World merklich zu gute. Der große Antagonist, der Indominus Rex, ist dann leider auch mit der größte Schwachpunkt. Er funktioniert einfach nicht richtig, dieser genetische Hybride, weder sein Design weiß wirklich zu überzeugen, zu sehr sieht er einfach nur aus wie ein größerer T-Rex, noch seine angezüchteten und modifizierten Fähigkeiten. Sie wirken unpassend, denn sie tauchen urplötzlich auf, wenn die Story es verlangt, wenn ein Schwachpunkt im Drehbuch es erfordert oder ein Problem schnell gelöst werden muss, danach wird dann aber überhaupt kein Bezug mehr darauf genommen, als hätten sie nie existiert. Intelligent und lernfähig ist der Indominus Rex zweifellos, aber irgendwie will er einfach nicht so bedrohlich wirken, wie die Handlung ihn uns gerne präsentieren möchte. Das Potential dazu ist ja vorhanden, aber Angst und Schrecken verbreiten kann dieser vermeintliche Supersaurier dann leider nicht wirklich, worunter ein wenig die Atmosphäre leidet.

 

Jurassic World hat durchaus seine Existenzberechtigung, obwohl er zu keiner Sekunde das Rad neu erfindet. Muss er ja auch nicht, er ist kurzweilig und weiß zu unterhalten und wer Jurassic Park kennt und mag, der wird sich auch hier heimisch fühlen. Er entpuppt sich als würdiger Vertreter dieser Reihe, atmosphärisch dicht inszeniert und sicherlich der düsterste und kompromissloseste Beitrag zum Jurassic Park-Universum bisher, der zwar in keinem Moment an den ersten Teil heranreicht, diesen aber oft liebevoll würdigt und zitiert. Jurassic World ist allerdings deutlich besser als der dritte Teil und befindet sich somit in etwa auf einem Level mit The Lost World, ein solide bis gut inszenierter Blockbuster, der Spaß macht. Die Magie von einst ist zwar erloschen, aber das ist okay, das war zu erwarten.

 

6 von 10 genetisch hochgezüchteten Hybriden

 

 

 

Jurassic Park

13. Juni 2015 at 16:22

 

 

© Universal Pictures

 

 

 

„God creates dinosaurs. God destroys dinosaurs. God creates man. Man destroys God. Man creates dinosaurs.“

 

 

 

Der leicht egozentrische Multimilliardär John Hammond hat auf einer kleinen Insel in der Nähe von Costa Rica mit Hilfe modernster Gentechnologie einen neuen Vergnügungspark geschaffen, ein riesiges prähistorisches Biotop mit geklonten Dinosauriern als größte Attraktion. Im Vorfeld der offiziellen Eröffnung kommt es jedoch zu einem tödlichen Arbeitsunfall, woraufhin die Investoren des Projekts nervös werden und eine eingehende Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Park fordern. Im Zuge einer aus diesem Grund geplanten Besichtigung des noch geschlossenen Parks durch ein eigens dafür zusammengestelltes Team von Experten will Hammond endgültig alle Zweifel ausräumen. Als jedoch wegen eines heraufziehenden Unwetters große Teile der Parkbelegschaft evakuiert werden müssen, nur eine Rumpfbesatzung zurückbleibt und schließlich der Strom ausfällt, nimmt die Katastrophe unweigerlich ihren Lauf…

 

