Split Second (1992)

18. Juli 2019 at 17:33

 

 

© InterStar/Quelle: IMDb

 

 

 

Now he lives on anxiety, coffee and chocolate.“

 

 

 

In dem Film von Regisseur Tony Maylam (The Burning, 1982) begibt sich Rutger Hauer als Cop auf eine von Wut und Hass getriebene Jagd nach einem Serienkiller in einem überschwemmten und von Ratten geplagten London der nahen Zukunft. Das Setting ist angenehm unverbraucht, fällt jedoch insgesamt eher karg aus und ist limitiert in seinen Schauplätzen. Atmosphärisch solide besticht Split Second durch eine düstere, seltsam spröde Eigenwilligkeit in der Inszenierung, welche wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass das Drehbuch von Gary Scott Thompson teils am Set noch mehrfach umgeschrieben wurde. Auch wurde die finale Konfrontation in alten U-Bahnschächten letztlich nicht mehr von Maylam gedreht, sondern von Ian Sharp, tonal jedoch fällt das eher weniger ins Gewicht. Allerdings wird im knackigen Finale schnell deutlich, dass das der temporeichste Part von Split Second ist, der sonst mit seiner Action eher geizt.

 

Das Creature-Design und die Make Up-Effekte stammen von Stephen Norrington, der später Filme wie Death Machine (1994), Blade (1998) und The League of Extraordinary Gentlemen (2003) drehen sollte, und setzen vornehmlich auf Schatten, Umrisse und reichlich Kunstblut, wenn man das Monster selbst nur selten in voller Pracht bewundern darf. Das alles kann sich durchaus sehen lassen und erfüllt seinen Zweck, gerät zuweilen sogar recht garstig in seiner zeigefreudigen Darstellung. Herkunft und Motivation der Kreatur bleiben seltsam vage: zwar rückt irgendwann ein okkulter Hintergrund in den Fokus, doch wirklich Licht wird keines ins Dunkel gebracht. Rutger Hauer als abgewrackter und sprücheklopfender Hard Boiled-Cop mit Waffenfetisch im Ledermantel und mit Harley Davidson im Wohnzimmer macht Spaß und mit seinem Partner wider Willen gibt er ein gutes ungleiches Duo ab. Trotz seiner offensichtlichen Schwächen mag ich Split Second irgendwie. Eigentlich perfekt für ein Double Feature zusammen mit Dark Angel von Action Jackson-Regisseur Craig R. Baxley.

 

6,5 von 10 Tassen Kaffee mit Unmengen Zucker

 

 

Capricorn One (1977)

30. Juni 2019 at 17:59

 

 

© Warner Bros. /Quelle: IMDb

 

 

 

You think it’s all a couple of looney scientists, it’s not! It’s bigger. There are people out there, forces out there, who have a lot to lose. They’re grown ups. It’s gotten too big, it’s in the hands of grown ups!“

 

 

 

Die erste bemannte Marsmission steht nur Sekunden vor dem Start, als der Astronaut Charles Brubaker und seine zwei Kollegen Peter Willis und John Walker aus der Kapsel der Capricorn One geholt und weg gebracht werden. Die Rakete startet planmäßig, aber ohne Besatzung, und den drei Männern wird von ihrem Vorgesetzten die Wahrheit offenbart: das Projekt ist schon vor Monaten gescheitert, doch weil es zu teuer war und der Öffentlichkeit das Versagen nicht eingestanden werden kann, soll die Landung auf dem Mars nun in einem Fernsehstudio inszeniert werden.

 

Ich würde mich durchaus als Fan von Regisseur Peter Hyams (Outland, Narrow Margin, Timecop, Sudden Death, The Relic) bezeichnen. Ich mag seine unaufgeregte Arbeitsweise, ein versierter und fähiger Handwerker, der sich immer voll und ganz dem jeweiligen Film verschreibt ohne sich selbst dabei allzu wichtig zu nehmen. Die Idee zu Capricorn One kam Hyams bereits kurz nach der ersten Mondlandung: Was wäre, wenn Neil Armstrong und Buzz Aldrin den fernen Himmelskörper gar nicht betreten hätten? Waren die Fernsehbilder wirklich echt oder doch aufwendig inszeniert? Erst die politisch angespannte und von kollektivem Misstrauen geprägte Lage in den USA der 70er Jahre jedoch gab ihm nun die Möglichkeit, seine Idee umzusetzen. So steht Capricorn One durchaus auch in eben jener Tradition des 70er Jahre-Verschwörungskinos, nimmt jedoch so manche Abzweigung und vereint schließlich diverse Genres unter sich, wenn er Science Fiction, Paranoia-Thriller Survival-Action streift.

