Jumanji: Welcome to the Jungle (2017)

17. August 2018 at 18:05

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

„The goal for you. I’ll recite in verse / Return the jewel and lift the curse / If you wish to leave the game / You must save Jumanji and call out its name.“

 

 

 

Die vier Teenager Spencer, Fridge, Bethany und Martha werden vom Videospiel Jumanji in dessen künstliche Dschungelwelt gezogen. Sie erkennen schnell: das Spiel muss gewonnen werden, wenn sie wieder zurück nach Hause wollen, und Teamwork ist fortan gefragt, um den lauernden Gefahren lebend zu entgehen.

 

Eine Frage drängte sich mir irgendwann im Laufe von Jumanji: Welcome to the Jungle auf: ob Robin Williams wohl einen Cameo-Auftritt gehabt hätte, wenn er noch am Leben gewesen wäre? Wer weiß… Jake Kasdan, seines Zeichens der weniger legendäre Sohn des legendären Lawrence Kasdan, ist jedenfalls verantwortlich für die Neubelebung des Filmes von Joe Johnston und entstaubt nun die Vorlage, ergänzt sie um entsprechende Schauwerte und passt den Stoff sanft an die Moderne an, wenn nun aus einem Brettspiel ein Videospiel wird – auch wenn ich zugeben muss, dass ich schon 1995 kein Interesse mehr an Brettspielen hatte. Dazu dann noch The Rock als Publikumsmagnet und eine Hälfte der Jonas-Brothers, fertig ist der nächste Straßenfeger. Und tatsächlich ist die Grundidee von Jumanji auch gar nicht mal so übel, doch leider macht der Film mir einfach zu wenig damit außer immer mal wieder Elemente aus Videospielen im Drehbuch zu platzieren, denn wirklich mit den Mechaniken der Spielewelt gearbeitet wird hier wenig bis kaum. Das ist schon etwas schade, weil hier doch einiges an Potential liegen gelassen wird.

 

Allerdings gefällt mir der Gedanke, dass dieses Mal nicht der Dschungel des Spiels Stück für Stück in die Realität eindringt, sondern deutlich stärker umgekehrt. Die im Spiel etablierte Welt hat nämlich durchaus ihre Reize zu bieten, kann zumindest visuell überzeugen und so mancher Einfall ist frisch und belebend, doch viele Gags können nicht richtig zünden, wiederholen sich in ihrer Formelhaftigkeit oft nur leicht abgewandelt und kommen lange nicht über Körpertausch-Humor hinaus. Auch ist es irgendwie ganz süß, wie unsere vier unfreiwilligen Helden gegen Ende ihre Filterblasen verlassen und vermeintlich über sich hinauswachsen dürfen, arg klischeehaft, vorhersehbar und kitschig ist das aber auch. Dass Jumanji abseits seines Humors eher wenig Spannung und kaum erzählerische Tiefe bietet – geschenkt, das hab ich so im Vorfeld auch gar nicht erwartet. Mein Highlight dieser rund 120 Minuten seichtem Dschungelabenteuer voller mäßigem Humor: die gnadenlos überzeichnete und herrlich comichafte Performance von Bobby Cannavale als Bösewicht Russell Van Pelt. Einfach köstlich. Letztlich ist die Neuauflage von Jumanji durchaus passables Blockbusterkino, das nicht weh tut, stellenweise auch zu unterhalten vermag und auf Nummer sicher geht, wenn eigentlich gute Ideen nie so richtig ausgespielt werden. Kann man mal machen.

 

5 von 10 rätselhaften grünen Kristallen

 

 

 

Rogue (2007)

14. August 2018 at 18:47

 

© Dimension Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Als eine Gruppe von Touristen während einer Bootstour im australischen Northern Territory plötzlich von einem riesigen Krokodil angegriffen wird und das Boot kentert, können sie sich gerade noch auf eine kleine Insel auf dem Fluss retten. Doch die Sicherheit ist trügerisch und ihnen läuft die Zeit davon, denn das Biest ist immer noch da draußen und zudem lässt die zunehmende Flut immer weiter das Wasser steigen.

 

Mit Rogue begibt sich Greg „Wolf Creek“ McLean in die sumpfigen Untiefen des Tierhorrors und Australiens Horror-Export fügt mit seinem Croco-Streifen dem Genre sicherlich nichts neues hinzu, bedient dessen Strukturen und Mechanismen dafür aber gekonnt wie effektiv und versteht nicht nur sein Handwerk, sondern auch das Genre selbst. Rogue ist straff und schnörkellos inszeniert, verzichtet dankenswerter Weise auf unnötige aufblähende Nebenhandlungen und erweist sich als sehr präzise im Detail. McLean hält den Zuschauer für klug genug, seine eigenen Beobachtungen anzustellen und verfällt nicht zwanghaft dem Wahn, alles über den Dialog zu präsentieren. So bekommen seine Figuren Ecken und Kanten und wirken differenzierter, als man das in dem Genre Tierhorror vielleicht vermuten würde. Die Details sind es zudem auch, welche dem aufmerksamen Betrachter allerhand verraten, ohne dass McLean alles ständig seinen Figuren via Dialog in den Mund legen muss.