Jurassic Park und ich, das ist eine ganz besondere Beziehung… Ich war dreizehn, als der Film anlief und es war mein erster Kinobesuch ohne elterliche Aufsicht und wohl auch der erste, an den ich mich selbst heute noch ganz bewusst erinnern kann. Der erste Blockbuster, dem ich bewusst entgegen fieberte, ohne damals auch nur zu wissen, was ein Blockbuster überhaupt ist. Spätestens an diesem Tag war es um mich geschehen und ich hoffnungslos verloren, den bewegten Bildern, dieser ganz besonderen Magie verfallen. Der Auftakt zu einem bis heute andauernden Eskapismus. Und seien wir doch mal ehrlich, dafür sind sie doch da, die Filme, das ist der Grund, warum es sie gibt und warum wir sie schauen, um für einen bestimmten Zeitraum, einen winzigen Moment lang in eine andere Welt abtauchen zu können, eine Welt, die eben nicht unsere ist. Insofern ist Jurassic Park für mich bis heute einer meiner Lieblingsfilme und ein moderner Klassiker zugleich, ich kann ihn auch heute noch voller kindlicher Begeisterung schauen ohne das er mir langweilig wird und er hat 1993 die Filmwelt revolutioniert und die Messlatte für kommende Blockbuster so hoch gelegt, dass sie bis heute nicht erreicht wurde. Und nun, 22 Jahre nach dem ersten Film, öffnet der Park mit Jurassic World wieder seine Tore, was auch der Grund für diese Rezension ist.

 

 

 

„ The kind of control you’re attempting simply is… it’s not possible. If there is one thing the history of evolution has taught us it’s that life will not be contained. Life breaks free, it expands to new territories and crashes through barriers, painfully, maybe even dangerously, but, uh… well, there it is.“

 

 

 

Eines beherrscht Steven Spielberg wirklich in Vollendung: das Erzählen von Geschichten. Geschichten, die oftmals diesen ganz besonderen Hauch haben, dieses besondere Etwas, das sie so außergewöhnlich macht, egal, ob Jaws in den 70er Jahren, Indiana Jones in den 80er Jahren oder eben Jurassic Park in den 90er Jahren…. immer waren es geradezu magische Kinomomente. Und Jurassic Park ist wirklich ein Glanzstück des Erzählkinos, ein auch heute noch beeindruckendes Abenteuer, das zu begeistern weiß. Spielberg erschafft hier einen nahezu perfekten Spannungsbogen, er nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für die Etablierung des Settings und die Einführung der Figuren und spielt permanent mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, indem er sich lange nur in Andeutungen ergeht, hier mal ein Reptilienauge, dort mal ein schuppiges Ding, das kurz im Gebüsch aufblitzt. Gerade zu Beginn wird oft nur angedeutet, was später dann noch zur Genüge zu sehen sein wird und phasenweise macht sich der Film sogar darüber lustig, wenn Dr. Malcolm fragt, ob es da denn auch Dinosaurier auf dieser Dinosauriertour gäbe. Doch genau dadurch werden dann die späteren Auftritte der eigentlichen Hauptdarsteller des Films erst so unglaublich eindrucksvoll, bis der T-Rex zum ersten Mal in voller Größe erscheint, ist die Spannung schon längst so groß, dass sie sich in diesem einen Moment entlädt. Ein unvergesslicher Augenblick. Was bei den Dreharbeiten zu Jaws noch aus der Not heraus im Schneideraum geboren wurde, setzt Spielberg in Jurassic Park nahezu perfekt zur Steigerung der Spannung ein. Nicht weniger faszinierend ist es auch, wie elegant Spielberg den Spagat zwischen Horrorfilm, Abenteuerfilm und Familienunterhaltung meistert, eine Gratwanderung, achtet er doch sehr genau darauf, den gezeigten Schrecken nicht zu detailgetreu in Szene zu setzen, gleichzeitig gelingt es ihm aber, immer die Spannungskurve im Auge zu behalten. Überhaupt treten das gekonnt vermittelte Gefühl von Abenteuer und die Lust am Entdecken und Staunen nach ungefähr der Hälfte des Films zu Gunsten von Angst und Terror in den Hintergrund, aber dieser Wechsel der Stimmung erfolgt keineswegs abrupt, er kommt vielmehr schleichend und wird sorgfältig aufgebaut.

