Hotel Artemis (2018)

15. Februar 2019 at 16:35

 

 

© Global Road Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

No water in LA, but it’s raining assholes in here.“

 

 

 

In nicht allzu ferner Zukunft ist das Hotel Artemis eine Art Rückzugsort für verwundete Gangster: wer zahlendes Mitglied ist, der wird ohne lästige Fragen von der Schwester und ihrem Pfleger aufgenommen und zusammengeflickt. Als in einer besonders hektischen Nacht auf den Straßen ein Aufruhr wütet, gleich mehrere Männer und Frauen mit unterschiedlichsten Interessen im Hotel aufeinander treffen und sich auch noch der mächtige Gangsterboss Wolf King ankündigt, da bekommt die Schwester alle Hände voll zu tun.

 

Nach seiner Beteiligung an den Drehbüchern von Filmen wie Iron Man 3 (2013) und Mission: Impossible – Rogue Nation (2015) lag es wohl nahe, dass Drew Pearce für sein Regiedebüt Hotel Artemis auch gleich das Skript verfasste. Und man kann auch durchaus anerkennen, dass hier einiges richtig gemacht wird. Der Auftakt ist stimmungsvoll, das Setting interessant, es blitzen immer mal wieder gute Ideen auf und der Cast ist spannend zusammengesetzt. Pearce entwirft zwar keine sonderlich originelle Version eines futuristischen Noir-Thrillers, aber zumindest eine handwerklich gelungene, über weite Strecken durchaus unterhaltsame und toll ausgestattete. Deutlich stärker auf seine Figuren fokussiert als die Trailer vielleicht vermuten lassen würden, tappt Hotel Artemis nicht in die John Wick-Falle, begrenzt die Action auf ein absolutes Minimum und gibt erst in den letzten Minuten so richtig Gas. Wer hier also ein Actionfeuerwerk erwartet, der ist sicherlich falsch beraten und sollte sich vielleicht lieber an anderer Stelle umsehen.

 

Leider krankt Hotel Artemis oftmals an einem schwachen Drehbuch, welches eine allenfalls mäßig spannende und sehr generische Story entspinnt und vor allem sehr schablonenhafte und flache Figuren aufeinander treffen lässt. Allein Jodie Foster bekommt ein paar schemenhafte Umrisse und einen Hauch von Tiefe spendiert, ist aber auch gnadenlos unterfordert. Zwar ist die Interessenlage aller Beteiligten vielschichtig und insgesamt explosiv, aber auch sehr vorhersehbar in ihrer Eskalation. Zudem sind die Dialoge oft einen Hauch zu cool und wirken immer mal wieder arg bemüht und zu sehr gewollt. Insofern schafft Hotel Artemis unterm Strich eigentlich eine interessante wie spannende Ausgangslage, nutzt deren Potential im weiteren Verlauf jedoch nicht richtig aus und gibt dem auf dem Papier toll zusammengestellten Cast kaum Möglichkeiten an die Hand, um mehr daraus zu machen. Das ist schade, denn Idee, Setting, Look und Atmosphäre sind stark und lassen auf mehr hoffen, was Pearce letztlich nicht einzulösen vermag. Dennoch für seine angenehm kurze Laufzeit von rund 90 Minuten kurzweilig und unterhaltsam, auch wenn da noch deutlich Luft nach oben gewesen wäre. An einem ganz normalen Mittwoch aber kann man den durchaus gucken.

 

6,5 von 10 neuen Lebern aus dem 3D-Drucker

 

 

Monsters (2010)

13. Februar 2019 at 18:08

 

 

© Vertigo Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Sechs Jahre ist es her, seit eine NASA-Sonde voller Proben außerirdischen Lebens bei ihrem Wiedereintritt über Mexiko zerstört wurde und sich bald schon fremde Lebensformen ausbreiteten. Das US-Militär erklärt weite Teile des Landes zur infizierten Zone, riegelt diese mit einer gigantischen Mauer ab und versucht mit regelmäßigen Luftangriffen Herr der Lage zu werden. Mitten in diesem Chaos erhält der Fotoreporter Andrew Kaulder von seinem Boss den Auftrag, dessen Tochter Samantha sicher aus Mexiko zurück in die USA zu begleiten. Doch unglückliche Umstände zwingen die beiden dazu, die gefährliche Route mitten durch die infizierte Zone antreten zu müssen.

