Matinee

21. September 2015 at 15:34

 

 

 

Matinee (1993)
Matinee poster Rating: 6.7/10 (6,175 votes)
Director: Joe Dante
Writer: Jerico (story), Charles S. Haas (story), Charles S. Haas (screenplay)
Stars: John Goodman, Cathy Moriarty, Simon Fenton, Omri Katz
Runtime: 99 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Drama
Released: 29 Jan 1993
Plot: A small-time film promoter releases a kitschy horror film during the Cuban Missile Crisis.

 

 

 

„What a perfect time to open a new horror movie. Think of it, my friend. Millions of people looking over their shoulder, waiting for God’s other shoe to drop, never knowing if each kiss, each sunset, each malted milk ball might be their last.”

 

 

 

1962 gastiert der Regisseur und Filmproduzent Lawrence Woolsey während der Kubakrise in Key West, um dort seinen neuesten Horrorfilm einer Testvorführung im örtlichen Kino zu unterziehen. In der Stadt lebt auch der nach Monsterfilmen verrückte Teenager Gene mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Dennis, dessen Vater bei der Navy und Teil der amerikanischen Seeblockade vor Kuba ist. In einer Atmosphäre voller Angst vor Kommunismus und der Atombombe versucht jeder für sich, die alltägliche Normalität aufrecht zu erhalten, und bei Gene ist das dann Eskapismus in Form von Monsterfilmen. Da kommt ihm Woolsey´s neuestes Werk MANT! gerade recht…

 

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich überhaupt anfangen soll, so toll ist dieser Film. Matinee ist ein völlig zu Unrecht eher unbekannter Film von Horror/Comedy-Spezialist Joe Dante, der uns bereits in den 70ern Piranhas bescherte, mit The Howling 1981 seinen ganz eigenen Beitrag zum Werwolf-Genre lieferte, die Gremlins auf uns los ließ, Tom Hanks Teuflische Nachbarn präsentierte und Dennis Quaid per miniaturisiertem U-Boot in den Körper von Martin Short schickte. Der Film ist eine wundervoll charmante Mischung aus Parodie, Hommage und Verbeugung vor den B-Movies der 50er und 60er Jahre, voller Nostalgie und beißender Satire und mit ganz viel Liebe zum Detail ausgestattet. John Goodman´s Lawrence Woolsey ist eine Mischung aus Ed Wood, Jack Arnold, Roger Corman und William Castle, ein mit regelrecht kindlicher Begeisterung und Naivität agierender Filmemacher, der ein billiges B-Movie nach dem anderen auf die Leinwand bringt und auch vor zahlreichen Gimmicks im Kinosaal nicht zurückschreckt. Stromschläge für das Publikum an den richtigen Stellen, vibrierende Sitze, Nebelwerfer oder kostümierte Schauspieler während der Vorstellung, egal, hauptsache, der Zuschauer hat Angst, wird erschreckt und überrascht und will am Ende den Film nochmal sehen. Joe Dante integriert diese Gimmicks teilweise so elegant in seinem Film, dass das schon eine Metaebene bedient, die man so erstmal finden muss, und manchmal sogar die vierte Wand durchbrochen wird. Es ist wirklich spannend mit anzusehen, wie das alles fein miteinander verwoben wird.

 

 

 

„You make the teeth as big as you want, then you kill it off, everything’s okay, the lights come up…”

 

 

 

Ähnlich verhält es sich dann auch mit MANT!, dem Film im Film, wenn man so will. Bis ins kleinste Detail ist hier alles ausgearbeitet und liebevoll umgesetzt, vom Film selbst über die Trailer bis hin zum Marketing mit Plakaten und allem nur erdenklichen Firlefanz. MANT! – Half man, half ant – all terror! Noch größer wurde dann meine Entzückung, als ich feststellen dufte, dass der aktuell neu aufgelegten Bluray des Films dann sogar MANT! vollständig als 16 minütiger Kurzfilm inklusive der Trailer beiliegt. Ein wundervolles Detail, das mein Nerdherz dann nur noch mehr glühen lässt. Und man muss durchaus sagen, dass Joe Dante in Woolsey´s MANT! fast ebenso viel Arbeit und Aufwand steckt wie auch in seinen eigentlich Hauptfilm. MANT! spiegelt dann auch gekonnt eben jene Ängste der Menschen vor der Atombombe und ihr Unwissen wieder, die das Land zur Zeit der Kubakrise und darüber hinaus beherrschten, wird der Protagonist doch verstrahlt und mutiert in Folge dessen immer mehr zu einer riesigen Ameise. Ein ganz klassisches Leitmotiv sehr vieler Monsterfilme jener Zeit, das Kino ist eben auch immer ein Abbild aktueller Ereignisse und der Erfahrungswelten seiner Besucher.

 

Matinee ist eine gekonnte und trickreiche Verschmelzung  der eskapistischen Wirkung des Kinos mit einer politischen Realität, die das amerikanische Volk zur Zeit der Kubakrise in einen lähmenden Zustand  regelrechter Todesangst versetzte. Joe Dante spielt hier mit der Wechselwirkung zwischen fiktionalem und wahrhaftigen Horror und entwickelt in diesem Spannungsfeld eine rundum gelungene Hommage an das Kino der 50er und 60er Jahre mit all seinen B-Movies, voller Liebe zum Detail, die sich irgendwie auch als Plädoyer für kindliche Unschuld im Zeitalter der Angst versteht. So ist es doch eben jener Eskapismus, der viel von unserer Begeisterung für Filme und das Kino ausmacht, die Möglichkeit, für einen kurzen Moment unserem Alltag zu entfliehen, egal, ob nun mit MANT!, Matinee oder welchem Film auch immer, der uns das ermöglicht. So betrachtet ist Joe Dante´s Film eine riesige und wundervolle Liebeserklärung an das Kino selbst und die Macht der bewegten Bilder. In diesem Sinne… watch out for MANT! Half man, half ant – all terror! Bald auch in Ihrem Kino… in Atomo Vision und Rumble-Rama!

 

9 von 10 billigen Schockeffekten