 

Aber Jurassic Park ist nicht nur eine annähernd perfekt inszenierte Mischung aus Abenteuer und Horror, er handelt ganz nebenbei auch noch die menschliche Hybris und den Gottkomplex der Wissenschaft ab und stellt unbequeme, moralisch und ethisch wichtige Fragen. Was passiert, wenn der Mensch zu sehr in das komplizierte Gefüge der Natur eingreift? Was berechtigt den Menschen dazu, solche Eingriffe in die Natur vorzunehmen? Nur, weil er es kann? Zudem vermittelt Jurassic Park auf ausgesprochen unterhaltsame, manchmal vielleicht etwas alberne, meistens aber dezent selbstironische Art und Weise dem Zuschauer die wissenschaftlichen Grundlagen. Die Herkunft des Dinosaurierblutes, das Klonen, das Vervollständigen der fehlerhaften DNA-Stränge, all das ist wissenschaftlich natürlich alles andere als haltbar und auch beim Design der Dinosaurier selber hat man sich viele Freiheiten genommen (besonders von den Velociraptoren wird ein verzerrtes Bild entworfen, aber hey: genau deswegen lieben wir diese bösartigen Fieslinge doch so sehr!), aber all das wird so charmant und immer mit einem Augenzwinkern präsentiert, dass es einfach unterhaltsam ist, so ganz ohne oberlehrerhaft erhobenem Zeigefinger.

 

 

 

„Your scientists were so preoccupied with whether or not they could that they didn’t stop to think if they should.“

 

 

 

So sind auch die Dinosaurier ganz klar die Hauptdarsteller des Films, aber Spielberg gelingt es dennoch, die menschlichen Protagonisten nicht zu bloßem Beiwerk verkommen zu lassen. Zwar sind die Charaktere durchgängig flach und eindimensional, aber eben niemals überzeichnet und mit ihnen wird die Story absolut verlässlich und reibungslos erzählt. Einige sind wandelnde Klischees, der geldgierige Anwalt, der schmierige IT-Experte mit Übergewicht, vermülltem Arbeitsplatz und einem ausgeprägten Hang zu Süßigkeiten oder die nervigen Kinder, aber sowohl das als auch kleinere Plotlöcher, die eine oder andere etwas holprige und ungelenke Szene, ja, sogar einer der vielleicht größten Filmfehler überhaupt, nichts davon wiegt im Vergleich zum Rest des Films so schwer, dass man nicht darüber hinweg sehen könnte.

 

Auch tricktechnisch ist Jurassic Park zweifellos bis heute ein herausragender Meilenstein und wirkt selbst nach 22 Jahren in keinster Weise angestaubt oder veraltet. Spielberg legt hier eine Messlatte für das moderne Kino, die bis heute Bestand hat. Der Film zeigt beinahe in Perfektion, wie man digitale und klassische Spezialeffekte virtuos harmonieren lassen kann, um die Illusion absolut glaubwürdig erscheinen zu lassen. CGI kommt nur zum Einsatz, wenn es auch unbedingt nötig ist, ansonsten werden überwiegend animatronische Puppen eingesetzt, wodurch den Effekten eine ganz andere Physis und Wucht verliehen wird, eine gewisse Authentizität angesichts tonnenschwerer Dinosaurier. Ein Musterbeispiel dafür, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob man einfach alles die Computer errechnen lässt, oder ob man diese Möglichkeit nutzt, um die Illusion letztlich perfekt abzurunden. Ein großes Problem der Nachfolgefilme ist dann letztlich auch, dass der vermehrte Einsatz von CGI zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit führt, denn es mangelt deutlich an diesem speziellen Gefühl von Wucht, Masse und Kraft, welches Jurassic Park noch so überzeugend vermitteln konnte.