 

Und so, wie sich der Film schillernd durch die Genres bewegt, so verlagert er auch den erzählerischen Bogen von den drei Astronauten und ihrer misslichen Lage hin zu dem lakonischen Reporter Caulfield, welcher der Verschwörung mit Hilfe klassischer Detektivarbeit und unter Einsatz seines Lebens immer weiter auf die Schliche kommt. Erst gegen Ende hin nähern sich diese beiden Handlungsstränge aneinander an und werden im Finale schließlich aufgelöst. Spätestens im letzten Akt häufen sich dann leider sowohl diverse Logikfehler als auch Zugeständnisse an das Mainstream-Kino, doch weil Hyams nicht Alan J. Pakula ist und weniger die bissige Kritik am System im Sinn hat, sondern viel lieber sein Publikum zwei Stunden lang unterhalten will, kann ich ihm den Mangel an Konsequenz, etwas Kitsch und eine recht schwache Zeichnung der Nebenfiguren durchaus verzeihen. Atmosphärisch dicht, zuweilen geradezu unwirklich und spannend ist Capricorn One in jedem Fall, und wenn ein Bekannter von Caulfield innerhalb weniger Sekunden aus einer belebten Bar verschwindet und dessen Leben buchstäblich vollkommen ausradiert wird, dann wird es regelrecht gespenstisch unheimlich. Vor allem deshalb, weil Hyams das alles mit einer solch unaufgeregten Beiläufigkeit inszeniert, dass es einem angesichts dieser unfassbaren Machtstrukturen ganz mulmig wird.

 

Die spannende Prämisse zusammen mit der handwerklich äußerst gelungenen wie gleichermaßen unaufgeregten Inszenierung von Hyams, der starke Cast rund um Elliot Gould und James Brolin und der Score aus der Feder von Jerry Goldsmith machen Capricorn One zu einem hervorragenden Verschwörungs-Thriller mit kleineren Schwächen, der vollkommen zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

 

7,5 von 10 Mal rohe Klapperschlange essen

 

 

The Train (1964)

7. Juni 2019 at 17:03

 

 

© United Artists/Quelle: IMDb

 

 

 

You talk about the war. I talk about what it costs!“

 

 

 

Zweiter August, 1944. Der 1511. Tag der deutschen Besatzung in Frankreich, der Krieg ist so gut wie beendet und die Allierten stehen vor ihrem Sieg. Große wie klangvolle Namen, materiell wie ideell unersetzlich und von unschätzbarem Wert: Gauguin, Renoir, Manet, Picasso, Van Gogh, Degas, Miro, Cézanne, Matisse und viele andere, geraubt aus Museen und Sammlungen, angehäuft in den Jahren der Besatzung. Der deutsche Offizier Franz Von Waldheim will all diese Kunstwerke unbedingt noch so schnell wie möglich nach Berlin schaffen und lässt einen Güterzug mit ihnen beladen, doch der französische Untergrund rund um Paul Labiche setzt alles nur erdenkliche daran, genau das zu verhindern.

 

Die Geschichte, dass Burt Lancaster den ursprünglichen Regisseur Arthur Penn nach nur wenigen Drehtagen zu Gunsten eines mehr actionlastigen, auf ihn zugeschnittenen Filmes vertrieb und durch John Frankenheimer ersetzen ließ, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, doch dazu später mehr. Was Frankenheimer hier in der Frühphase seiner Karriere mit The Train abliefert, das darf durchaus als eine Art Blaupause für das moderne Actionkino gesehen werden, so kraftvoll, mitreißend und treibend ist sein Film. Ist die erste Hälfte eher noch ein ausgefeiltes Katz -und Mausspiel voller List und Tücke zwischen den Nazis und der Resistance, so zieht das Tempo in der zweiten Hälfte merklich an, steigert sich hin zu atemloser Action geprägt von einer enormen kinetischen Energie und mündet schließlich in einem herrlich ambivalenten Schluss und der Frage nach dem eigentlichen Wert von Kunst als Ausdruck nationaler Identität in Relation zu Menschenleben.

 

Der für seinen beinahe schon fanatischen Anspruch auf Authentizität berühmt-berüchtigte Frankenheimer frönt dem bereits bei The Train und setzt auf grimmigen Realismus. Überwiegend on location, mit echten Zügen und mit echten Flugzeugen statt Modellen gedreht, entstehen so rasante, packende und spektakuläre Actionszenen voller Wucht und Druck, die auch heute noch zu begeistern wissen. Die Kulissen sind aufwendig, die Stunts gefährlich und die Kameraperspektiven zum Teil erstaunlich kreativ, was zu einer gewissen Zeitlosigkeit führt. Die bewusste Entscheidung, The Train in teils wunderschönem Schwarz/Weiß zu drehen bricht ein wenig mit dem aufwendig inszenierten Spektakel und vermag so auch auf der handwerklichen Ebene Spannung zu erzeugen. Burt Lancaster in der Rolle des Labiche ist gewohnt viril und athletisch, mit breiten Schultern, hemdsärmelig, ein Macher, und doch eher Held wider Willen, der durch Umstände zum Handeln gezwungen wird.

