Kickboxer: Vengeance

1. Januar 2017 at 18:51

 

 

© RLJ Entertainment

 

 

 

Bei einem illegalen Muay Thai-Kampf in Thailand wird der amtierende Karate-Weltmeister Eric Sloane von seinem Gegner Tong Po im Ring getötet. Sein jüngerer Bruder Kurt sinnt auf Rache und fliegt nach Thailand, um sich Tong Po zu stellen. Doch bevor das soweit ist, muss er erst einmal durch das brutale Training des legendären Master Durand, der auch schon Kurts Bruder trainiert hat.

 

Kickboxer: Vengeance von Regisseur John Stockwell ist im Grunde ein 1:1 Remake von Kickboxer (Karate Tiger 3, 1989), damals noch entstanden unter der Regie von Mark Disalle und David Worth und mit Jean Claude Van Damme als Protagonist. Sogar die Namen der Figuren wurden weitestgehend einfach übernommen, nur der damals noch lediglich querschnittsgelähmte Eric wird im Remake für immer auf die Matte geschickt. Der Film kann nicht ganz billig gewesen sein, denn die exotischen Settings in Thailand können sich durchaus sehen lassen, ganz abseits des sonst eher vorherrschenden Osteuropa- und Lagerhausflairs so vieler Direct-to-Video-Produktionen heutiger Tage. Ich muss allerdings zugeben, dass mir der anfängliche Zugang zum Film eher schwer fiel, denn gerade der Einstieg wirkt irgendwie etwas lieblos und unspektakulär. Gepaart mit der nüchternen Schlichtheit eines modernen DTV-Actioners wirkte das doch etwas irritierend auf mich, aber das ändert sich spätestens mit dem Auftauchen von Jean Claude Van Damme als Master Durand, der mit seinem Sonnenbrillen/Hut/offenes Hemd-Look den nicht gerade dezenten Charme eines abgehalfterten Jazz- oder Bluesmusikers verströmt und überraschender Weise nicht nur körperlich sehr gut aufgelegt ist, sondern auch schauspielerisch. Voller Enthusiasmus wirft sich JCVD so sehr in die platten Klischees seiner Figur, dass es eine wahre Freude ist, ihn so aufspielen zu sehen. Wunderbar! Schön auch, dass die Macher von Kickboxer: Vengeance gar nicht erst versuchen, mehr aus der simplen Kampf-Orgie zu machen als das Original hergeben könnte. Nein, man besinnt sich lieber auf das, was der Film zu bieten hatte, nämlich ein schmales und wackeliges Story-Gerüst und knochentrockene Kampfszenen. Und das fast ausschließlich erfahrene Kampfsport-Profis an dem Film beteiligt waren, die ihr Handwerk verstehen, sieht man an den zum Teil spektakulär in Szene gesetzten Fights. Besonders der Hauptdarsteller Alain Moussi, seines Zeichens langjähriger Kampfsportler und Stuntman, zaubert da so manchen Kick aus der Hüfte, dass man an der Schwerkraft zweifeln möchte. Die Action ist vielleicht nicht so virtuos inszeniert wie in Filmen von Isaac Florentine, aber dennoch sehr dynamisch und vor allem immer übersichtlich. Dass Moussi leider abseits seiner Fighting-Skills eher mäßig talentiert ist und noch weniger Charisma an dem Tag legt als einst JCVD, ist bedauerlich, wird aber auch durch den einen oder anderen charmanten Witz und kleine Anspielungen auf das Original überspielt. Ansonsten bietet Kickboxer: Vengeance alles, was den klassischen Kampfsport-Film der 80er Jahre ausmachte: vor allem die obligatorische und auf keinen Fall fehlen dürfende Trainings-Montage-Sequenz inklusive motivierendem Soundtrack weiß hier zu unterhalten. Sogar die herrlich bekloppte Tanzszene darf hier nicht fehlen und wird schön mit dem Original parallel geschnitten. Auch der Ur-Tong Po in Gestalt von Michel Qissi darf kurz auftauchen und für eine kleine humorige Anspielung herhalten. Als Schwachpunkt jedoch empfand ich den finalen Kampf und die Konfrontation mit Tong Po, ist er doch zu langatmig geraten und eher schwach inszeniert. Trotz des Zitierens der berühmten Glasscherben-Szene ist der letzte Fight einfach nicht spektakulär genug, um als abschließender Höhepunkt glänzen zu können, aber das relativiert sich ein wenig, denn Kickboxer: Vengeance hat davor schon einige hervorragende Kampfszenen zu bieten.

 

Alles in allem ist Kickboxer: Vengeance ein zugegeben überraschend gelungener DTV-Streifen geworden, der zumindest Fans des Genre und vor allem des Originals zu unterhalten weiß. Der Film bewegt sich nicht in der Größenordnung eines Ninja: Shadow of a Tear von Isaac Florentine, kann aber trotzdem überwiegend überzeugen. Wenn ich so darüber nachdenke… Scott Adkins in der Hauptrolle hätte mir sehr gut gefallen können.

 

6,5 von 10 Kampfszenen auf den Rücken von Elefanten