 

Welch Frechheit doch von Regisseur Gareth Edwards (Godzilla, Star Wars: Rogue One), für sein Debüt einen Monsterfilm annähernd ohne Monster zu drehen und diesen dann auch noch dreist Monsters zu nennen! Wie kann er nur?! Naja. Was sich bereits in seinem hervorragendem Kurzfilm Factory Farmed (2008) andeutete, das vermag sich nun erst so richtig zu entfalten: Edwards geradezu unglaubliches Gespür für ein stimmiges World Building mit manchmal kleinsten Mitteln und sein scheinbar grenzenloser Einfallsreichtum. Monsters ist low budget, soll lediglich 500.000 Dollar gekostet haben und wurde größtenteils direkt vor Ort guerilla-artig und immerzu zur Improvisation gezwungen bloß mit einem Miniteam aus Edwards hinter der Kamera, seinen beiden Darstellern und dem Tonmann realisiert. Idee, Regie, Kamera und Effekte: alles stammt aus Edwards Feder und dass, obwohl es kein richtiges Drehbuch oder Dialoge gab, nur Ideen und Skizzen, Stimmungen und Gefühle, welche sich erst während der Dreharbeiten verfestigen sollten. Wenig wird erklärt, Dialog mehr zur Charakterisierung denn zur Exposition genutzt und das Erzählen ist stark visuell geprägt. Selbstbestimmter und selbstsicherer kann ein Regiedebüt kaum ausfallen.

 

Ja, die titelgebenden Monster stehen nicht im Vordergrund und bleiben lange unsichtbar oder werden allenfalls angedeutet, denn der Film entzieht sich meist den üblichen Genrekonventionen, doch durch das gelungene World Building wird ihre Präsenz kaum geschmälert und die teils beklemmenden Bilder von Verwüstung und Zerstörung klingen lange nach. Und doch sind es oft eher die kleinen Szenen, die sich nachhaltig einbrennen und beschäftigen: ein Teddybär mit Gasmaske, ein Trickfilm im mexikanischen Fernsehen, ein Graffiti am Straßenrand, immer wieder Gasmasken, kleine Kinder neben Sturmgewehren und zerstörten Panzern. Trotz seiner vermeintlich ausufernden Prämisse ist Monsters ein intimer Film, zeigt den Alltag der Menschen hinter den Monsterattacken und stellt seine beiden Protagonisten und deren Geschichte, deren Entwicklung und vor allem deren Reise in den Mittelpunkt. So habe ich Monsters auch immer eher als Road Movie begriffen, als eine Art Odyssee zweier verlorener Menschen, an deren Ende diese Dinge über sich selbst lernen dürfen, von denen sie bisher keine Ahnung hatten.

 

Mit Monsters erschafft Gareth Edwards eine beklemmend einnehmende und stimmige Welt voller eben jener Kreaturen und beweist doch den Mut, seinen Fokus stark auf seine Protagonisten zu legen, erzählt lieber von Menschen statt von Monstern und zeigt zermürbenden Alltag statt Spektakel. Selbst wenn man die Bedingungen seiner Entstehung ausblendet, dann ist Monsters angesichts seines geringen Budgets und seines enormen Ideenreichtums zweifellos ein beeindruckendes Regiedebüt.

 

8 von 10 Teddybären mit Gasmasken auf

 

 

Upgrade (2018)

2. Februar 2019 at 16:59

 

 

© OTL Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Bei einem Überfall wird die Frau von Grey Trace getötet und er vom Hals abwärts gelähmt. Seine einzige Hoffnung ist ein neuartiger, experimenteller Computerchip namens STEM, der fortan die Schnittstelle zwischen Gehirn und Körper sein soll. Tatsächlich funktioniert der Eingriff und Grey findet zurück ins Leben, um die Mörder seiner Frau zu finden, und muss schon bald feststellen, dass STEM ihm spezielle Fähigkeiten verleiht.

 

Mit Upgrade haut Regisseur und Drehbuchautor Leigh Whannell (Saw) mit seinem erst zweiten Film nach seinem Debüt Insidious: Chapter 3 wirklich einen Kracher raus. Angesiedelt in einer Shadow Run-artigen Welt in nicht allzu ferner Zukunft, die stark Technologie fixiert ist, inszeniert der Australier einen entfesselten Actionfilm voller inhaltlich wie visuell tollen Ideen und Einfällen. Das World Building ist enorm detailliert, futuristisch angehaucht, bleibt aber zu jeder Zeit nachvollziehbar. Der Plot rund um die Suche nach den Mördern von Grey´s Frau ist denkbar einfach gehalten, klar strukturiert, kommt herrlich geradlinig wie schnörkellos daher, verzichtet auf jeglichen unnötigen Ballast und verschreibt sich voll und ganz dem Genrekino in seiner reinsten Form. Dazu passt dann auch ganz hervorragend die Laufzeit von etwa 100 Minuten, so dass sich zu keiner Sekunde auch nur ein Hauch von Langeweile einschleichen könnte.

