Ready Player One (2018)

27. November 2018 at 13:03

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

People come to the Oasis for all the things they can do, but they stay for all the things they can be.“

 

 

 

Im Jahr 2045 ziehen weite Massen der Bevölkerung die Flucht in die virtuelle Welt der OASIS der nackten wie ernüchternden Realität vor. Als deren Erschaffer Jimmy Hallyday überraschend verstirbt, da initiiert er eine Art gigantische Schnitzeljagd quer durch die OASIS. Wer diese als erste meistert und alle Hinweise entschlüsseln kann, dem winkt zum Lohn die volle Kontrolle über seine virtuelle Welt.

 

Der Roman Ready Player One von Ernest Cline (2011) galt für Hollywood-Maßstäbe kaum mehr als einen Wimpernschlag lang als unverfilmbar, bevor sich Steven Spielberg nun seiner angenommen hat und eine sowohl auf der audiovisuellen als auch der erzählerischen Ebene geradezu atemlose Hatz durch Jahrzehnte der Popkultur inszeniert, so sehr angefüllt mit lauter Gimmicks, Anspielungen und Referenzen, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Seine Vision von Ready Player One gestaltet sich als ausgedehnter Trip nach Nerdistan in Form einer virtuellen Schnitzeljagd rund um ein Easter Egg. Spielberg adaptiert zusammen mit Cline den Roman allerdings nicht 1:1, sondern weitet die ursprünglich überwiegend die 80er Jahre zitierende Handlung aus bis ins hier und jetzt und wendet sich wohl schon auch aus finanziellen Aspekten einem deutlich breiteren Spektrum der Popkultur zu. Vollkommen legitim, dennoch stellt sich mir auch die Frage nach der Zielgruppe. Wo der Roman eher auf Leute Anfang/Mitte 30 und vielleicht noch junge Erwachsene abzielt, da scheint mir der Film eher ein kindliches Publikum zu adressieren.

 

Der Einstieg ist enorm rasant, das Tempo gerade zu Beginn ungemein hoch und liefert geballte Reizüberflutung, doch zum Glück schaltet Ready Player One danach mehrere Gänge runter und fährt erst im letzten Drittel den totalen, zu Weilen aber auch ermüdenden Overkill auf. Doch gerade der Mittelteil hat ein paar hübsche Ideen und Einfälle abseits von XY ist für ein paar Sekunden im Bild zu sehen und besonders die Shining-Sequenz ist in ihrem enormen Detailreichtum beeindruckend. Manche Idee ist wirklich schön und elegant in die Erzählstruktur eingeflochten, andere hingegen werden bloß um ihrer selbst willen ins Getümmel geworfen und regelrecht abgehakt. Auch die Story bietet durchaus interessante Ansätze und hält so manches spannende Thema abseits der Jagd nach dem Easter Egg bereit, doch Ready Player One bleibt da immer nur an der Oberfläche, setzt lieber auf seine zugegeben eindrucksvollen Schauwerte und zelebriert das Staunen und die Überwältigung des Zuschauers. Zudem sind mir die Figuren und ihr Schicksal zu sehr egal, so dass ich weder mit ihnen noch mit der eigentlichen Handlung wirklich mitfiebern könnte. Auf der technischen und handwerklichen Ebene ist das alles aller erste Sahne, da besteht gar kein Zweifel, aber letztlich fühle ich mich von Ready Player One nur bedingt abgeholt. Spielbergs Film ist vielleicht DAS Popkultur-Destillat unserer Zeit, doch Scott Pilgrim vs. The World ist mir am Ende des Tages lieber.

 

6,5 von 10 Mal Buckaroo Banzai als Lieblingsfilm haben

 

 

Avengers: Infinity War (2018)

25. November 2018 at 18:26

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

So this is it? It’s all been leading to this.“

 

 

 

Der Weltenzerstörer Thanos schickt sich an seinen Masterplan endgültig in die Tat umzusetzen und entsendet seine Handlanger auf die Suche den ihm noch fehlen Infinity Stones. Die Avengers sind immer noch über das Universum verteilt und alte Konflikte müssen überwunden werden, denn Thanos kann nur unter Aufbringung aller gemeinsamen Kräfte bezwungen werden. Doch die Zeit drängt, denn Thanos wird mit jedem weiteren Stein, der ihm in die Hände fällt, zusehends mächtiger.

