Dead Heat

7. Januar 2015 at 0:53

 

 

„Movies are so rarely great art, that if we cannot appreciate great trash, we have very little reason to be interested in them.”

 

Pauline Kael, amerikanische Filmkritikerin, 1919 – 2001

 

 

 

Neues Jahr, neue Rubrik. Es wird Zeit, sich einer weiteren großen Leidenschaft von mir zuzuwenden, der wundervollen Welt der B-Movies. Unter einem B-Movie versteht man einen mindestens zweitklassigen Film, in der Regel ausgestattet mit geringem Budget und möglichst ohne künstlerischem Anspruch. Sie sind darauf ausgerichtet, mit möglichst geringem Produktionsaufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Alle unnötig verteuernden Elemente großer Produktionen (beispielsweise mehrere Aufnahmetakes einer Szene, überzeugende Spezialeffekte, aufwendige Kulissen, lange Drehzeiten, erfahrene Schauspieler und Produktionsmitarbeiter) werden ausgelassen und es spielt keine Rolle, ob Szenen unsauber ausgeführt werden, denn der Zeitrahmen der Filmproduktion soll so kurz wie möglich gehalten werden. Der eigentliche Begriff des B-Movies geht noch auf die 30er Jahre zurück, als Doppelvorstellungen aus einem A-Movie, also einer aufwendigen Großproduktion, und einem B-Movie (das B steht für den englischen Begriff backend), billig und schnell produziert, an der Tagesordnung waren. Die Autokinos der 50er und 60er Jahre, die Bahnhofs – und Nischenkinos der 70er (Stichwort: Grindhouse) und schließlich der VHS-Markt der 80er Jahre sowie immer billiger und weniger aufwendig werdende Produktionsmethoden führten dazu, dass sich die B-Movies zu einem kulturell etablierten Phänomen entwickeln konnten. Prominente Regisseure und Produzenten des Genre sind Ed Wood, Jack Arnold und Roger Corman, nicht unbedeutende Produktionsfirmen sind die Hammer Studios oder Troma.

 

Der erste Vertreter unserer neuen Rubrik, in der in Zukunft regelmäßig mehr oder weniger aufwendige Rezensionen auftauchen werden, ist also Dead Heat, und ich kann mir kaum einen besseren Film vorstellen, um gebührend Einstand zu feiern.

 

 

 

Dead Heat (1988)
Dead Heat poster Rating: 6.0/10 (4,215 votes)
Director: Mark Goldblatt
Writer: Terry Black
Stars: Treat Williams, Joe Piscopo, Lindsay Frost, Darren McGavin
Runtime: 86 min
Rated: R
Genre: Action, Comedy, Horror
Released: 06 May 1988
Plot: Two cops are brought back to life to chase down supernatural criminals.

 

 

Die beiden Cops Roger Mortis und Doug Bigelow untersuchen den Fall eines Juwelenraubes und stoßen im Zuge ihrer Ermittlungen auf die dunklen Machenschaften eines Chemiekonzerns, der einen Weg gefunden hat, tote Körper wiederzubeleben und für seine finsteren Pläne einzuspannen. Viel mehr wäre zur Story eigentlich auch nicht zu sagen, wenn nicht Mortis frühzeitig dahinscheiden würde, nur um dann wiederbelebt zu werden und fortan als untoter, aber trotzdem sehr effektiver Cop sein Dasein zu fristen.

 

 

„Hey, you’re hurt.-  Lady, I’m fucking dead.“

 

 

 

