The Aftermath (1982)

16. Oktober 2019 at 23:06

 

 

© VCI Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

Nach zwei Jahren im Weltall kehrt Astronaut Newman wieder zurück auf die Erde. Nach seiner Landung muss er jedoch feststellen, dass ein Atomkrieg die Welt vollkommen zerstört hat. Die wenigen letzten Überlebenden werden von Mutanten bedroht und von einem Mann namens Cutter gnadenlos unterdrückt. Newman beschließt, dem Treiben ein Ende zu setzen und sagt Cutter den Kampf an.

 

Manchmal muss man einfach eine Linie ziehen… Apokalyptische Settings erfreuten sich im Genrekino der 80er Jahre großer Beliebtheit, weil sie einen gewissen Zeitgeist aufgriffen, vor allem aber, weil sie sich preiswert produzieren ließen. Ein Steinbruch und ein bisschen Fantasie konnten da in den Niederungen bereits ausreichen. The Aftermath von Regisseur Steve Barkett ist geradezu ein Paradebeispiel für den schnell wie billig herunter gekurbelten, drittklassigen Endzeit-Actioner. Bloß, dass Barkett nicht nur Regie führte, sondern gleich auch noch das Drehbuch lieferte, den Film produzierte, den Schnitt übernahm und die Hauptrolle spielte. Trash als Autorenkino, wenn man so will. Inhaltlich irgendwo zwischen Mad Max (1979) und Planet der Affen (1968) angesiedelt, versagt The Aftermath im Grunde auf der ganzen Linie.

 

Hier passt wirklich nichts so richtig zusammen: weder vermag es Barkett den von ihm der Hauptfigur zugedachten Attributen gerecht zu werden, noch funktioniert die Lovestory, geschweige denn die Vater-Sohn-Beziehung oder gar die schwerfällig inszenierte Action. Dazu kommt ein bescheuerter Off-Kommentar, furchtbar einfältige Dialoge, eine platte Symbolik und wirklich merkwürdige Musikeinsätze. Die Krönung ist dann das Finale, wenn sich Barkett sagenhaft schamlos als gnadenlos effektive Ein-Mann-Armee inszeniert, die im Alleingang das komplette Lager des Bösewichtes Cutter (immerhin zumindest akzeptabel gespielt von Sid Haig) zerlegt. Dumm nur, dass am Ende ganz offensichtlich das Geld für sogar halbwegs ordentliche Effekte fehlte und direkte Treffer aus nächster Nähe von einer Schrotflinte aussehen wie Nadelstiche.

 

The Aftermath ist ein Kuriosum, eine Art Unfall geboren aus einem Egotrip heraus, die fehlgeleitete Vision eines zumindest im Ansatz ambitionierten Filmemachers und doch seltsam faszinierend. The Aftermath ist der Auftakt einer enorm kurzen Karriere, der nur noch ein weiterer Film folgte: Empire of the Dark (1990). Plot: A private detective searching for a killer comes across a satanic cult from another dimension, monsters called up from hell and murderous ninja assassins. Muss man sich mal vorstellen. Das will ich sehen. Ich mag sowas.

 

5 von 10 atomaren Stürmen

 

 

In the Shadow of the Moon (2019)

9. Oktober 2019 at 18:26

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Polizist Thomas Lockhart ist Teil der Ermittlungen an einer obskuren Mordserie, welche 1988 Philadelphia erschüttert, jedoch ebenso abrupt endet wie sie begonnen hat. Genau neun Jahre später ist Lockhart inzwischen Detective, als Morde begangen werden, die denen von 1988 verblüffend ähneln.

 

In the Shadow of the Moon von Regisseur Jim Mickle (Stake Land, We Are What We Are, Cold in July) ist einer dieser kleinen bis mittelgroßen Filme, welche es heutzutage kaum noch ins Kino schaffen. Früher wäre er vielleicht direkt in den Videotheken gelandet, heute darf Netflix diese Funktion erfüllen. Doch auch, wenn In the Shadow of the Moon für die große Leinwand etwas zu klein zu sein scheint, so macht ihn das noch lange nicht zu einem schlechten Film. So liefert Mickle einen letztlich soliden Sci-Fi/Mystery/Cime-Thriller mit starkem Beginn, der zur Hälfte allerdings etwas abflacht und an Schwung verliert, nur um in seinem vielleicht etwas plump geratenem Schlusspunkt mehr zu erklären als es eigentlich nötig wäre.

 

Der Zeitreise-Plot verläuft vielleicht nicht immer ganz logisch und konsequent, bleibt aber trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit immerhin stimmungsvoll. Visuell ist das alles durchaus sehenswert und besonders das Design der unterschiedlichen Zeitabschnitte weiß zu überzeugen. Das erzählerische Tempo zieht nur punktuell an und In the Shadow of the Moon ist über weite Strecken eher ein ruhiger Film. Auf der darstellerischen Ebene macht Boyd Holbrook (Narcos, Logan, Predator: Upgrade) seine Sache gut als über die Jahrzehnte hinweg immer manischer werdender Cop, der geradezu besessen ist von dieser mysteriösen Mordserie, immerzu im Zwiespalt zwischen Familie und Job. Michael C. Hall (Dexter, Six Feet Under) hingegen wirkt seltsam verschenkt, wenn mit seiner Figur relativ wenig angestellt wird. So bleibt unterm Strich ein Film mit interessanter Grundidee und starkem Beginn, der jedoch zu wenig daraus macht, und dem zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht.

