Squirm (1976)

18. Dezember 2018 at 19:30

 

 

© American International Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

You gonna be da‘ worm face!“

 

 

 

Ein schwerer Gewittersturm bringt im beschaulichen Südstaaten-Kaff Fly Creek einen Hochspannungsmast zu Fall, der dann das matschige Sumpfland dauerhaft unter Starkstrom setzt. Das hat zum Ergebnis, dass die hiesigen Blutwürmer fortan durchdrehen und beginnen, Menschen zu attackieren. Ausgerechnet der Städter Mick versucht nun mit der Hilfe seiner einheimischen Freundin Geri dem schleimigen Treiben auf den Grund zu gehen.

 

Squirm ist vielleicht eines der absurdesten Creature Features, aber auch eines der schönsten, denn trotz seiner zweifellos bescheuerten Prämisse orientiert sich der Film von Regisseur Jeff Lieberman (Blue Sunshine, Just Before Dawn) in seiner narrativen Struktur sehr nah am erzählerischen Korsett des Tierhorrors und bedient sich einer zwar langsamen, aber stetig zunehmenden Spirale der Eskalation, welche sich dann im letzten Drittel vollends Bahn bricht. Lieberman lässt sich zwar recht viel Zeit für Stimmung, Figuren und das herrliche Südstaaten-Hinterland-Setting, doch das kommt Squirm nur zu Gute, wenn der Film seine absurde Grundidee angenehm ernst und ohne lästig ironisches Augenzwinkern verkauft. Überhaupt ist Squirm überraschend clever geschrieben, wenn sich zumindest die beiden Hauptfiguren nie absichtlich dumm stellen müssen, bloß um die Story auf Biegen und Brechen voran zu treiben.

 

Mick und Geri sind erstaunlich nachvollziehbare und glaubwürdige Figuren frei von den sonst so typischen Klischees und nicht selten unterläuft das Drehbuch geschickt die Erwartungshaltung des Zuschauers, wenn vermeintlich etablierte Genre-Mechanismen unterwandert oder gar gleich einfach unterlassen werden. Dazu wartet Squirm mit für seine Zeit gelungenen Effekten aus der Ideenschmiede eines noch jungen Rick Baker (American Werewolf, Videodrome) auf und schneidet die wenigen Ekel-Szenen geschickt immer wieder mit Mikrokosmos-artigen Close Ups der Würmer gegen. So gerät Squirm auf eine unterschwellige Art und Weise unangenehm statt explizit zu sein und kriecht buchstäblich unter die Haut, ohne allzu viel zeigen zu müssen. Lieberman erschafft hier clever aufgebautes wie gleichermaßen herrlich absurdes Außenseiter-Kino, dem man zwar sein Alter durchaus anzusehen vermag, das aber auch immer noch zu unterhalten weiß und mein Genre-Herz wild schlagen lässt.

 

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