 

Visuell ist Rogue sehr hübsch geraten und zweischneidige Bilder sind das, welche McLean uns da immer wieder präsentiert: einerseits wunderschön anzusehende Naturaufnahmen, andererseits trügerisch und warnend. Erneut erweist sich die australische Wildnis als ausgesprochen menschenfeindlich und gefährlich. Es dauert etwas, bis Rogue so richtig in Schwung kommt und sein Bedrohungsszenario vollends ausspielen kann, doch dann geht alles sehr schnell: das Biest schlägt zu, ein kurzer Todeskampf, dann ist das Wasser wieder still. Niemand ist hier zu keinem Zeitpunkt sicher, das Grauen kann überall lauern, beobachten, abwarten, ganz nah sein, jederzeit angreifen. Dazu sorgen die Flut und das steigende Wasser auf der kleinen Insel im Fluss für eine hübsche Dringlichkeit und Handlungsbedarf ist gefragt. Eine trügerische Sicherheit ist das nämlich, wenn lediglich bloß wenige Meter Wasser vom Festland trennen, der schwimmende Killer jedoch zu jeder Zeit und überall blitzschnell zu schlagen kann. Das Biest selbst ist dazu angenehm bodenständig inszeniert und eben keine Mutation, kein Supermonster, keine unnatürliche Anomalie, nicht abgrundtief böse, sondern bloß ein sehr großes australisches Krokodil, welches sich in seinem Revier bedrängt fühlt und sich entsprechend verhält. Alles in allem kann sich Rogue gerade innerhalb seines Genre des Tierhorrors wirklich sehen lassen, weiß durch all seine Qualitäten zu überzeugen und gibt sich spannend, aber nicht reißerisch, effektiv, aber nicht übermäßig explizit. Eine wirklich hübsche wie gelungene Überraschung.

 

7 von 10 ausgeworfenen Ködern

 

 

Sicario: Day of the Soldado (2018)

11. August 2018 at 14:34

 

 

© Colombia Pictures/Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

Als sich Selbstmordattentäter in einem Supermarkt in die Luft sprengen, da trifft das nicht nur mitten in das amerikanische Herz und schafft neue Ängste, sondern ruft auch den Agenten Matt Graver und dessen kolumbianischen Kettenhund Alejandro Gillick auf den Plan, denn scheinbar sind die Terroristen dank der Hilfe mexikanischer Drogenkartelle über die Grenze in die USA gelangt. Das Ziel ist nun, einen verheerenden Krieg der Kartelle untereinander anzuzetteln, damit diese sich gegenseitig ausschalten und folglich leichter zu bekämpfen sind. Alle Mittel sind in diesem schmutzigen Kampf erlaubt.

 

Nach Denis Villeneuve darf nun der Italiener Stefano Sollima auf dem Regiestuhl Platz nehmen und wer seine Arbeiten wie Suburra und Gomorrha kennt, den wird die dezente Neuausrichtung in Sicario: Day of the Soldado kaum überraschen. Ungeschönte und von hartem Realismus geprägte Studien krimineller Milieus und korrupter Machenschaften sind scheinbar seine Spezialität und diesen Weg schlägt er dann auch mit seinem ersten US-Film ein. So ist Day of the Soldado grimmiger, rauer, dreckiger, härter und insgesamt noch desillusionierender, pessimistischer und deprimierender geraten als damals Sicario. Zumal die Abwesenheit von Emily Blunt als idealistische FBI-Agentin Kate Macer dem Zuschauer nun auch den letzten moralischen Ankerpunkt nimmt und damit auch den leichten Hauch von Hoffnung zwischen all der Gewalt und Skrupellosigkeit verblassen lässt. Was bleibt, das sind Matt Graver und Alejandro Gillick, losgelöst von jeglichen moralischen Instanzen im aussichtslosen und zermürbenden Kampf gegen Drogen und nun auch Terrorismus, wenn sie sich besonders rücksichtslosen Methoden bedienen und auch vor Kindesentführungen nicht mehr zurückgeschreckt wird.

 

Zwar erreicht Day of the Soldado nie die enorme Dringlichkeit und Intensität seines Vorgängers, kann sich als harter Thriller jedoch durchaus sehen lassen. Sollima setzt mehr auf Gewalt und Eskalation, verteilt diese aber über die gesamte Laufzeit von rund 120 Minuten in Form von immer wieder aufblitzenden Nadelstichen. Visuell ist sein Film weniger von der stilisierten Bildsprache eines Roger Deakins dominiert wie noch Sicario, sondern vielmehr von stark ungeschönt realistischen Bildern, die zwar gekonnt das schmutzige Treiben unterstreichen, aber auch weniger erinnerungswürdig sind. Sollima wirft einen noch zynischeren Blick auf den Kampf der Geheimdienste gegen die Drogenkartelle, wenn inzwischen nahezu alles erlaubt ist und Grenzen schlicht und ergreifend nicht mehr existent sind. Wachsende Gewalt als das Ergebnis wachsender Hilflosigkeit.

