Shadow in the Cloud (2020)

4. September 2021 at 20:14

 

 

© Automatik Entertainment/Vertical Entertainment/Redbox Entertainment/387 Distribution

 

 

Eine junge Frau im Krieg und das Geheimnis ihrer Fracht. Ihren erst zweiten Langfilm Shadow in the Cloud eröffnet Regisseurin Roseanne Liang als Kammerspiel beinahe vollends aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin heraus, erweitert diese jedoch immerzu um andere Blickwinkel. Vom Rest der ausnehmend männlichen Besatzung des Bombers Fool´s Errand unterhalb des Rumpfes, in einem Waffenturm, ist sie zwar räumlich getrennt, aber leider akustisch nicht. So darf sie sich doch zunächst allerhand nur schwer erträglich sexistischer Kommentare ausgesetzt fühlen.

 

Wird diese Situation erst einmal aufgebrochen, dann entpuppt sich Shadow in the Cloud als feministischer Actionfilm, welcher sich zu jeder Sekunde vollkommen bewusst ist, dass seine erzählerische Grundlage Quatsch ist. Eine Verbeugung vor Pulp, Trash und B-Movies. Twillight Zone, Outer Limits und X-Factor, aber aus einer weiblichen Sichtweise heraus. Muss Maude Garrett außerhalb der Fool´s Errand gegen einen Gremlin nicht nur um ihr eigenes Leben kämpfen, dann dreht der Film komplett am Rad. Unrealistisch? Zweifellos. Aber eben auch nicht unrealistischer als so mancher männlich dominierter Actionfilm.

 

Liang zwingt den Zuschauer ganz bewusst in die weibliche Rolle und natürlich ist das in gewisser Hinsicht ideologisch geprägt. Das mag vielleicht erzählerisch nicht sonderlich elegant sein, ist aber zumindest innerhalb seiner Welt inhaltlich schlüssig, vor allem verdammt unterhaltsam und vermag teilweise wirklich zu überraschen. So manchen Twist habe ich in der Form einfach nicht kommen sehen. Dazu ist Shadow in the Cloud zumindest zu Beginn auf der inszenatorischen Ebene interessant, weil visuell ein Bruch entsteht, wenn das Zweiter Weltkrieg-Szenario mit einer 80er-Neon-Ästhetik kombiniert wird. Schade bloß, dass diese angenehme Unstimmigkeit nicht weiter verfolgt wird. Ansonsten ist Shadow in the Cloud ein wilder wie unterhaltsamer Genre-Mix mit erfreulich kurzer Laufzeit, der sich seiner pulpigen Herkunft vollkommen bewusst ist und dennoch etwas zu sagen hat.

 

7/10

 

 

The Beach House (2019)

29. August 2021 at 18:11

 

© Low Spark Films/Uncorked Productions/Shudder

 

 

Die Werke von H.P. Lovecraft und David Cronenberg sind durchaus Bezugspunkte für das Regiedebüt von Jeffrey A. Brown. Der Schrecken des Unbegreiflichen und körperliche Zersetzung. In diesen Untiefen bewegt sich auch The Beach House und bedient sich dabei bereits bekannten Mechanismen und Motiven. So wird zwar das Genre-Rad nicht unbedingt neu erfunden, doch Brown kombiniert all diese Versatzstücke durchaus geschickt. Obwohl wir direkt in die Handlung einsteigen und die Atmosphäre von Beginn an reichlich schräg und unheimlich wirkt, lässt sich The Beach House auf der erzählerischen Ebene Zeit und breitet seinen Schrecken erst nach und nach aus. Vor allem gibt er seinen Figuren Raum zur Entfaltung und setzt gezielt wie schleichend den Grundton für die unausweichlich folgende Eskalation. Der Wahnsinn sickert nur langsam in die rationale Welt, dafür aber beständig. Tropfen um Tropfen. Doch mit zunehmender Dauer bahnt sich der Wahnsinn unbarmherzig an und auch der Body-Horror darf Einzug halten und so manche Ekligkeit bereit halten.

 

Einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner unangenehmen Wirksamkeit ensteht dadurch, dass sich der Schrecken nicht erklärt. Der Zuschauer weiß genau so wenig über die merkwürdigen Ereignisse wie die Figuren selbst. Dazu ist das Drehbuch, für welches ebenfalls Brown verantwortlich ist, deutlich cleverer geraten, als man es für einen solchen Genrefilm erwarten würde, verzichtet auf die üblichen Ungereimtheiten und achtet auf Details. Vor allem die von Liana Liberato verkörperte Emily trifft immer wieder überraschend kluge Entscheidungen. Und auch das auf den ersten Blick unbefriedigend wirkende Ende ist bei genauerer Betrachtung im Grunde nur logisch und konsequent. The Beach House entlässt den Zuschauer ratlos in die Ungewissheit. Einzig die schmerzliche Erkenntnis bleibt zurück, wie anfällig und fragil die menschliche Existenz angesichts einer solch diffusen Bedrohung doch eigentlich ist. Und das beständige Rauschen des Meeres.

