Darkman

16. Juli 2015 at 22:11

 

 

 

Darkman (1990)
Darkman poster Rating: 6.4/10 (44361 votes)
Director: Sam Raimi
Writer: Sam Raimi (story), Chuck Pfarrer (screenplay), Sam Raimi (screenplay), Ivan Raimi (screenplay), Daniel Goldin (screenplay), Joshua Goldin (screenplay)
Stars: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels, Larry Drake
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Fantasy
Released: 24 Aug 1990
Plot: A brilliant scientist left for dead returns to exact revenge on the people who burned him alive.

 

 

 

„I’m everyone – and no one. Everywhere – nowhere. Call me… Darkman.”

 

 

 

Der ehrgeizige Wissenschaftler Dr. Peyton Westlake steht kurz vor seinem großen Durchbruch bei der Entwicklung synthetischer Haut, die Verbrennungsopfern ein normales Leben ermöglichen soll. Gleichzeitig will er sein Glück perfekt machen und seine langjährige Freundin Julie Hastings heiraten, eine junge Anwältin, die eher durch Zufall auf einen großen Bestechungsskandal im Bauwesen stößt, in dessen Mittelpunkt der Unterweltboss Robert G. Durant seine Fäden zieht. Durant vermutet belastende Dokumente im Besitz von Westlake und überfällt mit seinen Männern dessen Labor, verwüstet es, richtet ihn übel zu und sprengt es schließlich in die Luft. Westlake überlebt die Explosion schwer verletzt, ist aber durch die erlittenen Verbrennungen grauenhaft entstellt. Auf Rache sinnend perfektioniert er seine synthetische Haut, um fortan als Darkman einen Feldzug gegen Durant und seine Leute zu starten…

 

Ich muss zugeben, Darkman von Sam Raimi ist mir auch irgendwie ein persönliches Anliegen, eine Herzensangelegenheit, denn ich mag den Film wirklich sehr und halte ihn für oftmals maßlos unterschätzt. Darkman wirkt wie die Verfilmung eines Comics, aber es ist keine, denn es hat nie einen solchen Comic gegeben. Es ist schon Ironie pur, das Raimi erst zwölf Jahre später mit dem Auftakt zu seiner Spiderman-Trilogie eine richtige Comicverfilmung in seinem Lebenslauf verzeichnen konnte, aber bereits Darkman verschmilzt gekonnt die Gesetzmäßigkeiten dieses Genre mit dem manchmal etwas eigenwilligen Stil des Regisseurs. Bereits sein Spielfilmdebüt Tanz der Teufel schaffte 1981 das Kunststück, nicht nur seine Karriere als kultisch verehrter Regisseur und Liebling der Horrorszene ins Rollen zu bringen, es ebnete auch Bruce Campbell den Weg, genau die B-Movie-Ikone zu werden, die er heute ist. Hail to the king! Beide arbeiten bis heute immer sehr eng zusammen und so gut wie kein Film von Sam Raimi kommt ohne Gastauftritt von Bruce Campbell aus, gleiches gilt übrigens auch für seinen Bruder Ted Raimi (wer erinnert sich nicht an ihn als Joxer in der Serie Xena oder als Lieutenant Timothy O´Neill in der Serie SeaQuest DSV? 😀 ). So ist es dann auch nicht allzu verwunderlich, dass ursprünglich Bruce Campbell die Hauptrolle in Darkman hätte spielen sollen, aber die Produzenten des Films waren nicht allzu überzeugt davon, dass er die Figur wirklich tragen könnte (so ein Schwachsinn, Bruce Campbell kann einfach jede Figur spielen 😀 ), und letztlich war es Liam Neeson, der die Figur des Dr. Peyton Westlake/Darkman verkörpern sollte.

 

 

 

„ What is it about the dark? What secret does it hold?”