 

6 von 10 rätselhaften Wunden im Nacken

 

 

Split Second (1992)

18. Juli 2019 at 17:33

 

 

© InterStar/Quelle: IMDb

 

 

 

Now he lives on anxiety, coffee and chocolate.“

 

 

 

In dem Film von Regisseur Tony Maylam (The Burning, 1982) begibt sich Rutger Hauer als Cop auf eine von Wut und Hass getriebene Jagd nach einem Serienkiller in einem überschwemmten und von Ratten geplagten London der nahen Zukunft. Das Setting ist angenehm unverbraucht, fällt jedoch insgesamt eher karg aus und ist limitiert in seinen Schauplätzen. Atmosphärisch solide besticht Split Second durch eine düstere, seltsam spröde Eigenwilligkeit in der Inszenierung, welche wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass das Drehbuch von Gary Scott Thompson teils am Set noch mehrfach umgeschrieben wurde. Auch wurde die finale Konfrontation in alten U-Bahnschächten letztlich nicht mehr von Maylam gedreht, sondern von Ian Sharp, tonal jedoch fällt das eher weniger ins Gewicht. Allerdings wird im knackigen Finale schnell deutlich, dass das der temporeichste Part von Split Second ist, der sonst mit seiner Action eher geizt.

 

Das Creature-Design und die Make Up-Effekte stammen von Stephen Norrington, der später Filme wie Death Machine (1994), Blade (1998) und The League of Extraordinary Gentlemen (2003) drehen sollte, und setzen vornehmlich auf Schatten, Umrisse und reichlich Kunstblut, wenn man das Monster selbst nur selten in voller Pracht bewundern darf. Das alles kann sich durchaus sehen lassen und erfüllt seinen Zweck, gerät zuweilen sogar recht garstig in seiner zeigefreudigen Darstellung. Herkunft und Motivation der Kreatur bleiben seltsam vage: zwar rückt irgendwann ein okkulter Hintergrund in den Fokus, doch wirklich Licht wird keines ins Dunkel gebracht. Rutger Hauer als abgewrackter und sprücheklopfender Hard Boiled-Cop mit Waffenfetisch im Ledermantel und mit Harley Davidson im Wohnzimmer macht Spaß und mit seinem Partner wider Willen gibt er ein gutes ungleiches Duo ab. Trotz seiner offensichtlichen Schwächen mag ich Split Second irgendwie. Eigentlich perfekt für ein Double Feature zusammen mit Dark Angel von Action Jackson-Regisseur Craig R. Baxley.

 

6,5 von 10 Tassen Kaffee mit Unmengen Zucker

 

 

Xtro (1982)

9. Juli 2019 at 12:14

 

 

© New Line Cinema/Quelle: IMDb

 

 

 

Some extra-terrestrials aren´t friendly.“

 

 

 

Sam und sein Sohn Tony spielen im Garten, als sich plötzlich die Sonne verdunkelt und ein geheimnisvolles Licht auftaucht. Wenig später ist der Vater verschwunden, Tony bleibt schwer traumatisiert zurück und Mutter Rachel muss ihn künftig ohne Ehemann großziehen. Drei Jahre später lebt Rachel mittlerweile mit dem Fotografen Joe und dem Au-Pair-Mädchen Analise zusammen, als Sam plötzlich wieder vor der Tür steht und seinen Platz als Vater und Ehemann zurück will. Doch irgendetwas stimmt nicht und schnell häufen sich unheimliche Vorfälle.

 

Welche Filme dem britischen Regisseur Harry Bromley Davenport als Inspiration gedient haben dürften ist relativ offensichtlich, wenn sich sein Xtro irgendwo zwischen Alien (1979), Invasion of the Body Snatchers (1978) und E.T. (1982) bewegt, zu welchem er sich dann auch eher als garstiger Gegenentwurf positioniert. Handwerklich ist hier vielleicht nicht immer alles ganz gelungen, doch Xtro punktet in jedem Fall mit seiner unterschwellig bedrohlichen Atmosphäre und vor allem mit einer wirklich unangenehmen Effektarbeit. Was Tom Harris und Francis Coates da mit viel Schmodder und reichlich Glibber zum Teil kreiert haben, das ist schon wirkungsvoll und nicht immer schön anzusehen. Auch das Creature-Design ist gelungen und vor allem ausgefallen, aber leider viel zu selten in voller Pracht zu bewundern. Das alles ist mit all den glitschigen Tentakeln, der angedeuteten Penetration und dem Saugen an Haut unverkennbar sexuell konnotierter Bodyhorror, driftet aber im weiteren Lauf in beinahe schon surreale Gefilde ab. Xtro will manchmal einfach zu viel und das Drehbuch gerät nicht selten arg konstruiert, doch wirklich anstrengend und schnell nervraubend ist der von Regisseur Davenport selbst komponierte Score, der schwer nach einem billigen Casio Keyboard klingt. Letztlich endet Xtro kaum anders als E.T., nur das dieses Mal am Ende alle tot sind. Sicherlich kein wirklich guter Film, aber zumindest einer, der anders ist. Manchmal reicht das.

 

6 von 10 verstörenden Hausgeburten