Upgrade (2018)

2. Februar 2019 at 16:59

 

 

© OTL Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Bei einem Überfall wird die Frau von Grey Trace getötet und er vom Hals abwärts gelähmt. Seine einzige Hoffnung ist ein neuartiger, experimenteller Computerchip namens STEM, der fortan die Schnittstelle zwischen Gehirn und Körper sein soll. Tatsächlich funktioniert der Eingriff und Grey findet zurück ins Leben, um die Mörder seiner Frau zu finden, und muss schon bald feststellen, dass STEM ihm spezielle Fähigkeiten verleiht.

 

Mit Upgrade haut Regisseur und Drehbuchautor Leigh Whannell (Saw) mit seinem erst zweiten Film nach seinem Debüt Insidious: Chapter 3 wirklich einen Kracher raus. Angesiedelt in einer Shadow Run-artigen Welt in nicht allzu ferner Zukunft, die stark Technologie fixiert ist, inszeniert der Australier einen entfesselten Actionfilm voller inhaltlich wie visuell tollen Ideen und Einfällen. Das World Building ist enorm detailliert, futuristisch angehaucht, bleibt aber zu jeder Zeit nachvollziehbar. Der Plot rund um die Suche nach den Mördern von Grey´s Frau ist denkbar einfach gehalten, klar strukturiert, kommt herrlich geradlinig wie schnörkellos daher, verzichtet auf jeglichen unnötigen Ballast und verschreibt sich voll und ganz dem Genrekino in seiner reinsten Form. Dazu passt dann auch ganz hervorragend die Laufzeit von etwa 100 Minuten, so dass sich zu keiner Sekunde auch nur ein Hauch von Langeweile einschleichen könnte.

 

Sehr schön ist auch die Kamera von Stefan Duscio (Jungle) geraten, denn ganz im Gegensatz zu so vielen anderen Vertretern des modernen Actionkinos wird hier erstaunlich ruhig, klar und vor allem übersichtlich gefilmt, so dass auch im wildesten Kampfgetümmel der Überblick gewährleistet bleibt, und dennoch erlaubt sich Upgrade auch auf dieser Ebene immer wieder interessante Einstellungen. Die Gewalt ist sehr explizit, aber auch überaus pointiert eingesetzt und in der Ausführung manchmal wirklich überraschend, so dass sich bestimmte Momente sicherlich ins kollektive Gedächtnis graben könnten. Eine hübsch böse Note bekommt das alles dann durch einen zuweilen recht zynischen Humor und besonders die Zwiegespräche zwischen STEM und Grey können den einen oder anderen fiesen Lacher herauf beschwören.

 

Whannell erschafft mit Upgrade eine Art Cyber Punk-Body Horror-Actionthriller, dem man sein Budget von etwa fünf Millionen Dollar absolut nicht ansieht. Sein Film ist retro, kommt aber ohne lästige Nostalgie aus, ist altmodisch, verschließt sich aber nicht vor modernen Elementen und ist ziemlich cool, ohne das ironisch augenzwinkernd ausstellen zu müssen. Upgrade ist vielleicht nicht sonderlich intelligent, aber er ist ausgesprochen smart, denn Whannell kennt sein Genre ganz offensichtlich und bespielt mit Bravour dessen Strukturen, ohne jedoch zu langweilen oder gar Gefahr zu laufen zur leeren Replik auf alte Tage zu mutieren.

 

8 von 10 platzenden Köpfen

 

 

The Meg (2018)

26. Januar 2019 at 0:33

 

 

© Warner Bros. Pictures/Quelle: IMDb

 

 

There’s a monster outside and it’s watching us.“

 

 

 

Als es in einer Forschungsstation zur Erkundung der Tiefsee vor der Küste von Shanghai zu einem Unfall mit einem Mini-U-Boot kommt, da muss der Bergungsexperte Jonas Taylor hinzugerufen werden um die Besatzung retten zu können. Doch sobald klar wird, was genau der Grund für diesen Unfall war, da bahnen sich noch ganz andere, viel größere Probleme an.

