Blue Ruin

3. Mai 2015 at 15:34

 

 

 

Blue Ruin (2013)
Blue Ruin poster Rating: 7.1/10 (28,389 votes)
Director: Jeremy Saulnier
Writer: Jeremy Saulnier
Stars: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Kevin Kolack
Runtime: 90 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 9 Jul 2014
Plot: A mysterious outsider's quiet life is turned upside down when he returns to his childhood home to carry out an act of vengeance. Proving himself an amateur assassin, he winds up in a brutal fight to protect his estranged family.

 

 

 

„That’s how this works, man. The one with the gun gets to tell the truth.”

 

 

 

Die Ermordung seiner Eltern Jahre zuvor hat Dwight aus der Bahn geworfen. Er ist abgetaucht und hat seiner Schwester den Rücken gekehrt, streift mehr oder weniger als Vagabund durch das Land, ist meistens obdachlos. Ein abgewrackter und ungepflegter Herumtreiber, der in einem alten und rostigen Pontiac am Strand haust, den er liebevoll „blue ruin“ nennt, und von dem lebt, was so kommt, was er so findet, mal bricht er in die Häuser von Leuten ein, die gerade verreist sind, mal sammelt er Flaschen, mal durchwühlt er Mülltonnen nach Essensresten. Als Dwight erfährt, dass der Mörder seiner Eltern nach 20 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, ändert sich sein bisheriges Leben. Er macht seinen Pontiac wieder fahrtüchtig und wartet vor den Gefängnistoren auf den Mann, der seine Familie zerstört hat um sich an ihm zu rächen, noch nicht ahnend, was für eine Spirale der Gewalt er damit lostreten wird….

 

Auf Blue Ruin bin ich nur zufällig aufmerksam geworden und ich muss sagen: der Film ist ein absoluter Geheimtipp in seinem Genre, ein bemerkenswerter Film, der einiges anders macht als ähnlich ausgerichtete Vertreter des Rachethrillers. Regisseur Jeremy Saulnier erzählt seine Geschichte sehr ruhig und unaufgeregt und legt Blue Ruin viel mehr als Drama denn als Thriller an. Sein Film kommt völlig ohne die sonst üblichen Klischees und Übertreibungen aus, was der Spannung aber überhaupt keinen Abbruch tut. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn Dwight ist ein ganz normaler Typ von der Straße, wie jeder von uns einer sein könnte, er ist kein Ex-Soldat oder Ex-Cop, kein abgebrühter oder harter Kerl, er hat keine Erfahrung mit Waffen oder mit Gewalt, ist niemand der das Kämpfen oder gar Töten mal gelernt hat. Dadurch ist die Distanz des Zuschauers zum Protagonisten viel geringer und ermöglicht mehr Identifikation mit der Hauptfigur. Dwight hat nicht wirklich auch nur einen Hauch von Ahnung, was er da eigentlich genau tut und vor allem wie er es tun sollte, er hat lediglich ein unbedingtes Ziel. Er wirkt planlos und handelt oft unbesonnen und impulsiv, manchmal regelrecht stümperhaft, manchmal instinktiv genau richtig, manchmal hat er einfach nur Glück. Mit dem Umstand, dass Dwight eben kein Profi ist und auch nicht plötzlich zu einem solchen mutiert, wie es in vergleichbaren Filmen ja oft der Fall ist (man denke da nur an den zwar guten, in diesem Punkt aber auch wahnsinnig haarsträubenden Death Sentence mit Kevin Bacon), hält fast schon automatisch auch eine gehörige Portion schwarzer Humor Einzug in den Film, denn unser Held gerät mehr als einmal in geradezu absurd anmutende Situationen in denen gelegentlich sogar ein klein wenig Slapstick aufblitzt. An solchen Stellen erinnert Blue Ruin gerne mal an die Werke der Coen – Brüder, Fargo oder Blood Simple kommen einem da in den Sinn, Durchschnittsmenschen in Extremsituationen. Und während der jeweils sehr kurzen und pointierten Gewaltausbrüche schreckt Saulnier auch vor extrem blutigen Bildern nicht zurück, stellenweise war ich da tatsächlich etwas erstaunt angesichts des Grades der Gewalt, der einem hier gelegentlich kredenzt wird.

 

 

 

„That’s what bullets do.”

 

 

 

Erwähnen muss man auf jeden Fall noch die wirklich herausragende Leistung des zumindest mir bisher völlig unbekannten Macon Blair in der Hauptrolle. Wie er Dwight spielt, das ist zweifellos beeindruckend, lässt er doch unter der wortkargen und beinahe sprachlosen Oberfläche des menschenscheuen Außenseiters immer wieder eine enorme Charaktertiefe aufblitzen, manchmal nur mit einem Blick. Angst, Wut, Schmerz, all die Paletten dieser filmgewordenen Tour de Force beherrscht er absolut überzeugend, viele Worte braucht er nicht, um auszudrücken, was in ihm vorgeht. Das alles in Kombination mit der zurückhaltenden Inszenierung von Saulnier ergibt eine schnörkellose und auf das absolute Minimum reduzierte Filmperle, die vor allem dadurch herausragt, dass sie eben keine Klischees bedient. Blue Ruin ist ruhiges, wendungsreiches, blutiges wie visuell bestechendes Genre-Kino, welches eher von seiner ungewöhnlichen Inszenierung lebt als von der Action. Wie eingangs bereits erwähnt: ein absoluter Geheimtipp und jedem zu empfehlen, der dem Genre Rachetriller/Drama etwas abgewinnen kann und mal einen etwas anderen Film sehen möchte.

 

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