Avengers: Infinity War (2018)

25. November 2018 at 18:26

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

So this is it? It’s all been leading to this.“

 

 

 

Der Weltenzerstörer Thanos schickt sich an seinen Masterplan endgültig in die Tat umzusetzen und entsendet seine Handlanger auf die Suche den ihm noch fehlen Infinity Stones. Die Avengers sind immer noch über das Universum verteilt und alte Konflikte müssen überwunden werden, denn Thanos kann nur unter Aufbringung aller gemeinsamen Kräfte bezwungen werden. Doch die Zeit drängt, denn Thanos wird mit jedem weiteren Stein, der ihm in die Hände fällt, zusehends mächtiger.

 

Vorab: ich bin weder glühender Verehrer des MCU, noch bin ich voller Ablehnung diesem gegenüber, sondern eher neutral positioniert. Im besten Fall bekomme ich einen unterhaltsamen Film zu sehen, im schlimmsten Fall einen meist egalen und beinahe nie ärgerlichen. Nun also kommt es mit Avengers: Infinity War nach bisher achtzehn Filmen in zehn Jahren zum vorerst großen Höhepunkt und erneut sitzen nach Captain America: The Winter Soldier und Captain America: Civil War die Russo-Brüder auf den Regiestühlen. Abermals nach Civil War jonglieren sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit mit einer Vielzahl an Helden und zähmen gekonnt das beinahe schon megalomanische Figuren-Setup. Fast jeder bekommt mit mal mehr, mal etwas weniger Screen Time versehen seinen verdienten Moment. Trotz des gigantischen Ensembles und obwohl nun unzählige erzählerische Pfade aus den letzten zehn Jahren zusammengeführt werden, fühlt sich Infinity War erstaunlich homogen an, statt überladen oder überfrachtet zu wirken. Bereits die Exposition gibt die tonale Ausrichtung vor und die Atmosphäre ist durchgehend düster, oftmals hoffnungslos und selbst der immer wieder aufblitzende Humor funktioniert meist und steht keinesfalls im Kontrast zur Ernsthaftigkeit, sondern lädt als willkommene Pause immer mal wieder zum Durchatmen ein.

 

Thanos ist dann das Herzstück des Filmes, der vielleicht ambivalenteste und interessanteste Schurke des MCU bisher und sowohl erzählerische Konstante als auch emotionaler Ankerpunkt. Ein wirklich großartig geschriebener Bösewicht, der eigentlich gar nicht so böse ist, und dessen Agenda weder von abgrundtiefer Bösartigkeit oder größenwahnsinnigen Allmachtsphantasien angetrieben wird, sondern auf der rein rationalen Ebene absolut nachvollziehbar ist. Sicher sind seine gewählten Mittel und Methoden äußerst radikal und mögen grausam anmuten, doch tief in seinem Innern ist seine Motivation beinahe schon human. Die erzählerische Struktur gerät zwar manchmal ein wenig ins Wackeln, wirkt gelegentlich etwas ungelenk episodenhaft und ist vor allem durch und durch der seit nun mehr zehn Jahren perfektionierten Formelhaftigkeit des MCU unterworfen (warum auch nicht, großartig nennenswerte Innovationen erwarte ich ohnehin an anderer Stelle), unterm Strich jedoch wurde ich als weder Fanboy noch Hater dieses filmischen Universums von Infinity War überraschend gut unterhalten. Die durchgehend düstere Ernsthaftigkeit steht dem Film wirklich gut, wäre zumindest für mich allerdings ohne die nun nötige wie konsequente Standhaftigkeit rückblickend wertlos.