 

Die Interessenlage dahinter ist so komplex, dass sie auch für Insider kaum noch zu durchschauen ist, und ständig ändern sich Pläne, Pakte und Fronten in diesem Wechselspiel unterschiedlichster Interessen. Besonders zynisch: wenn sich herausstellt, dass die Selbstmordattentäter von Kansas gar nicht mit Hilfe von Schleusern über die Grenze kamen, sondern sogar amerikanische Staatsbürger waren, dann wird das mehr oder weniger als Nebensatz abgetan und geht im bereits angezettelten Krieg beinahe unter. Überhaupt verliert das Motiv des Terrorismus mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Bedeutung, wenn sich nach und nach noch reichlich andere Motivationen verschiedenster Parteien abzeichnen. Day of the Soldado endet recht offen und gibt sich relativ klar als eine Art Brückenfilm zu erkennen, der die Weichen stellt für den Abschluss der geplanten Trilogie, dennoch würde ich nicht sagen, dass der Film dadurch weniger sehenswert ist. Im Endeffekt zieht Sollima weiterhin sein Ding inhaltlich wie stilistisch durch und als eine weitere Facette der von Sicario etablierten Welt passt das gut.

 

7 von 10 gut geplanten Entführungen

 

 

Blade of the Immortal (2017)

9. August 2018 at 23:37

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Als seine kleine Schwester ermordet wird, richtet der Samurai Manji auf Rache sinnend ein gewaltiges Blutbad an, wird jedoch von einem alten Geist mit dem schrecklichen Fluch der Unsterblichkeit gestraft. Jahrzehnte später ist Manji die unzähligen Kämpfe überdrüssig und sehnt sich nach dem Ende seiner Existenz. Die Unsterblichkeit lastet wie ein Fluch auf ihm, allein das Mädchen Rin hält ihn davon ab, sich seinen morbiden Sehnsüchten vollständig hinzugeben, aber es fällt ihm zunehmend schwer, sein schützendes Schwert über sie zu halten.

 

Das also ist Film Nummer 100 im Schaffen von Takashi Miike – in rund 26 Jahren, wohl gemerkt. Der japanische Vielfilmer und Genre-Afficionado ist nicht nur für seinen immensen kreativen Output berühmt wie berüchtigt, sondern oft auch für ein Strukturen aufbrechendes Kino ohne feste Grenzen. Alles kann bei Miike, nichts muss, und oft sind seine Filme Wundertüten der Absurdität, Füllhörner voller Gattungen und Stimmungen. Kaum ein Genre lässt sich finden, welches er noch nicht in Angriff genommen und im Vorbeigehen auf links gedreht hätte. Umso überraschender ist es, wie ungewöhnlich konventionell Blade of the Immortal letztlich ausgefallen ist. Ich hätte mir wirklich ein radikaleres Werk von Miike gewünscht, eine subversive Unterwanderung des Genres, doch stattdessen liefert er einen mehr oder weniger ganz gewöhnlichen Jidai-geki. Dabei beginnt der Film furios: bereits in den ersten paar Minuten, im hübschen Schwarz-Weiß als Rückblende inszeniert, häuft Manji mehr Tote an als so manch anderer Film in seiner ganzen Laufzeit und hinterlässt einen Berg an Leichen.

 

Was in anderen Filmen das große Finale wäre, das ist in Blade of the Immortal nur der Prolog und der Bodycount ist insgesamt geradezu unverschämt hoch. Der rote Lebenssaft spritzt reichlich und auch so manches Körperteil geht im Eifer des Gefechts verloren, dennoch bleibt der Film gerade für Miike überraschend zahm. Leider funktioniert der erzählerische Rhythmus nicht allzu gut: zwar sind die Kampfszenen allesamt recht aufwendig choreografiert, durchaus abwechslungsreich in Szene gesetzt und voller herrlich verrückter Ideen, doch dazwischen gibt es zu viele zähe Phasen des Leerlaufs und repetitive Erzählmuster. So entsteht eine eher holprige Narrative, welche zuweilen die Geduld des Zuschauers auf die Probe stellt. Letztlich bleibt mit Blade of the Immortal ein etwas enttäuschender und mit einer Laufzeit von rund 140 Minuten vor allem zu langer Film, von dem ich mir angesichts seines Regisseurs etwas mehr Radikalität und Subversion versprochen hatte, der als reiner Vertreter seines Genres trotz erzählerischer Mängel aber immer noch durchaus sehenswert ist. Und die Frage, wie viele Hieb – und Stichwaffen in einen menschlichen Oberkörper passen, die klärt Blade of the Immortal dann auch: verdammt viele.

 

6 von 10 abgetrennten Körperteilen