Hausu (1977)

9. Mai 2021 at 0:11

 

©Toho

 

 

Mag man den Ausführungen von Regisseur Nobuhiko Ôbayashi Glauben schenken, dann beruht die Idee zu Hausu auf einem Gespräch mit seiner elfjährigen Tochter über deren Ängste. Spukhäuser gibt es ebenso zahllose in der Geschichte des Kinos wie Teenager, welche abseits der schützenden Familie in Gefahr geraten. Und doch ist Hausu so viel mehr als bloß eine weitere Variation bekannter Genre-Mechanismen. Es hilft zu verstehen, woher Ôbayashi ursprünglich kommt, nämlich aus der Werbung. So erklärt sich dann auch sein durch und durch unkonventioneller Anspruch an die Inszenierung und seine offenbar unbändige Lust an filmischen Experimenten. Hausu versucht, die Möglichkeiten seines Mediums nicht einfach nur auszuloten oder auszudehnen, sondern lieber gleich zu zerstören. Buchstäblich.

 

Ôbayashi arbeitet sich direkt und unmittelbar an der Substanz des Mediums selbst ab, wenn Hausu nie auch nur versucht, seine Spezialeffekte zu kaschieren, und diese viel lieber ganz bewusst ausstellt und als Möglichkeit begreift, das filmische Bild in seine Bestandteile zu zerlegen. Hierfür nutzt er eine breite Palette der verschiedensten Tricktechniken und nichts davon wird als stumpfe Prothese genutzt um Illusionen zu erzeugen, sondern ganz gezielt als absichtliche Dekonstruktion. Inhaltlich macht Hausu das kaum anders und schert sich auch wenig um erzählerische Konventionen. Allein die Namen der Freundinnen sprechen da für sich, wenn jede von ihnen ganz bewusst nach einfachsten Charakterzügen oder Lastern benannt ist. Kung Fu, Fantasy, Prof, Mac, Melody und Sweet.

 

Hausu erhebt eben zu keiner Sekunde Anspruch auf Authentizität, sondern sieht sich ganz klar als Kunstprodukt und pendelt dabei immerzu zwischen groteskem Horror, schrägem Coming of Age und japanischen Mythen. Mit Hausu ist Ôbayashi seiner Zeit wahrlich voraus und bietet ein regelrechtes Füllhorn an audiovisuellen Ideen, eine mitunter geradezu sinnliche Erfahrung und visionäres Filmemachen.

 

8 von 10 abgebissenen Fingern