 

 

 

Schlussendlich erweist sich der damals noch recht unbekannte Liam Neeson als Glücksgriff, denn es gelingt ihm ganz wunderbar die innere Zerrissenheit von Westlake darzustellen, diesen Abgrund, den Wahnsinn, der ihm inne wohnt, irgendwo zwischen Phantom der Oper und Der Unsichtbare. Überhaupt bedient sich Sam Raimi sehr stark bei den klassischen Horrorfilmen der 30er, 40er und 50er Jahre, neben den bereits erwähnten lassen sich auch Elemente von Frankenstein, Das Kabinett des Prof. Bondi oder Der geheimnisvolle Dr. X genauso wie Motive aus Der Elefantenmensch von David Lynch oder Tim Burtons Batman finden. Generell ist Raimis Inszenierung manchmal dem gotischen Stil von Burton durchaus ähnlich, beide sind beinahe grenzenlos ideenreich, oft übertrieben, düster und ironisch, manchmal sogar grotesk melodramatisch, aber er übertreibt es nicht damit, es wird nicht zum Leitmotiv, klingt aber immer mal wieder an. Sicherlich trägt da auch der Soundtrack von Danny Elfman zu bei, bekanntermaßen ja Burtons Haus – und Hofkomponist für alle seine Filme und absolut unverkennbar. Raimi ist dann aber auch wieder eigenständig genug, um seinen eigenen, ganz unverkennbaren Stil zu entwickeln, einige sehr gelungene Bildmontagen, Einstellungen und Kamerafahrten sind geradezu typisch für seine Arbeiten und nahezu immer als eben solche zu erkennen. Wer will kann sogar in einer relativ zum Schluss des Films angesiedelten Szene, in der Darkman an einem Stahlseil am Hubschrauber hängend durch Häuserschluchten schwingt, erste Hinweise auf Spiderman entdecken, rückblickend betrachtet hat es zumindest einen Hauch davon, vielleicht seine Eintrittskarte in das Universum des Netzschwingers, wer weiß das schon.

 

Obwohl Darkman auf keinem existierenden Comic beruht, fängt der Film den Geist der gezeichneten Bilder ganz hervorragend ein, die bildliche Kraft und den Rhythmus, etwas, das vielen heutigen Comicverfilmungen völlig abgeht. Darkman hat dieses Medium so gut verstanden und verinnerlicht wie kaum ein anderer, ein beinahe vergessener Wegbereiter für ein ganzes Filmgenre, heute so etabliert wie damals ignoriert, und Raimi war seiner Zeit gewaltig voraus. Das ist er zum Teil immer noch, denn Darkman ist hervorragend gealtert, so wie Raimi seine Spezialeffekte anlegt und in die Handlung einbindet, manchmal regelrecht mit ihnen spielt, das sucht heute noch seines gleichen. Natürlich wirkt die damalige Tricktechnik inzwischen angestaubt und veraltet, aber das spielt im Grunde keine Rolle, denn ihre Integration und Bildkomposition ist auch heute noch durchdachter und effektiver eingesetzt als jedes auf Hochglanz polierte CGI-Spektakel.

 

Am Ende ist Darkman durch und durch gelungenes Genrekino, ironischerweise eine sehr frühe Comicverfilmung ohne das zugehörige Ausgangsmaterial, die heute noch das Genre in mancher Hinsicht mit definiert. Sam Raimi etabliert einen Antihelden, einen Mann ohne Gesicht, oder besser: einen Mann mit vielen Gesichtern, getrieben von Rache, ausgestattet ohne Schmerzempfinden, zerrissen von seinen inneren Dämonen. Da ist das tragische, dem düsteren und verzweifelten Grundton des Films gerecht werdende Ende völlig angemessen und nur konsequent. Sam Raimi nimmt 1990 schon viel von dem vorweg, das heute in Comicverfilmungen Standard ist, aber sein Darkman hat Tiefe und vor allem auch eine Seele, etwas, das man heute oft schmerzlich vermisst. Raimi war damals schon klar, dass sich hinter der Maske nur eines verbirgt: ein tiefer Abgrund, ein weiteres Monster. Und genau das zeigt er uns.

