Road House (1989)

6. April 2018 at 11:50

 

© MGM

 

 

 

„All you have to do is follow three simple rules. One: never underestimate your opponent. Expect the unexpected. Two: take it outside. Never start anything inside the bar unless it’s absolutely necessary. And three: be nice.“

 

 

 

James Dalton ist nicht einfach nur Rausschmeißer, er ist einer der besten seiner Zunft. Als ihm der Barbesitzer Tilghman anbietet, seinen Laden namens Double Deuce zu führen und dort für Ordnung zu sorgen, willigt er ein. Kaum dort angekommen, räumt Dalton gleich auf und bringt die Bar schnell auf Vordermann. Doch da ist auch noch der Großgrundbesitzer Brad Wesley, dem die halbe Stadt gehört, von der er Schutzgelder erpresst.

 

In welch wundervoller Welt könnten wir doch alle Leben, wenn die Lehren des James Dalton Allgemeingültigkeit hätten? Seine Grundsätze sind so simpel wie effektiv, so schlicht wie wahrhaftig. No one ever wins a fight. Was braucht es denn mehr für ein friedliches Miteinander? It´ll get worse until it gets better. Road House wirft uns spielerisch wie wissend so viele Weisheiten lässig aus dem Handgelenk vor die Füße, dass man mit ihnen eine ganze Lebensphilosophie aufbauen möchte. Be nice until it´s time not to be nice. Ein moralischer Leitfaden, welchen wir alle vielleicht einfach verinnerlichen und leben sollten.

 

Naja, Spaß beiseite. Natürlich ist Road House von Rowdie Herrington eine einzige Absurdität – wie sonst sollte man einen Film denn bezeichnen, in dem Kneipenbesitzer quer durchs Land reisen um Türsteher zu verpflichten wie Fussballclubs einen neuen Star-Spieler? Die dann innerhalb ihrer vielleicht eher zweifelhaften Zunft gefeiert werden und beinahe schon den Ruf antiker Helden genießen? Das alles ist fernab jeglicher Realität, aber wie der Film seine eigenartige Parallelwelt auf seine konsequente wie liebevolle Art und Weise entwirft und vor dem Zuschauer ausbreitet, das macht einfach wahnsinnig viel Spaß und lässt mich immer wieder aufs neue staunen. Road House steht breitbeinig und immer bereit zum Ärsche treten irgendwo zwischen der plastikartigen Oberflächenverehrung der 80er und der versifften wie schmierigen Grobkörnigkeit der 70er, hat aber auch bereits einen Fuß in der Tür zu den 90ern. Die Ernsthaftigkeit, mit der hier zu Werke gegangen wird ist schlicht atemberaubend: allein wie Patrick Swayze seinen Dalton vollkommen frei von Ironie oder Zynismus und ohne jegliches Augenzwinkern spielt, ist Gold wert und der Film selbst erledigt den Rest, wenn er ihn quasi als Mensch gewordenen mythologischen Halbgott direkt aus dem Olymp entstiegen in Szene setzt.

 

Wenn er das erste Mal das Double Deuce betritt, wenn er alles in sich aufnimmt, jedes Detail registriert, sich alles einprägt und sich einen Überblick verschafft, das ist schon ziemlich toll. Und wenn danach seine Beobachtungen zu Konsequenzen führen, dann geschieht auch das schlicht, aber ungemein effektiv. Klar und einfach. My way… or the highway. Fakt ist: mit der Performance von Swayze steht und fällt bei Road House einfach alles, denn er ist hier auf dem absoluten Höhepunkt, versieht diesen ganzen Nonsens mit geradezu heiliger Ernsthaftigkeit und seine körperliche Aufopferung ist beeindruckend. Sein Mentor Wade wird vom grandiosen Sam Elliott kaum weniger imposant verkörpert, ist aber dann doch anders angelegt: die geradezu lässige Sorglosigkeit, mit welcher er seinen Job verrichtet, die hat Dalton einfach nicht, schlagen doch zwei Herzen in seiner Brust zwischen prügelndem Rausschmeißer und denkendem Philosophen. Vielleicht ist es genau das, was ihn so gut macht, denn er ist eben nicht der heißblütige Brutalo, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, sondern vielmehr jemand, der einen Job ergriffen hat, für den er zwar ein gewisses Talent mitbringt, aber sicherlich keine aufrichtige Begeisterung. Vielleicht macht es das für ihn leichter, im rauen Gemenge zwischen Faustschlägen, zerschmetterten Bierflaschen und Beleidigungen einen kühlen Kopf zu bewahren. Letztlich jedoch bleibt er ein Wanderer und geht dahin, wo er gebraucht wird, und ist der Job erst getan, dann zieht er weiter. Ein nobles Ansinnen, möchte man meinen, macht James Dalton die Welt doch auf seine Art ein klein wenig besser. Und die wichtigste Regel ist und bleibt: Be nice!

 

Sicher ist das alles furchtbar klischeehaft und stereotyp geraten in seiner eher eindimensionalen Welt, aber gerade deswegen beeindruckt mich Road House immer wieder aufs Neue, weil er sich mit einer solch unfassbaren Ernsthaftigkeit seinem Milieu widmet, dass ich einfach nur anerkennend nicken und bewundernd vor mich hin lächeln kann, wenn Dalton konsequent wie konzentriert seiner Arbeit nachgeht. Ich mag den Film seit vielen Jahren sehr und habe auch heute immer wieder meine Freude an diesem Spektakel aus Bier, Flanellhemden und Kneipenschlägereien in schmierigen Kaschemmen. Ein wuchtiges Relikt aus einer Zeit, als solche Genre-Filme noch nicht Schaden nehmen mussten durch kommerzielle Überlegungen, limitierte Budgets oder unangenehm ironische Distanzierung.

 

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