The Grand Budapest Hotel

11. Oktober 2014 at 22:00
The Grand Budapest Hotel (2014)
The Grand Budapest Hotel poster Rating: 8.2/10 (179,874 votes)
Director: Wes Anderson
Writer: Stefan Zweig (inspired by the writings of), Wes Anderson (screenplay), Wes Anderson (story), Hugo Guinness (story)
Stars: Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody
Runtime: 100 min
Rated: R
Genre: Comedy
Released: 28 Mar 2014
Plot: The adventures of Gustave H, a legendary concierge at a famous hotel from the fictional Republic of Zubrowka between the first and second World Wars, and Zero Moustafa, the lobby boy who becomes his most trusted friend.

 

 

 

„You see, there are still faint glimmers of civilization left in this barbaric slaughterhouse that was once known as humanity. Indeed that’s what we provide in our own modest, humble, insignificant… oh, fuck it.”

 

 

Wes Andersons Filme sind immer ein wenig speziell, aber auch immer ganz besonders, ein bisschen wie große, bunte Kindergeburtstage für Erwachsene. Sie sind schon allein deswegen jedes Mal ein Vergnügen sondergleichen, weil sich ihre Art, ihr Wesen, nicht immer ganz erklären oder in Worte fassen lässt. Man muss sie sehen, sie erfahren, sie erleben. Und vor allem sollte man sie genießen.

 

Mit The Grand Budapest Hotel hat er sich zweifellos selbst übertroffen und sein Meisterwerk erschaffen. Moonrise Kingdom war schon hervorragend und hat die Latte sehr hoch gelegt, aber Andersons neuestes Werk übertrifft seinen Vorgänger mühelos. Der Film ist Krimi-Groteske, Weltkriegsabenteuer, Spionage-Thriller und Flüchtlingsdrama auf einmal, bildgewaltig, hemmungslos verspielt und voller grenzenlosem Detailreichtum, surrealen Wendungen, skurrilen Charakteren, Situationskomik und genialem Wortwitz. Nahezu jede Einstellung gleicht einem malerischen Meisterwerk, ist ausgestattet wie ein kunstvolles Gemälde und bis ins allerkleinste Detail durchgeplant. Es ist Andersons Auge für die Kleinigkeiten, das seine Filme so besonders macht. Nichts ist dem Zufall überlassen, alles hat einen Sinn, auch wenn man den vielleicht nicht immer sofort erkennt oder versteht.

 

Die narrative Struktur des Films breitet sich über drei verschiedene Zeitebenen aus und jede einzelne dieser Ebenen ist mit einem anderen, ihrer Zeit entsprechenden Bildformat versehen. Was anfänglich vielleicht etwas Verwirrung stiften könnte (obwohl der Film zu Beginn darauf hinweist), erweist sich als genialer Schachzug. Die Erzählstränge und Figuren häufen sich im Verlauf des Films immer weiter an, werden entwirrt und wieder verwoben, mit feinem, manchmal etwas abseitigem Humor vorgetragen und hin und wieder lässt Anderson am Himmel die dunklen Schatten des Ersten Weltkrieges ebenso wie das Grauen des Faschismus aufziehen, nie lang genug, um dem Geschehen seinen leichtfüßigen Charme zu nehmen, aber sehr wohl ausreichend, um für einen finsteren Unterton zu sorgen. Ein Unterton, den man wegen der unzähligen Schauwerte leicht übersehen könnte, aber keinesfalls sollte, ist er doch auch essentieller Bestandteil des Films.

 

 

„There are still faint glimmers of civilization left in this barbaric slaughterhouse that was once known as humanity… He was one of them. What more is there to say?”

 

 

 

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen der Concierge des Grand Budapest Hotels, Gustave H., sowie sein sich in der Ausbildung befindender lobby boy Zero .Ralph Fiennes spielt Gustave H. wirklich überragend, ausgesprochen charmant, ein wenig verschlagen, manchmal etwas überheblich und mit eitler Selbstherrlichkeit ausgestattet, aber vor allem immer loyal dem Hotel gegenüber und von Hingabe seiner Arbeit gegenüber getrieben. Tatsächlich spielt Fiennes seine Kollegen hier ausnahmslos an die Wand, und das will bei diesem Cast was heißen. Neben ihm wirken hier nämlich auch noch Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Edward Norton, Tilda Swinton, Owen Wilson, Jason Schwartzman, Mathieu Amalric, F. Murray Abraham und natürlich, wie bei Anderson fast immer, Bill Murray in mehr oder minder großen Rollen mit, alle auf durchgängig sehr hohem Niveau.

 

Auf dem Höhepunkt der Geschichte kommt es zu einer atemlosen Jagd durch die Republik Zubrowka, ein fiktiver mitteleuropäischer Alpenstaat, der von unvergleichlichen Schlössern über pastellfarbene Konditoreien bis hin zu nur bedingt Vertrauen erweckenden Seilbahnen alles beherbergt, was das geneigte Touristenherz höher schlagen lassen könnte. All das bringt Anderson ganz wunderbar unter einen Hut und drückt allem seine eindeutige Handschrift auf. Das Ergebnis ist ein wahrlich zauberhafter und ganz und gar wundervoller Traum, geradezu märchenhaft erzählt und immer einen Hauch neben der Spur, irgendwie seltsam entrückt, aber dennoch nah genug an unserer Welt, um nicht völlig abzuheben. Kein Arthouse, aber sicher sehr intelligente Unterhaltung auf ganz hohem Niveau.