 

8 von 10 Masken aus synthetischer Haut

 

 

 

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles

5. Juli 2015 at 15:13

 

 

 

Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)
Teenage Mutant Ninja Turtles poster Rating: 5.9/10 (132387 votes)
Director: Jonathan Liebesman
Writer: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daugherty, Peter Laird (Teenage Mutant Ninja Turtles characters), Kevin Eastman (Teenage Mutant Ninja Turtles characters)
Stars: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner, Alan Ritchson
Runtime: 101 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 8 Aug 2014
Plot: When a kingpin threatens New York City, a group of mutated turtle warriors must emerge from the shadows to protect their home.

 

 

 

„You are extraordinary, my sons. Unlike anything the world has ever seen. Bowed in greatness, destined to protect the people of New York!”

 

 

 

Eine mysteriöse Organisation namens Foot-Clan ist unter der Führung ihres Meisters Shredder verantwortlich für eine Flut von Verbrechen in New York. Die junge Nachwuchsreporterin April O´Neil wittert die ganz große Story, welche ihre Karriere endlich voran bringen soll, und recherchiert privat und auf eigene Gefahr um die Hintergründe aufzudecken. Dabei stößt sie auf eine Gruppe von vier Vigilanten, die dem Foot-Clan immer wieder empfindlichen Schaden zufügen. Als diese sich ihr schließlich als die Teenage Mutant Ninja Turtles offenbaren, entbrennt der letzte große Kampf gegen Shredder und seine Schergen….

 

Was denkt sich Michael Bay wohl morgens nach dem Aufstehen? Wie man am besten die Kindheitsidole unzähliger kleiner Jungs ruiniert, die in den 80er Jahren groß geworden sind? Erst hat er die Transformers mit seinem Franchise vergewaltigt, jetzt knüpft er sich die Turtles vor… beides durchaus relevante Bestandteile der 80er Jahre Popkultur. Gott bewahre, der Mann möge Masters of the Universe für sich entdecken! Um es schon mal kurz vorweg zu nehmen: das wirklich einzig positive an TMNT ist seine für Michael Bay Verhältnisse erstaunlich kurze Laufzeit von 100 Minuten, das war es dann aber auch schon. Der Versuch einer zeitgemäßen Wiederbelebung der Turtles (und die Betonung liegt hier ganz klar auf dem Wort Versuch), angepasst an die Generation Smartphone und YouTube, geht gnadenlos in die Hose, weil man komplett an der eigentlichen Zielgruppe der nostalgischen Mitt30er vorbeiproduziert. Stattdessen versucht man, sich an 12jährige anzubiedern, welche sich gar nicht mehr für die Turtles interessieren, und wenn doch, dann kennen sie die Schildkröten nicht mehr, weswegen man auch ganz wunderbar die Herkunftsgeschichte der vier Panzerträger nahezu vollständig ignorieren und umschreiben kann. Die Macher haben schlicht und ergreifend zu keiner Sekunde den eigentlichen Geist der Turtles verstanden und es mangelt durchgängig an diesem Augenzwinkern, am juvenilen Charme und den leichten Trash-Anleihen, die zumindest die alten Produktionen bestimmten und ausmachten. Stattdessen kriegt man Fäkalhumor zu Hauf, dümmliche und unglaublich flache Witze und jede Menge Sexismus. Vermutlich auch so eine Frage, die sich Michael Bay gestellt haben mag: wieviel Sexismus kann ich in einen Film pressen, der sich an Jugendliche richtet? Wofür seine Filme ja mal mehr und mal weniger latent bekannt sind, das nimmt hier unbeschreiblich Überhand in Bild und Ton, so stumpf, so dumm, so unerträglich, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Amoklaufende Adoleszenz inszeniert von alten Männern.

 

 

 

„ Four turtles… one’s fighting a robot samurai. Why not?”

