Run All Night

4. Oktober 2015 at 15:25

 

 

 

Run All Night (2015)
Run All Night poster Rating: 6.6/10 (55,312 votes)
Director: Jaume Collet-Serra
Writer: Brad Ingelsby
Stars: Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Boyd Holbrook
Runtime: 114 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 13 Mar 2015
Plot: Mobster and hit man Jimmy Conlon has one night to figure out where his loyalties lie: with his estranged son, Mike, whose life is in danger, or his longtime best friend, mob boss Shawn Maguire, who wants Mike to pay for the death of his own son.

 

 

 

„I’ve done terrible things in my life. Things for which I can never be forgiven. I betrayed friends, turned my back on the ones closest to me. I’ve always known that my sins would eventually catch up to me. No sin goes unpunished in this life.“

 

 

 

Einst war Jimmy Conlon ein berüchtigter und gefürchteter Profikiller und arbeitete für den irischen Gangsterboss Shawn Maguire, inzwischen jedoch ist der abgewrackte Alkoholiker mehr Lachnummer als Legende. Einzig seine immer noch währende Freundschaft zum Boss Maguire ist es, die Jimmy noch über Wasser hält, denn von seiner eigenen Familie hat er sich schon längst abgewendet. Als Jimmy Maguire´s Sohn erschießen muss, um seinen eigenen Sohn Mike zu beschützen, wird die Freundschaft der beiden Männer jedoch auf eine harte Bewährungsprobe gestellt, denn Maguire will Rache und Mike tot sehen. Jimmy muss sich nun entscheiden auf welcher Seite er letztlich steht und will seinen Sohn um jeden Preis schützen. Allen steht eine sehr lange Nacht bevor…

 

Run All Night ist nach Unknown Identity und Non-Stop nun schon die dritte Zusammenarbeit zwischen dem spanischen Regisseur Jaume Collet-Serra und dem spät zum Actionstar avancierten Liam Neeson und es ist ohne jeden Zweifel ihr stärkster und schlüssigster Film. Wo Unknown Identity und Non-Stop auf hakenschlagende Stories und überraschende Wendungen setzen, ist Run All Night ein beinahe schon klassisch geradlinig inszenierter Actionthriller, ein bisschen altmodisch vielleicht, was dem Film aber gut steht, schnörkellos und weitestgehend ohne Kompromisse. Die Geschichte selbst bietet zwar nichts neues und viel altbekanntes, aber vor allem die beiden starken Hauptdarsteller Liam Neeson und Ed Harris wissen das mühelos auszugleichen. Collet-Serra inszeniert sein urbanes Gangsterszenario rasant genug, um immer mitreißend zu sein, weiß sehr wohl Spannung aufzubauen und beweist ein starkes Gespür für Dramaturgie. Wie gesagt, große Überraschungen bleiben aus, das macht aber nichts, wenn die Atmosphäre so dicht ist wie hier und das nächtliche New York in solch präzise Bilder eingefangen wird. So verzichtet Collet-Serra bis auf die GoogleMaps-artigen Ausflüge durch die Topographie der Stadt überwiegend auf inszenatorische Spielereien und konzentriert sich lieber auf seine Figuren und deren Konstellationen untereinander, denn genau dieses sind es auch, welche die Geschichte spannend halten, ausmachen und zu tragen wissen.

 

Liam Neesons Jimmy Conlon ist zwar auch nur eine weitere Variation seiner letzten paar Leinwandinkarnationen als charismatisches Raubein, aber diese Rolle versteht er nach wie vor gekonnt auszufüllen. Verzweifelt und traumatisiert durch seine Vergangenheit, versoffen und gebrochen, getrennt von denen, die er liebt und die nichts mehr von ihm wissen wollen. So begreift er diese eine Nacht auf der Flucht mit seinem Sohn auch als vielleicht letzte Möglichkeit auf so etwas wie Wiedergutmachung und versucht, zum ersten Mal seit langer Zeit eine Sache nicht völlig zu verbocken. Der Ausgang dieser Nacht ist zwar schnell ersichtlich, aber das schmälert keinesfalls den Unterhaltungswert dieser Reise, die Conlon antreten muss auf seiner Suche nach Vergebung. Ed Harris hingegen als Gegenpart verleiht seinem Shawn Maguire eine geradezu bestechende Präsenz auf der Leinwand. Ohnehin ein Schauspieler, den ich sehr schätze und immer gerne sehe, beweist er in der Rolle des irischen Gangsterbosses erneut sein Können, einerseits mit sehr menschlichen Zügen ausgestattet, andererseits oft aber auch nicht weniger unbarmherzig bei seiner Jagd nach Jimmy und Mike Conlon. Eines der Highlights in der Dramaturgie von Run All Night ist dann auch ein persönliches Aufeinandertreffen der beiden Männer in einem Restaurant, wie sie sich beide dort gegenüber sitzen und in die Augen schauen, das ist spannender als die meisten Actionszenen im Film, und erinnert ganz unweigerlich an die berühmte Cafe-Szene mit Robert De Niro und Al Pacino im in jeglicher Hinsicht überragenden Heat, auch wenn dessen Qualität zu keiner Sekunde erreicht wird. Ein weiteres Aufeinandertreffen von Conlon und Maguire verläuft beinahe ebenso ruhig, geradezu leise, nachts zwischen stillstehenden Güterzügen, und verleiht dem Ganzen eine beinahe schon philosophische Note. Überhaupt wohnt dieser Figurenkonstellation eine tiefgreifende Tragik inne, ist ihre langjährige Freundschaft doch von großem gegenseitigen Respekt geprägt, verläuft aber dennoch aufgrund der Ereignisse und eines beide Männer bestimmenden Ehrenkodex zwangsläufig verhängnisvoll. Dass angesichts zweier solch wuchtigen Hauptfiguren und ihrer Verbindung miteinander der Rest des Cast vergleichsweise holzschnittartig und blaß bleibt, ist nicht weiter verwunderlich und wirkt sich nie wirklich störend aus.

 

Run All Night ist trotz eines bekannten Plots überraschend intensiv geraten, was vor allem an den beiden starken Hauptdarstellern und deren Zusammenspiel liegt, die mit ihrer Performance die eher mittelmäßige und überraschungsarme Story deutlich aufwerten. Collet-Serra inszeniert seine dritte Zusammenarbeit mit Liam Neeson grundsolide, temporeich und schnörkellos und trotz der Laufzeit von 114 Minuten und einigen durchaus ruhigeren Momenten ist die Dramaturgie der Geschichte so gut ausbalanciert, dass es nie droht langweilig zu werden.

 

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