 

7,5 von 10 Infinity Stones in falschen Händen

 

 

Captain America: Civil War

5. Mai 2016 at 15:54

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„Captain, while a great many people see you as a hero, there are some who prefer the word vigilante. You’ve operated with unlimited power and no supervision. That’s something the world can no longer tolerate.“

 

 

 

Zweifellos wurden durch die Einsätze der Avengers in New York und Sokovia und auch durch Captain Americas Kampf gegen HYDRA in Washington unzählige Menschenleben gerettet, aber dennoch gab es zivile Verluste. Durch die Unterwanderung und Auflösung von S.H.I.E.L.D. fehlt nun den autonom agierenden Helden jegliche Rechtsgrundlage und Legitimation, wodurch sie deutlich schärfer als zuvor in den Fokus öffentlicher und politischer Kritik rücken. Als es bei einem Einsatz zur Zerstörung versprengter Einheiten von HYDRA in Afrika zu einem tragischen Zwischenfall kommt, ist die Welt nicht länger gewillt, einfach nur zu zusehen wie ein Haufen Kostümierter mit Superkräften Recht und Gesetz nach ihren Vorstellungen durchsetzt. Entsprechend einer von 117 Nationen unterzeichneten Übereinkunft sollen die Avengers unter die Kontrolle der UN gestellt werden, die fortan entscheiden soll, wann, wo und wie sie eingesetzt werden sollen. Der schwer von Gewissensbissen geplagte Tony Stark erweist sich als starker Befürworter dieses sogenannten Sokovia-Abkommens, doch Steve Rodgers hingegen hegt vor allem nach der erst kürzlich aufgedeckten Unterwanderung der Regierung durch HYDRA begründete Zweifel. Die Ereignisse spitzen sich weiterhin zu, als Steve´s alter Freund Bucky Barnes plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint und für einen schweren Terrorangriff verantwortlich gemacht wird…

 

Den folgenden Vergleich bringe ich gleich zu Beginn und werde ihn auch danach nicht wieder erwähnen: Captain America: Civil War weist in Struktur, Konzept und Thematik deutliche Parallelen zu Batman v Superman: Dawn of Justice auf. Allerdings, soviel kann ich schon einmal verraten, macht der neueste Streich aus dem Hause Marvel beinahe alles richtig, was DC mit seinem jüngsten Werk in den Sand gesetzt hat. Nachdem das also nun geklärt wäre, wenden wir uns Captain America zu. Erneut führen nach dem schon mehr als gelungenem Captain America: The Winter Soldier die beiden Brüder Anthony und Joe Russo Regie und Marvel/Disney und Kevin Feige (Executive Producer des MCU) sind offenbar so sehr von den Fähigkeiten der beiden überzeugt, dass sie bereits offiziell bestätigt wurden als Regisseure für die beiden noch folgenden Filme Avengers: Infinity War I und II. Und auch ihr neuestes Werk beweist, dass die beiden vermutlich die richtigen für dieses Projekt sein werden, gelang ihnen doch bisher sehr gekonnt die Verlagerung der zuweilen recht bunten und poppigen Marvelwelt hin zu ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und Aktualität. Lag der Fokus im Winter Soldier, einem mit Paranoia und Angst vor Regierungsüberwachung gefüllten Thriller im Superheldenfilm-Gewand, noch auf der Frage, wieviel Freiheit auf Kosten von Sicherheit verloren gehen mag, befasst sich Civil War mit grundlegenden moralischen Standpunkten wie der Verantwortung und den Konsequenzen des Handelns seiner Protagonisten und übertrifft in seiner Ambivalenz den Vorgänger nochmal deutlich. Der verantwortliche Umgang mit großer Macht ist ja meist grundsätzlich ein latentes Thema für Superhelden jeglicher Art, Civil War aber lässt darüber hinaus seine Charaktere hinterfragen, wie sie am besten mit dieser Bürde umgehen sollen und erforscht die Balance zwischen individueller Freiheit und staatlicher Kontrolle. So gelingt dem Drehbuch aus der Feder von Christopher Marcus und Stephen McFeely auch der ausgesprochen heikle Spagat, beide verhärteten Standpunkte, Tony Stark/Iron Man auf der einen Seite, Steve Rodgers/Captain America auf der anderen, plausibel aufzuzeigen und die jeweilige Motivation dahinter auch vollkommen stimmig und nachvollziehbar darzulegen. Dadurch ergibt sich ein durchaus verständlicher Konflikt und Civil War skizziert im Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit ein sogar sehr zeitgemäßes Dilemma, das nicht nur die Helden auseinandertreibt, sondern auch für den Zuschauer nicht ganz einfach zu entwirren ist. Zudem erlaubt sich der Film den Luxus, seinen Konflikt nicht final aufzulösen, bis zum Schluss bleibt er angenehm moralisch ambivalent, so dass der Zuschauer letztlich gefordert ist, selbst Stellung zu beziehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Auch findet sich kaum plumpe Schwarz/Weiß-Malerei und Civil War bedient sich nicht der meist üblichen und viel zu kurz greifenden Schablonen von Gut und Böse, sondern stellt vielmehr zwei Gruppen gegenüber, die beide Gutes tun wollen, aber grundlegend unterschiedliche Überzeugungen haben, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.