 

Vorab: ich bin weder glühender Verehrer des MCU, noch bin ich voller Ablehnung diesem gegenüber, sondern eher neutral positioniert. Im besten Fall bekomme ich einen unterhaltsamen Film zu sehen, im schlimmsten Fall einen meist egalen und beinahe nie ärgerlichen. Nun also kommt es mit Avengers: Infinity War nach bisher achtzehn Filmen in zehn Jahren zum vorerst großen Höhepunkt und erneut sitzen nach Captain America: The Winter Soldier und Captain America: Civil War die Russo-Brüder auf den Regiestühlen. Abermals nach Civil War jonglieren sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit mit einer Vielzahl an Helden und zähmen gekonnt das beinahe schon megalomanische Figuren-Setup. Fast jeder bekommt mit mal mehr, mal etwas weniger Screen Time versehen seinen verdienten Moment. Trotz des gigantischen Ensembles und obwohl nun unzählige erzählerische Pfade aus den letzten zehn Jahren zusammengeführt werden, fühlt sich Infinity War erstaunlich homogen an, statt überladen oder überfrachtet zu wirken. Bereits die Exposition gibt die tonale Ausrichtung vor und die Atmosphäre ist durchgehend düster, oftmals hoffnungslos und selbst der immer wieder aufblitzende Humor funktioniert meist und steht keinesfalls im Kontrast zur Ernsthaftigkeit, sondern lädt als willkommene Pause immer mal wieder zum Durchatmen ein.

 

Thanos ist dann das Herzstück des Filmes, der vielleicht ambivalenteste und interessanteste Schurke des MCU bisher und sowohl erzählerische Konstante als auch emotionaler Ankerpunkt. Ein wirklich großartig geschriebener Bösewicht, der eigentlich gar nicht so böse ist, und dessen Agenda weder von abgrundtiefer Bösartigkeit oder größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien angetrieben wird, sondern auf der rein rationalen Ebene absolut nachvollziehbar ist. Sicher sind seine gewählten Mittel und Methoden äußerst radikal und mögen grausam anmuten, doch tief in seinem Innern ist seine Motivation beinahe schon human. Die erzählerische Struktur gerät zwar manchmal ein wenig ins Wackeln, wirkt gelegentlich etwas ungelenk episodenhaft und ist vor allem durch und durch der seit nun mehr zehn Jahren perfektionierten Formelhaftigkeit des MCU unterworfen (warum auch nicht, großartig nennenswerte Innovationen erwarte ich ohnehin an anderer Stelle), unterm Strich jedoch wurde ich als weder Fanboy noch Hater dieses filmischen Universums von Infinity War überraschend gut unterhalten. Die durchgehend düstere Ernsthaftigkeit steht dem Film wirklich gut, wäre zumindest für mich allerdings ohne die nun nötige wie konsequente Standhaftigkeit rückblickend wertlos.

 

7,5 von 10 Infinity Stones in falschen Händen

 

 

On the Job (2013)

23. November 2018 at 18:45

 

 

© Star Cinema/Well Go USA Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

Daniel und Tatang sind Auftragskiller im Dienste einer namenlosen Organisation, deren Kunden bis in aller höchste Regierungskreise reichen. Der findige Clou dabei: die beiden sind eigentlich Häftlinge und werden für ihre Aufträge durch ein tiefgreifendes Geflecht aus Korruption und Bestechung aus dem Gefängnis geschleust und wieder zurück. Ein nahezu perfektes System, doch die beiden Polizisten Acosta und Coronel kommen dem Ganzen nach und nach auf die Spur.

 

Kalt erwischt. BuyBust brachte mich hierher, weil er mein Interesse sowohl an seinem Regisseur Erik Matti als auch am jüngeren philippinischen Actionkino generell geweckt hat. Und On the Job kann sich mehr als nur sehen lassen und mühelos mit westlichen Genre-Vertretern mithalten. Ähnlich wie bereits in BuyBust zeichnet Matti auch hier ein sehr düsteres, dreckiges Bild von Manila als regelrechten Sündenpfuhl, als verkommenen urbanen Dschungel im glänzenden Neonlicht nächtlicher Straßen mit Abschaum an jeder Ecke. Ein durch und durch korrupter Moloch voller Niedertracht, Intrigen, Verrat und undurchdringlichem Filz ohne Moral, wo ein Menschenleben kaum mehr Wert ist als die Kugel, die es beendet. Passend dazu ist die erzählerische Prämisse von On the Job perfide wie genial und simpel, aber auch ungemein effektiv. Tatang und Daniel versuchen auch nur zu überleben und nutzen dafür jede Gelegenheit. Verhalte dich unauffällig, passe dich an, spiel das Spiel mit: das gilt sowohl für den harten Knastalltag als auch für das Leben außerhalb.