 

 

 

Das Dilemma beginnt schon mit der geradezu frechen Charakterzeichnung der vier „Helden in Halbschalen“, die mit den Turtles aus den Comics und der alten Zeichentrickserie schon beinahe nichts mehr gemein hat. Donatello verkommt zum Technik-Nerd mit obligatorischer Geek-Brille und sieht eher aus wie ein missratener Steve Urkel, Michelangelo gibt als Möchtegern-Rapper (MC Mickey in the house!) reichlich Anlass zum Fremdschämen, Leonardo wird zu keiner Sekunde seiner Rolle als besonnener Anführer gerecht und Raphael wirkt wie ein ungestümes Kind randvoll mit Testosteron, hin und her gerissen zwischen Familiensinn und Eigensinn. Zudem interagieren die gepanzerten Brüder außerhalb der Actionszenen viel zu wenig miteinander, es fehlt der verspielte Witz im Umgang miteinander und der Film nimmt sich keine Zeit, um mit den unterschiedlichen Charakteren der Jungs ein bisschen zu spielen, hier mal ein billiger Furzwitz, dort gelegentlich der leicht anklingende, aber nie wirklich zum Ausdruck kommende Anführerkonflikt zwischen Leonardo und Raphael, aber viel mehr auch nicht. Auch der familiäre Zusammenhalt untereinander ist kaum zu spüren, hier zeigt der Film Teenage Mutant Ninja Turtles von 1990 deutlich besser die Bindung der Brüder untereinander als eingespieltes und gleichzeitig verspieltes Team, was auch ihre eigentliche Stärke ausmacht, die Kombination ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten. Wie bereits angedeutet wurde auch die Ursprungsgeschichte völlig umgeschrieben, auch Splinter wurde ein neuer Background verpasst, von der schon lange währenden Fehde zwischen Splinter und Shredder beispielsweise findet sich keine Spur. Plötzlich werden alle Schicksale irgendwie miteinander verknüpft und laufen auf April O´Neil als Schlüsselfigur hinaus, was nur bedingt sinnstiftend ist. Und so schlecht die Charaktere der Turtles gezeichnet sind, so mies sehen sie auch aus, sie sind viel zu groß und zu muskulös geraten, Schildkröten auf Anabolika, schlecht animiert und auch ihre Ninja-Fähigkeiten kommen nicht wirklich zum Tragen, wozu auch, wenn man kugelsicher ist, ihre individuellen Waffen werden ohnehin kaum genutzt. Zu allem Überfluss sind dann auch gar nicht die Turtles selbst die Hauptfiguren ihres Filmes, sondern es ist April O´Neil, der diese Ehre zuteil wird, alles ist auf sie ausgerichtet, und trotzdem verkommt sie zum bloßen Stichwortgeber für dümmliche Witze und jede Menge sexistische Anspielungen.

 

 

 

„We were created as weapons, and we knew the world would never accept us… but one day, it would need us.”

 

 

 

Die menschlichen Figuren taugen auch nicht mehr als die grünen Brüder, vor allem Megan Fox, die tatsächlich noch künstlicher aussieht als die computergenerierten Turtles und lebloser wirkt als jede animierte Figur des Films, beweist abermals ihre absolute Unfähigkeit vor der Kamera, ihre April ist eine einfältige Nervensäge mit enorm ausgeprägtem Geltungsbedürfnis, die zudem ständig auf ihr Geschlecht und Aussehen reduziert wird. Naja, wem der Schuh passt… Irgendwie wirkt es schon sehr befremdlich, wenn die Turtles plump um die Gunst der Reporterin wetteifern oder Will Arnett als Kameramann Vernon Fenwick in gefühlt jeder zweiten Szene Anzüglichkeiten vom Stapel lassen muss, dass man sich nur noch fremdschämen kann. Umso erstaunlicher also, dass gerade eine solche Figur, die sich lediglich durch Äußerlichkeiten zu profilieren weiß, auch noch zur emotionalen Leitfigur des Films auserkoren wird. Auf der Seite der Bösewichte sieht es auch nicht besser aus. William Fichtner, den ich eigentlich ganz gerne sehe, ist als Eric Sacks völlig vergeudet, nach nur fünf Minuten kann man meilenweit gegen den Wind riechen, welche Rolle er eigentlich im Geschehen spielt und er darf mit der vielleicht uninspiriertesten Plan-Enthüllungs-Szene der Filmgeschichte aufwarten. Und Shredder ist ein Witz, sein völlig überzogenes Design erinnert eher (welch Überraschung) an einen Transformer, ein überdimensionales Schweizer Taschenmesser voller nutzloser Gimmicks. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, was man in der Fortsetzung aus Krang, Bebop und Rocksteady für grauenhafte Dinge machen könnte.