 

 

 

„Dinosaurs had their shot, and nature selected them for extinction.“

 

 

 

Bevor wir zum Ende kommen, sprechen wir doch noch einmal kurz über die beiden Fortsetzungen The Lost World und Jurassic Park III. The Lost World hatte das große Problem, dass man sich nicht mehr auf den Überwältigungseffekt des Vorgängers verlassen konnte, der große Wow-Moment, den konnte man so unmöglich wiederholen, das war einmalig. Was also tun? Richtig! Einfach alles größer machen. The Lost World bietet mehr Dinosaurier, mehr Action, mehr Tempo, mehr Zähne, aber leider auch weniger gut geschriebene Figuren, die zum Teil völlig entgegen ihrer Herkunft agieren, und einen an vielen Stellen sehr unausgegorenen Handlungsbogen. Zwar ist der Film deutlich grimmiger, düsterer und kälter angelegt, aber er büßt so auch viel vom kindlichen Charme der Begeisterung ein, welcher den Vorgänger noch so auszeichnete. Zudem mangelt es dem Zuschauer an Bindung zum Geschehen, man fiebert nicht so richtig mit den Figuren mit, denn es wird kaum Identifikationspotential geboten. Geriet die Gruppe um Dr.Grant im ersten Teil noch unfreiwillig und ohne eigenes Verschulden in den Schlamassel, so trägt die Gruppe um Dr.Malcolm im zweiten Teil doch eine gewaltige Mitschuld an den Ereignissen. Vor allem die sehr schlecht geschriebene Figur des radikalen Öko-Aktivisten, der seine vermeintlich hohen Ziele gerne auch mit Waffengewalt durchsetzt und zu Hauf Menschenleben riskiert, ist da ein ausgesprochen unsympathischer und stellenweise unüberlegt und dumm agierender Störfaktor. Das seltsam aufgepfropft wirkende Finale in San Diego zitiert dann zu allem Überfluss auch noch gleichermaßen King Kong wie Godzilla und wirkt mehr als nur deplatziert, auch weil die Spezialeffekte nicht mehr so sehr zu überzeugen wissen wie im Vorgänger. Aufgrund vieler starker Einzelszenen und wenigen sehr gelungenen Momenten ist The Lost World dennoch ein guter bis gelegentlich sehr guter Reißer, der durchaus zu unterhalten weiß. Jurassic Park III jedoch… nun ja, hier versucht man erneut, alles einfach nur nochmal zu toppen, noch mehr Dinosaurier, noch mehr Action, noch mehr Zähne. In gut 90 Minuten presst man hier so ziemlich alles rein, was sich irgendwie noch vertreten ließ. Drehbuch und Story sind haarsträubend, die Charakter eine Katastrophe, die Spezialeffekte stellenweise lachhaft und Spannung kommt so gut wie keine mehr auf. Mit dem grandiosen ersten Teil hat das nichts mehr gemein, außer, dass Dinosaurier darin auftauchen. Ein relativ unwürdiger Schlusspunkt der Reihe, zumindest bisher. Man darf gespannt sein, wo sich letztlich Jurassic World einreihen wird.

 

Jurassic Park ist ohne jeden Zweifel ein moderner Klassiker, ein Juwel am Blockbusterhimmel, dessen Qualitäten bis heute niemand hat erreichen können. Ein erzählerisches Glanzstück, dass moderne Technik formvollendet dazu verwendet, seine Geschichte intensiver und glaubwürdiger zu machen. Ein Paradebeispiel dafür, zu was Kino in der Lage sein kann, wenn nur die richtigen Leute mit einer Vision und Lust am Geschichten erzählen in Ruhe arbeiten dürfen. 9 von 10 blutigen Ziegenbeinen

 

The Lost World hat deutlich mehr Schwächen als Jurassic Park und ist weniger charmant und deutlich düsterer. Nachlässiger inszeniert, aber immer noch ein guter bis sehr guter und durchaus unterhaltsamer Film. 7 von 10 T-Rex Babies mit gebrochenem Bein

 

Jurassic Park III… da ist nur noch bloßes Unverständnis. Und Dinos. 4 von 10 nervigen Eltern