 

Sehr schön ist auch die Kamera von Stefan Duscio (Jungle) geraten, denn ganz im Gegensatz zu so vielen anderen Vertretern des modernen Actionkinos wird hier erstaunlich ruhig, klar und vor allem übersichtlich gefilmt, so dass auch im wildesten Kampfgetümmel der Überblick gewährleistet bleibt, und dennoch erlaubt sich Upgrade auch auf dieser Ebene immer wieder interessante Einstellungen. Die Gewalt ist sehr explizit, aber auch überaus pointiert eingesetzt und in der Ausführung manchmal wirklich überraschend, so dass sich bestimmte Momente sicherlich ins kollektive Gedächtnis graben könnten. Eine hübsch böse Note bekommt das alles dann durch einen zuweilen recht zynischen Humor und besonders die Zwiegespräche zwischen STEM und Grey können den einen oder anderen fiesen Lacher herauf beschwören.

 

Whannell erschafft mit Upgrade eine Art Cyber Punk-Body Horror-Actionthriller, dem man sein Budget von etwa fünf Millionen Dollar absolut nicht ansieht. Sein Film ist retro, kommt aber ohne lästige Nostalgie aus, ist altmodisch, verschließt sich aber nicht vor modernen Elementen und ist ziemlich cool, ohne das ironisch augenzwinkernd ausstellen zu müssen. Upgrade ist vielleicht nicht sonderlich intelligent, aber er ist ausgesprochen smart, denn Whannell kennt sein Genre ganz offensichtlich und bespielt mit Bravour dessen Strukturen, ohne jedoch zu langweilen oder gar Gefahr zu laufen zur leeren Replik auf alte Tage zu mutieren.

 

8 von 10 platzenden Köpfen

 

 

The Predator (2018)

23. Januar 2019 at 0:09

 

 

 

© 20th Century Fox/Quelle: IMDb

 

 

 

Nach seiner unfreiwilligen Begegnung mit einem Yautja in Mexiko soll der Elitesoldat Quinn McKenna als einziger Überlebender seiner Einheit in eine Einrichtung für verhaltensauffällige Veteranen gebracht werden. Der Vorfall soll vertuscht werden, denn die Regierung weiß schon längst von der Existenz der kriegerischen Alienrasse und ist sogar in Besitz eines lebenden Exemplares, doch als dem gefangenen Außerirdischen die Flucht gelingt, da befindet sich McKenna mit einigen anderen Veteranen plötzlich in der Schusslinie.

 

Braucht man den neuen Film von Regisseur Shane Black? Vermutlich eher nicht. Erweitert The Predator sinnvoll sein filmisches Universum? Definitiv nicht. Habe ich das erwartet? Auf keinen Fall. Erwartungen sind Belastungen. Und so hatte ich auf eine sehr spezielle Art und Weise durchaus meinen Spaß mit diesem kruden und aus der Zeit gefallenen Machwerk irgendwo zwischen markiger 80er Reminiszenz und modernem Blockbuster. Dabei ist The Predator nicht einmal ein sonderlich guter Film, zu sehr ist seine Erzählstruktur zerrissen und holprig, zu sehr schwankt der Plot immer wieder zwischen unterschiedlichsten Motiven, so dass sich das Endprodukt seltsam unfertig und zerfasert anfühlt. Chaotisch wirkt das bunte Treiben, unausgegoren und sprunghaft, wurde The Predator doch mehrfach umgeschnitten und immer wieder in andere Richtungen gestoßen. Das spürt man deutlich und wird dem Skript wohl auch zum größten Verhängnis, welches sich wie für den Regisseur und dessen Co-Writer Fred Dekker (Night of the Creeps, Monster Squad) nicht unüblich gleichsam aus explosiver Action und selbst für Blacks Maßstäbe schamloser Ketten aus Gags und Sprüchen jenseits der Gürtellinie und des guten Geschmacks zusammensetzt.

 

Als ernsthaftes Stück Genrekino ganz in der Tradition der ersten beiden Filme von McTiernan und Hopkins darf das alles natürlich nicht verstanden werden, sondern viel eher als herzhaft deftiger wie kurzweiliger und vor allem grobschlächtiger Spaß, der seine R-Rating-Effekte im späteren Verlauf genüsslich zelebrieren will, und dem ich aufgrund seiner breitbeinig ausgestellten Infantilität kaum wirklich böse sein könnte. Ja, The Predator ist kein guter Film, hat zahllose Schwächen und Probleme auf beinahe allen Ebenen und doch wirkt er dadurch – selbstverständlich unfreiwillig und vollkommen ohne Absicht – weit weniger formelhaft als so manch anderer Actionfilm unserer Zeit. Irgendwie liegt in all dem heillosen Chaos und Durcheinander ein ganz merkwürdiger und überaus eigenwilliger Charme, dem ich erlegen bin.

 

6 von 10 vom Fleisch befreite Wirbelsäulen