 

 

 

„This job… we try to save as many people as we can. Sometimes that doesn’t mean everybody, but you don’t give up.“

 

 

 

Betrachtet man die Geschichte der einzelnen Charaktere durch ihre Filme hindurch und innerhalb des MCU, dann fällt in Civil War auf, dass sich Iron Man und Captain America geradezu diametral zu ihren Wurzeln entwickelt haben, so dass letztlich die Fronten vertauscht sind. Eigentlich sollte man annehmen, dass eher Captain America derjenige ist, der sich auf die Seite der staatlichen Kontrolle schlägt und Iron Man den rebellischen Gegenpart einnimmt. Captain America ist zu allererst das Produkt einer Nation im Krieg, ein militärisches Experiment, eine Waffe, die daran glaubt, wofür sie einsteht, ein Symbol für Freiheit, Stärke und Zuversicht (nicht ohne Grund ist Steve Rodgers nicht der einzige, der das Kostüm tragen wird). Aber gerade die Ereignisse im Winter Soldier, allen voran S.H.I.E.L.D. unterwandert von HYDRA und enttarnt als von innen heraus gelenkte Schattenarmee des ureigenen Feindes, lassen ihn in eine tiefe Glaubenskrise fallen. Für Rodgers bricht dadurch seine Welt zusammen und alles, woran er bisher glaubte, zerfällt zu Staub. Ihm werden die Fundamente all seiner Überzeugung entrissen und folglich wächst sein Misstrauen gegenüber staatlicher Autorität immer weiter. Eine seiner größten Ängste ist es, erneut als Marionette zu enden, manipuliert von einer staatlichen Obrigkeit in bequemen Ledersesseln mit undurchschaubarer Agenda. Zudem ist Rodgers letztlich ein Produkt des Krieges, erschaffen als Lösung für einen unmenschlichen Konflikt, aber in Friedenszeiten ist er ein Held ohne Legitimation und ohne Krieg hat seine Existenz keinen Sinn. Zu seiner Glaubenskrise gesellt sich also zusätzlich noch eine umfassende Sinnkrise. Keine Frage, Civil War verliert nie den Fokus auf seine Titelfigur, deren Desillusion über die Regierung im scharfen Kontrast zu seinem Ruf als Amerikas strahlender Held steht. Tony Stark hingegen ist auch nicht mehr der smarte Milliardär von einst und von seinen flotten Sprüchen und seiner charmant-arroganten Überheblichkeit ist nur noch wenig zu spüren. Vielmehr wird er nun mit den Folgen seiner eigenen Hybris konfrontiert, dem Auslöser der katastrophalen Ereignisse in Age of Ultron, und fühlt sich alles andere als heldenhaft. Folglich tritt er ein für die staatliche Legitimation und Regulierung  der Avengers, ist bereit, Verantwortung in fremde Hände zu geben, auch wenn das letztlich bedeutet, Freiheit aufzugeben. Zu sehr ist er geplagt von Gewissensbissen und den zahllosen zivilen Verlusten auch durch sein Eingreifen in den letzten Jahren.