 

The Train ist ein herausragend inszenierter Action-Thriller, der auch heute noch zu packen weiß und mühelos Spannung generiert. Dank Frankenheimer auf dem Regiestuhl stark von Authentizität geprägt, sind die Action-Sequenzen voller Wucht, Präzision und Detailreichtum, und tragen zu einem intensiven Erlebnis bei, welches letztlich auch eine etwas ambivalente Betrachtungsweise zulässt. Doch die Ironie am Ende ist: nach The Train geriet die Karriere von Lancaster ein wenig ins Trudeln, wohingegen die von Arthur Penn gerade erst beginnen sollte.

 

9 von 10 spektakulären Zugunfällen

 

 

 

Godzilla: King of the Monsters (2019)

3. Juni 2019 at 19:41

 

 

© Warner Bros. Pictures/Toho/Quelle: IMDb

 

 

 

Fünf Jahre, nachdem Godzilla im Kampf gegen die beiden MUTOs ganze Städte in Schutt und Asche legte, da entdeckt die mysteriöse Organisation Monarch auf der ganzen Welt nach und nach immer mehr solcher sogenannten Titanen und widmet sich deren Erforschung. Als es jedoch einer Gruppe von Öko-Terroristen rund um ihren Anführer Jonah Alan gelingt, einige dieser gigantischen Kreaturen zu befreien, da kann im Grunde nur noch Godzilla selbst die Auslöschung der Menschheit verhindern.

 

The king is dead. Long live the King. Wo Gareth Edwards (Monsters, Star Wars: Rogue One) 2014 den König der Monster nur sparsam inszenierte, aber im ursprünglich metaphorischen Sinne des Ur-Godzillas von Ishiro Honda sanft an die Neuzeit anpasste, da setzt Michael Dougherty (Trick´r Treat, Krampus) überwiegend auf gigantische Eskalation im besten Sinne. Clash of the Titans, buchstäblich. Sein Film ist der wohl bisher japanischste US-Godzilla-Streifen, wenn die bekannteste Riesenechse der Filmgeschichte mit Rodan, Mothra und sogar seinem Erzfeind King Ghidorah konfrontiert wird. Dougherty greift da mit seinem Drehbuch tief in den Mythenschatz des doch speziellen Kaiju-Genre, bedient sich hier und da in dessen filmischer Historie und vermag so manch hübsche Anspielungen und Verweise einzubauen ohne das es aufgesetzt wirken würde.

 

Und prallen diese Naturgewalten erst aufeinander, dann geschieht das mit einem ausgeprägten Gespür für Größe, Wucht und Masse, wenn Dougherty die Titanen teils in Einstellungen inszeniert, in denen sie nicht mal im Ansatz in den Bildrahmen passen und diesen sprengen, teils aber auch in mächtigen Totalen, welche die gigantischen Dimensionen dieser Kreaturen mit unverstelltem Blick in ihrer wahrhaft furchteinflößenden Pracht einfangen. Visuell ist das alles zweifellos herausragend umgesetzt und eingefangen, auch wenn so manche Szene durchaus etwas weniger dunkel oder verregnet hätte ausfallen dürfen. Dennoch entfesselt Dougherty wirklich beeindruckende Bilder und das brachiale Sounddesign gerade auch in Kombination mit dem tollen Score von Bear McCreary fügt sich da nahtlos ein und potenziert deren Wirkung nur noch weiter.

 

Ins Schlingern gerät das Drehbuch allerdings nahezu immer dann, wenn die menschlichen Protagonisten in den Vordergrund gerückt werden. Egal, ob Story, Figurenzeichnung, Motivationen oder Dialoge: hier ist beinahe alles vergessenswert, stellenweise sogar ziemlich dumm und trübt das Gesamtbild. Somit ist Godzilla: King of the Monsters zweifellos zu lang geraten, wenn das Spektakel nur zu gern noch in einen moralischen Überbau gezwängt werden soll, man sich jedoch spürbar daran verhebt und sich in permanenter Exposition verliert. Das ist schade, konnte man aber vielleicht auch erwarten, und die eigentlichen Stars des Filmes kommen mehr als genug zur Geltung. Bei Godzilla: King of the Monsters ist der Titel Programm und die Macher bieten mir mehr als genug Monster-Kloppe in epischen Szenen, um meine kindliche Begeisterung wieder entfachen zu können. Mehr als nur einmal huschte ein zufriedenes Grinsen über mein Gesicht und auch eine handfeste Gänsehaut durfte sich zweimal einstellen. Enttäuscht wurde ich keineswegs, eher im Gegenteil. Und spätestens, wenn das klassische Godzilla-Theme ertönt, dann ist es ohnehin um mich geschehen und mein Herz beginnt zu wummern. Trotz aller offensichtlichen und nicht zu leugnenden Schwächen überwogen die Stärken für mich so deutlich, dass ich am Ende glücklich aus dem Kino wankte. Goodbye, old friend. Wir werden uns bald wiedersehen.

 

8 von 10 nuklearen Explosionen als Defibrillator