The Sadness (2021)

3. August 2022 at 20:36

 

© Raven Banner Entertainment/Machi Xcelsior Studios

 

Das ist er also, der härteste, brutalste, verstörendste Film seit… ja, seit wann eigentlich genau? Schwierig. Der Hype war groß und das Marketing smart. Kann der in Taiwan gedrehte Film des kanadischen Regisseurs Rob Jabbaz dem gerecht werden? Zum Teil sicherlich. Zumindest auf der handwerklichen Ebene kann man The Sadness kaum etwas vorwerfen. Gekonnt inszeniert ist das allemal und die überwiegend handgemachten, wirklich drastischen Splattereffekte können bis auf ein oder zwei Ausnahmen absolut überzeugen. Überhaupt sieht der Film beinahe schon unverschämt gut aus, bedenkt man sein Budget.

 

Inhaltlich und erzählerisch hingegen kann The Sadness eher wenig bis gar nicht überzeugen und wirkt belanglos, hakt der Plot doch kaum mehr als die üblich generischen Eckpunkte ab und versucht sonst bloß noch durch seinen Härtegrad zu bestechen. Der ist zweifellos extrem hoch und mag zum Teil abstoßend anmuten, ist er aber eigentlich gar nicht so sehr, wird doch bei den potenziell wirklich provokanten Szenen brav abgeblendet. Überhaupt wirkt dieses Dauerfeuer der vermeintlichen Grausamkeiten schnell einfach nur ermüdend in seiner Spirale der Eskalation. Trotz, vielleicht sogar wegen all dem Spektakel, macht sich Langeweile breit. Wirklich Spannung zu erzeugen vermag The Sadness jedenfalls nicht und ergeht sich stattdessen immerzu in zwar effektiven, aber zugleich primitiven wie banalen Bildern.

 

Rückblickend bleibt da wenig haften außer der exzessiven Gewalt, welche ich schon bald bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr wirklich ernst nehmen konnte in ihrer gnadenlosen over the top-Inszenierung. Tonal ist das schwierig, inszeniert Jabbaz zwar überwiegend rau, direkt und schmutzig, gleitet aber nicht selten in vollkommen überzeichnete Momente ab. The Sadness ist zwar handwerklich nahezu tadellos, inhaltlich allerdings arg flach und vor allem grell, schrill, und gnadenlos auf Provokation ausgelegt. Und am Ende des Tages einfach nur erschreckend langweilig.

 

6/10

 

 

Texas Chainsaw Massacre (2022)

20. Februar 2022 at 15:33

 

 

© Legendary Pictures/Netflix

 

 

Da stellt sich mir doch die Frage, wie viel Mitspracherecht und Einfluss Fede Alvarez als Produzent auf die Dreharbeiten wohl gehabt haben mag. Der erst zweite Film von Regisseur David Blue Garcia erinnert in Inszenierung, Bildsprache und Härtegrad nämlich nicht selten an das Evil Dead-Remake von 2013. Inhaltlich knüpft das Drehbuch von Alvarez und Rodo Sayagues an den aller ersten Teil von Tobe Hooper an und ignoriert alle bisherigen Fortsetzungen und Neuinterpretationen. Zwar opfert man hier die schmierig räudige Atmosphäre zugunsten saftig harter Splatterszenen und vom Terrorkino vergangener Tage ist nichts mehr übrig, dafür ist Texas Chainsaw Massacre radikal kompromisslos und gnadenlos effektiv geraten. Hier wird auch eingelöst, was der Titel verspricht.

 

Was sich im Film von Tobe Hooper noch überwiegend im Kopf des Zuschauers abspielte, das breiten Garcia und Alvarez nun schonungslos und bis ins letzte blutige Detail aus. Und die Kettensäge ist hier bloß eines von diversen Mordwerkzeugen. Sicherlich ist das alles erzählerisch limitiert und weder Drehbuch, Dialoge, die profillose Figurenzeichnung oder das halbherzige Spiel mit Klischees können kaum überzeugen, aber in seiner Kernkompetenz vermag der Film bretthart zu liefern. Die Laufzeit ist so kurz wie der Gewaltgrad hoch und die Effekte sind sowohl handwerklich wie auch inszenatorisch überzeugend und kompetent in Szene gesetzt. Das Ergebnis ist eine Schlachtplatte sondergleichen, zerstörerisches Körperkino in seiner reinsten Form.

 

7/10