Green Book (2018)

3. September 2019 at 12:11

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

You never win with violence. You only win when you maintain your dignity.“

 

 

 

Eigentlich arbeitet Tony Vallelonga als Türsteher und Rausschmeißer in einem Nachtclub, doch als dieser aufgrund einer Renovierung für zwei Monate schließen muss, da kommt ihm ein gut bezahlter Job nicht ungelegen. Er soll den begnadeten Pianisten Don Shirley auf einer Tournee durch die Südstaaten begleiten und als Fahrer für ihn arbeiten. Doch die beiden Männer könnten unterschiedlicher kaum sein und so gestaltet sich eine erste Annäherung als nicht sonderlich leicht.

 

Manchmal ist das Gegenteil von gut eben doch gut gemeint. Green Book von Regisseur Peter Farrelly gerät mit seinem Anspruch auf Versöhnung recht schnell an seine Grenzen, bleibt vieles doch bloß oberflächlich. Der Film ist so sehr darauf bedacht, nirgendwo anzuecken, dass er geradezu konturlos daherkommt. Ein vermeintliches Feel Good-Movie über den strukturellen Rassismus der frühen 60er, hübsch familienfreundlich verpackt und sehr gefällig in seiner Inszenierung, dafür aber auch bieder, seicht und zahm. Bloß nicht positionieren und es stattdessen lieber allen recht machen. Sicherlich hat das mitunter durchaus seine Momente, doch immer wenn der Blick in den Zwiespalt aus Rassismus und persönlicher Entfremdung ernsthaft zu fordern droht, eilt man schnell weiter zu nächsten Episode, zur nächsten Station auf dem Roadtrip durch die Südstaaten.

 

Dazu ist der Film von der ersten Minute an komplett vorhersehbar in seiner ganzen erzählerischen Struktur, wenn vieles an Filme wie Plaines, Traines & Automobiles oder Driving Miss Daisy angelehnt ist. Einzig die wahrlich herausragende darstellerische Leistung von Viggo Mortensen (A History of Violence, The Road, Lord of the Rings) und Mahershala Ali (Moonlight, True Detective, Hidden Figures) bewahrt Green Book vor dem Abgleiten in die vollkommene Belanglosigkeit. Die Chemie zwischen den beiden ist fantastisch und wie sich diese zarte Freundschaft langsam entwickelt, das ist schon toll zu sehen. Auf der schauspielerischen Ebene hervorragend, handwerklich okay, inhaltlich und inszenatorisch vor allem in seiner grundlegenden Botschaft erstaunlich naiv.

 

5 von 10 überwiegend dank Viggo Mortensen und Mahershala Ali, ohne diese beiden spürbar weniger.

 

 

Spider-Man: Into the Spider-Verse (2018)

10. August 2019 at 17:26

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

All right, let’s do this one last time. My name is Peter Parker. I was bitten by a radioactive spider, and for ten years I’ve been the one and only Spider-Man. I’m pretty sure you know the rest. I saved a bunch of people, fell in love, saved the city, and then I saved the city again… and again and again and again.“

 

 

 

Als der Teenager Miles Morales von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, da ändert sich sein bisheriges Leben grundlegend. Nicht nur entdeckt er plötzlich allerhand merkwürdiger Veränderungen an seinem Körper, er wird auch unfreiwillig Zeuge des Todes von Spider-Man durch die Hand des Green Goblin. Als dann auch noch der Kingpin versucht Zugang zu anderen Parallel-Universen zu erlangen, tauchen plötzlich diverse alternative Inkarnationen von Spider-Man in der Welt von Morales auf. Gemeinsam versucht man den Kampf aufzunehmen und jeden wieder zurück in seine Welt zu bringen.

 

Stilistisch ist Spider-Man: Into the Spider-Verse zweifellos sehr erfrischend geraten, bricht der Film doch deutlich aus den mittlerweile arg festgefahren Strukturen und Mechanismen der Comic-Blockbuster aus. Unter der Regie von Bob Persichetti, Peter Ramsey (Rise of the Guardians) und Rodney Rothman kommt das Drehbuch aus der Feder von Phil Lord (21/22 Jump Street, The Lego Movie) den Ursprüngen derartiger Verfilmungen deutlich näher als die meisten anderen Vertreter dieses Genre. Verstanden haben die Macher also das Medium Comic durchaus und den Mut zu neuen, anderen Wegen der Inszenierung haben sie auch, und dennoch wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Diesen turbulenten, rasanten, zuweilen rauschhaften bis gar psychedelisch anmutenden Stil der Inszenierung empfand ich mit zunehmender Laufzeit immer mehr als anstrengend bis hin zur hyperaktiven Reizüberflutung im finalen Akt. Wenn dann dazu die inhaltliche Ebene derart dünn und wenig originell ausfällt wie hier, dann kann das alles mitunter zur Zerreißprobe werden. Auch ist es schade, dass durch das wirklich enorm hohe Tempo so manch interessante wie kluge Idee im Stakkato der Bilder untergeht, weil einfach keine Zeit zum Verweilen und Wirken bleibt. Vielleicht – bestimmt sogar – bin ich auch gar nicht Teil der Zielgruppe, aber das ist vollkommen okay. Der Mut jedoch, überhaupt mal andere Wege auszuprobieren und das Genre neu beleben zu wollen, der gehört zumindest gewürdigt.

 

6 von 10 parallele Comicwelten