 

Teenage Mutant Ninja Turtles schafft etwas, das ich in der Form selten erlebe: er hat nichts Gutes zu bieten, da ist nichts, das auch nur ansatzweise für den Film sprechen würde. Er ist voller dümmlicher Dialoge, platter und dummdreister sexueller Anspielungen auf Limbostangenniveau, er hat riesige Plotlöcher, ist voller Filmfehler und hat eine kaum nachvollziehbare Handlung. Das Drehbuch ist lieblos zusammengeschustert und zeugt von null Respekt gegenüber der Vorlage. Die Turtles sehen furchtbar aus und werden ihren eigentlichen Charakteren nicht einmal ansatzweise gerecht, um die menschlichen Darsteller ist sogar noch schlimmer bestellt. Die Actionszenen sind geprägt von einem extrem klinischen und sterilen technischen Perfektionismus, der ihnen jegliche Wirkung nimmt, alles wirkt viel zu sauber. Fans der vier Panzerträger sollten lieber weiterhin auf die Filme Teenage Mutant Ninja Turtles (1990) und Teenage Mutant Ninja Turtles – The Secret of Ooze (1991) und die alte Zeichentrickserie bauen, die waren auch nicht wirklich gelungen und sind eher mäßig gut gealtert, aber hier gibt es ihn noch, den liebevoll naiv-trashigen Charme, der einst den Reiz ausgemacht hat. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

 

1 von 10 Stücken der 99-Käsesorten-Pizza

 

 

 

Captain America: The Winter Soldier

26. Januar 2015 at 16:00

 

 

Captain America: The Winter Soldier (2014)
Captain America: The Winter Soldier poster Rating: 7.8/10 (311,106 votes)
Director: Anthony Russo, Joe Russo
Writer: Christopher Markus (screenplay), Stephen McFeely (screenplay), Ed Brubaker (concept and story), Joe Simon (comic book), Jack Kirby (comic book)
Stars: Chris Evans, Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Robert Redford
Runtime: 136 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 04 Apr 2014
Plot: As Steve Rogers struggles to embrace his role in the modern world, he teams up with another super soldier, the black widow, to battle a new threat from old history: an assassin known as the Winter Soldier.

 

 

 

„People will fight for their freedom if people try to take it from them. But if you cause enough trouble, people will willingly give up their freedom for a more secure world.”

 

 

 

Captain America ist zurück aus seinem Jahrzehnte langen Kälteschlaf und er hat sichtlich damit zu kämpfen, sich in dieser schönen, neuen Welt zu Recht zu finden, er sucht seinen Platz und muss auch die jüngsten Ereignisse in New York (Stichwort: erster Avengers-Film) mit sich vereinbaren. Ehe er sich allerdings versieht, findet sich der wackere Kämpfer für das Gute auf der Welt als Mittelpunkt in einer politischen Intrige wieder, die scheinbar bis in die allerhöchsten Kreise reicht. Fortan befindet er sich auf der Flucht und versucht die Verschwörung aufzudecken, ohne zu wissen, wem er vertrauen kann und wem nicht, wer Freund ist und wer Feind.

