The Lords of Salem (2012)

9. April 2022 at 18:35

 

 

© Haunted Movies/IM Global

 

 

Rob Zombie war und ist zuallererst immer ein Meister des Pastiches. Kino der Zitate. In seiner Arbeitsweise kaum anders als Tarantino, doch aber in anderen Sphären unterwegs. Seine Filme zeichnen sich meist weniger durch Handlung oder Spannungsaufbau aus, sondern mehr dadurch, wie er sich audiovisuell durch Jahrzehnte der Popkultur des Abseitigen wühlt und Motive, Bilder und Ideen referenziell in Collagen formt. The Lords of Salem ist da kaum anders, ist aber leiser, subtiler, weniger wild, ist konzentrierter und fokussierter als seine bisherigen Werke. Zombie nimmt sich hier spürbar mehr zurück und zügelt vielleicht zum ersten Mal in seinem Schaffen seine Impulse. Er lässt dem Film und vor allem seinen Bildern Zeit zu atmen, zu wirken, sich zu entfalten. Er traut sich auch, Lücken einfach stehen zu lassen, sie nicht zu füllen, nicht jede Idee bis zum Schluss zu verfolgen, nicht alles durch zudenken.

 

Stattdessen setzt er lieber auf eine vage und mysteriös bedrohliche Stimmung als auf sich immerzu steigernde Eskalation. Die ohnehin schon schlanke Handlung verdichtet sich nicht zunehmend mit andauernder Laufzeit, nein, The Lords of Salem verflüchtigt sich in seinen letzten Minuten geradezu, beginnt sich aufzulösen, wird immer ätherischer und implodiert schließlich in einem fiebrigen Bilderrausch. Auf der handwerklichen Ebene, aber auch in puncto Haltung und Stimmung, erinnert mich The Lords of Salem immer wieder an The House of the Devil von Ti West, einem der eindringlichsten Horrorfilme der letzten Jahre, und zeigt ohne jeden Zweifel, wozu Rob Zombie fähig ist, wenn er sich zurücknimmt. Mit The House of 1000 Corpses und The Devil´s Rejects hatte ich vielleicht mehr Spaß, The Lords of Salem hingegen empfand ich als ausdrücklich unangenehm und schleichend beunruhigend. Für mich sein stärkster Film.

 

8/10

 

 

The Barbarians (1987)

5. November 2018 at 17:55

 

 

© Cannon Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Bei einem Überfall der finsteren Männer des bösen Herrschers Kadar auf eine Gruppe unschuldiger Gaukler werden nicht nur die Zwillinge Kutchek und Gore entführt, sondern auch Canary, die Königin des fahrenden Volkes. Nur ihren magischen Rubin, den kann Kadar nicht erlangen. Die Zwillinge werden fortan versklavt und müssen im Steinbruch schuften, bis ihnen als erwachsene Männer vollgepackt mit Muskeln der Ausbruch gelingt. Bei dem Versuch auch Canary zu befreien, erfahren sie von dem magischen Rubin, den es unbedingt zu finden gilt.

 

Die Abenteuer der Barbaren-Brüder Kutchek und Gore kommen 1987 recht spät, als die durch Conan ausgelöste Welle an ähnlichen Produktionen von zahlreichen Barbaren-Filmen bereits am abflauen war. Diese amerikanisch-italienische Co-Produktion unter der Regie von Ruggero Deodato (Cannibal Holocaust, Cut and Run, Atlantis Inferno) wurde von Cannon Films produziert und folglich mit einem mehr als nur ansehnlichen Budget von rund 4 Millionen Dollar ausgestattet. Und Deodato weiß das bisher größte Budget seiner Karriere auch gekonnt zu nutzen, fährt bekannte Gesichter wie Richard Lynch, Michael Berryman, George Eastman und die muskelbepackten Fleischberge-Zwillinge David und Peter Paul auf, veredelt den ganzen launigen Quatsch mit einem wirklich ansehnlichen und liebevollen wie aufwendigen Produktionsdesign und bringt auch gleich noch eine ordentliche Portion Enthusiasmus und eine ausgesprochen angenehme Leichtigkeit mit. Der Legende nach hätte The Barbarians deutlich ernster und düsterer ausfallen sollen, doch Deodato wurde wohl schnell klar, dass die beiden Brüder eher auf der komödiantischen Ebene funktionieren.

 

Wie in dem Genre Barbarenfilm eigentlich üblich ist die dünne und schnell zusammen gezimmerte Story voll und ganz auf die Paul-Zwillinge zugeschnitten, denen offensichtlich vollkommen bewusst gewesen sein muss, dass sie niemals einen Oscar gewinnen würden, so dass es schön ist zu sehen, wie wenig sie sich doch selbst ernst nehmen. Die größte Stärke von The Barbarians ist allerdings wirklich das tolle Setdesign sowie die gesamte Ausstattung und die fantasievollen Kostüme, denen man in jedem Moment das für eine derartige Produktion große Budget ansieht. Statt einer billigen Wald und Wiesen-Optik gibt es aufwendige Studiobauten, mehr als ausreichend Statisten in entsprechenden Kostümen und teils recht ansprechende Spezialeffekte zu bestaunen. Und allein schon das famose Main Theme aus der Feder von Pino Donaggio ist mir locker einen Punkt wert. Für die Meisten ist das vermutlich unterste Schublade, ich hingegen finde The Barbarians sehr unterhaltsam und in seinem kindlich naiven Irrsinn einfach wunderschön. Eine wahre Perle des italienischen Genre-Films, Pulp in Reinform, für den schnellen wie lustvollen Konsum erdacht und ohne falsche Prätention oder gar Anspruch produziertes Exploitationkino, das einfach nur Spaß machen soll.

 

Oder um es mit den Worten des von mir sehr geschätzten Oliver Nöding auszudrücken, der auch einen tollen Audiokommentar zum Film beigesteuert hat: „Vielleicht ist das, was wir als trashig empfinden, einfach nur das Zeichen einer unvergleichlichen Sicht auf die Welt, dem Abweichen von einer willkürlich gesetzten Norm geschuldet. Es gehört Mut dazu, anders zu sein. Lasst uns The Barbarians mit offenen Armen empfangen und ihn mit Liebe überschütten. Spott ist für Menschen mit kaltem Herzen und SchleFaZ. Das Leben ist zu kurz, um sich mit Negativität abzugeben.“

 

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