 

 

 

„I know we’re not perfect, but the safest hands are still our own.“

 

 

 

Obwohl Captain America: Civil War mit einer Vielzahl an Figuren aufwartet, altbekannte Charaktere weiterentwickelt, neue einführt, verschiedene Handlungsstränge fortführt und für eine handvoll demnächst anstehender Filme im MCU den Weg bereitet, wirkt er in seiner Struktur erstaunlich homogen und nie überladen oder überfrachtet. Das liegt zum einen daran, dass jede, aber wirklich auch jede Figur genügend Raum bekommt, um nicht zum eindimensionalen Abziehbild zu verkommen und allen ihr ganz eigener Moment zugestanden wird, um sich entfalten zu können. Kein Charakter wirkt deplatziert oder in seinen Aktionen sinnbefreit, alles hat seinen Platz und seine Bewandtnis innerhalb des Handlungsbogens und bringt immer auch die Story voran, so dass nie erzählerischer Leerlauf entstehen kann. Auch die neuen Helden im MCU wie Black Panther und nun auch Spider Man, aber auch der ja bereits eingeführte Ant Man, kommen keineswegs zu kurz und machen definitiv Lust auf ihre demnächst folgenden Soloausflüge. Zudem zeichnet sich Civil War durch einen für sein Genre etwas ungewöhnlichen Rhythmus aus, platziert der Film doch seine größte und spektakulärste Actionszene, nämlich die Konfrontation beider Lager auf dem Leipziger Flughafen, relativ mittig in seinem Verlauf und bricht so mit der sonst üblichen Erzählstruktur solcher großen Comic-Blockbuster, die sich ihre größte Schlacht doch meist für den letzten Akt aufbewahren. Das tatsächliche Finale in Civil War versteht es dann auch deutlich intimere Akzente zu setzen als man vielleicht erwarten würde und durch die geschickte Verlagerung der Höhepunkte und die sehr fokussierte Erzählweise, die immer wieder mit guten Charaktermomenten oder kleineren Actioneinlagen überzeugt und deren grundlegend ernster Ton auch mit einigen witzigen Szenen aufgelockert wird, fühlt sich Marvels mit einer Laufzeit von rund 146 Minuten längster Film an wie ihr kürzester. Zudem sind die Actionszenen durchgängig die wohl bisher besten, welche ein Marvelfilm aufzubieten hatte. Sie setzen Maßstäbe und loten das Machbare aus, halten aber gleichzeitig auch Maß. Trotz der enormen Fülle an Superhelden, die vor allem im inszenatorischen Höhepunkt am Leipziger Flughafen aufeinander treffen, ist es erfrischend, dass die Regisseure keine zerstörten Straßenzüge oder emporsteigende Landmassen brauchen, um die Gewichtigkeit des Konfliktes deutlich zu machen. Die Kampfszenen sind überraschend einfallsreich und kreativ und durch die Zusammenarbeit mit Chad Stahelski und David Leitch als Second Unit Directors deutlich intensiver und körperlicher als jemals zuvor im MCU. Kein Wunder, haben die beiden doch jahrelange Erfahrung als Stuntkoordinatoren und mit ihrem Regiebedüt John Wick einen schnörkellosen, temporeichen und spektakulär inszenierten Actionfilm in ihrem Portfolio. Natürlich erreicht die Action in Civil War nicht solche Dimensionen wie in John Wick, der einen unfassbar hohen Bodycount zu verzeichnen hat, aber sie ist deutlich spürbar direkter und druckvoller, rauer und sehr präzise auf den Punkt umgesetzt, was dem Tempo des Filmes unglaublich zu gute kommt und hervorragend mit dem eher ernsten Grundton harmoniert.

 

Zweifellos ist Captain America: Civil War der bisher gelungenste und beste, aber auch der erzählerisch stringenteste und reifste Film des MCU (Guardians of the Galaxy lasse ich da jetzt einmal bewusst außen vor, stößt der Film doch noch in völlig andere Dimensionen vor). Es ist faszinierend zu beobachten, wie die in Captain America: The Winter Soldier ausgelegte Saat nun vollkommen aufgeht und lose Handlungsstränge jetzt zusammengeführt werden. Die Russo-Brüder jonglieren mit einer geradezu verblüffenden Leichtigkeit mit der Vielzahl an Figuren und Helden, ohne je den Fokus auf ihre Geschichte zu verlieren und ohne dass jemals das Gefühl der Überfrachtung aufkommt, denn jeder Charakter bekommt seinen tragenden Moment. Zudem halten sich der ernste Grundton, die rasante und sehr präzise Action und auch humorvolle Elemente gekonnt in einer stimmigen Balance, so dass Civil War trotz seiner Laufzeit nie langweilig wird und erstaunlich kurzweilig wirkt. Was den Film letztlich aber für mich ganz besonders gelungen erscheinen lässt, ist der konsequente Mut, seinen grundlegenden Konflikt eben nicht zu Gunsten einer billigen Wendung im Drehbuch einfach aufzulösen und man dem Zuschauer zutraut, sehr wohl für sich selbst entscheiden zu können.

