Mid90s (2019)

19. Mai 2019 at 17:29

 

 

© A24/Quelle: IMDb

 

 

 

That’s why we ride a piece of wood, like, what that does to somebody’s spirit.“

 

 

 

Der dreizehnjährige Stevie hat es nicht immer leicht. Die Mutter ist alleinerziehend, der ältere Bruder verprügelt ihn regelmäßig und Freunde hat er auch nicht so richtig. Auf der Suche nach Rückhalt lernt er eine kleine Gruppe älterer Skater kennen, die ihn schließlich in ihren Kreis aufnehmen. Zum ersten Mal erfährt Stevie richtigen Zusammenhalt, muss aber auch erkennen, dass es so mancher weit schwerer im Leben hat als er.

 

Fall. Get back up. Mid90s ist nicht nur das enorm selbstbewusste Regiedebüt von Jonah Hill, sondern vor allem auch ein ganz wundervolles Coming of Age-Drama und eine melancholische Liebeserklärung an eine seltsam orientierungslose Lebensphase. Dabei skizziert Hill mit viel Feingefühl und einem guten Auge fürs Detail ein ungemein authentisches Bild einer ganzen Szene und noch nie zuvor wurde dieses ganz bestimmte Lebensgefühl des Skatens so gut eingefangen. Die Entscheidung, auf 16mm Filmmaterial und im 4:3 Format zu drehen beschwört nur zusätzlich diesen ganz besonderen Zeitgeist. Man spürt deutlich, dass ihm Mid90s, wenn schon nicht autobiografisch geprägt, zumindest ein persönliches Anliegen ist und er eigene Erinnerungen mit einwebt. Zwar ist der Film weniger Plot getrieben und mehr eine Ansammlung von Momentaufnahmen, doch diese wissen aufrichtig zu bewegen ohne sich künstlich aufzubauschen.

 

Auch, weil der Cast rund um Sunny Suljic famos ausfällt und sich überwiegend aus Teenagern ohne große Schauspielerfahrung zusammensetzt, auf die Hill in Skateparks stieß. Unzählige Momente in diesem Film kenne ich selbst nur zu gut und kann sie zu 100 Prozent nachvollziehen: die Art der Ersatzfamilie, der Skateshop, die Videos, die Stürze, das wieder Aufstehen, das zusammen Abhängen, der erste gemeisterte Trick, das alles war auch Teil meiner Jugend. Es gibt eine geradezu magische Szene, in der Stevie sein erstes richtiges Board bekommt, und Hill zelebriert diesen Moment regelrecht, nimmt sich ganz bewusst die Zeit, das auszukosten. Wundervoll! Mid90s atmet und man spürt immerzu diese unbändige Liebe aller Beteiligten. Hill erschafft eine ungezwungene und authentische Atmosphäre voller Gefühl und Verstand ohne sich plakativ anbiedern zu müssen, weit weg von dieser oftmals erdrückenden Retromanie diverser Filme und Serien der letzten Jahre. Sein Film ist eben nicht museal angestaubt, sondern viel mehr frisch und aufrichtig in jeder einzelnen seiner rund 85 Minuten Laufzeit. Für mich ohne jeden Zweifel einer der schönsten Filme bisher in diesem Jahr.

 

8,5 von 10 Mal auf die Nase fallen und genauso oft wieder aufstehen