 

Zumindest auf dem Papier sollte mir altem Haifisch-Film-Liebhaber The Meg von Regisseur Jon Turtletaub gefallen. Und das erste Drittel wusste mich auch gleich zu packen, denn der Tiefseeausflug und die daran anschließende Rettungsaktion treffen genau meinen Sweet Spot. Doof nur, dass The Meg danach abfällt wie der Marianen-Graben, wenn das Urzeitvieh erst einmal sein Unwesen treibt, und sich zu kaum mehr entwickelt als einem Monsterhaifilm nach Zahlen, der sich allenfalls nur noch damit begnügt altbekannte Motive und Bilder aufzugreifen und minimal zu variieren. Zudem verlässt sich der Film viel zu sehr bloß auf die alles erdrückende Größe und wuchtige Wirkung seines Monsters, das von einst sieben Metern bei Spielberg nun auf satte 25 Meter aufgeblasen wird, und ruft diese zur alleinigen Hauptattraktion aus, landet dadurch aber recht schnell in einer erzählerischen Sackgasse und beraubt sich auf diese Art selbst allerlei Möglichkeiten der Inszenierung.

 

Das Drehbuch versucht sich zwar an einer Balance aus halbwegs ernstem Monsterabenteuer und augenzwinkerndem Humor, findet allerdings nie so recht einen gesunden Mittelweg, und doch muss ich einräumen, dass The Meg unterm Strich weniger albern daherkommt als ich anhand der Trailer vermutet hätte. Die Charaktere sind zwar nicht mehr als blasse wie eindimensionale Abziehbildchen, erfüllen aber immerhin ihren Zweck und sind meist zumindest halbwegs solide gespielt. Die auffällige Blutarmut für einen solchen Monsterfilm und die Anbiederung an den chinesischen Markt sind offenkundig wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet und haben mich eher weniger gestört. Für einen Monsterhai-Film fand ich The Meg okay, da habe ich sowohl bessere als auch schlechtere Streifen sehen dürfen oder müssen. Letztlich bleibt für mich nur eine abschließende Frage: wo war das Anti-Hai-Mittel aus Mechanic: Resurrection? Das hätte Statham hier wirklich gut gebrauchen können.

 

5 von 10 Badestränden als Fressmeile für den MEG

 

 

Wolf Creek (2005)

4. Januar 2019 at 22:58

 

 

© Roadshow Entertainment/Dimension Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Die beiden britischen Rucksack-Touristinen Liz und Kristie sind zusammen mit dem aus Sydney stammenden Ben auf dem Weg quer durch das australische Outback hin zu einem gigantischen Meteorkrater namens Wolf Creek, doch auf dem Rückweg bleibt ihr Wagen liegen. Als sie sich beinahe schon damit abgefunden haben, die Nacht in unwirtlicher Wildnis verbringen zu müssen, tauchen aus dem Dunkeln die Lichter eines Trucks auf.

 

Schon 2005 stellte Regisseur Greg McLean mit seinem Debüt Wolf Creek eindrucksvoll unter Beweis, welche Talente in ihm schlummern. Auf das australische Genrekino fokussiert und sicherlich auch mit eine Art Vorreiter der modernen Ozploitation, erschuf er mit eben jenem Wolf Creek einen knochentrockenen wie unbarmherzigen Streifen, der in seinen besten Momenten gnadenlos effektives Terrorkino liefert. Dabei beginnt der Film bemerkenswert ruhig und geradezu entspannt, verwendet sehr viel Zeit auf seine sympathischen und glaubwürdigen Figuren sowie deren Aufbau und rückt dabei ganz nah an diese heran. Hier liegt dann letztlich auch für mich der Schlüssel zur enormen Effektivität von Wolf Creek, denn gerade weil er sich zu Beginn so viel Zeit lässt und die Spannungsschraube erst nach und nach und nur sehr langsam anzieht, geht die Eskalation schlussendlich so sehr unter die Haut. Auch beruht der Schrecken, welchen John Jarratt als der sadistisch-sympathische Mick Taylor mit einer unfassbar einnehmenden Präsenz verbreitet, keineswegs auf möglichst detaillierten Schlachtszenen, sondern auf viel subtilere Weise, wenn sich hinter dieser unnachgiebigen Grausamkeit menschliche Abgründe verbergen, die derartige Spielereien gar nicht nötig haben.