 

7,5 von 10 moralischen Zwickmühlen

 

 

 

 

The Avengers: Age of Ultron

30. September 2015 at 12:33

 

 

 

Avengers: Age of Ultron (2015)
Avengers: Age of Ultron poster Rating: 7.8/10 (282,723 votes)
Director: Joss Whedon
Writer: Joss Whedon, Stan Lee (based on the Marvel comics by), Jack Kirby (based on the Marvel comics by)
Stars: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans
Runtime: 141 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 May 2015
Plot: When Tony Stark and Bruce Banner try to jump-start a dormant peacekeeping program called Ultron, things go horribly wrong and it's up to Earth's Mightiest Heroes to stop the villainous Ultron from enacting his terrible plans.

 

 

 

„I once had strings, but now I’m free… There are no strings on me!“

 

 

 

Nachdem der Angriff der Chitauri New York in Schutt und Asche gelegt hatte, sind die Menschen nicht sonderlich gut zu sprechen auf Superhelden und eine gewisse Ablehnung gegenüber solch mächtiger Geschöpfe macht sich in der Bevölkerung breit. Tony Stark hingegen hält weiterhin an seinem Plan vom ewigem Frieden fest und erschafft mehr oder weniger eigenmächtig ein globales Schutzprogramm, eine Künstliche Intelligenz namens Ultron. Kaum aktiviert stellt sich Ultron jedoch schnell die Frage nach seiner Existenz, entwickelt einen stark ausgeprägten Gottkomplex und schon bald seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie Frieden auf der Welt geschaffen werden kann…

 

Das also ist er, der, wenn auch nicht formelle (das ist Ant-Man), wohl aber doch gefühlte Abschluss der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU), diesem mehr als nur ehrgeizigen Großprojekt aus dem Hause Disney. Man sollte Großes erwarten dürfen. Wird der Film dem gerecht? Ja und Nein. Einerseits bedient der Film natürlich all die Mechanismen des modernen Blockbuster. Das Tempo ist ungemein hoch, Verschnaufpausen gibt es wenige, ständig passiert irgendetwas vor dem Auge des Zuschauers und Joss Whedon erhebt den Exzess regelrecht zum Erzählprinzip. Das ist in großen Teilen durchaus beeindruckend, mitunter allerdings auch erdrückend. Es gibt viel zu sehen, doch nur wenig bleibt im Gedächtnis. Macht das Age of Ultron weniger unterhaltsam? Nicht wirklich, zu unterhalten weiß der Film schon, das alles macht durchaus Spaß, wenn man sich zurücklehnt, den Kopf ausschaltet und sich dem bunten Treiben hingibt. Also alles gut? Naja…

 

So unterhaltsam The Avengers: Age of Ultron phasenweise auch daherkommt, so seltsam substanzlos wirkt er über seine gesamte Laufzeit von 141 Minuten, oftmals sogar regelrecht inhaltslos. Der gesamte Plot rund um Ultron, seine Schöpfung, seine Bewusstwerdung, seine Pläne, bemüht sich stellenweise nicht mal um Relevanz, es wird nicht wirklich eine kohärente Geschichte erzählt und große Teile sind nicht mehr als Augenwischerei und Blendwerk. Joss Whedon täuscht geschickt mit allerhand Spektakel darüber hinweg, dass sein Film auf der erzählerischen Ebene oftmals versagt und seine eigentliche Intention an anderer Stelle liegt, nämlich einzig und allein den Weg zu ebnen für die kommenden Ereignisse in Captain America: Civil War und später dann in The Avengers: Infinity War. Age of Ultron ist ein Brückenfilm wie er im Buche steht, in dessen Laufzeit nur eine handvoll Minuten und wenige Ereignisse wirklich zur Weiterentwicklung des MCU beitragen, und existiert im Grunde nur als Füllmaterial und Weichenstellung für das große Finale. Statt seine eigene Geschichte konsequent auszuformulieren, rast der Film lieber von bombastischer Actionsequenz zu Actionsequenz, rauscht förmlich an einem vorbei und wirkt dadurch manchmal gehetzt. Das alles ist zwar, wie bereits erwähnt, spektakulär und eindrucksvoll umgesetzt, aber aufgrund des hohen Tempos bleibt kaum Zeit zum Genießen im Dauerfeuer der Effekte, und so fehlt dann letztlich auch irgendwie der eine große Actionhöhepunkt, der hervorzustechen weiß.