 

7,5 von 10

 

 

The Hunt (2020)

25. Juli 2021 at 21:08

 

© Universal Pictures/Blumhouse Production

 

 

Die Menschenjagd ist eines der ältesten erzählerischen Motive der Filmgeschichte. Schon 1932 begründete The Most Dangerous Game von den Regisseuren Ernest B. Schoedsack und Irving Pichel dieses Sub-Genre des Horrorfilms. Über die Jahrzehnte hinweg fand das viele Nachahmer teils unterschiedlicher Qualität und hier reiht sich nun auch The Hunt von Craig Zobel (Z for Zacharia, Mare of Easttown) nahtlos mit ein. Ungeachtet der Probleme rund um die Veröffentlichung des Filmes, welche im Grunde nur aufzeigen, in welch komplexen Zeiten wir leben, verpackt The Hunt gesellschaftlich bedeutende Themen ausgesprochen schwarzhumorig.

 

Reich, Arm, Rechts, Links, Konservativ, Liberal sowie eine inzwischen überall zu erlebenden Diskussionskultur außer Kontrolle: früher oder später kriegt hier jeder und alles sein Fett weg, unabhängig von Lager oder Ausrichtung. Das mag zwar als eher plumpe Botschaft daher kommen und nicht sonderlich tiefgründig anmuten, ist deswegen aber nicht weniger unterhaltsam in Szene gesetzt. Der Einstieg ist abrupt und das Tempo hoch, lässt in der zweiten Hälfte jedoch merklich nach, um erst im Finale wieder aus dem Vollen zu schöpfen. Wirklich langweilig wird The Hunt zwar nie, doch den rasanten Schwung der ersten Hälfte kann der Film nicht immer mitnehmen.

 

Indem Zobel gezielt bestimmte Motive des Genre bedient und gesellschaftliche Klischees gleichwohl nutzt wie entlarvt, unterwandert er auch immer wieder Erwartungshaltungen, streut falsche Fährten und schlägt munter Haken. Nun erfindet The Hunt auf der Genre-Ebene das Rad zweifellos nicht neu, nutzt diese jedoch bloß als Vehikel für seine gnadenlos bissige sozial-politische Satire. Überspitzung in jeglicher Hinsicht ist hier das Stichwort und so überrascht es wenig, dass auch die Gewaltdarstellung grafisch überaus explizit geraten ist.

 

The most talked about movie of the year is one that no one´s actually seen. Smarte Werbestrategie, sich das angebliche Konfliktpotential des Filmes so zu nutze zu machen. Obwohl The Hunt in allen Richtungen kräftig austeilt, wird ihm der Trubel im Vorfeld der Veröffentlichung nicht gerecht. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Genre-Reißer voller drastischer Spitzen und schwarzem Humor, der unter seiner Oberfläche doch mehr zu erzählen hat, als das blutige Treiben auf den ersten Blick vermuten lassen würde.

 

7,5 von 10 Mal hohe Absätze im Auge haben

 

 

Sweet Sixteen (1983)

11. Juli 2021 at 20:29

 

 

© Century International

 

 

Erst Halloween (1978) und zwei Jahre später dann Friday, the 13th lösten ihrer Zeit eine regelrechte Welle an mal mehr und mal weniger gelungenen Slasher-Streifen aus. Sweet Sixteen von Regisseur Jim Sotos fiel 1983 genau in jene Phase des Genrekinos und wurde dann auch eher als Slasher-Film rezipiert. Folglich ging er in der Masse unter, bediente sich Sotos lediglich einiger Elemente des Slashers, ging grundsätzlich aber spürbar mehr in Richtung Mystery/Psychothriller. Das ist ein wenig schade, bemüht sich Sweet Sixteen doch zumindest darum, auf der erzählerischen Ebene auch noch andere Aspekte aufzugreifen und einen Blick auf die unter der Oberfläche brodelnden Konflikte einer US-amerikanischen Kleinstadt zu werfen.

 

So spielt Sotos die klassischen Motive des Slashers auch gar nicht übermäßig aus und bleibt in der Darstellung eher wenig explizit, ist nicht sonderlich zeigefreudig und arbeitet zum Teil mit Auslassungen in den wenigen Mordszenen. Und bis zu seinem finalen Showdown macht Sweet Sixteen zwar nicht alles, aber doch sehr viel richtig, verzettelt sich dann jedoch in einer Auflösung, die dem gelungenen Aufbau leider so gar nicht gerecht werden kann. Aus dem Nichts kommend und haarsträubend konstruiert wirkt das alles dann, was schade ist, bot der Plot bis dahin eigentlich genügend Anknüpfungspunkte für eine zumindest halbwegs befriedigende Auflösung.

 

6 von 10 Mal blutige 16 werden