 

Wolf Creek spielt damit genauso wenig wie Mick Taylor: hier wird das Töten ernst genommen, nicht verharmlost oder gar durch Humor aufgebrochen, und gerade deswegen vermag der Film seine verstörend intensive Wirkung zu entfalten. Auch ist Taylor kein übermenschlich mächtiger, beinahe schon mythisch überhöhter Killer wie viele andere Gesichter prominenter Slasher-Streifen, sondern einfach nur ein Typ von der Straße, ein Mensch wie du und ich, der vielleicht schon seit Jahrzehnten durch die australische Wildnis streift und sein grausames Werk verrichtet. Letztlich ist Wolf Creek eine hübsche kleine, ungeschliffene und rohe Genre-Perle, die mich auch heute noch so zu packen vermag wie ihrer Zeit im Kino und bietet dem geneigten Zuschauer garstigen wie schroffen Realismus vermischt mit einem Hauch Naturmystizismus wie ihn auch Peter Weir gern einsetzte, statt überzogene Slasher-Klischees. McLean wusste damals schon sehr genau, was er da tut und liefert mit Wolf Creek spannendes wie beklemmendes Genrekino, das unter die Haut und an die Nerven geht.

 

8 von 10 Köpfen am Stiel

 

 

Ghost Stories (2017)

3. Januar 2019 at 18:13

 

 

© Lionsgate Films/Quelle: IMDb

 

 

 

We have to be careful what we choose to believe.“

 

 

 

Professor Goodman hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht übernatürlichen Phänomenen auf den Grund zu gehen und zu entlarven als das, was sie sind, nämlich absoluter Humbug. Als ihn jedoch sein großes Vorbild und Idol Charles Cameron kontaktiert und ihm drei Fälle aufdrängt, die er selbst vor Jahren nicht hatte widerlegen können, da ahnt Goodman noch nicht, was ihn erwarten soll.

 

The brain sees what it wants to see. Ein Nachtwächter, ein Teenager, ein Börsenmakler. 6. 79. 19. 20. 48. Drei eher altbackene Geistergeschichten liefert uns Ghost Stories von den Regiedebütanten Jeremy Dyson und Andy Nyman, basierend auf dessen Theaterstück. Lose miteinander verknüpft durch eine Rahmenhandlung rund um Prof. Goodman und dadurch von leicht episodenhaftem Charakter, baut sich Ghost Stories sehr langsam auf und ließ mich am Ende auch ein wenig an mir selbst zweifeln. Während des Filmes begann nämlich ein Konzept und eine inhaltliche Richtung dieses Textes in meinem Kopf zu entstehen und mit zunehmender Laufzeit wurde beides immer fester zementiert. Doch plötzlich macht der Film eine irrwitzige Biegung ohne dabei ins Schlingern zu kommen und schlagartig wird klar, dass diese drei Geistergeschichten nicht einzeln zu betrachten sind, sondern vielmehr als fein miteinander verknüpfte Bausteine von etwas viel Größerem, wenn die Rahmenhandlung zum integralen Bestandteil der Erzählstruktur mutiert.

 

Darauf war ich nicht gefasst, denn plötzlich wurden all meine bis dahin gesammelten Kritikpunkte an Ghost Stories nicht nur gemildert, sondern teilweise sogar gänzlich entkräftet und das Geschehen in ein vollkommen anderes Licht gerückt. Vielleicht ist das der große Trick des Filmes: the brain sees what it wants to see. Ich war so sehr fixiert auf all die Dinge, welche mir nicht gefielen, auf die plumpen Jump Scares, die inhaltlich einfallslosen Stories selbst oder die Klischees an jeder Ecke, dass mir vieles entgangen ist, was sich schon früh zart andeutet. Insofern hat mir Ghost Stories eine kleine Lehrstunde erteilt, dennoch bleibt die Frage zurück, ob sich der Weg dahin gelohnt hat, denn wirklich gut war er über weite Strecken trotzdem nicht. Aber zumindest einen gewissen Respekt nötigt mir der Film dann letzten Endes doch noch ab.

 

6,5 von 10 Mal durch dunkle Abwasserkanäle kriechen