Ja, was soll ich sagen? Seien wir ehrlich: Dead Heat ist ziemlich bescheuert und saudumm. Aber er ist auch, und das überwiegt letztlich, einfach nur wahnsinnig unterhaltsam und kann unter den richtigen Voraussetzungen viel Spaß machen. Man darf das alles nur nicht ernst nehmen, aber wer hier mit Logik heran gehen will, der hat ohnehin schon verloren. Die Story positioniert sich irgendwo zwischen Actionfilm, Buddy-Movie und Horrorstreifen, bedient sich überall verschiedener Elemente dieser Genre und vermengt all diese Versatzstücke zu einem großen Ganzen. Oder sie versucht es. Stellenweise gelingt das auch, erstaunlicher Weise wirkt der Film oft doch überraschend homogen. Das männliche Actionkino der 80er Jahre trifft auf stupide Komödie und Zombiequatsch. Die beiden Hauptfiguren Roger Mortis (darüber komme ich bis heute nicht hinweg, diese dreiste Anlehnung an die Figur des Roger Murtaugh aus der Lethal Weapon-Reihe, die gleichzeitig aber auch als Referenz an rigor mortis, also die Totenstarre, gelesen werden kann 😀 ) und Doug Bigelow sind geradezu archetypische männliche Heldenfiguren des 80er Jahre Actionkinos, cool, abgebrüht, unerschütterlich und immer ein lockerer Spruch auf den Lippen. Selbst Mortis Dasein als lebender Toter wird mit dem einen oder anderen dummen Oneliner einfach beiseite gewischt, und schon geht es weiter mit der Action. Wunderbar. Überhaupt ist der Buddyhumor hier ein tragendes Element, wenn er auch bei weitem nicht so gut funktioniert wie in der Lethal Weapon-Reihe. Das Drehbuch stammt von einem gewissen Terry Black, seines Zeichens der Bruder von Shane Black, der uns als Drehbuchautor zeitlose Klassiker wie Lethal Weapon I – IV, Last Boy Scout, Monster Busters (mit dem wir uns hier auch noch beschäftigen werden!), Last Action Hero und Tödliche Weihnachten (jedes Jahr ein Muss!) sowie als Regisseur den absolut grandiosen Kiss Kiss Bang Bang und schließlich Iron Man 3 (kann man jetzt drüber denken, wie man will) schenkte. Der Buddyhumor scheint also mehr oder weniger in der Familie zu liegen.

 

 

„You are under arrest. You have the right to remain disgusting.“

 

 

Regie führte Mark Goldblatt, ein in Hollywood enorm anerkannter und geschätzter Mann. Im Schneideraum. Da gehört er zu den ganz Großen. Als Regisseur hat er es bisher nur auf zwei Filme gebracht. Den hier besprochenen Dead Heat und ein Jahr später The Punisher (ein weiterer Kandidat für diese Rubrik, da freue ich mich jetzt schon drauf 😀 ) mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle sowie Louis Gossett, jr. und Nancy Everhard in Nebenrollen. Immerhin. Ausführende Produktionsfirma bei Dead Heat war New World Pictures, hinter der niemand geringeres als der B-Movie Papst Roger Corman steckte.

 

Dead Heat ist auch handwerklich kein besonders gut ausgeführter Film, eher im Gegenteil, Anschlussfehler oder mal ein Mikro im Bild, solche Dinge springen einen hier förmlich an, dazu oft verpatztes Timing bei den Dialogen und einige wenige Splattereffekte, die aufgrund des niedrigen Budgets bemüht und eher unfreiwillig komisch wirken. Aber all das zusammen, genau das macht irgendwie den ganz seltsamen Charme des Films aus. Zudem hat Mark Goldblatt noch die eine oder andere Überraschung auf Lager, die man so eher selten zu Gesicht bekommt, wie etwa die Szene in einem Chinarestaurant, in der Mortis und Bigelow gegen allerhand untotes Getier wie Enten(hälse!), Hühner oder Schweine(hälften!) kämpfen müssen. Diese ganze Szenerie erinnert mich immer irgendwie an Big Trouble in Little China. Und ein ganz besonderer Gast wird dann am Ende auch noch nebenbei aus dem Hut gezaubert, nämlich niemand geringeres als die Horrorikone Vincent Price, was dem ganzen bunten Treiben noch zusätzlich etwas an Charme verleiht.

 

Wer hier einen ernstzunehmenden Actionfilm im Stil der 80er Jahre oder einen waschechten Horrorfilm erwartet, der ist hier ebenso fehl am Platz wie Freunde der anspruchsvollen Filmkunst. Alle anderen, die auch mal beide Augen zudrücken können, und sich bereitwillig auf diese Parade des Nonsens einlassen wollen (und können), die werden mit wunderbar kurzweiligen und unterhaltsamen 86 Minuten belohnt. Der Film funktioniert übrigens am besten in einer geselligen Runde mit Gleichgesinnten und nicht unbeträchtlichen Mengen Alkohol… vertraut mir, ich weiß, wovon ich spreche…