 

Erstaunlich selbstbewusst treibt Matti zwei Handlungsstränge zielstrebig, aber sanft voran, welche dann im weiteren Verlauf geschickt zusammen geführt werden. Das braucht anfangs vielleicht etwas an Geduld, doch das zahlt sich aus. Dazu versteht Matti es immer wieder ausgesprochen spannende Momente zu kreieren, lässt On the Job manchmal sogar seltsam berührend wirken und findet seinen Schlusspunkt auf einer bitterbösen Note, wenn klar wird, dass das System letztlich immer schmutzig spielt und immer gewinnt. Das alles ist auf der handwerklichen Ebene tadellos inszeniert und die wenigen Actionszenen sind sehr dynamisch geraten, von roher Energie und ihre Seltenheit lässt sie nur noch pointierter wirken. Etwa zur Hälfte der Laufzeit gibt es eine tolle Parallelmontage, welche von einem pumpenden, treibenden Score unterlegt in eine kurze, aber packende Actionsequenz mündet, nur um kurz darauf nach kleiner Verschnaufpause ausgedehnt nochmals einen Gang höher zu schalten. On the Job ist auch noch deutlicher als BuyBust in einen Actionthriller gehüllte Sozialkritik am bestehenden System und dessen korrupter Politik, verkommt aber nie zum reinen Vehikel für seine anklagende Message. So hat mir der Film auch deutlich besser gefallen als zuletzt BuyBust und ist zweifellos ein weiterer gelungener Beweis dafür, dass auch abseits etablierter Filmmärkte sehenswerte Streifen von starker Qualität entstehen können und ein Actionthriller auch mal ein wenig anspruchsvoller sein kann ohne gleich sein Genre aus dem Fokus zu verlieren.

 

8 von 10 Stangen Zigaretten

 

 

BuyBust (2018)

16. November 2018 at 19:13

 

 

© Viva Films/Well Go USA Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

Dem Drogenboss Biggie Chen soll bei einem Drogendeal endgültig das Handwerk gelegt werden, doch der Zugriff einer philippinischen Spezialeinheit geht schief und plötzlich sehen sich die Männer und Frauen einer schier endlosen Übermacht in den Slums von Manila gegenüber. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben entbrennt.

 

Diesmal die Philippinen statt Indonesien. BuyBust von Regisseur Erik Matti ist eine Art The Raid light in den verwinkelten, unübersichtlichen und manchmal geradezu klaustrophobisch engen Slums von Manila statt einem Hochhaus in Jakarta, ohne jedoch jemals dem offensichtlichen Vorbild das Wasser reichen zu können. Zwar ist das beinahe schon urwaldartige, dreckige und kaum zu überschauende Labyrinth aus Sperrmüll, Plastikplanen und Wellblech voller potentieller Gefahren und BuyBust versteht es stellenweise immer mal wieder Spannung aufzubauen, doch der Film ist für seine Laufzeit von rund zwei Stunden mit so wenig Inhalt vor allem zu lang geraten, und auch das erzählerische Tempo gerät immer wieder ins Straucheln. Besonders zu Beginn braucht BuyBust zu lange, um richtig Fahrt aufzunehmen, bietet im Gegenzug aber auch kaum brauchbares Identifikationspotential.

 

Zwar versucht Matti den Fokus zunächst auch auf die Figuren zu legen, doch wirklich gelingen will ihm das nicht. So braucht es rund eine halbe Stunde, bis der Film seine eigentlichen Qualitäten demonstrieren kann: die Action. Die Shootouts können sich wirklich sehen lassen, sind druckvoll in Szene gesetzt und lassen es ordentlich krachen. Leider können die Kampfszenen da nicht so ganz mithalten, lassen Druck, Tempo und vor allem Können ein wenig vermissen (oder ist man da inzwischen durch Bretter wie The Raid, Headshot oder The Night Comes for Us etwas verwöhnt?) und auch der manchmal etwas unübersichtliche Schnitt macht das nur bedingt besser. Dafür ist BuyBust insgesamt erstaunlich kompromisslos und stellenweise ist es fast schon unangenehm, mit welcher Kaltblütigkeit Kollateralschäden in Kauf genommen werden. So bleibt unterm Strich ein durchaus ansehnlicher Actionreißer von den Philippinen mit Höhen und Tiefen, der zwar nie in die Oberklasse vorstoßen kann, aber dennoch in seinen besten Momenten ordentlich Gas gibt, vor allem ein nicht ganz so verbrauchtes Setting vorzuweisen hat und visuell interessante Punkte setzen kann.

 

6,5 von 10 zerfetzten Körpern im Dreck