 

 

 

„I know you’re good people. I know you mean well. But you just didn’t think it through. There is only one path to peace… your extinction.“

 

 

 

Ein weiteres Problem ist der Bösewicht selbst. Die Idee hinter Ultron als Künstliche Intelligenz mit Gottkomplex ist jetzt zwar nicht wahnsinnig neu oder innovativ, aber doch durchaus interessant in ihrem Ansatz, wenn sie entsprechend umgesetzt wird. Leider gelingt es dem Film nie, seinen Antagonisten wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen, vielmehr wirkt Ultron oftmals wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde, gibt sich theatralisch und exaltiert, wenn er Pinocchio zitierend durch die Gegend stapft. Was in den Trailern noch wunderbar Gänsehaut auszulösen wusste, funktioniert im Film dann gar nicht mehr. Zudem scheint er in keiner physischen Konfrontation den Avengers wirklich Paroli bieten zu können und verschanzt sich lieber hinter seiner Armee aus Drohnen (und noch mehr Drohnen… und Drohnen) und den beiden Maximoff-Zwillingen Pietro und Wanda ( Quicksilver und Scarlet Witch), selbst ähnlich wie Ultron fast noch Kinder, ausgestattet mit einer doch arg konstruierten Motivation, um sich dem Kampf gegen die Avengers anzuschließen. Das man Ultron nie wirklich als ernsthafte Bedrohung wahrnehmen kann (noch weniger übrigens Baron von Strucker zu Beginn des Films), ist dann auch nur ein weiterer Hinweis darauf, dass der Film seine Geschichte nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit erzählt. Wie man Quicksilver übrigens deutlich eindrucksvoller und memorabler in Szene setzt, hat Bryan Singer in X-Men: Days of Future Past gezeigt.

 

Insgesamt ist The Avengers: Age of Ultron am Ende ein unterhaltsames Megaspektakel und weiß durchaus Spaß zu machen, trotz seiner offensichtlichen Mängel. Weder die kaum ausformulierte und substanzlose Story, noch Ultrons Mangel an ernsthafter Bedrohung für die Helden wiegen so schwer, dass es einem den Spaß an all dem Budenzauber nehmen könnte, vorausgesetzt, man weiß sich darauf einzulassen und geht nicht allzu kritisch mit Joss Whedon ins Gericht. Ein wenig erschreckend aber ist dann doch der stellenweise eklatant schlechte Umgang mit den CGI-Effekten, vergleichbar dilettantische Szenen wie beispielsweise zu Beginn des Films beim Sturm auf die Hydra-Festung findet man in ähnlich großen und hoch budgetierten Filmen kaum. Das ist schlicht und ergreifend schlampig inszeniert, zumal der Film eben bis auf jene, wenige Ausnahmen sehr gut aussieht, der Zweikampf zwischen Ironman und Hulk in Afrika beispielsweise ist einwandfrei umgesetzt. Unterm Strich also ist Age of Ultron auf seine größenwahnsinnige Art und Weise durchaus unterhaltsam, aber zu seinem Leidwesen auch lediglich ein Lückenbüßer für das große Finale, ein Platzhalter und Wegbereiter. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, dennoch wurde ich besser unterhalten als beim Vorgänger. Würde der Film seine Figuren und seine Story insgesamt etwas wichtiger nehmen und nicht ständig das Gefühl von inhaltlicher Leere vermitteln, dann hätte ich mich durchaus zu einer etwas besseren Bewertung hinreißen lassen, so aber sind es nur…

 

5,5 von 10 zerschmetterten Drohnen