 

So weit, so gut. Die Macher haben wirklich versucht, sich von dem üblichen, meist seelenlosen (bis auf ganz wenige Ausnahmen) Marvel-Mumpitz abzuheben, versuchen, etwas annähernd eigenständiges zu erschaffen, und über weite Strecken des Films gelingt es ihnen tatsächlich auch. Die dezente, wenn auch etwas oberflächliche Verlagerung der Story in Richtung klassischer Politthriller der 70er und 80er Jahre (ja, ihr habt richtig gelesen) kommt dem bunten Treiben sehr zu Gute, wirkt das Ganze dadurch doch deutlich düsterer und ernster. Auch schafft es der Film, die zu Grunde liegende Story gekonnt an unser heutiges Zeitgeschehen anzupassen, so sind doch Themen wie ständiges Ängste schüren, radikale Aufrüstung, die totale Überwachung oder der Verlust der Freiheit aktueller denn je. In diesem Kontext ist auch die Besetzung von Robert Redford ein wirklich gelungener Schachzug. Nicht nur, dass der Mann sichtlich Spaß an seiner Rolle hat, er bereichert eigentlich immer jeden Film durch seine Präsenz, so ist es vor allem sein Mitwirken in einigen der größten klassischen Politthrillern wie Die drei Tage des Condor oder Die Unbestechlichen, was das Vorhaben des Films noch ein bisschen mehr unterfüttert.

 

 

„I can bring order to the lives of seven billion people, by sacrificing twenty million. It’s the next step. If you have the courage to take it.”

 

 

Als erfrischend angenehm empfand ich es, dass man nicht der Versuchung erlegen ist, Captain Americas Kampf mit unserer modernen Zeit, seine innere Zerrissenheit, schamlos und permanent auszuschlachten. Vielmehr sind es meist nur dezente und ausgesprochen charmante Anspielungen und Verweise auf Dinge, die es vermeintlich nachzuholen gibt. Das sorgt für den einen oder anderen Schmunzler, aber die platten Schenkelklopfer bleiben glücklicherweise aus.

 

Spektakuläre Schauwerte gibt es natürlich zu Hauf und an jeder Ecke, Action und Bombast auf höchstem Niveau, schließlich ist das hier immer noch eine Marvelverfilmung. Der Film macht einiges richtig in meinen Augen, auch wenn gerade der Mittelteil deutliche Längen hat. Vor allem der grundlegende Ansatz, so etwas wie eine klassische Spionagegeschichte erzählen zu wollen, weiß zu gefallen, da hebt sich Captain America: The Winter Soldier angenehm von seines Gleichen ab. Das größte Problem ist allerdings, das sich der Film nicht traut, diesen roten Faden auch konsequent bis zum Schluss durchzuziehen, denn zum großen und spektakulären Finale hin ergeht man sich dann doch wieder nur in Kitsch und Pathos und macht zielstrebig kaputt, was vorher so mühsam aufgebaut wurde. Immerhin bleibt einem die sonst fast immer zu erwartende Patriotimus-Keule halbwegs erspart.

 

Über den Cast gibt es nicht viel zu sagen. Chris Evans, der in Snowpiercer noch so differenziert spielte, ist als Captain America erstaunlich blaß, Samuel L. Jackson als Nick Fury macht gewohnt Spaß, wirkt aber auch sehr routiniert und wenig enthusiastisch. Scarlett Johansson als Natasha Romanoff/Black Widow ist auch hier völlig unterfordert und Sebastian Stan als Winter Soldier und Anthony Mackie als Sam Wilson/Falcon wirken auf mich doch sehr beliebig und austauschbar, da bleibt nichts bei mir hängen. Einzig Robert Redford vermag dem Film mit seinem Schauspiel zumindest einen Hauch von Größe zu verleihen.

 

Unterm Strich bleibt dann trotz des Versuches, andere Wege zu beschreiten, doch wieder nur ein weiterer, auf spektakuläre Optik getrimmter Vertreter aus dem Marvel-Universum, dem seine Schauwerte wichtiger sind als die Geschichte dahinter. Das ist schade, denn eigentlich hätte die Story deutlich mehr Potential gehabt, man hätte sich nur trauen müssen, das auch konsequent umzusetzen. Dass eine ernstere, düstere und etwas realistischere Ausrichtung funktionieren kann, haben andere Filme des Genres ja schon mehrfach bewiesen.

 

 

7 von 10 kugelsicheren Schilden