Invasion of the Body Snatchers (1978)

24. März 2018 at 15:00

 

© United Artists

 

 

 

„I keep seeing these people, all recognizing each other. Something is passing between them all, some secret. It’s a conspiracy, I know it.“

 

 

 

Als die Biologin Elizabeth Driscoll eine ihr fremde Blüte findet und mit nach Hause nimmt, ahnt sie noch nicht, was sie sich damit ins Haus geholt hat. Schon bald legt ihr Mann Geoffrey merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag und überhaupt bekommt Elizabeth mehr und mehr den Eindruck, dass etwas ausgesprochen Seltsames in San Francisco vor sich geht. Außer ihrem Freund Matthew Bennell schenkt ihr niemand wirklich Beachtung und bis sie letztlich die Wahrheit aufdecken, ist es beinahe schon zu spät.

 

Ein Remake funktioniert vor allem dann besonders gut, wenn es seine Vorlage so sehr verstanden und verinnerlicht hat, dass es ihm möglich ist, ihr im Kern neue Facetten abzuringen und hinzuzufügen statt blind zu imitieren. Genau das gelingt Regisseur Philip Kaufman mit der zweiten filmischen Adaption des gleichnamigen Romanes von Jack Finney in Bezug auf Don Siegels Invasion of the Body Snatchers (1956) und genau das stellt seinen Film in meinen Augen in eine Reihe mit solch hervorragenden Remakes wie The Thing (1982) von John Carpenter oder The Fly (1986) von David Cronenberg. Jack Finney ist 1955 mit seinem Roman etwas außergewöhnliches gelungen: er hat eine Geschichte erschaffen, welche einen allegorischen Rahmen bietet, der augenscheinlich etwa alle 15 Jahre erneut aufgegriffen wird um gesellschaftliche Zustände der Angst zu thematisieren. Don Siegel griff sofort zu, denn die Geschichte traf ganz wunderbar den Geist jener Zeit und fasste die Angst sowohl vor der kommunistischen Invasion als auch vor der von Paranoia geprägten McCarthy-Ära in passende Bilder – Red Scare, eine Idee, welche in den Science Fiction-Filmen jener Zeit oftmals behandelt wurde. In der Verfilmung von Philip Kaufman rückt die Kommunismus-Metapher dann deutlich in den Hintergrund, das Prinzip jedoch bleibt das gleiche, wenn die Angst vor einer Invasion durch fremde Mächte der Angst vor einem immer weiter voran schreitenden Wandel gesellschaftlicher Strukturen weicht. Immer jedoch ist es das Spiel mit der Angst vor dem Unbekannten im Bekannten – die Angst, die Menschen die wir lieben, könnten urplötzlich über Nacht nicht mehr dieselben sein wie zuvor. Die Angst vor dem Identitätsverlust. Ganz ehrlich? Warum nicht? So verlockend… ein Leben ohne Hass, ohne Wut, ohne Schmerz. Aber eben auch ein Leben ohne Liebe und ohne Freude. Sicherheit im Tausch gegen persönliche Freiheit. Klingt nur allzu bekannt, oder?

 

Invasion of the Body Snatchers ist wahrlich furchterregend geraten, so leise wie sich das nackte Grauen mehr und mehr Bahn bricht. Selten kann ein Film eine solch beklemmende Atmosphäre aus Angst und Paranoia erzeugen und einen grauenvollen Strudel herauf beschwören, welcher sich immer weiter steigert und den Zuschauer nicht mehr loszulassen vermag. Ein eiskalter Griff, der einem die Luft abschnürt. Eine Schlinge um den Hals, die sich stetig zuzieht angesichts der Aussicht auf den Verlust der eigenen Identität. Auf der inszenatorischen Ebene ist das ganz hervorragend gelöst, wenn Kaufman sich allerhand Kniffe bedient, sein gesamtes Repertoire abruft und immer wieder Bilder findet, die geradezu beiläufig im Vorbeigehen oder im Hintergrund von nahendem Schrecken verkünden. Überhaupt ist Invasion of the Body Snatchers toll fotografiert, denn Michael Chapman (Taxi Driver, Raging Bull) nutzt seine Kamera oft ausgesprochen kreativ, lässt sie gern schräge Perspektiven einnehmen und einen Film in der Großstadt schrecklich klaustrophobisch wirken. Dazu gesellt sich ein schräges, manchmal schon beinahe experimentelles Sounddesign dominiert von dumpf verzerrten Ultraschall-Herztönen und geht zusammen mit dem starken Musikeinsatz von Denny Zeitlin eine finstere Verbindung ein. Die vollkommene Stille während des Abspanns steht im starken Kontrast zur letzten Szene und wirkt gerade deswegen ohrenbetäubend laut. Das ganze wird von einem starken Cast rund um Donald Sutherland, der wundervollen Brooke Adams, einem noch recht jungen Jeff Goldblum und Veronica Cartwright abgerundet, doch die Besetzung des Dr. David Kibner mit Leonard Nimoy ist schon ein kleiner Geniestreich. In einer Phase seiner Karriere, in welcher Nimoy sehr bemüht darum war sich von seiner legendären Rolle als Mr. Spock zu lösen, übernimmt er eine Figur, die dem Vulkanier doch sehr ähnelt. Sein Dr. Kibner wirkt sehr distanziert, rational, Vernunft getrieben und deutlich weniger emotional als die anderen und auf dieser Ebene wird dann auch geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt. Dazu haben Kaufman selbst sowie Michael Chapman und Robert Duvall kleine Gastauftritte und sogar Don Siegel und Kevin McCarthy – die Hauptfigur im Film von 1956 – haben kurze Szenen.

 

Invasion of the Body Snatchers ist einer der seltenen Fälle, wo das Remake besser ist als seine Vorlage. Auch die Verfilmungen von Abel Ferrara (1993) und Oliver Hirschbiegel/James McTeigue (2007) erreichen die Qualitäten von Philip Kaufmans Film nicht. Die Angst vor der drohenden Entfremdung unserer Selbst wird hier einfach annähernd perfekt aufgearbeitet und kongenial in Szene gesetzt. Leider erhält Invasion of the Body Snatchers heute nicht immer ganz die Würdigung, welche der Film in meinen Augen verdient hat, gehört er für mich durchaus zu den ganz großen seines Genres jener Zeit.

 

8,5 von 10 fremdartigen Blüten im Schlafzimmer